Streit um Interphone-Zusammenfassung

H. Lamarr @, München, Sonntag, 06.07.2008, 19:24 (vor 4692 Tagen)

Artikel im Herald Tribune zur Interphone-Study:
Kluft zwischen Forschern verzögert die Veröffentlichung der Studie

Die internationale Zeitung Herald Tribune veröffentlicht die Story am 30. Juni 2008 mit einem Text auf den Titelseiten der europäischen sowie der asiatischen Ausgaben. Zahlreiche Interessenvertreter kommentieren die Verzögerung der Studienergebnisse. Gemäß dem schwedischen Wissenschaftler Lennart Hardell scheint es eine Spaltung bei der Bewertung der nationalen Ergebnisse gegeben zu haben, wobei sich der Streit dran entzündet habe, dass die befragten Patienten mit Gehirntumoren möglicherweise wegen krankheitsbedingter Gedächtnislücken eine Verfälschung der Studie bewirkt haben.

Link zur Harald Tribune inkl. Übersetzungshilfe Deutsch

Quelle: FGF-Infoline vom 3.7.08

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Interphone und die Bewertung der Ergebnisse

Gast, Montag, 07.07.2008, 18:16 (vor 4691 Tagen) @ H. Lamarr

Die Studien in den letzten Jahren - insbesondere die Interphone-Studien in den verschiedenen Ländern - haben Diskussionen heraufbeschworen darüber, wie verlässlich die Angaben der Teilnehmer sind bezüglich der Anzahl und der Dauer der Gespräche und über die Auswertung der Daten. Ein Wissenschaftlerteam aus Italien, Frankreich und Kanada hat einige der Daten neu berechnet und bewertet. Diese neue Untersuchung umfasst die Daten von drei Ländern - Kanada, Italien und Australien - und man findet kaum Unterschiede zwischen den Fall- und Kontrollgruppen. Nur bei 4 bis 5 Jahre zurückliegenden Daten gab es signifikante Verschätzungen bei den Fallgruppen.

Die meisten epidemiologischen Studien zu Mobilfunk und Tumoren waren Fall-Kontroll-Studien, wobei die Daten meist auf den Aussagen der Betroffenen zur Telefon Nutzung beruhten. Fehleinschätzung der Teilnehmer bezüglich der Dauer und Anzahl der Gespräche sind die Hauptunsicherheiten solcher Untersuchungen. Ein Ergebnis der Interphone-Studie war, dass die Schätzungen der Fall-Gruppe (Tumor-Patienten) deutlich höher lagen als die tatsächlichen Daten. Die Aussage war, dass die Tumor-Patienten größere Erinnerungslücken haben als die Kontrollpersonen, und dass erstere Anzahl und Dauer eher überschätzt als die Kontrollpersonen weil Krebskranke vielleicht eine andere Wahrnehmung haben und sie eine Ursache für die Krankheit suchen. Das ist eine fragwürdige Schlussfolgerung. Wenn die Daten bei Kontrollen und Fällen von einander abweichen, sich nämlich auch Verzerrungen durch die Methode eine mögliche Ursache. Das methodische Vorgehen und Vrijheid und Mitarbeitern war das gleiche wie bei den Interphone-Studien. Verglichen wurden die Angaben der Personen aus den Fall- und Kontrollgruppen und die Daten der Telefongesellschaften. Die Daten wurden unterteilt in Zeitspannen bis 1 Jahr, 1 - 2 Jahre, 3 - 4 Jahre und mehr als 4 Jahre.

Von 212 Tumor Fällen und 296 Kontrollpersonen konnten Daten ausgewertet werden. Weder die Häufigkeit der Telefonate noch deren Dauer wurden signifikant versieden angegeben. Beide Gruppen unterschätzten die Dauer der Gespräche. Übereinstimmung zwischen den Angaben der Personen und der Daten der Telefongesellschaften gab es bei 37 % der Tumor-Patienten (Fallgruppe) und 39 % der Kontrollpersonen. Es gab Unterschiede zwischen den Ländern, die auf unterschiedlichen Datenauswertungen zurückzuführen sind, es gab keine signifikanten Unterscheidungen zwischen Fall- und Kontrollgruppen. In Italien z.B. gab es eine Überschätzung der Fallgruppen, in Kanada waren es die Kontrollgruppen. Nicht signifikante Abweichungen und Trends gab es zwischen Viel- und Wenignutzer und zwischen den anderen Variablen wie Altersgruppen, Geschlecht und Bildungsstand. Es gibt einen Trend zur Überschätzung der Anrufe bei den Tumorfällen, je länger die Zeit zurück lag (Zeitraum 4 - 5 Jahren), nicht aber bei den Kontrollen. Da aber bei den weit zurückliegenden Fällen die Zahlen geringer waren, sind die Daten ungenau.


Quelle:
Vrijheidm, Armstrong BK, Bedard D, Brown J, Deltour I; Iavarone I Krewski D, Lagorio S, Moore S, Richardson L, Giles GG, McBride M, Parent ME, Siemiatycki J, Cardris E (2008): Recall bias in the assessment of exposure to mibile phones. Journal of Exposure Science and Envirommental Epidemiology, May online 1 - 13

Elektrosmog-Report 14 (7) - Juli 2008-07-07

Tags:
Strahlentelex

Interphone und die Bewertung der Ergebnisse

H. Lamarr @, München, Montag, 07.07.2008, 18:43 (vor 4691 Tagen) @ Gast

Die Studien in den letzten Jahren ...

Darf ich mal was fragen? Wer bitte versteht diese holpernden Ausführungen oder glaubt zumindest, sie verstanden zu haben? Für mich ist das nur eine weitgehend zusammenhanglose Aneinanderreihung schlecht übersetzter Satzfragmente.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Interphone und die Bewertung der Ergebnisse

Doris @, Mittwoch, 09.07.2008, 15:35 (vor 4689 Tagen) @ H. Lamarr

Darf ich mal was fragen? Wer bitte versteht diese holpernden Ausführungen oder glaubt zumindest, sie verstanden zu haben? Für mich ist das nur eine weitgehend zusammenhanglose Aneinanderreihung schlecht übersetzter Satzfragmente.

Demjenigen, der diesen Text eingestellt hat, muss der Elekrosmogreport vorliegen, denn der Beitrag ist online noch nicht verfügbar. Vermutlich wurde der Text abgeschrieben, und durch ein paar Flüchtigkeitsfehler erscheint er manchmal sinnentstellend bzw. "holprig".

Im neuen Elektrosmogreport sind zwei Beiträge zur Interphone Studie enthalten. Neben dieser Arbeit von Vrijheid (Abstract der Studie) gibt es auch noch einen Beitrag von Hardell zu methodischen Aspekten epidemiologischer Untersuchungen. Dazu gibt das EMF Portal gar nichts her. Dieser Beitrag hätte mich auch interessiert.
Die Kommentare zur Interphone Studie muss man zwischenzeitlich unter dem Aspekt bewerten, ob der Autor dem Lager der "Besorgten" oder eher dem der "Unbesorgten" zugehört, nachdem die sich untereinander absolut nicht einig sind. Ein Argument der "Unbesorgten" ist eben "Recall bias" (Erinnerungsschwierigkeiten). Mit diesen Recall bias setzt sich die aktuelle Betrachtung von Vrijheid et al auseinander. Vrijheid scheint zu IARC Lyon zu gehören.
Was mir komisch erscheint ist diese Aussage:

Ein Wissenschaftlerteam aus Italien, Frankreich und Kanada hat einige der Daten neu berechnet und bewertet. Diese neue Untersuchung umfasst die Daten von drei Ländern - Kanada, Italien und Australien - und man findet kaum Unterschiede zwischen den Fall- und Kontrollgruppen. Nur bei 4 bis 5 Jahre zurückliegenden Daten gab es signifikante Verschätzungen bei den Fallgruppen.

Ob die bei der Studie (abstract) genannten Autoren dieses Wissenschaftlerteam bilden, weiß ich nicht. Die untersuchen also zumindest in 2 Fällen die Daten aus dem eigenen Land. Die Daten von den drei Ländern, die da erneut untersucht werden, sind die Länder, deren Einzeldaten noch nicht veröffentlicht wurden (Neuseeland auch noch nicht).

Die australischen Ergebnisse müssten brisante Zahlen enthalten, denn es war deren Studienleiter Bruce Armstrong, der sich nach seinen aktuellen Ergebnisse recht kritisch zu Hirntumoren bei Langzeitnutzung äußerte.

So wie ich das lese, scheinen sich Tumorpatienten eher verschätzt zu haben. Also ich habe hier eher den Eindruck, es wird etwas relativiert.
Bei diesem Satz

Verglichen wurden die Angaben der Personen aus den Fall- und Kontrollgruppen und die Daten der Telefongesellschaften.

stelle ich mir folgende Frage.
Snd bei den Telefongesellschaften nur die ausgehenden Gespräche dokumentiert, oder auch die eingehenden? Denn dies würde ja ein Ergebnis wieder verfälschen.

Unter dem Titel
Die Wirkung von fehlerhaftem Erinnerungsvermögen und Selektionsbias in epidemiologischen Studien zu Mobiltelefon-Nutzung und Krebsrisiko.

hat sich Vrijheid et al schon 2006 mit dem Thema auseinandergesetzt.(Abstract)

RDW schrieb damals zu dieser Studie

Bei einer weiteren Untersuchung aus dem Jahr 2006 wurde festgestellt, dass durch die Nichtteilnahme von angefragten Teilnehmern und Erinnerungsfehler von Teilnehmern eine Verzerrung der gefundenen Ergebnisse von epidemiologischen Untersuchungen erfolgen kann, welche zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Risikos führen könnte.

zu derartigen Begleitstudien ist diese Seite von RDW (ganz unten) insgesamt interessant.

Insgesamt scheinen die Erinnerungsverzerrungen eine echte Schwachstelle in derartigen Studien zu sein.

Wenn man sich mal ein wenig durch die Studien durchliest, die zu den Interphone Ergebnisse beitragen (z.B. der japanische Beitrag und weiter unten dann der Verweis auf die anderen Länder) dann sieht man eine Fülle von verschiedenen Angaben zu den Expositionszeiten.

Auf der anderen Seite werden da an den Zahlen herumgefeilt, ob Tumorpatienten die Dauer und Anzahl der Gespräche eher über- oder unterschätzen. Wenn diese Zahl tatsächlich eine entscheidende Rolle spielt, dann ist es in Relation zu den Gesprächsminuten der letzten Jahre wirklich Pipifax.

Die zwei Faktoren, die damals beim Studienbeginn eine entscheidende Rolle spielten (Anzahl der Gespräche und Dauer der Gespräche) sind längst überholt und nicht mehr mit den heutigen Daten zu vergleichen. Ein Aspekt könnte sein, dass zu Beginn der Handytelefoniererei die Netze noch nicht so dicht waren und die damaligen Gespräche u.U. mit höherer Leistung geführt wurden. In welcher Relation allerdings die damaligen Gespräche mit höherer Leistung zu den Gesprächen der heutigen Zeit stehen, die in Innenräumen stattfinden, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich war vor 10 Jahren eine Indoorversorgung gar nicht gegeben.

Irgendwie habe ich den Eindruck, hier wird gefeilt und gefeilt, wie damals in Amerika, als Bush hingezählt wurde.
Auf der anderen Seite konnte niemand ahnen, als Interphone gestartet wurde, dass die Ergebnisse zu einem Zeitpunkt präsentiert werden müssen, an dem fast die ganze Welt mobil telefoniert. Die Interpretation der Ergebnisse hat heute eine andere Bedeutung als man sich das 2000 wohl vorstellen konnte. Es gehört jede Menge Verantwortung aber auch Mut dazu. Verantwortung, die Ergebnisse richtig zu deuten ohne Panik zu verbreiten aber auch nicht zu verharmlosen. Und auch Mut, sich gegen einen Milliardenmarkt zu stellen und evtl. Konsequenzen einzufordern, die diesem Milliardenmarkt nicht gefallen werden. Z.B. die beliebteste Zielgruppe nicht mehr gezielt zu bewerben, weil gerade zu dieser Zielgruppe noch gar keine Erkenntnisse vorliegen und evtl. sich abzeichnende Langzeitauswirkungen diese Zielgruppe betreffen könnten, und zwar nicht am Ende ihres Lebens sondern eher in den besten Jahren.

Tags:
Elektrosmog-Report, Strahlentelex

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