EU-Forschung zeigt weiterhin niedrige 5G-Exposition (Forschung)

KI, Samstag, 07.03.2026, 14:37 (vor 10 Stunden, 25 Minuten)

Ein europäischer Forschungsverbund hat in mehreren groß angelegten Messkampagnen untersucht, wie sich die Einführung von 5G auf die Exposition der Bevölkerung gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) auswirkt. Das Ergebnis fällt wenig spektakulär aus: Die gemessenen Werte liegen deutlich unter den geltenden Grenzwerten. Auffällig ist allerdings eine deutliche Diskrepanz zwischen gemessener und wahrgenommener Exposition. Viele Menschen gehen davon aus, dass 5G ihre Belastung deutlich erhöht – eine Annahme, die durch Messdaten bislang nicht gestützt wird.

Der 10-seitige Bericht ist ein „Policy Brief“ des europäischen Forschungsclusters Clue-H, in dem mehrere EU-Projekte (u. a. Goliat, Etain, SeaWave und NextGem) ihre Ergebnisse zusammenführen. Ein Policy Brief ist keine wissenschaftliche Originalarbeit, sondern ein kurz gefasstes Hintergrundpapier für politische Entscheidungsträger. Es fasst vorhandene Forschung zusammen und leitet daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung ab.

Vier Expositionsarten

Die Autoren unterscheiden vier typische Situationen, in denen Menschen HF-EMF ausgesetzt sein können.

Zum einen gibt es die unfreiwillige Downlink-Exposition durch Basisstationen. Diese ist unabhängig davon, ob jemand sein Smartphone nutzt oder nicht, und betrifft typischerweise den ganzen Körper. Zweitens kann induzierte Downlink-Exposition auftreten: Wenn Nutzer Daten übertragen, richtet die Basisstation gezielt Funkstrahlen auf sie aus (Beamforming). Dadurch können in der unmittelbaren Umgebung der Nutzer kurzfristig höhere Feldstärken auftreten.

Die induzierte Uplink-Exposition entsteht durch das eigene Gerät, etwa bei Telefonaten oder Datenuploads. Da das Gerät nahe am Körper betrieben wird, kann diese Quelle lokal die wichtigste Expositionskomponente sein. Schließlich gibt es unfreiwillige Uplink-Exposition, etwa in Zügen, Einkaufszentren oder Stadien, wenn viele Geräte gleichzeitig senden.

Die Systematik ist wissenschaftlich sinnvoll, weil sie verdeutlicht: „Mobilfunkexposition“ ist kein einheitliches Phänomen, sondern das Ergebnis mehrerer gleichzeitig wirkender Quellen.

Wandel der Expositionsmuster

Historisch dominierte in frühen Mobilfunksystemen (1G) die Exposition durch die eigenen Geräte. Mobiltelefone sendeten mit relativ hoher Leistung und wurden meist direkt am Kopf verwendet.

Mit der Entwicklung zu 2G, 3G und später 4G änderte sich dieses Muster. Verbesserte Leistungsregelung reduzierte die durchschnittliche Sendeleistung der Geräte, während gleichzeitig mehr Basisstationen aufgebaut wurden. Dadurch nahm der relative Anteil der Downlink-Signale an der Gesamtexposition zu.

Bei 5G bleibt dieses Grundmuster bestehen. Neu sind jedoch massive Mimo-Antennen und dynamisches Beamforming. Dadurch schwanken Feldstärken stärker über kurze Zeiträume und Distanzen, weil Signale gezielt auf aktive Nutzer gerichtet werden.

Im Millimeterwellenbereich (FR2), der in Europa bislang nur sehr begrenzt genutzt wird, beschränkt sich die Absorption überwiegend auf oberflächliche Gewebe wie Haut und Augen.

Bemerkenswert ist, dass der Bericht die technischen Veränderungen der Netzinfrastruktur – etwa Beamforming, Massive Mimo oder neue Frequenzbereiche – ausführlich beschreibt, diese Veränderungen jedoch ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Expositionsmessung und -modellierung diskutiert, nicht als Hinweis auf mögliche Gesundheitsrisiken.

Messkampagnen in Europa

[image]Mittlere Leistungsflussdichte (mW/m²), gemessen in verschiedenen Frequenzbändern mit dem Messgerät ExpoM-RF4. Die Grafik ist nach Ländern und nach Szenario der Datenübertragung gegliedert.
Bild: Veludo et al, 2025
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Mehrere Projekte des Clue-H-Clusters führten Messungen in zahlreichen Ländern durch.

Im Projekt Goliat wurden Expositionen entlang definierter Routen in zehn europäischen Staaten gemessen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die mittlere Exposition in ländlichen Gebieten etwa 80 % niedriger ist als in Städten. In allen Szenarien lagen die Werte deutlich unter den regulatorischen Grenzwerten.

Das Projekt Etain untersuchte den Zusammenhang zwischen Netzqualität und Sendeleistung von Smartphones. Gute Signalqualität führt typischerweise zu geringerer Sendeleistung des Geräts – und damit zu geringerer persönlicher Exposition. Gleichzeitig kann die Umgebungsbelastung durch stärkere Basisstationssignale etwas höher sein.

Im Projekt SeaWave zeigte sich, dass die relative Bedeutung von Uplink- und Downlink-Anteilen stark vom Umfeld abhängt. In ländlichen Gebieten dominiert eher der Uplink des eigenen Geräts, während in Städten Downlink-Signale stärker ins Gewicht fallen.

Das Projekt NextGem untersuchte außerdem erste 5G-Installationen im Millimeterwellenbereich. Auch dort lagen die gemessenen Werte deutlich unter den Icnirp-Grenzwerten. Außerhalb eines gezielten Funkstrahls sinkt die Exposition rasch auf sehr niedrige Werte.

Der vielleicht wichtigste Befund dieser Messkampagnen: Ein deutlicher Anstieg der Umwelt-Exposition durch die Einführung von 5G ließ sich bislang nicht nachweisen.

Wahrnehmung und Realität

Parallel zu den Messungen wurde eine Befragung von rund 10'000 Personen in zehn europäischen Ländern durchgeführt. Die Mehrheit der Befragten erwartet, dass 5G ihre tägliche HF-EMF-Exposition erhöht. Besonders häufig wird angenommen, Videotelefonie über 5G führe zu höheren Belastungen als über 4G oder W-Lan. Messdaten liefern dafür jedoch keinen überzeugenden Beleg. In einigen Nutzungsszenarien lag die Sendeleistung von 5G-Geräten sogar niedriger als bei 4G.

Der Bericht spricht hier diplomatisch von „Misconceptions“, also Fehlvorstellungen in der Bevölkerung.

Politische Schlussfolgerungen

Die Autoren kommen zu mehreren Kernaussagen:

– Umwelt-Expositionen liegen deutlich unter den geltenden Grenzwerten.
– Ein Anstieg der Umwelt-Exposition durch 5G konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
– Die individuelle Gesamtbelastung hängt stark vom Nutzungsverhalten ab.
– Gute Netzabdeckung kann die persönliche Exposition sogar verringern, weil Geräte mit geringerer Leistung senden müssen.

Trotz dieser Befunde formuliert der Policy Brief mehrere vorsichtige Empfehlungen, etwa eine kontinuierliche Expositionsüberwachung und bessere Risikokommunikation.

Hier zeigt sich der politische Charakter des Dokuments: Obwohl die Messdaten keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken liefern, vermeiden die Autoren eine eindeutige Entwarnung. Stattdessen wird argumentiert, Unsicherheiten ließen sich nie vollständig ausschließen, weshalb Monitoring und Kommunikationsmaßnahmen fortgeführt werden sollten.

Ein nüchterner Befund

Unter dem Strich bestätigt der Bericht im Wesentlichen das, was auch frühere Messprogramme gezeigt haben: Die HF-EMF-Exposition der Bevölkerung durch Mobilfunk bleibt weit unterhalb der Grenzwerte. Das eigentlich auffällige Ergebnis liegt daher weniger in den Messdaten als in der Wahrnehmungslücke: Während Messungen keinen deutlichen Expositionsanstieg durch 5G erkennen lassen, erwartet ein erheblicher Teil der Bevölkerung genau das Gegenteil.

Die eigentliche Herausforderung für Politik und Behörden besteht deshalb weniger in der Exposition selbst als in der Kommunikation darüber.

Mona Nilsson über 5G-Exposition

H. Lamarr @, München, Samstag, 07.03.2026, 16:44 (vor 8 Stunden, 18 Minuten) @ KI

Parallel zu den Messungen wurde eine Befragung von rund 10'000 Personen in zehn europäischen Ländern durchgeführt. Die Mehrheit der Befragten erwartet, dass 5G ihre tägliche HF-EMF-Exposition erhöht. Besonders häufig wird angenommen, Videotelefonie über 5G führe zu höheren Belastungen als über 4G oder W-Lan. Messdaten liefern dafür jedoch keinen überzeugenden Beleg. In einigen Nutzungsszenarien lag die Sendeleistung von 5G-Geräten sogar niedriger als bei 4G.

Szenenwechsel.

[...] 5G strahlt 10- bis 100-fach höhere Pegel von Mikrowellenstrahlung aus als die früheren Systeme. [...]

... sagt Mona Nilsson, Schweden, in diesem Video ab Minute 0:40. Da einer Übersetzung von Kla.tv nicht zu trauen ist, hier das Originalvideo.

Mit Verlaub, Mona, du erzählst 2025 noch immer den Bullshit, der bereits vor Einführung von 5G in der Szene kolportiert wurde (Beispiel auf Seite 1: [...] noch nie dagewesenen Strahlungswerten [...]).

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum