Krebsregister Bayern (Allgemein)

RDW ⌂ @, Samstag, 31.07.2010, 18:35 (vor 3461 Tagen)

Es gibt ja genug "warnende" Stimmen, die von einer dramatischen Krebsgefahr durch Mobilfunk warnen. Eine dieser Gefahren soll ja auch der Gehirntumor sein; es gab sogar Gerichtsprozesse dazu, teils zu jahrealten Fällen wie etwa letzthin in Italien.
Und da sich der Mobilfunk die letzten Jahre so sehr verbreitet hat, müsste doch irgendwann auch einmal ein tatsächlicher Anstieg der Erkrankungsraten zu sehen sein. Ja, müsste...., wenn....
Doch was zeigt ein Blick in das Bayerische Krebsregister für die Jahre 2002 - 2007 für die alterstandardisierte Inzidenz (Siehe Link unten)?

2002: 7,4
2003: 7,3
2004: 6,9
2005: 7,0
2006: 6,2
2007: 6,1

Wie kann man als Mobilfunkkritiker diese Daten interpretieren? Wohl am besten durch Ignoranz, wie gewohnt.
Oder man frägt bei Prof. Frentzel-Beyme nach, der hat z. B. in diesem Artikel gezeigt, wie man das macht: Durch geschickte Selektion von Zeiträumen und Verwendung von Fallzahlen statt der Inzidenz.

Dazu passend auch diese Studie, Mobilfunkkritiker werden unter den neueren natürlich nur diese kennen wollen.

RDW

P.S.: Der Link nach Bayern:
http://www.ekr.med.uni-erlangen.de/PHP/Abfrage_D.php?Region=09000000&Diag_group[]=C70-C72&Method=INCIDENCE_EU&Year_from=2002&Year_to=2007&Age_group=on

Tags:
Gehirntumor, Krebsregister, Frentzel-Beyme, Krebsgefahr

Krebsregister Bayern - EMF-Alarm abgesagt

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.08.2010, 00:55 (vor 3461 Tagen) @ RDW

Oder man frägt bei Prof. Frentzel-Beyme nach, der hat z. B. in diesem Artikel gezeigt, wie man das macht: Durch geschickte Selektion von Zeiträumen und Verwendung von Fallzahlen statt der Inzidenz.

Ich habe noch einen dritten Weg gefunden :yes:.

Wenn man in Ihrer Datenbankabfrage mal die ganz alten Herrschaften ab 75 Jahre weglässt dann bleibt nur eine einzige Altersgruppe übrig, bei der die Inzidenzrate 2007 höher ist als 2002, und das sind die 25- bis 30-Jährigen. Bei denen stieg die Inzidenzrate von 2,3 (2002) auf 4,7 (2007). Sie hat sich damit mehr als Verdoppelt, in Prozent ausgedrückt beträgt der Anstieg mehr als 204 %. Damit ließe sich eigentlich prima Wind machen und vorzüglich Alarm schlagen ...

... wären da nicht so "unschöne" Effekte, dass die Inzidenzrate der Altersgruppe im Jahr 2006 mit 1,6 deutlich unter der des Jahres 2002 gelegen hat und ganz allg. bei allen Altersgruppen, die schon mit dem Handy aufgewachsen sind, die Inzidenzrate von 2002 bis 2007 nicht etwa steigt, sondern fällt.

Die ungewöhnlich geringe Inzidenzrate von 1,6 im Jahr 2006 deutet auf ein sogenanntes "Under Reporting" hin, also darauf, dass, warum auch immer (z.B. Personalmangel), im Jahr 2006 aufgetretene Fälle nicht gemeldet wurden. So eine Verzögerung wird oft durch Nachholen der versäumten Meldungen in den Folgejahren korrigiert, was in den Folgejahren jedoch zu einer künstlichen Überhöhung der Inzidenzrate führt. Die sprunghafte Zunahme von 1,6 (2006) auf 4,7 (2007) ließe sich auf diese Weise plausibel erklären.

Für Mitleser: Die Zahlenwerte nennen die (altersbereinigte) Anzahl der Tumorneuerkrankungen bezogen auf 100'000 Einwohner. 2,3 bedeutet also, dass im Jahr 2002 pro 100'000 Bayern nur 2,3 Personen die (seltene) Diagnose C70-C72 erhielten (Tumor des Gehirns oder Nervensystems). Altersbereinigt bedeutet, dass der einen Vergleich über die Jahre hinweg verzerrende wachsende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung rechnerisch eliminiert wurde.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krebsregister, Umwelt-Medizin-Gesellschaft, Netzwerk, Frentzel-Beyme, Verbandszeitschrift, Inzidenzrate

Die Tricks von Prof. Frentzel-Beyme

RDW ⌂ @, Sonntag, 01.08.2010, 08:54 (vor 3460 Tagen) @ H. Lamarr

Oder man frägt bei Prof. Frentzel-Beyme nach, der hat z. B. in diesem Artikel gezeigt, wie man das macht: Durch geschickte Selektion von Zeiträumen und Verwendung von Fallzahlen statt der Inzidenz.

Ich habe noch einen dritten Weg gefunden :yes:.

Wenn man in Ihrer Datenbankabfrage mal die ganz alten Herrschaften ab 75 Jahre weglässt dann bleibt nur eine einzige Altersgruppe übrig, bei der die Inzidenzrate 2007 höher ist als 2002, und das sind die 25- bis 30-Jährigen. Bei denen stieg die Inzidenzrate von 2,3 (2002) auf 4,7 (2007). Sie hat sich damit mehr als Verdoppelt, in Prozent ausgedrückt beträgt der Anstieg mehr als 204 %. Damit ließe sich eigentlich prima Wind machen und vorzüglich Alarm schlagen ...

... wären da nicht so "unschöne" Effekte, dass die Inzidenzrate der Altersgruppe im Jahr 2006 mit 1,6 deutlich unter der des Jahres 2002 gelegen hat und ganz allg. bei allen Altersgruppen, die schon mit dem Handy aufgewachsen sind, die Inzidenzrate von 2002 bis 2007 nicht etwa steigt, sondern fällt.

Diesen "dritten Weg" kannte und nutzte natürlich auch Prof. Frentzel-Beyme. Schreibt er doch in seinem Beitrag:
"In der Schweiz wurde seit 1969 bis 2002 eine signifikante Zunahme der Sterblichkeit an Hirntumoren von 3,7/ 100.000 auf 6,7/ 100.000 ei Männern festgestellt (RÖÖSLI et al. 2007)"
Und das steht im Original:
"Time trend analysis of the cancer mortality data from 1969 to 2002 showed generally increasing rates between 1969 and 1987 in most age groups. From 1987 onwards, the period of uptake in mobile phone usage in Switzerland,
increase in the brain tumour mortality rates was restricted to age groups greater than 60 years. Among the under 60-year-olds, the rates remained fairly stable."

Aber um seinen trickreichen Umgang mit Statistiken als Stütze seiner Mobilfunkkritik zu verdeutlichen, sollte man seine folgende Aussage einmal mit der zugehörigen Grafik aus dem Krebsatlas vergleichen:
"Als Mitautor der ersten beiden Auflagen des Krebsatlas musste ich diese Aussage anzweifeln, da sich seit 1995 ein deutlicher Anstieg von zuvor nur 2-3/100.000 Todesfällen an einem Hirntumor in der ehemaligen Bundesrepublik seit 1995 ein geradezu rasanter Anstieg bis auf das doppelte bei Männern und Frauen ergeben hat,..."
[image]
So versteht man, warum sich jemand im Jahr 2007 ausgerechnet auf das Jahr 1995 bezieht, wenn er dem Leser mit ansteigenden Krebsinzidenzen Angst machen möchte. Nur was das, besonders angesichts der von ihm verschwiegenen Inzidenzentwicklung danach, mit dem Mobilfunk zu tun haben soll, das wird sein Geheimnis bleiben.

Daher:
Prüfen Sie ALLES bei Primärquellen nach, was Ihnen von Mobilfunkkritikern aufbereitet vorgesetzt wird,
auch (bzw. gerade) wenn sie einen Dr. oder Prof. vor dem Namen haben.

Sie werden oft genug feststellen, dass vieles ganz anders, manchmal sogar umgekehrt ist, als man Ihnen glauben machen möchte.

RDW

Tags:
Manipulation, Umwelt-Medizin-Gesellschaft, Sterblichkeit, Trick, Frentzel-Beyme, Verbandsarbeit, Inzidenzrate, Pulp-Magazin

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