Neue Metastudie: Weiterhin kein Beleg für Elektrosensibilität (Forschung)

H. Lamarr @, München, Samstag, 02.06.2012, 13:02 (vor 2743 Tagen)

Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat eine neue wissenschaftliche Arbeit herausgegeben, die der Frage nachgeht, ob sich in der Fachliteratur Hinweise auf objektivierbare Elektrosensibilität finden lassen:

Hug K., Röösli M. 2012: Elektromagnetische Hypersensibilität.
Bewertung von wissenschaftlichen Studien. Stand Ende 2011.
Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Wissen Nr. 1218: 103 S.
Download Volltext (PDF)

Nachfolgend die zusammenfassenden Schlussfolgerungen der Autoren:

Bisher konnte mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen werden, dass die Beschwerden von EHS-Personen kausal auf die Belastung durch EMF im Alltag zurückzuführen sind. In Bezug auf akute Auswirkungen kann geschlossen werden, dass bei allen oder zumindest der grossen Mehrheit der EHS-Personen die EMF-Belastung keine Rolle spielt. Ob es tatsächlich Einzelfälle gibt, in denen eine EMF-Exposition akut schädlich wirkt, konnte mit den wenigen vorhandenen Studien bisher nicht konsistent nachgewiesen werden. Solche akuten Auswirkungen bei Einzelfällen müssten mit wiederholter Testung der gleichen Personen unter doppelblinden Bedingungen dokumentiert werden können, damit auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen EMF und Beschwerden geschlossen werden kann.

Der Nachweis von allfälligen langfristigen Auswirkungen der EMF-Exposition auf das Befinden von EHS-Personen ist schwierig. In beobachtenden Studien sind Nozebo-Effekte zu erwarten, weil eine Verblindung der Teilnehmer gegenüber ihrem Expositionsstatus oft nicht möglich ist.

Gegenwärtig gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Personen, die sich als EHS wahrnehmen, empfindlicher auf EMF reagieren als die restliche Bevölkerung, und es empfiehlt sich deshalb, bei der weiteren Forschung alle Personengruppen im Auge zu behalten.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann man davon ausgehen, dass die Bevölkerung, auch Menschen mit EHS, vor direkten Auswirkungen der EMF-Exposition auf das Befinden geschützt ist. Mangels gezielter Untersuchungen lässt sich allerdings auch nicht vollkommen ausschliessen, dass einzelne Menschen durch die heute zulässige EMF-Belastung kausal in ihrem Befinden beeinträchtigt werden.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Röösli, Bafu, Verblindung, Hypersensibilität, elektromagnetische Hypersensibilität


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