Klinisch-umweltmedizinische Aspekte im Umgang mit EHS (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.06.2015, 23:54 (vor 1921 Tagen) @ KlaKla

In Abschnitt 11.3 der Ärztebroschüre geht es darum, wie Ärzte mit überzeugten Elektrosensiblen umgehen sollen.

Klinisch-umweltmedizinische Aspekte im Umgang mit Elektrosensibilität

Immer wieder bringen Patienten eine Reihe von Symptomen und Erkrankungen mit den elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks in Verbindung. Nur bei maximal 15 Prozent der Patienten lässt sich jedoch eine relevante Exposition mit dem Verdacht auf umweltbezogene Beschwerden identifizieren. Somatisierungsstörungen findet man bei 40 bis 75 Prozent der Patienten; die beklagten körperlichen Beschwerden lassen sich nicht (hinreichend) durch eine organische Erkrankung erklären (vgl. Eikmann et al. 2013).

Die risikobezogene Beratung stellt für Mediziner eine besondere Herausforderung dar. Verhaltensempfehlungen und Ratschläge in Bezug auf die Strahlenbelastung durch Mobilfunk, die oft auch ohne weitere Untersuchungen gegeben werden können, sind in der umweltmedizinischen Beratung bedeutend. Es muss über die Möglichkeiten und Grenzen, die Angemessenheit und den Nutzen von Untersuchungen aufgeklärt werden.

Umweltmedizinischen Ambulanzen kommt bei der Beurteilung eines Falles besondere Bedeutung zu. Sie betreiben eine umfassende Vordiagnostik mit ambulanten Untersuchungen, Vorbefunden und Labordiagnostik. In interdisziplinären Fallkonferenzen vor und nach der klinischen Diagnostik entscheiden Experten verschiedener Fachrichtungen über die Diagnose, den Umweltbezug und die Empfehlung an den Patienten. In diesem Kontext ist es wichtig, dass der Mediziner auf den vermeintlichen Umweltbezug eingeht. Dadurch kann erreicht werden, dass Patienten unter Umständen selbst die Exposition und den Umweltbezug infrage stellen und weitere medizinische Beratungen einholen.

Die WHO stuft Elektrosensibilität nicht als ein medizinisches Krankheitsbild oder eigenständiges medizinisches Problem ein. Dennoch empfiehlt sie, die Beschwerden subjektiv elektrosensibler Patienten ernst zu nehmen und eine entsprechende medizinische Versorgung und Diagnostik vorzunehmen. Die Behandlung der Betroffenen sollte sich auf die Symptomatik und das klinische Bild konzentrieren mit dem Ziel, Strategien zur Situationsbewältigung zu entwickeln.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kausalzusammenhang, Notlage, Krankheitsgewinn, Somatoforme Störung, Umweltmedizin, Eickmann


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