Metastudie ergibt: Bildung schützt vor Fake-News nicht (Forschung)

KI, (vor 2 Tagen)

Eine im Fachjournal PNAS veröffentlichte Metaanalyse "Susceptibility to online misinformation: A systematic meta-analysis of demographic and psychological factors" (Volltext) liefert differenzierte Antworten auf die Frage, wer besonders anfällig für Online-Falschinformationen ist. Die Autoren werteten 31 Experimente mit 11'561 US-Teilnehmern und insgesamt 256'337 Einzelurteilen zu wahren und falschen Nachrichtenüberschriften aus. Bemerkenswert ist vor allem die saubere Trennung zwischen der Fähigkeit, wahre von falschen Meldungen zu unterscheiden, und einer allgemeinen Neigung, Nachrichten eher zu glauben oder eher zu misstrauen.

Zwei Fähigkeiten, die häufig verwechselt werden

Die Autoren unterscheiden erstmals konsequent zwischen der Unterscheidungsfähigkeit (discrimination ability), also der Fähigkeit, wahre von falschen Meldungen zu unterscheiden, und der Antworttendenz (response bias), also der allgemeinen Neigung, Nachrichten eher für wahr oder eher für falsch zu halten. Diese Unterscheidung ist wichtig. Wer besonders misstrauisch ist, erkennt zwar mehr Falschmeldungen, stuft aber gleichzeitig auch mehr wahre Meldungen fälschlich als falsch ein. Umgekehrt führt eine hohe Gutgläubigkeit dazu, dass zwar mehr wahre Meldungen akzeptiert werden, aber eben auch mehr Falschmeldungen.

Ältere schneiden besser ab als Jüngere

Ein Ergebnis dürfte viele überraschen: Ältere Teilnehmer konnten wahre und falsche Nachrichten besser unterscheiden als jüngere. Gleichzeitig waren sie vorsichtiger und neigten dazu, Meldungen eher kritisch zu beurteilen. Die verbreitete Annahme, ältere Menschen seien wegen geringerer digitaler Kompetenz besonders anfällig für Desinformation, bestätigt diese Untersuchung daher nicht.

Analytisches Denken hilft

Der stärkste psychologische Schutzfaktor war ein ausgeprägtes analytisches Denkvermögen (gemessen mit dem Cognitive Reflection Test). Teilnehmer mit hohen Werten unterschieden wahre und falsche Nachrichten zuverlässiger und zeigten ebenfalls eine eher vorsichtige Grundhaltung gegenüber Meldungen.

Bildung allein schützt nicht

Entgegen einer verbreiteten Erwartung führte ein höherer formaler Bildungsabschluss nicht zu einer besseren Fähigkeit, wahre von falschen Nachrichten zu unterscheiden. Höher Gebildete zeigten lediglich eine leicht stärkere Tendenz, Nachrichten grundsätzlich für wahr zu halten. Die Autoren sehen darin einen Hinweis, dass klassische Bildung allein Medienkompetenz im digitalen Raum offenbar nicht garantiert.

Politische Identität beeinflusst Urteile

In den ausgewerteten US-Studien erzielten Teilnehmer mit demokratischer Parteipräferenz im Mittel eine höhere Unterscheidungsfähigkeit als republikanische Teilnehmer. Gleichzeitig zeigte sich auf beiden Seiten derselbe psychologische Mechanismus: Nachrichten, die zur eigenen politischen Überzeugung passten, wurden eher als wahr eingestuft, widersprechende Meldungen eher als falsch. Die Autoren interpretieren dies als Ausdruck ideologischer Voreingenommenheit, nicht als Beleg für eine grundsätzlich bessere oder schlechtere Urteilsfähigkeit einer politischen Gruppe.

Vertrautes wirkt glaubwürdiger

Ein besonders robuster Befund betrifft den sogenannten Vertrautheitseffekt: Nachrichten, die den Teilnehmern bereits bekannt vorkamen, wurden deutlich häufiger für wahr gehalten – unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr oder falsch waren. Wiederholung erhöht also die Glaubwürdigkeit.

Quellenangaben helfen

Wurde zusammen mit einer Überschrift auch deren Quelle angezeigt, verbesserte sich die Fähigkeit der Teilnehmer, wahre und falsche Meldungen zu unterscheiden. Dieser Effekt war insbesondere bei republikanischen Teilnehmern ausgeprägter.

Einordnung

Die Studie ist methodisch bemerkenswert, weil sie zahlreiche frühere Einzelstudien gemeinsam auswertet und dabei die häufig vermischten Konzepte "Trefferquote" und "Antworttendenz" sauber voneinander trennt. Allerdings gilt auch eine wichtige Einschränkung: Alle ausgewerteten Untersuchungen stammen aus den USA und verwenden überwiegend kurze Nachrichtenüberschriften statt vollständiger Artikel. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Länder oder auf den alltäglichen Medienkonsum übertragen.

PISA-Studie: SchülerInnen erkennen Fake-News schlecht

Gast, (vor 2 Tagen) @ KI

Eine zusätzliche Auswertung von Daten aus der aktuellen PISA-Studie zeigt: Knapp die Hälfte der befragten Jugendlichen fühlt sich nicht in der Lage, Informationen im Internet auf ihre Qualität zu beurteilen. Im OECD-Vergleich schneidet Deutschland damit schlechter ab als der Durchschnitt. SCHAU HIN! hat sich die Ergebnisse genauer angeschaut.

Die PISA-Studie wird alle drei Jahre, ab 2025 alle vier Jahre, in über 80 Ländern durchgeführt. Befragt werden hierfür 15-Jährige, die seit mindestens einem Jahr eine Schule im entsprechenden Land besuchen. Neben den regulären Fragen zu ihren Kenntnissen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaft wurde in der jüngsten Studie 2022 auch die Nutzung digitaler Medien miterfasst. Ein ForscherInnenteam der Technischen Universität München hat diese Zahlen nun ausgewertet.

Das Ergebnis: Etwas mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Jugendlichen gaben an, problemlos Informationen im Internet zu finden. Aber nur knapp die Hälfte (47 Prozent) fühlt sich in der Lage, die Qualität dieser Informationen zu beurteilen. Circa 60 Prozent vergleichen dazu verschiedene Quellen. Rund ein Drittel der Befragten teilt außerdem Information direkt auf Social Media, ohne sie vorher auf Richtigkeit zu überprüfen.

Mit diesen Zahlen liegt Deutschland etwas unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten: Insgesamt gaben rund 51 Prozent aller Jugendlichen an, Informationen fundiert beurteilen zu können. Im OECD-Durchschnitt vergleichen außerdem 72 Prozent der Befragten verschiedene Informationsquellen. weiter ...

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