Smart Meter: Prof. Müggenborg fehlen die Worte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 06.10.2019, 00:12 (vor 617 Tagen) @ H. Lamarr

Ein weiterer Offener Brief kursiert in der Anti-Mobilfunk-Szene. Diesmal sind es Peter Hensinger und einige Akademiker, die den Deutschen Bundesrat bedrängen mit ihrer Bitte um Anstoß einer Änderung des Mess­stellenbetriebsgesetzes gemäß der Entschließung des Bundesrates vom 8. Juli 2016 (Drucksache 349/16). Im Klartext: Es geht um Smart Meter.

Der Offene Brief hat den Briefkopf von Prof. Dr. jur. Hans-Jürgen Müggenborg, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Honorarprofessor der RWTH Aachen und Lehrbeauftragter der Universität Kassel.

Am 29. August 2019 bat ich Prof. Müggenborg um Auskunft:

Sehr geehrter Herr Prof. Müggenborg,

der Verein für Elektrosensible, München, verbreitet Ihren Offenen Brief, den Sie wegen befürchteter gesundheitlicher Risiken funkbetriebener Smart-Meter dem Deutschen Bundesrat geschrieben haben. Darin heißt es u.a.:

[...] Und das sollte ebenso für PLC-Modelle gelten, denn auch da gibt es begrün­dete E-Smog-Be­den­ken (z.B. liegen laut der Österreichischen Ärztekammer für Frequenzen im Kilohertzbe­reich, wie sie bei PLC-Anbindung vom Trafo zum Smart-Meter auftreten, Daten aus den USA vor, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten). [...].

Die Suche nach der Quelle für diese Behauptung führte mich zuerst zu einem Brief der Österreichischen Ärztekammer (Sekundärquelle) an das Österreichische Wirtschaftsministerium, in dem als einzige Primärquelle für die Behauptung eine Studie von zwei US-Wissenschaftlern genannt wird:

http://www.sammilham.com/La%20Quinta%20Middle%20school%20teachers%27%20cancers.pdf

Doch diese Studie stützt die oben genannte Behauptung in keiner Weise. Denn diese Arbeit beschäftigt sich nicht mit PLC (Power Line Communication, Datenübertragung mit einem leitungsgebundenen hochfrequenten Trägersignal), sondern mit der Auswirkung von Hochspannungstransienten, wie sie bei abrupten Schaltvorgängen (z.B. durch Schaltnetzteile) in allen Stromnetzen weltweit auftreten. Der Begriff PLC wird in der Studie kein einziges Mal erwähnt.

Kann es sein, dass Sie die aus meiner Sicht unqualifizierte Darstellung der Österreichischen Ärztekammer ungeprüft als Beleg für ein Krebsrisiko durch PLC in Ihren Offenen Brief übernommen haben? Und: Hat der Deutsche Bundesrat inzwischen reagiert?

Viele Grüße aus München

Da meine Anfrage unbeantwortet blieb, fasste ich am 14. September nach. Doch auch diese Erinnerung bewegte Müggenborg bis heute nicht zu einer Antwort. Das Schweigen des Professors bestätigt die schon häufig beobachtete Einbahnstraßen-Haltung überzeugter Funkgegner: Sie dozieren vor Laienpublikum gerne über angebliche Risiken von Funkfeldern, unerquicklichen Fragen hingegen gehen sie lieber aus dem Weg. Wohl wissend, dass es sie nur arg in die Bredouille bringen würde, haben Anti-Mobilfunk-Vereine wie die sogenannte Kompetenzinitiative und Diagnose-Funk deshalb zu keiner Zeit seit Vereinsgründung ein öffentliches Diskussionsforum angeboten.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Anfrage, Brief, Smart Meter, PLC, Müggenborg


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