Belgien sagt "Nein" zu Mobiltelefonen für Kinder (Allgemein)

Doris @, Mittwoch, 19.11.2008, 23:48 (vor 4036 Tagen)

Belgischer Minister: Nein zu Handys für Kinder
18.11.2008

Magnette sagt „nein“ zu Mobiltelefonen für Kinder

Der für den Konsumentenschutz verantwortliche belgische Minister Paul Magnette, will die Vermarktung von Mobiltelefonen, die für Kinder bestimmt sind, nicht genehmigen.
Quelle: Les Soir, 04.11.08
Deutsche Übersetzung. Evi Gaigg, Diagnose-Funk

Der für den Konsumentenschutz verantwortliche Minister, Paul Magnette, will die Genehmigung für die Vermarktung von Mobiltelefonen, die für Kinder gedacht sind, in Belgien nicht erteilen. Im Dienstagsmeeting der Commission de la Chambre hat die MP Valérie Décom (Sozialistin) gemäss zuverlässiger Pressemeldungen, ausgeführt, dass Disney und Belgacom vorhaben, in Belgien ein exklusiv für Kinder bestimmtes Handy einzuführen. Das offensichtlich speziell für sehr junge Kinder entwickelte Telefon, ist sehr bunt und hat 3 oder 4 Tasten, die mit Nummern verbunden sind, die die Eltern vorwählen können. Das hauptsächliche Verkaufsargument für ein Telefon dieses Typs ist die Sicherheit: Wo immer sich das Kind befindet, können es die Eltern anrufen und umgekehrt. Eine Rückfrage bei der MP hat ergeben, dass es im Jahr 2004 bereits eine Kontroverse durch ein ähnliches Produkt, genannt „Mymo“ gegeben hat, aber es ging in Ermangelung eines vertrauenswürdigen Herstellers nicht in Produktion.

„Ist es nicht diese Art von technischer Spielerei die deren Vermarktung als Ziel über den Schutz des Lebens von Kindern stellt? Sollten wir sie nicht vor dieser Art von Kommerz schützen?“ fragte sie. Der verantwortliche Gesundheitsminister Paul Magnette (Sozialist) stimmt mit dieser Sichtweise überein. Zusätzlich zu diesem ethischen Problem, hob er auch das gesundheitliche Risiko hervor. Wie er erklärte „Mit diesem Typ von Telefon können Kinder mechanischen Gefahren oder Strahlungsrisiken ausgesetzt werden. Tatsächlich anerkennen alle Wissenschaftler, dass es nötig ist, die Exposition durch zunehmende kumulative Strahlung zu begrenzen, sogar wenn darüber noch nicht viel bekannt ist, wie empfindlich sie auf Strahlung reagieren.“
Es sei denn, die Hersteller dieser Telefone könnten genügend Beweise dafür liefern, dass diese sicher sind. M. Magnette will ihren Verkauf im Hinblick auf das Vorsorgeprinzip nicht genehmigen. (Belga)

Tags:
Belgien, Kinderhandy

Das "Ja" wird wohl nicht lange auf sich warten lassen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 20.11.2008, 00:23 (vor 4036 Tagen) @ Doris

Eine Rückfrage bei der MP hat ergeben, dass es im Jahr 2004 bereits eine Kontroverse durch ein ähnliches Produkt, genannt „Mymo“ gegeben hat, aber es ging in Ermangelung eines vertrauenswürdigen Herstellers nicht in Produktion.

Falsch, diese Behauptung ist blanker Unsinn. Mymo ist selbstverständlich in Produktion gegangen. Sowas ärgert mich, eine einzige Google-Suchanfrage hätte hier Klarheit bringen können, so aber wird stumpfsinnig Unsinn in die Welt gesetzt und dieser dann auch noch übersetzt, wodurch er aber keinen Deut besser wird.

Mit diesem Typ von Telefon können Kinder mechanischen Gefahren oder Strahlungsrisiken ausgesetzt werden.

Was mich bei solchen Meldungen generell stört ist das Weglassen des Links zur Quelle. Angeblich soll die belgische Nachrichtenagentur diese Meldung verbreitet haben. Dort konnte ich jedoch nichts finden. Ich wollte nur nachschauen, was es mit den seltsamen "mechanischen Gefahren" auf sich hat, die sich ja nun nicht gerade vernünftig lesen. Tatsächlich habe ich dann etliche Fundstellen gehabt, die sich freilich allesamt auf die französische Bürgerwelle Next up bezogen haben. Damit hat diese Meldung für mich zunächst mal das Gewicht eines gefüllten Heliumballons, zumal das, was der Herr Minister da gesagt haben soll, ziemlich ausgebufft ist, denn er denke wohl den Verkauf der Kinderhandys nicht zu genehmigen ...

... es sei denn, die Hersteller dieser Telefone könnten genügend Beweise dafür liefern, dass diese sicher sind.

Damit hat der schlaue Minister Rabazz gemacht und die Kapitulationserklärung, die ihm den Rückzug ermöglicht, gleich mit eingebaut.

Also, Herr Minister, da wir davon ausgehen können, dass auch diese Handys die Auflagen der EU einhalten und mit Sicherheit SAR-Werte weit unter 2 W/kg haben, können Sie - meiner Meinung nach - eigentlich jetzt schon einpacken, weil es für ein Verkaufsverbot schlicht keine Rechtsgrundlage gibt. Ihre Forderung lässt sich von den beiden Handyanbietern also mühelos erfüllen.

Nicht dass ich es nicht gut fände, Kinder von Handys fernzuhalten, aber mit seiner gelinde gesagt schwachen da an Willkür grenzenden Begründung wird Magnette aller Voraussicht nach bald Ja zu Kinderhandys sagen müssen, ob er will oder nicht. Würde mich sehr wundern, wenn's anders käme. Das ganze erinnert mich an die Aufregung anlässlich der kürzlich hochgespielten Geschichte aus Frankreich, bei der ein Amtsrichter den Abbau einer Mobilfunkantenne anordnete.

Wir werden sehen was draus wird, charles, Sie sitzen doch direkt vor Ort und könnten die Geschichte ja vielleicht mal etwas länger verfolgen.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Das "Ja" wird wohl nicht lange auf sich warten lassen

michael, Donnerstag, 20.11.2008, 07:36 (vor 4036 Tagen) @ H. Lamarr

Also, Herr Minister, da wir davon ausgehen können, dass auch diese Handys die Auflagen der EU einhalten und mit Sicherheit SAR-Werte weit unter 2 W/kg haben, können Sie - meiner Meinung nach - eigentlich jetzt schon einpacken, weil es für ein Verkaufsverbot schlicht keine Rechtsgrundlage gibt. Ihre Forderung lässt sich von den beiden Handyanbietern also mühelos erfüllen.

Woher nehmen sie eigentlich die Gewissheit, dass allein die Einhaltung des SAR Wertes Beweis für eine gesundheitliche Unbedenklichkeit ist?

Da sie ja nichts mehr gegen Masten haben und nur noch die Handys die bösen sind, wundert mich ihre Meinung umsomehr.

Ihre Seite heißt immer noch, IZ (g) MF.

Ich verstehe hier den Sinn des "g" schon lange nicht mehr.

Michael

Das "Ja" wird wohl nicht lange auf sich warten lassen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 20.11.2008, 11:24 (vor 4036 Tagen) @ michael

Woher nehmen sie eigentlich die Gewissheit, dass allein die Einhaltung des SAR Wertes Beweis für eine gesundheitliche Unbedenklichkeit ist?

Ich habe hier nicht meine persönliche Meinung über die Aussagekraft des SAR-Werts geäußert, sondern die EU-Empfehlung als Maßstab für den Einwand des Ministers genommen. Dieser Wert ist rechtsverbindlich, was drunter ist, ist zulässig, ob Ihnen oder dem Minister dies gefällt oder nicht. Aus meiner Sicht ist der Vorstoß in Belgien deshalb eine vom Start weg zum Scheitern verurteilte PR-Nummer, der Herr Minister wollte wohl auf Anraten eines Schlaumeiers nur ein bisschen parteipolitisch trommeln. Damit aber werden wieder einmal nur falsche Hoffnungen geweckt, die von entsprechenden Webseiten auch fleißig verbreitet werden. Das Problem dabei ist: Sollte der Belgier einen Rückzieher machen, was ich für fast zwangsläufig halte, dann wird darüber (bewusst) nicht mehr berichtet und es bleiben irreführende Halbwahrheiten auf den Seiten stehen. Selbst das wäre nun kein Problem, wenn es nicht so viele davon gäbe ...

Ihre Seite heißt immer noch, IZ (g) MF.

Ich verstehe hier den Sinn des "g" schon lange nicht mehr.

Das "g" hat seinen ursprünglichen Sinn (gegen) bei uns im Grunde schon nach zwei Jahren verloren. Wir sind anfangs den "Strippenziehern" der Szene, also den Desinformanten, voll auf den Leim gegangen. Inzwischen tun wir das nicht mehr und wir suchen, wir hier im Forum bereits geschrieben, nach einer passenden Neuinterpretation des Akronyms IZGMF. Allerdings nicht mit Macht, gut Ding will Weile haben. Als Kritiker sehen wir uns noch immer, unsere Liste konkreter Forderungen kann sich mMn durchaus sehen lassen, die Trampelpfade der herkömmlichen Mobilfunkkritik durch Sendemastengegner sind aus unserer Sicht jedoch Irrwege. Und wenn ich die letzten Jahre des Erreichten Revue passieren lasse, dann ziehe ich die Relativierung "aus unserer Sicht" ersatzlos zurück.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, Politik, Desinformation, Strippenzieher

@charles: Magnette hui oder pfui

H. Lamarr @, München, Montag, 19.01.2009, 20:29 (vor 3975 Tagen) @ Doris

Magnette sagt „nein“ zu Mobiltelefonen für Kinder

Da nicht damit zu rechnen ist, dass Evi Gaigg auch die ernüchternde Meldung übersetzt, der Herr Minister habe seinen Vorstoß zu Grabe getragen, frage ich Sie charles, als den Mann vor Ort:

Was ist denn nun aus dem geplanten Verbot geworden?

Ich hoffe Sie können dies der Sprache wegen leichter recherchieren als ich hier.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

@charles: Magnette hui oder pfui

charles ⌂ @, Montag, 19.01.2009, 21:10 (vor 3975 Tagen) @ H. Lamarr

Magnette sagt „nein“ zu Mobiltelefonen für Kinder


Da nicht damit zu rechnen ist, dass Evi Gaigg auch die ernüchternde Meldung übersetzt, der Herr Minister habe seinen Vorstoß zu Grabe getragen, frage ich Sie charles, als den Mann vor Ort:

Was ist denn nun aus dem geplanten Verbot geworden?

Ich hoffe Sie können dies der Sprache wegen leichter recherchieren als ich hier.

Sofern mir bekannt bekommen diese spezielle Kinderhandys kein Erlaubnis um in Belgien verkauft zu werden.

--
Charles Claessens
www.milieuziektes.nl

Disney Mobile ist eine Karteileiche

H. Lamarr @, München, Montag, 19.01.2009, 22:43 (vor 3975 Tagen) @ charles

Sofern mir bekannt bekommen diese spezielle Kinderhandys kein Erlaubnis um in Belgien verkauft zu werden.

Danke charles!

So langsam beschleicht mich bei dieser Geschichte das bekannte Treibsandgefühl.

1) Disney hat Ende 2007 seine Mobilfunkaktivitäten (Disney Mobile und Mobile ESPN) nach nur einem Jahr am Markt wegen Erfolglosigkeit eingestellt.

2) In Deutschland dürfen Kinderhandys ohne jede Reglementierung verkauft werden, Disney ist jedoch auch hier nicht mit einem Handy präsent, obwohl Deutschland der weit größere Markt wäre.

3) Wenn es das Verbot für Kinderhandys in Belgien tatsächlich gibt, dann dürfte es dieses Angebot bei eBay-Belgien, mit dem das Verbot ausgehebelt wird, eigentlich nicht geben.

Hat uns da Next-up ein X für ein U vorgemacht? Sicherheitshalber habe ich jetzt mal direkt bei Belgacom angefragt, was die dazu sagen. Sollte Antwort kommen, stelle ich diese hier im Stang ein.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kinderhandy, Treibsand

Die unendliche Geschichte: Belgien & Kinder & Handys

H. Lamarr @, München, Samstag, 02.03.2013, 00:00 (vor 2473 Tagen) @ Doris

Belgischer Minister: Nein zu Handys für Kinder
18.11.2008

Magnette sagt „nein“ zu Mobiltelefonen für Kinder

4 Jahre + 3 Monate + 1 Woche + 4 Tage oder 1564 Tage später wird eine gleiche Sau abermals durch belgische Dörfer getrieben:

Krebsgefahr durch Handys – Regierung will Kinder schützen

Und wer fällt, weil auf jedwede Alarmmeldung unbesehen versessen, darauf herein? Die da und im Schlepptau von denen jene da.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Belgien, Krebsgefahr

Bayerisch-belgischer Rundfunk

H. Lamarr @, München, Freitag, 15.03.2013, 10:10 (vor 2460 Tagen) @ H. Lamarr

Wer sich diese Seite flüchtig ansieht, so wie mir dies gerade eben passiert ist, könnte meinen, der Bayerische Rundfunk tische seinen Hörern auf verschrobene Weise eine Meldung aus Belgien auf. Erst bei zweiten Hinsehen wird klar: Es handelt sich um eine deutschsprachige Website des Belgischen Rundfunks.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum