Glaubenskrieg: Skeptiker drehen Fliege durch die Mangel (Esoterik)

H. Lamarr @, München, Montag, 17.02.2014, 11:32 (vor 3781 Tagen)

Im Dunstkreis der Mobilfunkgegnerei fühlen sich Esoteriker und Geschäftemacher wohl, denn Menschen in Angst sind empfänglich für "helfende" Handreichungen, auch wenn diese sich früher oder später als Griff in den Geldbeutel herausstellen oder andere Gegenleistungen provozieren, etwa den Eintritt in gewisse politische Parteien oder in Anti-Mobilfunk-Vereine.

Wer sich erst einmal für die Seite der Mobilfunkgegner entschieden hat, dem ist in der Phase seiner festen Überzeugung, diese dauert je nach IQ und Überzeugungsgrad schlimmstenfalls ein paar Jahre, mit Vernunftsargumenten nicht beizukommen. Dabei hilft den Gegnern eine gute Vernetzung und diverse Anti-Mobilfunk-Vereine, die ihre Anhänger mit fix und fertig fabrizierten Argumentationspaketen notfalls tief in den Verschwörungsdschungel führen, nur um nichts zugeben zu müssen.

Der Kabarettist Vince Ebert bringt diese Problematik so auf den Punkt: "Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann."

Und dies gilt 1:1 ebenso für Mobilfunkgegner. Auch wenn die des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk neuerdings nicht mehr "Mobilfunkgegner" sein wollen, sondern sich - der fünften Jahreszeit angemessen - als "Verbraucherschützer" verkleiden. Was die Diskussion mit solchen Leuten so unergiebig macht: Sie sind sich ihrer Sache in unerträglicher Weise sicher, sie überschätzen die eigenen Fähigkeiten und Selbstzweifel sind ihnen fremd. Derart gerüstet glauben nicht wenige Mobilfunkgegner, vom Herd nur einen Schritt zur Seite treten zu müssen, um sich sogleich mit ausgemachten Experten und Wissenschaftlern aggressiv anlegen zu können.

Weil das alles reichlich abstrakt ist, hier ein konkretes Beispiel einer Diskussion zwischen einem bekannten Vertreter der Esoterik und Leuten, die sich nicht kampflos für dumm verkaufen lassen möchten. Dass der Esoteriker evangelischer Theologe ist, knüpft die Verbindung zum Mobilfunk, den wiederum ein anderer evangelischer Theologe als Teufelszeug ausgemacht haben will.

Jürgen Fliege gerät unter den bohrenden Fragen der Talkrunde genauso unter Druck wie überzeugte Mobilfunkgegner, so diese sich überhaupt auf eine Auseinandersetzung mit fachkompetenten Skeptikern einlassen. Viel lieber predigen Frontleute der Mobilfunkgegner ihren Zuhörern im Monolog. Der einzige Punkt, den Fliege deshalb für sich verbuchen konnte ist der, dass er sich überhaupt in diese Runde getraut hat. Er wird es so schnell nicht wieder tun.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Esoterik, Glaubenskrieg, Theologe, Fliege, Vernunft


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