Globocan 2012: Krebsvergleiche weltweit (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 16.11.2014, 01:59 (vor 1852 Tagen)

Seit Jahren wertet der schwedische Wissenschaftler L. Hardell die Hirntumordaten Schwedens aus, nur um immerzu auf weitgehend gleiche alarmierende Resultate zu stoßen. Dennoch hält sich das weltweite Entsetzen über die Hirntumor-wegen-Handygebrauch-Warnungen des Schweden in engen Grenzen. Der Grund: Hardell setzt gerne Datensätze aus seinen bisherigen Studien zu neuen Datensätzen zusammen, die er dann neu auswertet. Kritiker bemängeln an dieser Methode, auf diese Weise wären keine neuen Resultate zu erzielen, sondern nur Bestätigungen der vorangegangenen Resultate. Gegen Hardell spricht auch, dass nationale Hirntumorstatistiken seine Beobachtungen bislang nicht bestätigen. Hardell weiß das alles, kümmert sich aber weiter ausschließlich um die Hirntumorentwicklung in Schweden.

Gelänge es Hardell, seine Beobachtungen in einem anderen Land mit vergleichbarer Mobilfunkhistorie zu wiederholen, würde er mMn entweder mehr Anerkennung erfahren - oder einräumen müssen, dass in seinen Arbeiten ein systematischer Fehler steckt.

Doch welches Land wäre für so eine Untersuchung geeignet? Diese Frage beantwortet das Globocan-Projekt der WHO. Das Projekt stellt regelmäßig (alle vier Jahre) die Daten aller weltweit erreichbaren Krebsregister für Vergleichszwecke zusammen. Nach 2008 ist Globocan 2012 die bislang jüngste Auswertung, die voraussichtlich 2016 durch neue Daten ersetzt wird (Daten von 2012 sind dann nicht mehr erreichbar). Globocan gibt bei der Befragung nach der Inzidenzrate (Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohner) Auskunft über die Qualität der Daten, die Anzahl der Fälle, die rohe Inzidenzrate (Crude Rate), die altersstandardisierte Inzidenz (ASR) und das kumulative Risiko (wie viele von 100 Neugeborenen erkranken vor Erreichen ihres 75. Lebensjahres an der ausgewählten Krebsart).

Ich habe Globocan nach der Inzidenz bei Hirntumoren in Europa befragt (beide Geschlechter). Was dabei geordnet nach ASR herausgekommen ist zeigt der folgende Screenshot:

[image]

Für die Interpretation der Tabelle ist die Spalte Quality von Bedeutung, und dort der Buchstabe an erster Stelle, der die Qualität der Inzidenzdaten beschreibt (Zahl an zweiter Stelle: Mortalität). Die höchste Qualität ist "A" zugeordnet, die schlechteste "G":

A. High quality* national data or high quality regional (coverage greater than 50%).
B. High quality* regional (coverage between 10% and 50%).
C. High quality* regional (coverage lower than 10%).
D. National data (rates).
E. Regional data (rates).
F. Frequency data.
G. No data.

Spitzenreiter Albanien hat nur die Qualität G, das heißt: Schätzwerte. Diesen Daten ist also kaum zu trauen. Ganz anders Schweden oder Deutschland.

Wäre ich Hardell, würde ich meine in vielen Jahren erprobte Fall-Kontroll-Studientechnik für Hirntumoren statt abermals in Schweden, in Serbien durchführen. Das Land hat eine nahezu gleich hohe Inzidenzrate, allerdings ist über die Mobilfunkentwicklung in Serbien kaum etwas bekannt. Erheblich einfacher wäre deshalb der Schwenk nach Norwegen, das eine noch immer hohe Inzidenz hat und in der geografischen Lage und Mobilfunkhistorie sehr gut zu Schweden passt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, Hirntumor, Tumor, Wiederverwertung


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