Metastudie sieht kein Hirntumorrisiko durch Mobiltelefone (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 20.02.2019, 01:57 (vor 211 Tagen)

Fünf maßgebliche Epidemiologen sprechen sich in der kommenden April-Ausgabe des Journals "Annual Review of Public Health" gegen ein höheres Hirntumorrisiko infolge Mobiltelefongebrauchs aus.

Brain and Salivary Gland Tumors and Mobile Phone Use: Evaluating the Evidence from Various Epidemiological Study Designs

Martin Röösli, Susanna Lagorio, Minouk J. Schoemaker, Joachim Schüz, Maria Feychting

Abstract
Mobiltelefone sind die maßgebende Quelle für elektromagnetische Felder, die auf das Gehirn und die Speicheldrüsen einwirken. Ob diese Exposition ein Krebsrisiko bewirkt, wurde mit mehreren Fall-Kontroll-Studien und einigen Kohortenstudien untersucht. Eine Meta-Analyse dieser Studien zeigt nun kein erhöhtes Risiko für Meningiom-, Hypophysen- und Speicheldrüsentumoren. Bei Gliomen und Akustikusneurinomen sind die Ergebnisse widersprüchlich, einige wenige Fall-Kontroll-Studien berichten eine erhebliche Risikozunahme. Diese erhöhten Risiken stehen jedoch nicht im Einklang mit den beobachteten zeitlichen Trends der Inzidenzraten, die in diesem speziellen Zusammenhang deshalb als aufschlussreich gelten, da der Gebrauch von Mobiltelefonen stark ansteigt, nahezu vollständige Daten der Krebsregister aus vielen Ländern zur Verfügung stehen und die Anzahl alternativer Umweltrisikofaktoren begrenzt ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, die epidemiologischen Studien deuten nicht auf ein erhöhtes Tumorrisiko des Gehirns oder der Speicheldrüsen durch den Gebrauch von Mobiltelefonen hin. Unsicherheiten bleiben weiter bestehen in Bezug auf lange Latenzzeiten (länger als 15 Jahre), seltene Gehirntumoren und die Verwendung von Mobiltelefonen im Kindesalter.

In Fachkreisen ist die aufsehenerregende Studie bereits seit einigen Wochen bekannt, gestern berichtete Microwave News als erster Informationsdienst über die Arbeit unter der Titelzeile "The Precarious Case Against Precaution", was sich sinngemäß mit "Risiko vs. Vorsorge" übersetzen lässt.

Vorläufiger Volltext der Metastudie (PDF, englisch, 18 Seiten)
Annual Review of Public Health

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Wissenschaft, Studie, Handy, Risiko, Schüz, Hirntumor, Gliom, Röösli, Feychting, Lagorio, Minouk, Schömaker, Speicheldrüsen


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