Wie sachlich ist die Kritik der Icnirp-Opposition? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 16.04.2021, 00:43 (vor 531 Tagen) @ Wellenreiter

... Erheblich glaubhafter wirkt es, wenn Wissenschaftler vom Fach Icnirp auf der Sachebene Vorhaltungen machen ...

Könnten Sie etwas genauer erläutern, was Sie unter Sachebene verstehen. In keiner der von Ihnen zitierten Textpassagen finde ich eine tatsächlich (wissenschaftlich) sachliche (bzw. fachliche) Auseinandersetzung mit den Guidelines oder der in dem Zusammenhang sicherlich mitgemeinten ICNIRP-Stellungnahme zu den großen Nagerstudien.

Gern, "Wellenreiter", denn ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt.

Das IZgMF verorte ich in einem Schichtenmodell an der Grenzfläche zwischen der Wissenschaft und den darunter liegenden Schichten der Laien, wobei wir uns, da wir streng genommen selber Laien sind, bevorzugt in den Laienschichten aufhalten und nur zuweilen Ausflüge in die Wissenschaft unternehmen. In den Laienschichten (Diagnose-Funk, "Kompetenzinitiative", Bürgerinitiativen, kommerzielle Nutznießer ...) sehe ich, dass gegen Icnirp polemisiert wird mit Unterstellungen, Munkeln & Raunen sowie der dankbaren Verwurstung von jedweder fremden Icnirp-Kritik (z.B. Medienberichte, Wissenschaftlerkritik). Der Klassiker in diesen Schichten ist die Unterstellung der Industriegefälligkeit von Icnirp.

Diese Icnirp-Kritik von Laien für Laien ist häufig anzutreffen, mir ziemlich vertraut und daher für meine Einschätzung der Leszczynski/Lin-Kritik der Maßstab gewesen. Sie haben einen weitaus strengeren Maßstab angelegt. Ob Icnirp überhaupt einmal auf der wissenschaftlichen Sachebene angegriffen wurde kann ich nicht beurteilen, da ich weder Zugang zu den Quellen habe noch einer wissenschaftlich anspruchsvollen Auseinandersetzung inhaltlich folgen könnte.

Meiner Beobachtung nach wird Icnirp von der Opposition weniger dafür angegriffen, was sie machen, sondern was sie aus Sicht der Opposition sind. Nämlich ein kleiner aber einflussreicher Verein, der tut was er will, andere nicht mitspielen lässt und dunklen Interessenkonflikten unterliegt. Leszczynski und Hardell spielen ihren laienhaften Gefolgsleuten zuliebe nicht selten auch diese Geige, Lin nicht, der bleibt zu diesen Schichten (bislang) auf Distanz. Und diesmal blieb aus meiner Sicht auch Leszczynski auf höherem Niveau, denn er verkniff sich polemische Abwertungen. Seine Kritik zielt auf die Organisationsstruktur von Icnirp und das halte ich für durchaus legitim.

Icnirp reagiert auf Anwürfe bekanntlich so gut wie gar nicht und lässt Anschuldigungen unwidersprochen. Vermutlich haben die dafür gar keine Zeit. Kann man so halten, wenn man fest im Sattel sitzt. Unwidersprochenes hat für entsprechend konditionierte Teilnehmer der Mobilfunkdebatte jedoch einen gewissen Wahrheitswert. Und da sehe ich das Risiko, dass die Opposition über lange Zeit gesehen den Ruf von Icnirp mit Dauernörgeln so untergräbt, dass z.B. auf politischer Ebene irrationale Prozesse in Gang kommen, die nicht mehr zu stoppen sind. Der Covid-19-Impfstoff von Astra-Zeneca erlebt gegenwärtig bei uns so eine leichtfertig herbeigeführte Imagekorrosion im Zeitraffer.

Mist, viele Worte, tut mir leid. Ich hatte leider keine Zeit mich kürzer zu fassen ... :-)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Unterstellung, Hardell, Leszczynski, Opposition, ICNIRP-Kritiker, Industriegefälligkeit, Organisationsstruktur


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