Frankreich nach dem Urteil von Nanterre (Allgemein)

caro, Mittwoch, 08.10.2008, 16:20 (vor 5165 Tagen)

Nach dem Gerichts-Urteil von Nanterre hat der Abgeordnete Patrick Braouzec gestern in der Französischen Nationalversammlung eine Anfrage an den Umweltminister gestellt. Die Forderungen: Ein Gesetz, das den Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern neu regelt, ein Grenzwert von 0,6 V/m.
http://www.priartem.fr/Antennes-relais-Patrick-Braouzec.html

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Urteil von Nanterre weckt falsche Hoffnungen

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 08.10.2008, 22:49 (vor 5165 Tagen) @ caro

ein Grenzwert von 0,6 V/m.

Na sowas, der Mann muss wohl vom neuen Grenzwert zu Liechtenstein inspiriert worden sein, denn ansonsten redet "kein Schwein" von 0,6 V/m. Wenn die 0,6 V/m jedoch einen anderen Aggregatszustand annehmen, dann wird daraus nicht mehr und nicht weniger als das "Salzburger Milliwatt" (1 mW/m²) aus dem Jahr 1998. Nur: Frankreich ist ein bisschen größer als Liechtenstein und wird sich deshalb nicht von Nachbarstaaten aus mit Mobilfunk versorgen lassen, womit der Liechtensteiner Grenzwert bei Licht besehen lediglich den Wert eines Blattes Klopapier erreicht. Und deshalb wird Frankreich einen Teufel tun und den Grenzwert senken, schon gleich gar nicht wegen einer derart fadenscheinigen Begründung, wie sie hier zitiert wird.

Oder glauben Sie etwa im Ernst, caro, dass dieser medienwirksam surfende politische Wellenreiter in Frankreich auch nur den Hauch einer Chance hat? Überlegen Sie doch mal nüchtern, was da ein offenbar überfordertes Gericht vom Stapel gelassen hat. Sensation? In Ihren Augen vielleicht. In meinen nicht. Und zwar deshalb nicht, weil ein einzelnes Urteil selbst wenn es noch so medienwirksam aufbereitet wird, eben nur ein Urteil ist. Das ist wie bei den Studien: auch eine einzelne Alarmstudie bewirkt nichts. Erst wenn eine Trendwende bei Studienergebnissen zu beobachten ist kommt Bewegung rein. Aber: Aus meiner Sicht beruht das Urteil von Nanterre auf punktueller Inkompetenz eines Amtsrichters und deshalb kann und wird sich daraus nichts entwickeln. Es werden lediglich falsche Hoffnungen geweckt, mit denen sich gewissen Mühlen wieder ein paar Umdrehungen länger über die Runden retten können, um dem drohenden Stillstand ein Schnippchen zu schlagen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Salzburg, Liechtenstein

Nur Mal langsam....

caro, Donnerstag, 09.10.2008, 10:13 (vor 5164 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von caro, Donnerstag, 09.10.2008, 10:36

Oder glauben Sie etwa im Ernst, caro, dass dieser medienwirksam surfende politische Wellenreiter in Frankreich auch nur den Hauch einer Chance hat? Überlegen Sie doch mal nüchtern, was da ein offenbar überfordertes Gericht vom Stapel gelassen hat. Sensation? In Ihren Augen vielleicht. In meinen nicht. Und zwar deshalb nicht, weil ein einzelnes Urteil selbst wenn es noch so medienwirksam aufbereitet wird...

Genau diese "medienwirksame Aufbereitung" hat in Deutschland überhaupt nicht statt gefunden. Dies war Ausgangspunkt eines Diskussions-Stranges hier im Forum. Da wurde sogar gleich Mal ins Blaue hinein eine hübsche Verschwörungs-Theorie entworfen: Das Urteil existiere gar nicht - die ganze Geschichte sei von Mobilfunk-Kritikern erfunden und bloße Propaganda, weil bei Brisant und Bild nichts dazu kam....
Deshalb habe ich mir erlaubt eine Reihe interessanter Berichte zum Thema zu verlinken und auf das große Medieninteresse in Frankreich zu verweisen. Ein Blick über den Tellerrand bzw.in andere Länder kann den Horizont ungemein erweitern.
Dass das Urteil von Nanterre in Frankreich eine leichte (ich sage: leicht!) politische Unruhe ausgelöst hat, ist ebenfalls nicht zu leugnen. Die Anfrage in der Nationalversammlung und das für den 17.10. geplante Regierungs-Treffen sind Indizien dafür.
Ansonsten habe ich keine Bewertung der ganzen Sache vorgenommen. Sie unterstellen mir allerdings irgendeinen "Glauben". Und dem Gericht unterstellen Sie, es sei "überfordert" und "inkompetent" gewesen. Woraus schließen Sie das, wo sind die Fakten zu dieser Unterstellung? Kennen Sie die Richter persönlich? Den genauen Wortlaut des Urteils samt Begründung?
Was "nur ein einzelnes Urteil" betrifft: Einer muss immer den Anfang machen, oder? Also einfach erst Mal abwarten, genau hinschauen und die weitere Entwicklung beobachten anstatt voreilige Einordnungen vorzunehmen.

Nur ein Schaf im Wolfspelz

H. Lamarr @, München, Samstag, 11.10.2008, 01:25 (vor 5163 Tagen) @ caro

Oder glauben Sie etwa im Ernst, caro, dass dieser medienwirksam surfende politische Wellenreiter in Frankreich auch nur den Hauch einer Chance hat? Überlegen Sie doch mal nüchtern, was da ein offenbar überfordertes Gericht vom Stapel gelassen hat. Sensation? In Ihren Augen vielleicht. In meinen nicht. Und zwar deshalb nicht, weil ein einzelnes Urteil selbst wenn es noch so medienwirksam aufbereitet wird...

Genau diese "medienwirksame Aufbereitung" hat in Deutschland überhaupt nicht statt gefunden. Dies war Ausgangspunkt eines Diskussions-Stranges hier im Forum. Da wurde sogar gleich Mal ins Blaue hinein eine hübsche Verschwörungs-Theorie entworfen: Das Urteil existiere gar nicht - die ganze Geschichte sei von Mobilfunk-Kritikern erfunden und bloße Propaganda, weil bei Brisant und Bild nichts dazu kam...

Wie kommen Sie darauf, dass ich von Deutschland ausgehe?

Deshalb habe ich mir erlaubt eine Reihe interessanter Berichte zum Thema zu verlinken und auf das große Medieninteresse in Frankreich zu verweisen. Ein Blick über den Tellerrand bzw.in andere Länder kann den Horizont ungemein erweitern.

Schmarrn, caro, bleibt Schmarrn, egal in welchem Land und Schmarrn erweitert Horizonte weder gemein noch ungemein ;-).

Dass das Urteil von Nanterre in Frankreich eine leichte (ich sage: leicht!) politische Unruhe ausgelöst hat, ist ebenfalls nicht zu leugnen.

Tut ja auch niemand!

Die Anfrage in der Nationalversammlung und das für den 17.10. geplante Regierungs-Treffen sind Indizien dafür.

Das war es ja, was mich störte: Da will wieder mal einer auf einer Schaumkrone über die Klippen der politischen Bedeutungslosigkeit geschwappt werden. Ich kann solche Dünnbrettbohrer, die erst nach einem Gerichtsurteil auf den zug aufspringen und sich gleich weit und orientierungslos aus dem Fenster lehnen, nicht leiden. Da schenken die Alemannen den Franzosen nix: Hat sich bei uns nicht "Die Linke" von einem einzigen ES inspirieren und instrumentalisieren lassen? Klappt gut, wenn Politiker Null Sachkompetenz haben. Die Quittung kam in Bayern postwendend zur Landtagswahl, da gaben die Bayern (ganz nebenbei auch) der Linken mit ihren Stimmzetteln einen Denkzettel. Bayern, den Kern der "Anti-Mobilfunk-Bewegung", mit ein paar markigen aber platten Sprüchen aus Wolfratshausen zu Linke-Wählern zu machen, diese Rechnung hat sich insofern als Milchmädchenrechnung erwiesen, dass die Linke draußen geblieben ist und die Freien Wähler mit weit mehr als doppelt soviel Stimmen drin sind.

Ansonsten habe ich keine Bewertung der ganzen Sache vorgenommen.

Ja, leider nicht.

Sie unterstellen mir allerdings irgendeinen "Glauben".

Ach woher denn, ich habe nur eine rhetorische Frage gestellt, machen Sie deshalb nicht gleich ein Fass auf.

Und dem Gericht unterstellen Sie, es sei "überfordert" und "inkompetent" gewesen. Woraus schließen Sie das, wo sind die Fakten zu dieser Unterstellung? Kennen Sie die Richter persönlich? Den genauen Wortlaut des Urteils samt Begründung?

Ja klar, möchten Sie das PDF des Urteils haben?

Was "nur ein einzelnes Urteil" betrifft: Einer muss immer den Anfang machen, oder? Also einfach erst Mal abwarten, genau hinschauen und die weitere Entwicklung beobachten anstatt voreilige Einordnungen vorzunehmen.

Das ist ja genau das, was ich vermeiden wollte: Wieder einmal nur abwarten und vergeblich hoffen, dass (diesmal) "La Grande Nation" etwas zuwege bringt, was hierzulande nicht klappen mag. Wenn Sie freundlicherweise Ihre rosarote Brille abnehmen werden Sie sehen, dass nichts dergleichen eintreten und die Geschichte diskret im Sande verlaufen wird - nicht weil ich es möchte, sondern weil es so kommen muss. Und es muss so kommen, weil in dem Urteil keinerlei Substanz für mehr als einen Schluckauf drin steckt. Wir müssen darüber freilich nicht weiter streiten, sollte sich in F diesbezüglich Wichtiges tun, bin ich sicher, Sie werden darauf hinweisen. Und wenn sich nichts tut, werde eben ich darauf hinweisen.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Politik, Milchmädchen, Die Linke, Kompetnez

Nur ein Schaf im Wolfspelz

caro, Sonntag, 12.10.2008, 17:25 (vor 5161 Tagen) @ H. Lamarr

Schmarrn, caro, bleibt Schmarrn, egal in welchem Land und Schmarrn erweitert Horizonte weder gemein noch ungemein.

Ja, so einfach kann man es sich natürlich auch machen. Schmarrn bleibt Schmarrn. Dann braucht man allerdings kein Diskussionsforum mehr.

Dass das Urteil von Nanterre in Frankreich eine leichte (ich sage: leicht!) politische Unruhe ausgelöst hat, ist ebenfalls nicht zu leugnen.

Tut ja auch niemand!

Die Anfrage in der Nationalversammlung und das für den 17.10. geplante Regierungs-Treffen sind Indizien dafür.

Das war es ja, was mich störte: Da will wieder mal einer auf einer Schaumkrone über die Klippen der politischen Bedeutungslosigkeit geschwappt werden. Ich kann solche Dünnbrettbohrer, die erst nach einem Gerichtsurteil auf den zug aufspringen und sich gleich weit und orientierungslos aus dem Fenster lehnen, nicht leiden. Da schenken die Alemannen den Franzosen nix: Hat sich bei uns nicht "Die Linke" von einem einzigen ES inspirieren und instrumentalisieren lassen? Klappt gut, wenn Politiker Null Sachkompetenz haben. Die Quittung kam in Bayern postwendend zur Landtagswahl, da gaben die Bayern (ganz nebenbei auch) der Linken mit ihren Stimmzetteln einen Denkzettel. Bayern, den Kern der "Anti-Mobilfunk-Bewegung", mit ein paar markigen aber platten Sprüchen aus Wolfratshausen zu Linke-Wählern zu machen, diese Rechnung hat sich insofern als Milchmädchenrechnung erwiesen, dass die Linke draußen geblieben ist und die Freien Wähler mit weit mehr als doppelt soviel Stimmen drin sind.

Sie sind Politik-verdrossen, spatenpauli. Geht vielen so. Aber so funktioniert Politik nun Mal. Viel PR und Populismus. Sie glauben nicht ernsthaft, dass sich ein Politiker in allen Themen, die er während des Wahlkampfes in die Waagschale wirft, auskennt, oder? Das wäre doch etwas naiv.

Und dem Gericht unterstellen Sie, es sei "überfordert" und "inkompetent" gewesen. Woraus schließen Sie das, wo sind die Fakten zu dieser Unterstellung? Kennen Sie die Richter persönlich? Den genauen Wortlaut des Urteils samt Begründung?

Ja klar, möchten Sie das PDF des Urteils haben?

Ich möchte wissen, was Sie konkret am Urteil/ an der Begründung stört.

Das ist ja genau das, was ich vermeiden wollte: Wieder einmal nur abwarten und vergeblich hoffen, dass (diesmal) "La Grande Nation" etwas zuwege bringt, was hierzulande nicht..... Wir müssen darüber freilich nicht weiter streiten, sollte sich in F diesbezüglich Wichtiges tun, bin ich sicher, Sie werden darauf hinweisen. Und wenn sich nichts tut, werde eben ich darauf hinweisen.

Also letztendlich doch abwarten.

Nur ein Schaf im Wolfspelz

H. Lamarr @, München, Sonntag, 12.10.2008, 17:49 (vor 5161 Tagen) @ caro

Also letztendlich doch abwarten.

Nein, meiner Meinung nach: vergessen. Mehr ist es nicht wert.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

1 Jahr nach dem Urteil von Nanterre

H. Lamarr @, München, Sonntag, 11.10.2009, 01:09 (vor 4798 Tagen) @ H. Lamarr

Das ist ja genau das, was ich vermeiden wollte: Wieder einmal nur abwarten und vergeblich hoffen, dass (diesmal) "La Grande Nation" etwas zuwege bringt, was hierzulande nicht klappen mag. Wenn Sie freundlicherweise Ihre rosarote Brille abnehmen werden Sie sehen, dass nichts dergleichen eintreten und die Geschichte diskret im Sande verlaufen wird - nicht weil ich es möchte, sondern weil es so kommen muss. Und es muss so kommen, weil in dem Urteil keinerlei Substanz für mehr als einen Schluckauf drin steckt. Wir müssen darüber freilich nicht weiter streiten, sollte sich in F diesbezüglich Wichtiges tun, bin ich sicher, Sie werden darauf hinweisen. Und wenn sich nichts tut, werde eben ich darauf hinweisen.

Ein Jahr später stelle ich fest, dass das Urteil von Nanterre - wie erwartet - in Frankreich nicht Schule machte. Es blieb der Ausrutscher eines Landrichters, die im Kielwasser des Urteils erhobene Forderung nach einer Grenzwertsenkung auf 0,6 V/m steht in Frankreich derzeit nicht zur Debatte. Schauen wir in einem Jahr nach, was sich dann getan hat.

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