LTE-Strahlung beeinflusst Gehirnaktivität von Baubiologen (Allgemein)

Dr. Ratto, Montag, 16.12.2013, 15:41 (vor 3161 Tagen) @ Kuddel

Danke für ihre Antwort.
Ich entnehme dem, daß man schon berücksichtigt hat, dass das fMRI selbst einen Einfluß auf die Hirnaktivität haben könnte.

Das ist den Wissenschaftlern oft so gar nicht bewusst. Der Einfluss der Felder des fMRI auf die Ergebnisse des fMRI, falls vorhanden, ist nicht beschrieben, denn fMRI ohne Felder geht nicht, es fehlt also ein unbeinflusster Vergleich. Es gibt eine Arbeit, die zeigt, dass Reaktionszeiten unter fMRI langsamer werden. Für Ruhe-Aktivität muss das nichts bedeuten. Das Paper steht sein 2008 als "prepublication" bei Nature, in Pubmed gelistet ist es nicht, die Frage ist also was damit nicht stimmt und warum das nicht ordentlich publiziert wurde.
Methodisch gibt es die Möglichkeit EEG während MRI zu registrieren. Technisch sicher nicht trivial. Es ist bisher nicht aufgefallen, das EEG unter MR deutlich anders wäre als ohne. Minimale Unterschiede wie in Mobilfunkstudien wurden aber nicht betrachtet.

Fragt sich, wie lange es braucht, bis ein denkbarer Einfluß der vergleichsweise (zur LTE-Exposition) "brutalen" fMRI Messungen selbst(=Confounder)bei den Probanden vollständig abgeklungen ist.

Das ist leider nicht bekannt.

Es müssten also erhebliche Ruhezeiten (Tage?) zwischen den Messungen eingehalten werden,

Zwischen den Sitzungen gab es Pausen von 1 Tag. Viele andere Studien, z.B. zu Gedächtnis und EEG, halten auch ohne MRI Pausen von 1 Woche ein.

denn sonst könnte schlicht die Reihenfolge, in welcher ein Proband exponiert/scheinexponiert wurde, das Ergebnis beeinflussen.

Das sowieso, auch ohne MRI. Gerade bei Untersuchungen des Gehirns (Kognitionstests, EEG) gibt es erhebliche Lern- und Gewöhnungseffekte die das Bild Verzerren. Diese sind vor allem bei Kognitionstests (z.B. Gedächtnis) am stärksten zwischen der 1. und der 2. Sitzung. Deswegen wird die 1. Sitzung als Übung ohne Exposition oft verworfen und nur Sitzungen 2. und 3. als exponiert/scheinexponiert ausgewertet. War hier nicht so, bei Ruhe-fMRI hat man so etwas wohl nicht erwartet.

Idealerweise wurde der Versuch mit einer geradzahligen Anzahl mehrerer Probanden durchgeführt

In diesem Fall 18. Ungerade wäre aber nicht schlimm, wenn z.B. bei 19 Probanden 10 zuerst exponiert, aber nur 9 zuerst scheinexponiert wären, müsste sich der Einfluss der Reihenfolge entweder herausmitteln, oder er würde offensichtlich auffallen.

und das Expositionsschema (Reihenfolge von Exposition/Scheinexposition) der einen Versuchsgruppe genau invers zu dem der anderen gewählt,

Denkfehler - es gab keine zwei Gruppen. Dieselben Probanden wurden jeweils einmal exponiert und am anderen Tag scheinexponiert. Das ist wichtig, bei dieser Art von Experimente sind die Unterschiede zwischen den Individuen größer als der Einfluss einer Exposition, es muss also jeder seine eigene Kontrolle sein (=within Group design). Sonst untersucht man Gruppenunterschiede (=between group design) und nicht LTE.

damit sich mögliche Confounder durch die Reihenfolge der Versuche ausmitteln...

Richtig, genau so war es, nur nicht zwischen Gruppen sondern zwischen Sitzungen. Im Fachchinesisch heißt das: "double-blind, crossover, randomized and counterbalanced paradigm", so steht es in den Methoden


K

Tags:
LTE, Impact Factor, PubMed, Nature, Fachjournal


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