Vergleich zwischen Laienforschung und Profiforschung (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 05.06.2015, 23:01 (vor 1970 Tagen) @ H. Lamarr

Natürlich replizierte das DMF nicht unser Messprojekt, wie oben behauptet, aber vielleicht hatten wir damals einen Denkanstoß gegeben. Denn noch im Dezember des gleichen Jahres (2004) startete im Auftrag des BfS ein Projekt, bei dem das IZgMF-Projekt Pate gestanden haben könnte: Bestimmung der realen Exposition bei Handynutzung in teilgeschirmten Räumen im Vergleich zur Exposition unter günstigen Bedingungen im Freien.

Na sowas! Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Autoren des DMF-Projekts stellen im Abschnitt "6.2 Andere Studien zu elektromagnetischen Feldern in Fahrzeugen" ab Seite 22 (Abschlussbericht erster Teil, siehe Startposting) auch das Linienbus-Projekt des IZgMF vor, sogar ziemlich ausführlich. Mist, das hat uns niemand gesagt. Erst heute bin ich darauf gestoßen, zu spät, um noch groß damit angeben zu können ;-).

Es kommt wahrscheinlich im EMF-Umfeld nicht allzu oft vor, dass mit vergleichbarer Aufgabenstellung zwei solche Arbeitsgruppen unabhängig voneinander zu Werke gehen: eine Gruppe erfahrener Profiforscher und eine Gruppe Laienforscher. Herauszufieseln, welche wichtigsten Ergebnisse die beiden Gruppen zustande gebracht haben, ist mir jetzt zu mühsam. Denn schon der Umfang der Dokumentation macht deutlich, dass wir Laienforscher den Tiefgang der Profis bei weitem nicht erreichten: Während wir eine einzige Seite unseres 16-seitigen Abschlussberichts schrieben überrollten uns die Profis mit fast 28 Seiten ihres 445-seitigen Abschlussberichts. Nun ist Masse nicht zwingend Klasse. Doch wer die 445 Seiten der Profis und unsere 16 überfliegt wird eingestehen müssen, die Profis spielen in einer anderen Liga.

Damit möchte ich unser eigenes Projekt nicht etwa schlecht reden, sondern nur deutlich machen, dass mMn selbsternannte Experten, auch wenn sie sich wie wir größte Mühe geben, so gut wie keine Chance haben, ernsthaft mit Profiforschern zu konkurrieren. Eigentlich keine Überraschung, "Schuster, bleib bei deinen Leisten", weiß schon der Volksmund. Im wwww-Zeitalter wächst die Selbstüberschätzung Mancher allerdings im gleichen Maße, wie die Übertragungsraten im Internet zunehmen. Nie zuvor gab es so viele selbsternannte Experten zu wissenschaftlichen Streitthemen wie heute. Leute, die glauben, es genügten ein paar Stunden intensives Googlen, um auf Augenhöhe mit Wissenschaftlern vom Fach zu stehen und sich öffentlich, am liebsten vor laufenden Kameras, spreizen zu dürfen und das große Wort führen zu können. Der "Red-Nose-Day" der Pappnasen: Für nicht wenige Mobilfunkgegner findet er 365-mal im Jahr statt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Wissenschaftler, Mobilfunkgegner, Laien, Forscher, Unabhängig


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