Elektrosmog-Anekdoten: Elektrosensibler knackt Verblindung (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 02.05.2012, 11:01 (vor 2759 Tagen) @ Gast

Auszug aus dem FAZ-Beitrag "Sind das jetzt die Webers, die mich grillen?":

"Nichts half. Erst als er in eine Wohnung ohne Elektrosmog zog, als er sich fernhielt von WLAN-Strahlen, von Handys, schnurlosen Telefonen und Mobilfunksendemasten, ging es ihm plötzlich besser. So lange, bis er neue Nachbarn bekam, die einen WLAN-Sender in ihrer Wohnung installierten."

Na, Watson, fällt Ihnen etwas auf?

Nö Chef, was denn?

Mensch, überlegen Sie doch mal, Watson: Woher konnte der Mann wissen, dass seine Nachbarn ausgerechnet W-LAN in ihrer Wohnung in Betrieb genommen haben? Überzeugte Elektrosensible glauben Funkfelder spüren zu können, sie können jedoch nicht unterscheiden, was für ein Funkfeld das ist, das da momentan auf sie einwirkt. Es gibt zwar unglaubwürdige Anekdoten über zwei oder drei überzeugte Elektrosensible, die angeblich auch dies leisten können, doch Berner gehört dem Bericht zufolge offenbar nicht dazu. Aber woher weiß der Mann dann von dem W-LAN?

Er könnte die Nachbarn gefragt haben. Viel wahrscheinlicher aber ist: Berner traut - aus gutem Grund - seiner eigenen unerwünschten Gabe nicht übern Weg, er hat sich deshalb ein Messgerät zugelegt, mit dem er Funkfelder feststellen kann. Und mit so einem Messgerät, auch mit einem billigen, lässt sich W-LAN (am Geräusch des demodulierten Trägersignals) identifizieren.

Weiter unten in dem FAZ-Artikel heißt es dann auch tatsächlich:

"Ich kann ja nicht zu den Nachbarn gehen und sagen: Können Sie sich vorstellen, dass Ihr dect-Telefon bei uns auf den Esstisch strahlt? Oder auf mein Sofa funkt? Ich kann auch nicht mit dem Messgerät kommen, das ist doch peinlich, da fühlen die sich doch bedrängt und belästigt."

Also, Watson, was sagt uns das?

Tja, Chef, dieser Berner scheint ein netter Kerl zu sein, seine Elektrosensibilität aber kaufe ich ihm nicht ab. Denn Berner missachtet den wichtigen Grundsatz der Verblindung: Er identifiziert Funkfelder messtechnisch - danach geht es ihm schlecht weil er weiß: Da ist etwas. Ein Kardinalsfehler, denn das Wissen über die Existenz des W-LANs kann starke Einbildung bewirken, die bis zu körperlichen Symptomen führt. Somatoforme Störung nennt die Medizin so etwas. Will Berner glaubwürdig sein, müsste er sich von seinem Messgerät trennen und versuchen "blind" die Funkfelder zu spüren. Aller Voraussicht nach wird er dabei bei jedem 2. Versuch richtig liegen - doch das ist Münzendrehen und statistisch völlig wertlos, reiner Zufall.

Gut analysiert, Watson, und wer hat von alledem nun einen Nutzen?

Niemand, Chef?

Doch, denken Sie doch mal an den Hersteller des Messgeräts. Der freut sich über solche Artikel wie in der FAZ riesig. Denn wenn es damit gelingt, Menschen glaubend zu machen, sie könnten unter den schwachen Funkfeldern körperferner Funkquellen irgendwie leiden, dann springen mit Sicherheit einige hypochondrisch veranlagte auf diesen Zug auf. Und weil nahezu alle überzeugten Elektrosensiblen sich mit Messgeräten eindecken, ist der Hersteller solcher Geräte der lachende Dritte.

Aha, ja wenn das so ist, Chef, dann würde es mich nicht wundern, wenn der Hersteller der Messgeräte ein wenig nachhilft, um die Nachfrage anzukurbeln, eben Marketing betreibt. Gibt es dafür schon konkrete Hinweise?

Nein, davon ist nichts bekannt. Aber das muss nicht heißen, dass es nicht doch so ist. Immerhin gibt es weltweit keinen einzigen Elektrosensiblen, der schwache Funkfelder unter wissenschaftlicher Aufsicht besser als zufällig erkennen kann. Dennoch sind weltweit Abertausende Elektrosmog-Messgeräte am Horchen - aus Sicht des Marketings der Low-Cost-Messtechnikbranche (Elektrosmog) eine Meisterleistung.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Selbstdarstellung, Detektor, Somatoforme Störung, Psyche


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