Die Doppelbödigkeit der Industrie (Allgemein)
Mobildaten sind doch schützenswert.
Es war ein Fall für Big Brother: Ein findiger Detektiv nutzte Daten aus Handyzellen aus, um Aufenthaltsprofile von Personen zu erstellen. Laut einer neuen Entscheidung des OGH dürfen diese internen Daten eines Mobilfunksystems aber nun nicht mehr frei genutzt werden.
Der Hintergrund: Jeder Mobilfunk-Sendemast verwendet eine eigene Kennung, die so genannte "Cell-ID". Die Cell-ID wird vom Mobiltelefon empfangen und intern verarbeitet, ohne dass der Benutzer des Telefons etwas davon bemerkt. Ein besonders einfallsreicher Unternehmer aus Wien nutzte das System der für sich, indem er die Cell-ID mittels Spezialsoftware auslas. Im Zuge von Autofahrten durch ganz Österreich protokollierte er zahlreiche T-Mobile Handymasten und verknüpfte sie mit geografischen Positionen aus dem GPS. Aus diesem Datenbestand heraus bot er entgeltliche Ortungsdienstleistungen zu Überwachungs- und Logistikzwecken an. Kunden können speziell präparierte Mobiltelefone ZB an der Unterseite eines Autos montieren, und so die gesamte Fahrtroute eines Autos - etwa des Ehegatten - "live" und rund um die Uhr vom PC aus überwachen.
Kein Schmarotzertum mit elektosichen Abfall-Daten
T-Mobile missfiel aber diese Ortungstechnik des Detektivs, da sie technisch eine unbemerkte Überwachung ermöglichte. Gestützt auf § 1 UWG klagte T Mobile auf Unterlassung und beantragte schließlich mit Erfolg - das Erstgericht hatte den Antrag noch abgewiesen - eine entsprechende einstweilige Verfügung. Der oberste Gerichtshof folgte der Argumentation von T-Mobile und bestätigte damit die vorangegangene Entscheidung des OLG Wien (5 R 177/04t). Laut Christian Podoschek und Rainer Knyrim von Preslmayr Rechtsanwälte lassen sich die Erkenntnisse aus diesem Verfahren auch auf andere technische Systeme und deren interne Daten anwenden.
http://www.computerwelt.at/detailArticle.asp?a=99373&n=1
Anders sieht es aus, wenn die Betreiber selbst mit Überwachung von Kinder Geld verdienen können.
Ortung via Handy, der ganz normale Wahnsinn
Ängstliche Eltern finden bereits zwei Lösungen für das Tracking ihrer Sprösslinge im WWW: bereits seit zwei Jahren bietet das amerikanische Unternehmen Wherify eine Armbanduhr für Kinder mit GPS-Modul an, die über das konventionelle Mobilfunknetz bei Bedarf die Position des Kindes an die Eltern übermittelt, ...
Damit die jugendliche Zielperson aus Frust, dass Mama und Papa immer wissen wo man sich aufhält, nicht einfach das Gerät vom Ärmchen streift, lässt sich der Schließmechanismus nur mit einer Fernbedienung öffnen. Auch die deutsche Lösung TrackYourKid des von Anbieter Armex spielt mit den Ängsten chronisch besorgter Eltern und erlaubt die Ortung des Nachwuchses mit Hilfe eines Mobilfunkbetreibers über ihr Handy - derzeit in allen Netzen bis auf T-D1.
Man bewirbt diese Art der Personenüberwachung mit der ständigen Kontrollmöglichkeit, ob das Kind auch in der Schule angekommen sei; den Nachwuchs beschwichtigt man hingegen mit der Formel, dass er ja nicht ständig und überall ortbar sei - wenn er das Handy ausschaltet, ist eine Ortung unmöglich. Der Empfang von SMS allerdings auch.
Und der erste Schritt zur totalen Überwachung wird in Japan an Kindern getestet: mit Hilfe von RFIDs, kleinen selbständig funkenden Chips, die unter einem etikettähnlichen Klebemantel ihren Dienst verrichten, werden die Schüler beim Eintritt in die Schule registriert und ihre offenbar sehr verängstigten Eltern gegebenenfalls via SMS darüber informiert. Jeder sollte sich selbst ein Urteil bilden, inwiefern diese jederzeitige Ortung für eine demokratische Gesellschaft sinnvoll sein kann, Orwells düstere Zukunftsvisionen warfen ihren Schatten aber bereits voraus. Angesichts der vielen Kinder, die derzeit Pädophilen und Perversen zu Opfer fallen, zeigt die Technologie aber mit Sicherheit auch ihre guten Seiten.

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Meine Meinungsäußerung