Asbest und Mobilfunk (Allgemein)

Sektor3, Mittwoch, 03.03.2010, 15:42 (vor 4224 Tagen) @ H. Lamarr

Noch immer wird massenweise Asbest verbaut — vor allem in Asien. Als einziges westliches Land setzt Kanada die Förderung des hochgefährlichen Materials fort - schrieb der Spiegel in Ausgabe 50/2008. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich 100 000 Menschen sterben, weil sich Asbestfasem in ihren Lungenbläschen verfangen und Rippenfell- oder Lungenkrebs auslösen. Entsprechend ist das Ma­terial seit 1993 in Deutschland, seit 2005 auch EU-weit verboten. Unberührt von allen Warnungen jedoch fördern vor allem Russland, China, Kasachstan, Brasilien und Kanada weiter.

Mit Mobilfunk hat dies alles nichts zu tun. Ich stelle dies hier nur deshalb ein, weil zuweilen von Sendemastengegnern versucht wird, Russland als Hort der Humanität darzustellen, mit angeblich vorbildlich niedrigen Mobilfunk-Grenzwerten. Mag sein, dass dies so ist. Sicher ist jedoch auch, dass Russland der mit Abstand größte Asbest-Produzent der Welt ist und nach China und Indien drittgrößter Asbest-Verbraucher....

Mit Mobilfunk hat dies alles nichts zu tun? - von wegen!

1990 publizierte Prof. A.s Neu-Kollege M. Kundi, zusammen mit M. Neuberger eine Asbeststudie (engl. Abstrakt hier) von der ältesten Asbestfabrik der Welt (Oberösterreich). Das Ergebnis: Mit einem relativen Lungenkrebs-Risiko von 1,04 sei die Arbeit im Asbestwerk ungefährlich, ganz im Gegensatz zum Rauchen mit Faktor 8.

1999 schrieb Prof. A.s Alt-Kollege PN Lee für die Tabakindustrie einen Review über Asbest-Studien und suchte nach Asbest-Risiken. Bei Kundi und Neuberger (Studie von 1990) wurde er allerdings nicht fündig.

In "Universum Innere Medizin 2001, 3, 37-38, Rauchersituation in Österreich" schrieb Neuberger:
"Passivrauchen ist heute in Österreich für mehr Todesfälle verantwortlich als die gesamte Palette von Teer, Ruß, Diesel, Benzol, Asbest und allen Schwermetallen, die wir in unseren Städten im Freien einatmen."

In einem undatierten Artikel der österreichischen Ärzteinitiative schreibt Neuberger noch:
"Im Vergleich zu Tabakrauch sind alle anderen Karzinogene in der Umwelt (z.B. Radon) und am Arbeitsplatz (z.B. Asbest) für die Lungenkrebshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung praktisch bedeutungslos."

In den "International Archives of Occupational and Environmental Health" (die auch Prof. A.s Mobilfunkstudie nicht zurücknehmen will) publiziert Neuberger aber im Jahr 2007, dass früheres Rauchen nichts mache - im Gegensatz zu Asbest:
"Lung function was influenced by asbestos exposure, current (but not former) smoking, and by pathological X-ray findings."
Was mich durchaus überraschte, denn in Neubergers Artikel der Ärzteinitiative hieß es noch:
"Wenn man endgültig mit dem Rauchen Schluss macht, sinkt das Lungenkrebsrisiko und ist nach etwa 5 - 10 Jahren nur mehr halb so groß wie wenn man weiterraucht. Allerdings können Exraucher das Lungenkrebsrisiko eines Niemalsrauchers nur dann erreichen, wenn sie schon bald nach Rauchbeginn wieder aussteigen und nie mehr rückfällig werden."

Was will uns diese Werbung sagen?
Etwa dass das Rauchen in den Augen der mobilfunkkritischen wiener Forscher ungefährlich wird, während die Asbest-Gefahr seit ihrer mobilfunkkritischen Haltung wieder ansteigt?

Schade, dass Neuberger die Mobilfunkgefahren 2001 nicht in die Vergleichsliste mit Passivrauchen seiner "Rauchersituation in Österreich" mit aufnahm. Hätte mich schon interessiert.

Tags:
Interessenkonflikt, Lungenkrebs, Kundi, Asbest, Radon, Tabaklobbyist, Neuberger, Adelkofer, Schwermetall, Lee


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