Brüssel: Hintergründe des Sprengbombers, der keiner ist (Allgemein)
Kurz darauf meldete sich Stephanie Lenoir selbst und widersprach den Medienberichten: Der Student habe elektromagnetische Felder messen wollen, wie sie von Mobiltelefonen ausgehen.
Ja, das ist richtig. Die Universität Gent hat ein experimentelles Personenexposimeter (PDE) entwickelt, das mit drei am Körper getragenen Drahtantennen arbeitet. Zwei Antennen sind vorne an einem T-Shirt mit Klebestreifen befestigt, eine hinten. Vorteil dieser Anordnung: Der Körper eines Menschen kann HF-Signale je nach Einfallsrichtung nicht mehr absorbieren, richtungsabhängige Messwertverfälschungen, wie bei Personenexposimetern mit integierter Antenne, sind passé. Ein mobiler Messempfänger zeichnet die Messsignale der drei Antennen für die spätere Auswertung auf. Zur Kalibrierung des neuen Messsystems wurden als Referenz zwei EMF-Personenexposimeter vom Typ ExpoM-RF verwendet, diese sollen von den derzeit verfügbaren Personenexposimetern die genauesten sein. Sie wurden seitlich links/rechts an der Hüfte getragen. Zwei, damit Abschattungen durch den Körper des Trägers folgenlos blieben.
Da das Ganze am Körper miteinander verkabelt ist, Batterien den Betriebsstrom liefern und zudem ein handbetätigter Ein/Aus-Schalter an zwei Drähten zu sehen ist, kann für Außenstehende tatsächlich leicht der Eindruck entstehen, ein derart verdächtig ausgestatteter Mann sei ein Selbstmordattentäter aus dem Orient. Das wusste auch der junge Mann. Deshalb verdeckte er Antennen, Drähte, Batterien und Messtechnik so gut es eben ging mit einer Jacke, wie er es zuvor schon praktiziert hatte. Die einzige Funktion dieser Jacke ist der Sichtschutz, um Passanten nicht zu beunruhigen. Dass der iranische Student bei 32 °C im Schatten ausgerechnet einen Wintermantel getragen haben soll ist wahrscheinlich ebenso eine Falschmeldung wie die Darstellung vieler Medien, er habe Radioaktivität messen wollen.
Dem Studenten war die verstörende Wirkung seines "drahtigen" Auftretens sehr wohl bewusst, schließlich war sein Messgang am 20. Juli in Brüssel nur einer von vielen. Weil der angehende Doktor der Naturwissenschaften aus Iran jedoch keine der belgischen Landessprachen spricht, trägt er bei seinen Messgängen stets ein Schreiben auf französisch mit sich, das im Ernstfall über seinen seltsamen Aufzug Auskunft gibt. Doch für den jungen Mann wäre es am Mittwoch lebensgefährlich gewesen, im Visier von Polizisten Hände hinterm Kopf auf dem Pflaster kniend zu versuchen, das alles erklärende Schreiben aus der Tasche zu ziehen. Der Griff hätte nur zu leicht missverstanden werden können.
Ob der Student unter diesen Umständen einen Teil der Kosten des Polizeieinsatzes in Brüssel tragen muss, wie einige Medien schrieben, bleibt abzuwarten. Fair wäre es nicht.
Hintergrund
Measuring personal exposure from 900 MHz mobile phone base stations in Australia and Belgium using a novel personal distributed exposimeter
Bayerisches Landesamt für Umwelt verleiht unentgeltlich Mobilfunk-Personendosimeter
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- Brüssel: Elektrosmog-Messtechnik löste Terroralarm aus -
H. Lamarr,
21.07.2016, 14:45
- Brüssel: Hintergründe des Sprengbombers, der keiner ist -
Gast,
24.07.2016, 15:19
- Sprengbomber: Neue Publikation - Dr. Ratto, 08.09.2016, 11:04
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Gast,
24.07.2016, 15:19