Medizin
Morbus Hodgkin: Hohes Brustkrebsrisiko durch Radiotherapie
BETHESDA. Bis zu 29 Prozent aller Frauen, deren Morbus Hodgkin erfolgreich behandelt wurde, erkranken später an Brustkrebs. Dies ergab eine Fall-Kontroll-Studie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2005; 97: 1428-1437). Ein "schockierter" Editorialist fordert dringend Alternativen zur Strahlentherapie.
Dass die Therapiemodalitäten beim Morbus Hodgkin zu sekundären Malignomen führen kann, ist lange bekannt. Die meisten Experten hätten das Risiko jedoch geringer eingestuft, als es die Studie von Lois Travis vom US-National Cancer Institute jetzt zeigt. Die Epidemiologin analysierte die Daten einer Kohorte von 3 817 Frauen, die zwischen 1965 und 1994 im Alter von unter 30 Jahren an einem Morbus Hodgkin erkrankten und mindestens ein Jahr nach der Diagnose noch lebten.
Diese Patienten erhielten im Rahmen ihrer Therapie eine Bestrahlung von Hals, Brustkorb und Axilla, die als Mantelfeldbestrahlung bezeichnet wird und auch heute noch Bestandteil der Therapie ist, wenn auch die Dosis deutlich abgesenkt wurde. Heute liegt die Strahlendosis bei 24 Gray, in früheren Zeiten wurden häufig 40 Gray oder mehr appliziert. Im Strahlenfeld der Mantelfeldbestrahlung liegt die weibliche Brustdrüse, die sehr strahlenempfindlich ist, wie man bereits aus den Erfahrungen der Brustkrebsbehandlung weiß. Dort ist die gesunde Brustdrüse nur einer Strahlung von durchschnittlich 2,82 Gray ausgesetzt. Dennoch erhöht sich dadurch das Brustkrebsrisiko um 60 Prozent.
Es war daher zu erwarten, dass das Risiko nach der Mantelfeldbestrahlung höher ist. Doch die Ergebnisse der Studie übertrafen alle Befürchtungen. Der Editorialist Dan Longo vom US-National Institute on Aging in Bethesda findet sie geradezu "schockierend". Für eine 25-Jährige, die eine früher übliche Mantelfeldbestrahlung (mit mehr als 40 Gray) erhalten hat, beträgt das absolute Risiko, bis zum Alter von 55 Jahren an Brustkrebs zu erkranken, 29 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 20,2 Prozent bis 40,1 Prozent).
Selbst wenn sie eine niedrigere Dosis von 20 bis 40 Gray erhielt, muss sie zu 24,6 Prozent (16,6 Prozent bis 24,8 Prozent) mit einer Brustkrebserkrankung bis zum Alter von 55 Jahren rechnen. Und nach den Ergebnissen der Studie steigt das Risiko mit zunehmendem Alter weiter an. Zum Vergleich: Das derzeitige Brustkrebsrisiko einer 25-Jährigen bis zum Alter von 55 Jahren an Brustkrebs zu erkranken beträgt drei Prozent.
mehr dazu hier: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=21590
Kommentar: Irren ist menschlich, dies bestätigt diese Meldung.