Verein "Schutz vor Strahlung": Baurechtsabteilung sprachlos (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 28.06.2020, 21:19 (vor 14 Tagen)

Rebekka Meier ist Uhrmacherin und betreibt in Grenchen, Schweiz, ein Uhrenatelier. Dies qualifizierte sie, um öffentlich eine Brandrede gegen 5G zu halten, welche sie wiederum postwendend qualifizierte, von dem Verein Schutz vor Strahlung zur "Leiterin" von dessen "Baurechtsabteilung" berufen zu werden. Nicht wundern, solche steilen Karrieren sind unter organisierten Mobilfunkgegnern gang und gäbe – auch Kinderpostämter brauchen dringend Personal, das für lau arbeitet.

Im April 2020 begab es sich, dass, anlässlich des zweiten Vernehmlassungsverfahrens zur Revision des Schweizer Fernmeldegesetzes, der Verein Schutz vor Strahlung sich in Gestalt von Frau Meier uneingeladen zu Wort meldet. Was die Uhrmacherin aus Grenchen an Einwänden vorzutragen hat kann man hier nachlesen.

Von dem 3-seitigen PDF behandeln die ersten beiden Seiten Einwände, die auch von anderen Mobilfunkgegnern vorgetragen wurden, exklusiv ist hingegen der Einwand gegen die PLC-Technik (Power Linie Communication) auf Seite 3. PLC ist eine von mehreren Möglichkeiten, die von einem Smart Meter gemessenen Verbrauchswerte an einen Versorger zu übertragen. Im konkreten Fall geschieht dies mit einem modulierten HF-Signal, das nicht über die Luft, sondern über die Stromleitungen seinen Weg zunächst zu einem Konzentrator findet, und von diesem zum Versorger weitergeleitet wird. Privat wird PLC gerne verwendet, um mit W-Lan nicht oder schlecht versorgte Räume ans Internet anzubinden.

Auszug aus einer sogenannten Medienmitteilung des Vereins Schutz vor Strahlung.
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Was mich zu diesem Posting gebracht hat ist die folgende Behauptung der Uhrmacherin:

PLC-Signale stören zudem Smart Meter dermassen, dass die Messergebnisse um bis zu 500% verfälscht werden können, wie Testläufe in der Stadt Grenchen gezeigt haben.

Würde diese Verfälschung zugunsten der Verbraucher ausfallen, keiner von diesen würde sich beschweren. Leider lässt sich Frau Meier weder über die Richtung der Verfälschung näher aus noch nennt sie eine Quelle für ihre Behauptung.

Doch wer soll in Grenchen eine Verfälschung von Smart-Meter-Messwerten durch PLC festgestellt haben, wenn nicht die SWG, der Energieversorger der Stadt? Auf Anfrage teilte mir die SWG mit:

Wir haben die Aussagen aus der rubrizierten Stellungnahme zu Händen des UVEK zur Kenntnis genommen und distanzieren uns in aller Form von diesen Ergebnissen. Wir weisen darauf hin, dass die SWG zu keiner Zeit in diese Tests involviert waren, geschweige denn deren Ursprung ist. Die von uns eingesetzten Messgeräte entsprechen sämtlichen messtechnischen Anforderungen und werden ebenfalls periodisch durch das eidgenössische Institut für Metrologie (METAS) überprüft. Weiter entnehmen wir der Stellungnahme weder eine Quellenangabe, noch eine entsprechende Dokumentation der Testläufe, weshalb diese aus unserer Sicht keine empirische Relevanz aufweist.

Das sind klare Worte. Doch meine Nachfrage, ob ein PLC-Gateway die Messwerterfassung eines an sich einwandfreien Smart Meters (mutmasslich durch HF-Einstrahlung) vielleicht doch empfindlich stören könne, wollte die SWG nicht abschließend kommentieren: Die Herleitung allfälliger Störfaktoren sei ohne konkrete Angaben zu den herrschenden Rahmenbedingungen dieser Tests rein spekulativ. Solange diese konkreten Angaben nicht vorlägen, könne die SWG auch keine wissenschaftlich fundierten Interpretationen zu den Messergebnissen abgeben.

Mir leuchtete ein, dass die SWG keine Kaffeesatzleserei wegen der unbelegten Behauptung einer Uhrmacherin betreiben wollte. Um die SWG mit den fehlenden Daten für eine sachkundige Interpretation versorgen zu können, schrieb ich am 10. Juni Rebekka Meier an und bat um Auskunft. Heute, 18 Tage später, habe ich die Hoffnung auf Antwort begraben.

Fazit: Wer einer Uhrmacherin, die von einem Kinderpostverein wie Schutz vor Strahlung mit dem Posten der Leiterin der Baurechtsabteilung betraut wird, so viel Bedeutung beimisst wie ich das getan habe, – der ist selber schuld, wenn er Antwort auf eine unbequeme Sachfrage erwartet.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Nachgefragt, Meier, Schutz vor Strahlung


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