Schafe, Hunde, Hirten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 03.01.2009, 00:17 (vor 4042 Tagen)

Wenn Sie gerade eben nichts besseres zu tun haben lade ich Sie ein auf eine kleine Erkundungstour: Gesucht sind Experten, die nicht nur korrekt messen, sondern die Ergebnisse interpretieren und Empfehlungen für angemessenen Schutz geben. Im EMF-Umfeld selbstredend. Was sonst.

Auslöser der Tour ist eine Meldung des Berliner Kuriers, der am 2. Januar 2009 u.a. schreibt:

Als Geschäft mit der Angst kommentiert die Verbraucherzentrale Berlin die Werbung, mit der Hersteller Elektrosmog-Messgeräte für Laien anpreisen. Sie versprechen, "jede noch so kleine Strahlungsquelle" anzuzeigen und "bei der geringsten Überschreitung irgendeines Grenzwertes" Alarm zu schlagen. Die Experten warnen davor, den Sprüchen zu vertrauen und "für sinnlose Geräte" Geld auszugeben. Ihr Argument: Elektrosmog ist so komplex, dass Unkundige ihn nicht einfach so ausloten können.

Laien können zwar Strahlung orten, doch wo kommt sie her? Was hilft es, wenn hochsensible Geräte Alarm schlagen? Der Tipp: Lieber Fachleute beauftragen (www.forum-elektrosmog.de). Sie messen nicht nur korrekt, sondern interpretieren die Ergebnisse und geben Empfehlungen für angemessenen Schutz.

Nachtigall, ick hör dir trapsen. Dachte ich. Der Link führt aber nicht etwa zu einer Link-Drehscheibe für Baubiologen, sondern zu einem Verbraucherportal, das selbst keinerlei Messungen anbietet. Jedenfalls nicht direkt. Über die Empfehlungen der Baubiologie ist dort nachzulesen:

Baubiologen definieren Anomalien
Einen völlig anderen Ansatzpunkt für die Grenzwertableitung wählt dagegen die Baubiologie. Sie orientiert sich grundsätzlich an den in der Natur vorliegenden Verhältnissen und definiert bei Abweichungen davon verschieden starke Anomalien, die allerdings nicht wissenschaftlich belegt werden können. Für die hochfrequente elektromagnetische Strahlung erwarten Baubiologen bereits bei Werten oberhalb von 0,0001 mW/m2 schwache, bei Werten über 0,005 mW/m2 starke Anomalien. Damit bewegen sich die von der Baubiologie empfohlenen Richtwerte bei nicht einmal einem Millionstel der gesetzlichen Grenzwerte.

So gaaanz kritisch im Interesse der Verbraucher ist dieser Text eher nicht, denn es fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass aus derart niedrigen baubiologischen Empfehlungswerten nahezu immer Handlungsbedarf zu Lasten der Auftraggeber einer Messung resultiert. Aber gut, wollen wir mal nicht päpstlicher als der Papst sein. Doch warum zum Kuckuck verlinkt der Berliner Kurier ausgerechnet auf das Forum Elektrosmog, wo doch dort gar keine Empfehlungen für den einen oder anderen Baubiologen ausgesprochen wird? Ein Irrtum der Autorin?

Aus meiner Sicht nicht. Denn der Partner des Forums Elektrosmog ist das Nova Institut, das sich folgendermaßen vorstellt:

Im Bereich Elektrosmog/ EMVU verfügt das nova-Institut über langjährige Erfahrungen im Hoch- und Niederfrequenzbereich, z. B. bei der Entwickung und Umsetzung von Vorsorge- und Minimierungskonzepten, der Messung vorhandener bzw. der Berechnung zu erwartender Immissionen sowie bei der Erarbeitung von Abschirmmaßnahmen. Weitere Arbeitsfelder sind die die Moderation und Mediation bei Konflikten, die Schulung und Beratung sowie die telefonische Bürgerberatung.

Diese Darstellung ist mMn seit nunmehr bald 2 Jahren unzutreffend. Denn schon im Februar 2007 machte sich die EMF-Abteilung des Nova Instituts selbständig und firmiert seither unter EMF-Institut Dr. Peter Nießen. Und dort nun endlich findet sich im Produktportfolio die Erklärung für den eingangs vom Berliner Kurier so unvermittelt gegebenen Tipp: Sie [die Experten] messen nicht nur korrekt, sondern interpretieren die Ergebnisse und geben Empfehlungen für angemessenen Schutz.

Die Meldung des Berliner Kuriers läuft unter der Rubrik "Ratgeber". Nur, was bitte für ein Ratgeber ist das, der vom Ratsuchenden einen Slalomlauf wie den oben beschriebenen verlangt? Aus meiner Sicht: ein mieser!

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Nießen, Werbung, Nova-Institut, EMF-Institut


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