Spatenpauli vs. Johansson: Kresse im Strahlenfeld (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 14.04.2017, 16:17 (vor 2059 Tagen)

Neulich fand meine Frau eine alte Tüte mit Kressesamen (Bild 1). Sie legte ein paar Wattepads in ein Schälchen und säte an. Große Hoffnungen machten wir uns nicht, denn das Haltbarkeitsdatum auf der Packung lautete 12/2012 und die Packung selber sah ziemlich mitgenommen aus, es musste Feuchtigkeit eingewirkt haben (Bild 2). Umso erfreuter waren wir, als die Kresse nach wenigen Tagen auf dem Fensterbrett brav keimte und sich genauso entwickelte, wie sie es sollte (Bilder 3 und 4).

Besondere Pflegemaßnahmen erhielten die Pflänzchen nicht, sie wurden nur regelmäßig gegossen und das Schälchen wurde häufig gedreht, da die Kresse, schlau wie die Grünen nun einmal sind, sich in kürzester Zeit nach dem Licht ausrichtet und daher ohne Drehen schief in Richtung Fenster wachsen würde. Die Temperatur war dem freien Spiel der Kräfte überlassen.

Nach vielleicht zwölf oder 14 Tagen war die Kresse heute so weit entwickelt, wie es die Fotos zeigen.

Und jetzt wurde es spannend: In 90 Meter von einem unserer Wohnzimmerfenster entfernt steht in Sichtverbindung zur Kresse-Plantage und in etwa gleicher Höhe ein mächtiger Sendemast (Standort-Nr. 531194) mit inzwischen 25 Antennensystemen (UMTS, LTE ...). Da es sich jedoch um Kombiantennen handelt, sind visuell nur sechs Antennen sichtbar. In etwa 1000 Meter Entfernung steht ein Rundfunkmast des BR und in unserer Wohnung selbst hat es die Kresse mit DECT und etlichen W-Lan-Netzen zu tun, unter dem Fensterbrett lauern zudem zwei Nachtspeicheröfen, von denen noch einer unter Strom steht. Kurzum: Die Kresse wird von allen Seiten mit diversen elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern verwöhnt, wie sie in dieser Mixturvielfalt wohl nicht allzu häufig anzutreffen sind.

An der Stelle, an der das Schälchen mit der Kresse am Fenster steht, brachte ich heute ein Breitbandmessgerät vom Typ HF 59B in Position, bestückt nicht mit der bekannten Christbaum-Richtantenne, sondern mit der omnidirektionalen Antenne mit Donat-Rundstrahlcharakteristik. So konnte ich sicher sein, alle Feldquellen von 27 MHz bis 3,3 GHz aus allen Richtungen zu empfangen. Gemessen habe ich bei geschlossenen Fenstern rd. 300 µW/m² (RMS) und 900 µW/m² (Peak). Das sind vernachlässigbar geringe Werte, kein Wunder dass die Kresse sich so gut entwickeln konnte. Aus baubiologischer Sicht und aus Sicht von EMF-Paranoikern sind die Werte freilich abnorm hoch.

Jetzt liegt es an den Profs Johansson & Cammaerts zu erklären, wieso meine um gut vier Jahre überalterte Kresse unter 900 µW/m² Mischbefeldung ersichtlich besser gedeihen konnte als deren Kresse unter 3 µW/m², ganz zu schweigen von deren desaströsen Ergebnissen bei 70 - 100 μW/m². Zufälligerweise handelt es sich sogar um die gleiche Kresse-Sorte "Lepidium sativum", so dass eine gewichtige Ausrede schon mal flach fällt. Meine Wiederholung des Experiments von Johansson & Cammaerts ist dennoch keine Replikation, dazu weichen die "Studiencharakteristiken" zu stark ab, das so gravierend andere Ergebnis wirft jedoch Fragen auf, die für die "Wissenschaftler" Johansson & Cammaerts weitaus unangenehmer sind als für mich.

Hintergrund
Vorkommen von Kresse-Experimenten im IZgMF-Forum
Nachgemessen: Kresse doch nicht elektrosensibel

Bild 1: Packung Kressesamen
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Bild 2: Das Haltbarkeitsdatum lief vor gut vier Jahren ab
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Bild 3: Totale der Kresseanzucht, etwa 14 Tage nach Aussaat
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Bild 4: Großaufnahme der Kressepflänzchen von Bild 3
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Kresse-Experiment


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