Zentrale Datenbank führt in die Irre (Allgemein)

KlaKla, Samstag, 27.01.2007, 10:13 (vor 5014 Tagen)

Mobilfunkmasten: Zentrale Datenbank führt in die Irre

Mit umfassenden Informationen über Standorte und Sendeleistung von Mobilfunkanlagen wollten Bund, Kommunen und Betreiber der Sorge vieler Bürger vor Mobilfunk entgegentreten. Doch die Daten sind unzureichend, oft gar widersprüchlich, zeigt nun eine Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn.

Als der Mobilfunkbetreiber E-Plus vor drei Jahren bei der Bonner Lukas-Gemeinde anfragte, ob man eine Mobilfunkanlage im Kirchturm installieren könnte, gab der Kirchenvorstand vorsichtshalber ein Gutachten in Auftrag. Ergebnis: keine Gefahr für den 30 Meter entfernten Kindergarten. Grundlage des Gutachtens: die Angaben des Betreibers. Doch die entpuppten sich bei der aktuellen Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn als falsch.
E-Plus installierte später eine ganz andere Sendeanlage als den Gutachtern angegeben.
Ebenfalls falsch: die Angaben der Bundesnetzagentur, die diese Sendeanlage zwar exakt mit Strahlrichtung und Antennehöhe in ihrer Datenbank verortet hat, sie jedoch in ihren Karten 500 Meter vom tatsächlichen Standort entfernt ausweist.

Bürger in Sicherheit wiegen

Desinformationen solcher Art sind kein Einzelfall, ergab die Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn, der Mobilfunkanlagen in der Nähe so genannter sensibler Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen unter die Lupe nahm. "Wer als Laie herausfinden will, ob sein Kind dauerhaft Mobilfunkstrahlung ausgesetzt ist, hat - ganz anders als von Bund und Betreibern versprochen - kaum eine Chance", sagt Dr. Klaus Trost, Elektrosmogexperte des Wissenschaftsladen Bonn. Bürger haben im wesentlichen zwei Quellen, um sich über Mobilfunkanlagen zu informieren.
Erstens die Datenbanken der Kommunen, die - im besten Fall - den den Ort der Sendemasten einigermaßen genau verzeichnen, aber keine Angaben zu Strahlrichtung und Sendeleistung machen. Zweitens steht der Öffentlichkeit die bundesweite Standortdatenbank der Bundesnetzagentur zur Verfügung, die das Bundesumweltministerium 2001 als eine der wesentlichen Verbesserungen in Sachen Transparenz pries.

Zwar gibt diese Datenbank Antennenhöhe und Strahlrichtung an. Doch dafür zeigen sich gravierende Abweichungen bei den Ortsangaben. Dr. Klaus Trost: "Allein in der Bonner Innenstadt lag die Bundesnetzagentur bei mehr als der Hälfte der Anlagen um 50 bis 500 Meter neben den tatsächlichen Standorten. Trost: "Was nützt Eltern das Wissen, in welche Richtung die Sender strahlen, wenn die Masten nicht richtig verzeichnet sind?" Die vermeintliche Genauigkeit der Datenbank sei mitunter schlimmer als wenn es überhaupt keine Information gäbe. Denn sie wiege Bürgerinnen und Bürger fälschlicherweise in Sicherheit.

Trosts Fazit: Von "umfassender Information der Bürger", wie sie die Betreiber in ihrer "Freiwilligen Selbstverpflichtung" und das Bundesumweltministerium im Jahr 2001 in Aussicht gestellt hätten, könne weder bei Unternehmen noch bei der bundeseigenen Netzagentur die Rede sein. Die Gutachter, die die Umsetzung der Selbstverpflichtung prüften, urteilten, Bürger würden "eher zufällig" informiert.

Mehr ... WILA Nr. 48 • 03|2005

Quelle:
Wissenschaftsladen Bonn

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Wissenschaftsladen Bonn, Trost

Zentrale Datenbank führt in die Irre

caro, Sonntag, 28.01.2007, 10:25 (vor 5013 Tagen) @ KlaKla

Die Bundesnetzagentur-Karten sind nicht nur in Hinsicht auf die genauen Standorte ungenau.
Oft werden die Anlagen auch erst lange nach Inbetriebnahme in die Karten aufgenommen. Mir ist ein Sendeturm bekannt, an dem 9 Antennen hängen. Er ist seit über 6 Wochen in Betrieb, der Standort taucht aber bis jetzt überhaupt nicht bei der Netzagentur auf. Leute, die also beispielsweise umziehen, können sich nicht auf die Standortdatenbank verlassen. Bei der Bundesnetzagentur bestätigte man mir, dass Standorte oft erst mit Verzögerung in die Standortdatenbank aufgenommen werden, weil man personell unterbesetzt sei.

Zentrale Datenbank führt in die Irre

KlaKla, Sonntag, 28.01.2007, 12:14 (vor 5013 Tagen) @ caro
bearbeitet von KlaKla, Sonntag, 28.01.2007, 12:43

Leute, die also beispielsweise umziehen, können sich nicht auf die Standortdatenbank verlassen. Bei der Bundesnetzagentur bestätigte man mir, dass Standorte oft erst mit Verzögerung in die Standortdatenbank aufgenommen werden, weil man personell unterbesetzt sei.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) ist personell unterbesetzt, und kann dadurch ihrer Informationpflicht den Bürger gegenüber nicht zeitnahe nachkommen.
Falsch erachte ich es, wenn dann Steuer Mittel für die Webseite der
Verbraucher Initiative e.V. aus Mitteln des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Strahlenschutz gefördert wird. Das Geld sollte man für die eigenen Bundesbehörden nutzen.

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Meine Meinungsäußerung

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Doris @, Sonntag, 28.01.2007, 21:28 (vor 5013 Tagen) @ caro

Die Bundesnetzagentur-Karten sind nicht nur in Hinsicht auf die genauen Standorte ungenau. Oft werden die Anlagen auch erst lange nach Inbetriebnahme in die Karten aufgenommen. Mir ist ein Sendeturm bekannt, an dem 9 Antennen hängen. Er ist seit über 6 Wochen in Betrieb, der Standort taucht aber bis jetzt überhaupt nicht bei der Netzagentur auf. Leute, die also beispielsweise umziehen, können sich nicht auf die Standortdatenbank verlassen. Bei der Bundesnetzagentur bestätigte man mir, dass Standorte oft erst mit Verzögerung in die Standortdatenbank aufgenommen werden, weil man personell unterbesetzt sei.

Ähnliches kann ich bestätigen. Wir haben hier mal Karten erstellt für 3 verschiedene Orte/Städte, wo wir alle Sendetürme eingetragen haben. Dafür sind wir mit den Angaben der Netzagentur herumgereist und haben die dort verzeichneten Sendetürme gesucht, damit wir eine korrekte Übertragung in die KArten machen konnten. Da waren u.a. auch Türme verzeichnet, die zwar mal in der Planung waren, aber nie errichtet worden sind. Wir haben diese Korrekturen dann an die NEtzagentur geschickt, die die Standorte dann auch gelöscht haben, aber es gab immer wieder Missverständnisse und die Dame war irgendwann dann leicht genervt. Wir haben dann auch aufgegeben und somit ist eine komplette Korrektur bei uns in im Umkreis nicht erfolgt. Ich habe zumindest hier im meiner Gegend momentan den Eindruck, dass die Netzagentur gar nicht mehr aktualisiert, da hat sich doch immer wieder was geändert und das findet man in den Karten nicht mehr.
Ich frage mich dann, warum hier Steuergelder verschwendet werden, wenn keine korrekte und verlässliche ARbeit geleistet wird.

Zentrale Datenbank führt in die Irre

Raylauncher @, Sonntag, 28.01.2007, 22:39 (vor 5013 Tagen) @ Doris

Da waren u.a. auch Türme verzeichnet, die zwar mal in der Planung waren, aber nie errichtet worden sind.

Die Daten die dieser Datenbank zugrundeliegen, basieren auf den erteilten Standortbescheinigungen. Eine beantragte und erteilte Standortbescheinigung bedeutet jedoch noch keinesfalls verbindlich, dass die Sendeanlage bereits errichtet ist oder überhaupt errichtet werden wird. Da Gemeinden oder Vermieter im Vorfeld von Genehmigungen bzw. Vertragsabschlüssen teilweise die entsprechende Bescheinigung wünschen, wird sie in diesen Fällen eben schon im Planungsstadium beantragt. Wenn sie dann, so wie Sie es sich wünschen, zeitnah in die Datenbank eingestellt wird, fehlt eben der Sender noch.

Raylauncher

Zentrale Datenbank führt in die Irre

H. Lamarr @, München, Sonntag, 28.01.2007, 23:22 (vor 5013 Tagen) @ Raylauncher

Wenn sie dann, so wie Sie es sich wünschen, zeitnah in die Datenbank eingestellt wird, fehlt eben der Sender noch.

Moment mal, das ist doch kein Zustand! Wenn dies so ist, wie Sie sagen, dann gibt es in Deutschland ganz offensichtlich keine Behörde, die verbindlich Auskunft geben kann, wo welcher Sender steht! Denn wenn es nicht zu einem Abschluss kommt, dann fehlt zur erteilten SB auf Dauer mal eben der zugehörige Sender. Eine derartige Bereitschaft für Gefälligkeitsbescheinigungen hätte ich von der BNetzA nicht erwartet. Es kann doch nicht Aufgabe einer Behörde sein, Geschäftsabschlüsse im Dunstkreis einer Risikotechnologie zu erleichtern.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Zentrale Datenbank führt in die Irre

Doris @, Montag, 29.01.2007, 06:45 (vor 5013 Tagen) @ Raylauncher

Die Daten die dieser Datenbank zugrundeliegen, basieren auf den erteilten Standortbescheinigungen. Eine beantragte und erteilte Standortbescheinigung bedeutet jedoch noch keinesfalls verbindlich, dass die Sendeanlage bereits errichtet ist oder überhaupt errichtet werden wird. ...

Raylauncher


Ich verstehe hier Ihre Antwort auf meine Kritik an der Netzagentur nicht. Es können doch in der Netzdatenbank nicht jahrelang Sender eingetragen bleiben, die da nicht wirklich stehen und auf der anderen Seite Sender, die errichtet worden sind, findet man in der KArte nicht. Bei den beiden von mir geschilderten Fällen ging doch vermutlich jedesmal eine Planung voraus, also wirkt es auf mich wie schlampige Arbeit. Und das ist jetzt nur bei mir in 2 ORten und 2 kleineren STädten. In der Nachbarstadt, wo mein Sohn zur Schule geht, ist mir laut Netzagentur schon länger ein Sender in der Nähe seiner Schule im Auge, den ich noch nie persönlich gesehen habe. Ich weiß das, weil ich aktiv bin und mir die Mühe gemacht habe, wenn aber die Fehlerquote hier bei mir im Umkreis von 20 km schon so groß ist, dann muss ich doch annehmen, dass es andernorts nichts besser aussieht.

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