Nachruf auf Prof. Karl Tetzner (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 10.09.2008, 13:19 (vor 4402 Tagen)

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere ältere Funkschau-Leser an ihn ...

Der Nestor der Fachjournalisten tritt ab:

Professor Karl Tetzner verstorben

Sein Name stand vor allem für Unterhaltungselektronik

Von Klaus H. Knapp

Wie erst jetzt bekannt wird, verstarb am 18. August 2008 Karl Tetzner, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift FUNKSCHAU, im 94. Lebensjahr in seinem Haus in Icking (Isartal). Schon zu seinen aktiven Zeiten bei der FUNKSCHAU, der 1929 gegründeten ältesten Elektronikzeitschrift Deutschlands, war er eine Ikone: Sein Einfluss reichte weit in die Industrie hinein, selbst lange nach der Ruhestandsversetzung (im Jahr 1980) wurde er noch im hohen Alter von 87 Jahren nach Japan zur Information eingeladen.

Tetzner wurde am 26.10.1914 geboren. Mit nicht einmal 20 Jahren wurde er Funkamateur (DL1UH) und entdeckte bald darauf seine Neigung zum Schreiben. In den Kriegsjahren diente er fachgerecht als Funker auf einem U-Boot-Jäger. Nach Kriegsende versuchte er sich zunächst mit einem eigenen Radiogeschäft, um sich dann schon 1948 endgültig als freier Elektronikjournalist zu etablieren. Bewusst wählte er dabei eine breite Leserschaft als Zielgruppe, arbeitete für die Rundfunkzeitschrift „HörZu!“, die „FAZ“ und die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. In den Nachkriegsjahren und dem Wiederaufbau in Deutschland gab es genug zu schreiben, um den technischen Anschluss an die Welt wieder herzustellen.

1953 ging er dann zum Franzis-Verlag in München, der die FUNKSCHAU herausgab. Er behielt zunächst seinen Wohnsitz in Hamburg, weil sich dort das Impulszentrum für Hörfunk und Fernsehen befand: Das Fernsehen in Deutschland hatte seine Wiege beim damals mächtigen Norddeutschen Rundfunk (NDR). Der Deutschlandfunk mit seinem Langwellensender, die Anfänge der Deutschen Welle und des UKW-Hörfunks gingen ebenfalls von Hamburg aus.
1966 übernahm dann Tetzner - noch von Hamburg aus - die Chefredaktion der FUNKSCHAU und siedelte schließlich 1971 nach Icking südlich von München über. Bis zu seinem Ruhestand 1980 verdoppelte er die Auflage der Zeitschrift auf mehr als 100.000 Exemplare - alle zwei Wochen, mit durchschnittlich mehr als 140 Seiten.

Bei seinem Abschied aus der Redaktion 1980 nach den Gründen für diesen Erfolg befragt, meinte er: „Die Elektronik dringt ungestüm in immer neue Bereiche hinein. Wenn man eine Universalzeitschrift für alle Bereiche der Elektronik machen will, dann muss man sich mit dem springflutartig ausbreitenden Themenkreis auseinander setzen. Das braucht eine gute und sehr flexible Redaktionsmannschaft und einen festen Kreis hervorragender freier Mitarbeiter“.
Neben seiner Redaktionaufgabe war Karl Tetzner von 1971 bis 1983 Gastdozent an der Freien Universität Berlin auf dem Gebiet der Elektronischen Medien, welche er sehr früh als die zweite Zukunft der Medientechnik erkannte. 1976 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt. Auch nach seiner Ruhestandsversetzung blieb er seinen journalistischen Neigungen treu: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Annemarie arbeitete er von seinem Redaktionsbüro in Icking aus. Das Ehepaar war eine feste Größe auf allen einschlägigen Veranstaltungen – von Pressekonferenzen bis hin zu großen Messen wie der Funkausstellung in Berlin. Die Aufgabenteilung zwischen den Eheleuten schaffte effektive Lösungen: Er verfolgte den Fortgang des Pressegesprächs und diskutierte laufend mit. Sie schrieb mit, dokumentierte und organisierte das Redaktionsbüro. 2003 starb Annemarie Tetzner, worauf sich Karl Tetzner etwas aus der journalistischen Arbeit zurückzog.

Einem Journalisten, der sich ein Leben lang für Rundfunk und Fernsehen engagierte, fallen aus diesem Gebiet viele Ehrungen zu. Die Messe Berlin, der Deutsche Journalistenverband und der Deutsche Amateur Radio-Club DARC zeichneten ihn mit Goldenen Ehrennadeln aus. Der Bayerische Rundfunk verlieh ihm die Goldmedaille für seine journalistischen Arbeiten auf dem Rundfunkgebiet. Tetzner war Mitbegründer und später Präsident des internationalen Journalistenverbandes UIPRE (Union International de la Presse Electronique), dessen Ehrenpräsident er bis zu seinem Tode war.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Deutschlandfunk, Funkamateur, Langwelle, Nachruf

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