Immobilien: Kein Wertverlust wegen Mobilfunksendemast (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.07.2018, 21:44 (vor 483 Tagen)

Eines der beliebtesten Argumente von Sendemastengegnern ist der befürchtete Wertverlust des Eigenheims, kommt ein geplanter Mobilfunksendemast dem eigenen Anwesen zu nahe. Vor mehr als zehn Jahren war dies ein noch viel größerer Aufreger, der sich aber zu keiner Zeit verbindlich konkretisieren ließ, sondern stets vage und unbewiesen blieb.

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Inzwischen aber gibt es im Internet Dienste, die über die Wertentwicklung einer Immobilie Auskunft geben. Ob diese Auskünfte zutreffend sind sei einmal dahingestellt, aus meiner Sicht sind die Dienste jedoch immerhin besser als Kartenlegen oder der feuchte Finger in der Luft. Der Witz daran ist, dass man anhand bekannter Mobilfunkstandorte nachprüfen kann, ob sich am Ort des Geschehens der Wert einer Immobilie im Vergleich zu anderen Objekten merklich schlechter entwickelt hat – oder eben nicht. Die Dienste sind also ein Werkzeug, um dem Gerücht nachzugehen, Sendemasten wären für nahe gelegene Immobilienobjekte wertmindernd.

Das Foto zeigt einen bedrohlich wirkenden Standort in der bayerischen Gemeinde Söcking, Riedeselstraße 2, am Starnberger See. Söcking gehört zu dem Münchener Nobelvorort Starnberg. Momentan ist dieser Standort, der vor rd. zwölf Jahren errichtet wurde in der Kritik, die Stadtverwaltung würde ihn lieber heute als morgen auflösen und weiter an den Stadtrand verlegen. Wie sich der Wert der Immobilie dort in den vergangenen Jahren entwickelt hat, lässt sich mit dem Dienst Immobilienscout 24 abfragen.

Die Abfrage heute zeigte das verblüffende Ergebnis, dass die Wertentwicklung der Immobilie (Haus) in der Riedeselstraße 2 nicht schlechter ist als in Starnberg, sondern besser! Stiegen die Quadratmeterpreise in Starnberg seit 2014 im Mittel um +34 Prozent auf rd. 6700 Euro/m², nahm die Immobilie in der Riedeselstraße 2 angeblich um +37 Prozent auf rd. 7200 Euro/m² zu (siehe Grafik unten). Sollte diese Auskunft des Dienstes zutreffend sein, kann von einem Wertverlust wegen des mächtigen Sendemasten auf dem Dach keine Rede sein.

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Ein berechtigter Einwand könnte jetzt lauten: Mag sein, dass das Haus mit den Antennen auf dem Dach noch gut weggekommen ist, aber wie steht es mit den Nachbarhäusern? Eine Stichprobe mit dem etwa 50 Meter entfernten Anwesen Riedeselstraße 5 ergab jedoch dieselben (guten) Werte.

Die obigen Angaben beziehen sich auf die Kaufpreise für Häuser. Etwas ungünstiger entwickelten sich in der Riedeselstraße die Mieten und die Preise für Eigentumswohnungen. Dramatisch sind diese Abweichungen, die jeder selber bei Immobilienscout 24 erkunden kann, jedoch nicht. Um herauszufinden, ob der Sendemast etwas mit der schlechteren Entwicklung zu tun hat, habe ich mit der Riedeselstr. 43 noch ein Anwesen "untersucht", das ungefähr 1 km von dem Sendemasten entfernt ist. Doch auch dort zeigte sich dasselbe Bild wie bei den anderen beiden Objekten in derselben Straße. Dies kann nun bedeuten, dass der Sendemast tatsächlich keinerlei Auswirkungen auf den Wert und die Ertragskraft von Immobilien hat (auch keine positive), oder dass der Dienst von Immobilienscout 24 eine Genauigkeit vorgaukelt, die gar nicht gegeben ist.

Hintergrund
RDM informiert: Wertminderung bei Immobilien durch Sendemasten (2003)
Mobilfunkantennen in der Nachbarschaft: Wertzuwachs & Wertminderung von Immobilien (2004)
Umfrage zu Wertminderung von Immobilien (2010)

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Wertverlust, Sendemast, Wohngebiet, Immobilien, Standortvermieter, Mobilfunkantenne, Söcking, Starnberg, Wertminderung


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