EU-Kommission schlägt neue TV-Richtlinie vor (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 7517 Tagen)

EU-Kommission schlägt neue TV-Richtlinie vor

Die Kritik am Vorschlag der Europäischen Kommission für eine neue Fernsehrichtlinie hat einen faden Beigeschmack. Schließlich haben sich die Wogen nach einem der größten Skandale der deutschen Mediengeschichte um unerlaubte Produktplatzierungen in ARD-Serien wie Marienhof noch nicht geglättet. Medienwächter und Rundfunkverantwortliche, die die Praxis über Jahre hinweg geduldet hatten, reden jetzt der journalistischen Glaubwürdigkeit und dem Verbraucherschutz das Wort. So ist das Zuschauervertrauen nicht wiederzugewinnen. Zu Grauzonen zwischen Werbung und Inhalt, wie sie sich in Deutschland offenbarten, kommen große Unterschiede in den Mediengesetzen der EU-Mitgliedstaaten. Die EU-Kommission hat eine Serie von Studien zu den diversen Vorgaben in Europa vorgelegt. Danach reicht die Palette von einem Verbot des Product Placement über eine Erlaubnis unter Auflagen bis hin zur Nicht-Regelung. In einem Europa, das in einem intensiven Austausch seiner kulturellen Inhalte steht, ist dies kein Zustand. Grenzen existieren im Binnenmarkt für Produktionen schon lange nicht mehr.

Rechtsgrundlage für Product Placement

Hier setzt der Vorschlag der EU-Kommission für die neue TV-Richtlinie an. Nach Diskussionen mit allen Akteuren, schafft sie erstmals eine EU-Rechtsgrundlage für Product Placement. Produkte sollen vor der Sendung gekennzeichnet werden. In Nachrichten, Sendungen zum aktuellen Zeitgeschehen und in Kindersendungen ist Produktplatzierung untersagt. Für Tabakprodukte und Mediakamente darf auf diesem Weg nicht geworben werden. Enthalten sind auch neue Formen wie "Video on demand” mit enormen Wachstumspotenzialen. Bis 2010 nutzen es 22 Mio. EU-Haushalte. Der Umsatz wird bei 2 Mrd. m liegen. Zu Entwicklungen wie diesen hat die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen” aus dem Jahr 1989 maßgeblich beigetragen. Sie führte zu einer Explosion der Satelliten-Programme von zehn auf derzeit 2.500. Die neue Richtlinie öffnet jetzt auch der digitalen Revolution die Tür. Sie behält allerdings die bisherige Höchstgrenze für Werbung von zwölf Minuten pro Stunde bei. Diese muss aber nicht mehr "en bloc” mit Mindestabständen gesendet werden. Die neue Richtlinie böte den Europäern erstmals die Chance, ein Gegengewicht zu den von Product Placement strotzenden US-Produktionen zu schaffen.

http://europa.eu.int/comm/avpolicy/regul/newtwf_de.pdf

Quelle: EU-Nachrichten 45-05

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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