Geisterstandort in EMF-Karte der BNetzA (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 02.08.2020, 17:49 (vor 9 Tagen)

Auszug aus merkur.de vom 27. Juli 2020:

Bundesnetzagentur verzeichnet Sendeanlage in Weilheim, die es gar nicht gibt

Mit anonymen Briefen macht ein Weilheimer Bürger dieser Tage mobil gegen Mobilfunkantennen, die angeblich aus dem Anwesen Obere Stadt 74 (der einstigen Spedition Waldas) senden. Völlig unbegründet, wie sich jetzt zeigt.

Weilheim – „Wahrscheinlich sind diese Antennen unter dem Dach angebracht“, heißt es in dem Schreiben, das in der Nachbarschaft verteilt wurde. Und weiter: „Wenn dir deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen am Herzen liegt, solltest du etwas dagegen unternehmen! Um so näher du dran wohnst, um so tödlicher können die Auswirkungen sein.“ Vom umstrittenen Thema „5G“ ist in dem Brief selbst nicht die Rede. Außen wurde aber (zumindest auf dem Umschlag, der unserer Redaktion weitergegeben wurde) mit Leuchtmarker geschrieben: „Vorsicht 5G Sendemast“.

Unterzeichnet ist der Brief – „mit kameradschaftlichem Gruß“ – nicht mit Namen, sondern lediglich so: „Ein ebenfalls betroffener Nachbar in unmittelbarer Strahlungsnähe“. Beigelegt sind Ausdrucke aus der im Internet einsehbaren EMF-Datenbank (Elektromagnetische Felder) der Bundesnetzagentur, welche das genannte Anwesen tatsächlich als Standort dreier Sendeantennen ausweisen.

Auch Michael Waldas, der Eigentümer jenes Grundstücks in der Oberen Stadt, hat den anonymen Brief bekommen – und sich damit an unsere Zeitung gewandt. Denn es gebe bei ihm keine Mobilfunksender, beteuert der 65-Jährige: „Da ist nichts und war nichts.“ Sein Anwesen sei fälschlicherweise bei der Bundesnetzagentur als Standort verzeichnet, sagt Waldas. [...]

Kommentar: Kann das tatsächlich sein, dass die BNetzA einen Mobilfunkstandort zeigt, den es nie gegeben hat? Die BNetzA würde damit auf den Spuren eines österreichischen Mobilfunkgegners wandeln, der mit einer wissenschaftlichen Studie enormes Krebswachstum um einen früheren Mobilfunkstandort (C-Netz) feststellte, den es jedoch, wie sich anlässlich einer Prüfung herausstellte, nachweislich nie gegeben hat. Für den Geisterstandort gibt der Bericht im weiteren Verlauf indes eine plausible Erklärung.

Gemäß dem Medienbericht muss ein Leser jedoch glauben, die EMF-Karte der BNetzA zeige den Standort einer Mobilfunksendeanlage exakt dort an, wo dieser tatsächlich ist. Daran aber sind Zweifel angebracht. Denn 2004, kurz nach Einrichtung der EMF-Karte, nannte die Regulierungsbehörde noch einen Positionierungsfehler von bis zu 80 Meter. Begründet wurde diese Ungenauigkeit nicht mit technischen Unzulänglichkeiten der Umsetzung, sondern mit Belangen des Datenschutzes. Eine Probe aufs Exempel durch das IZgMF ergab seinerzeit allerdings noch viel größere Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Standort und dem in der EMF-Karte angezeigten.

Die Spurensuche nach dem Positionierungsfehler verlief heute im Begleittext zur EMF-Karte der BNetzA erfolglos. Dies lässt Raum für Spekulationen. Etwa die, dass das Datenschutzargument inzwischen entfallen ist und der Standort tatsächlich punktgenau angezeigt wird. In Anbetracht der heute gegenüber 2004 erheblich verschärften Datenschutzes mag ich an diese Spekulation nicht so recht glauben. Plausibler ist für mich die Erklärung, ein Standort wird weiterhin ungenau angezeigt, um keine schlafenden Hunde zu wecken, erfährt ein Nutzer der EMF-Karte davon jedoch nichts. Um Klarheit zu bekommen, wird sich eine Anfrage bei der BNetzA nicht vermeiden lassen.

Fakt ist, der Screenshot unten zeigt einen Mobilfunkstandort in unmittelbarer Nähe (etwa 100 Meter nord-westlich) des Anwesens Obere Stadt 74. Aufgenommen wurde der Screenshot, nachdem der Bericht auf merkur.de erschien, der beanstandete Geisterstandort von der BNetzA also schon gelöscht war. Doch wenn der Screenshot jetzt tatsächlich die Realität wiedergibt, warum agiert der anonyme Briefschreiber dann gegen den Geisterstandort und nicht gegen den rund 100 Meter nord-westlich davon gelegenen unübersehbare 40 Meter hohen Richtfunkmast, der (mit Google Earth) tatsächlich genau an der Stelle zu finden ist, wie diese in der EMF-Karte eingetragen ist? Üblicherweise erkennen laienhafte Mobilfunkgegner auch in Richtfunkmasten eine Bedrohung, und das Exemplar, um das es hier geht, trägt immerhin 13 Richtfunkantennen.

Unweit des Standorts Obere Stadt 74 (gelb markiert) befindet sich noch ein Antennenmast
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Bild: BNetzA

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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