Elektrosmog: Kartell der Desinformanten (Medien)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 09.07.2019, 16:05 (vor 12 Tagen)

In der Anti-Mobilfunk-Szene schwirren zahllose selbsternannte Experten umher, wie Fruchtfliegen um überreifes Obst. Lokale und regionale Medien zerren den Schwulst, den diese Leute auf irgendwelchen Veranstaltungen ahnungslosen Laien vortragen, gerne in die Öffentlichkeit. Dieses Kartell der Desinformanten steht unter dem Schutz der Meinungsfreiheit. Stillschweigend hinnehmen muss man derartige Dauerattacken auf den "gesunden Menschenverstand" indes nicht. Ein Beispiel aus der bayerischen Provinz.

Die Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft noch produzierender Landwirte am Mittwoch im Hotel am Regenbogen war wie immer gut besucht. Darüber freute sich auch der Vorsitzende Wolfgang König bei der Begrüßung und stellte auch gleich den Hauptredner es Abends, Heinrich Schmid aus Lalling, vor, der einen Vortrag hielt mit dem Titel „Der schleichende Tod“, womit natürlich nichts anderes als Elektrosmog gemeint ist. Was der Referent den Landwirten auftischte kann jeder Schmerzunempfindliche selbst in der Mittelbayerischen vom 9. März 2018 nachlesen. Am Ende bedankte sich Vorsitzender König beim Referenten, dessen Vortrag angeblich ausnahmslos nachdenkliche Gesichter hinterließ und legte nach, Elektrosmog könne nicht nur den Menschen beeinträchtigen, sondern auch Kühe. Ein Symptom sei Lethargie: Die Tiere fräßen nicht, seien schlapp und teilnahmslos. Im schlimmsten Fall zeigten sich Tumore, die gerade auch bei Tieren schlecht erfasst werden könnten.

Soweit der Sachstand.

In der Oberpfalz ist es zu einer Verkettung von drei unglücklichen Umständen gekommen, die in der unsäglichen Mobilfunkdebatte freilich nicht selten sind: Ein fachlich unqualifizierter Vereinsvorsitzender lädt einen Pseudoexperten zum Vortrag ein und ein gegen Blödsinn resistenter Lokalreporter hebt die dargebotene Desinformation in sein Blatt. Eine Erklärung für dieses kollektive Versagen liefert der Dunning-Kruger-Effekt, der auch unter dem Pseudonym "Mount Stupid" bekannt ist.

Laut Mittelbayerischer ist Heinrich Schmid Kfz-Mechaniker, Kfz-Meister sowie Fachlehrer für Metall, Kfz-Elektrik und Landmaschinen und außerdem noch Erfinder mit über 140 Patenten. Er ist auch Gründer und Technischer Entwicklungseiter der Ngine Corporation. Warum Wolfgang König die offenkundig miserable Kompetenzausstattung seines Referenten in Sachfragen zur biologischen Wirkung von Elektrosmog nicht abgeschreckt hat, den Mann überhaupt einzuladen, bleibt sein Geheimnis, bestätigt jedoch den Sinnspruch, unter Blinden sei der Einäugige König.

Schmid beließ es nicht bei seinem Auftritt vor Landwirten, 2019 brachte er ein Buch mit dem vielversprechenden Titel "Mörderische Strahlung - Tödliche Konsequenzen" heraus, das er als E-Book für 6,99 Euro an Leute verkaufen will, die mit Seil und Steigeisen ausgestattet am Fuß des Mount Stupid stehen und den Aufstieg wagen wollen. Der Inhalt des Buches hält was der Titel verspricht, wer unbeirrbar darauf aus ist, Stuss über das angebliche Risiko Mobilfunk zu tanken, ist mit dem Werk gut beraten. Schmid hat z.B. keine Hemmungen gehabt, das Sprücheklopfinterview des "alternativen" Magazins KenFM mit dem Ex-Tabaklobbyisten Franz Adlkofer Wort für Wort abzukupfern. Ob er dazu autorisiert wurde sei dahingestellt. Tatsache ist, dass er mit diesem Mist Schnee von gestern verbreitet, denn Adlkofers Verlautbarungen über seine gerichtliche Auseinandersetzung mit der Süddeutschen Zeitung sind seit 4. Juni 2019 nur noch Makulatur.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Zerrbild, Copy-Paste, Nutznießer, Adlkofer, Trittbrettfahrer, Kommerz, Mount Stupid, KenFM, Hobby, Referent, Selbsteinschätzung


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