SSK: Leitlinien guter Politikberatung (Allgemein)

Gast, Samstag, 05.12.2020, 01:18 (vor 795 Tagen)

[...] Weingart et al. (2008) formulieren als Ergebnis einer Arbeitsgruppe der Berlin-Branden-burgischen Akademie der Wissenschaften Leitlinien für die „gute Praxis“ der Politikberatung. Nach ihrem Dafürhalten ist die wichtigste Bedingung einer effektiven und legitimen wie sachangemessenen Beratung ihre Unabhängigkeit. Demzufolge muss der Rat unabhängig von Einflüssen der Auftraggeber und/oder anderer externer Interessenten sein. Die formale Unabhängigkeit einer Sachverständigenkommission äußert sich nach Weingart und Lentsch(2008)u. a.darin, dass ihre Mitglieder ehrenamtlich arbeiten und nicht in eine dem Ministerium nachgeordnete Behörde eingegliedert sind.

Das Ergebnis wissenschaftlicher Beratung soll epistemisch und politisch robust sein. Epistemische Robustheit bezieht sich auf die Qualität des wissenschaftlichen Wissens, das in die Beratung eingeht, während politische Robustheit sich auf die politische Umsetzbarkeit bezieht (Weingart und Lentschet al.2008). Zur Sicherung der epistemischen Robustheit ist die sorgfältige Auswahl der Kommissionsmitglieder von entscheidender Bedeutung. Die Besetzung der Kommission ist der wichtigste Mechanismus, über den die Auftraggeber direkt Einfluss auf die Arbeit des Gremiums nehmen können (Weingart und Lentsch 2008). Nach den Leitlinien der „guten Praxis“ muss die Auswahl der Sachverständigen in einem transparenten Verfahren nach nachvollziehbaren, sachlichen Kriterien erfolgen (Weingart et al. 2008).

Die SSK empfiehlt daher: Die Auswahl der für die fachliche Beratung des BMU erforderlichen Expertinnen und Experten sollte auf fachlich fundierter und transparenter Grundlage erfolgen. Neben der fachlichen Exzellenz im jeweiligen Fachgebiet (dokumentiert insbesondere durch Fachpublikationen, die Teilnahme an einschlägigen Forschungsprojekten, die berufliche Qualifikation und Erfahrung in der beruflichen Tätigkeit sowie die Mitarbeit bei einschlägigen nationalen und internationalen Expertengremien) sind auch Erfahrungen im interdisziplinären Dialog einschließlich der Bereitschaft zur fachübergreifenden Konsensfindung von Bedeutung. Die Identifikation von Interessenskonflikten muss integraler Bestandteil des Auswahlprozesses sein. [...] mehr ...


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