Profit(gier) und "Nichtwissen" (Allgemein)

caro, Donnerstag, 15.05.2008, 14:07 (vor 6168 Tagen)

Kopenhagen (dpa) - Die skandinavischen Telekommunikations-Konzerne Ericsson und Telenor haben Kinderarbeit bei Lieferanten in Bangladesch zugegeben und sich dafür entschuldigt. Wie die Zeitung «Politiken> am Mittwoch berichtete, bestätigten beide Unternehmen Angaben in einem dänischen TV-Dokumentarfilm. Danach wurden in vier Stahlwerken Mobilfunk-Maste für Ericsson und Telenor unter Bedingungen produziert, die den von den Kunden in Schweden und
Norwegen selbst festgelegten Standards für Arbeitsschutz und Sicherheit massiv zuwiderliefen.

Nach dem Bericht des dänischen Dokumentarfilmers Tom Heinemann arbeiteten in den Werken unter anderem Kinder elf Stunden täglich für einen Dollar Lohn. Arbeiter montierten die bis zu 75 Meter hohen Masten ohne jede Sicherheitsvorkehrungen. Sowohl Ericsson wie Telenor erklärten, davon nichts gewusst zu haben.

Sie hätten ihre Geschäftsverbindungen mit drei der vier genannten Werke abgebrochen. Beide Unternehmen gehören zu den Unterzeichnern von UN-Regeln über Mindeststandards an allen Arbeitsplätzen. Diese verbieten unter anderem Kinderarbeit. Ericsson schrieb in einer Presseerklärung: «Die unglücklichen Umstände in Bangladesch sind inakzeptabel. Wir bedauern zutiefst, dass unsere Kontrollen nicht besser gewesen sind.

dpa tb xx n1 uw
141427 Mai 08

kleiner Hintergrund dazu

caro, Donnerstag, 15.05.2008, 14:09 (vor 6168 Tagen) @ caro

Stockholm, 14. Mai (Reuters) - Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson will in den kommenden fünf Jahren 25 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung
stecken. Eine Verbesserung der Rentabilität bleibe aber zugleich im Fokus. "Wir glauben, dass wir im Laufe der Zeit die Margen verbessern können", sagte Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg am Mittwoch vor Investoren.

Svanberg sagte, zahlreiche Faktoren beeinflussten die Margen, wie der schwache Dollarkurs und der Wettbewerbsdruck. Ericssons Produkte seien in Dollar ausgezeichnet, ein Großteil des Umsatzes werde aber in Ländern außerhalb des Dollar-Raumes gemacht. Die Preise könnten deshalb nicht immer schnell genug
angepasst werden. "Wir sind nicht glücklich mit den derzeitigen Margen", sagte Svanberg. Viele der Effekte seien aber nur vorübergehender Natur.

Svanberg hielt an dem Ausblick für das laufende Jahr fest. Es sei mit einem ziemlich flauen Mobilfunk-Infrastrukturmarkt zu rechnen - das Kerngeschäft von Ericsson. Bei den Kosteneinsparungen sei Ericsson im Plan. Das Unternehmen hatte im Februar ein Sparprogramm angekündigt. Ericsson will 1000 Arbeitsplätze in Schweden und bis zu 4000 weltweit abbauen.

nro/bob
REUTERS

141632 Mai 08

Und ?

Kuddel, Donnerstag, 15.05.2008, 21:22 (vor 6168 Tagen) @ caro

Das ist zwar bedauerlich, aber nichts besonderes und in sehr vielen Branchen anzutreffen:

=> Kleidung
=> Lederwaren (Schuhe, Fußbälle)
=> Teppiche, ein Klassiker bezüglich Kinderarbeit

usw: siehe z.B. hier

Ich gehe davon aus, daß nicht Ericsson die Kinder arbeiten ließ, sondern indische Sub-Unternehmer ihren Profit damit maximierten, daß sie Kindern beschäftigten.
Es kann ja auch nicht immer ein europäischer Bauftragter bei jeder Mast-Installation in Indien dabei sein, um Kinderarbeit auszuschließen.

Zudem stellt sich die Frage, warum die indischen Eltern ihre Kinder unter solchen Bedingungen arbeiten lassen ?
Damit sie nicht verhungern müssen.

Hätten die Kinder keine Masten geschweißt, hätten sie vielleicht unter unmenschlichen Arbeitsbediungungen Leder für Damenschuhe gegerbt, Textilien mit giftigen Azofarben gefärbt oder Unkrautvernichtungsmittel ohne Atemschutz auf Baumwoll-Feldern versprüht.

Wer immer zum günstigsten Produkt greift, um sich z.B. statt einem- zwei Paar Schuhe leisten zu können, ist an dieser Situation nicht ganz unschuldig.

Dann gibt es auch noch diejenigen, die Ihr Erspartes für die Altersversorgung in möglichst gewinnbringenden Anlagen investieren (Aktienfonds).
Auch die tragen eine Mitschuld am geringen Ethik-Niveau.

K

Und ?

caro, Freitag, 16.05.2008, 12:54 (vor 6167 Tagen) @ Kuddel

Weil es "alle" tun, finden Sie es also nicht so schlimm? Auch wenn Ericsson die UN-Regeln unterschrieben hat?

Und ?

Kuddel, Freitag, 16.05.2008, 20:30 (vor 6167 Tagen) @ caro
bearbeitet von Kuddel, Freitag, 16.05.2008, 21:32

Weil es "alle" tun, finden Sie es also nicht so schlimm? Auch wenn Ericsson die UN-Regeln unterschrieben hat?

Ich finde es auch schlimm, aber es liegt außerhalb meines Einflußbereichs. Den Produkten kann man es leider nicht ansehen.

Ericsson steht unter Preisdruck durch die Konkurenz.
Vor nicht allzu langer Zeit hat Ericsson sogar rote Zahlen geschrieben und nur durch eine Restrukturierung den "turnaround" geschafft.
Zu den größten Konkurenten gehört mittlerweile der chinesische Weltkonzern Huawei, der die Preise und Margen kräftig nach unten zieht und auch in Europa schon Netze aufbaut.
Dagegen ist ein Ericsson mit rein europäischer Produktion nicht konkurenzfähig.
Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, die goldenen Zeiten der Riesengewinne bei Telekommunikationsausrüstern sind längst vorbei. Die Asiaten gewinnen "peu a peu" Marktanteile,. Das gilt für die gesammte Elektronikbranche. Das letzte Handywerk in Deutschland hat heute zugemacht.

Ob vor diesem Hintergrund Ihre Interpretation Wort "Profitgier" passend ist... ?!?
Indien ist der größte Stahlproduzent weltweit, daher ist im globalen Wettberwerb nicht ungewöhnlich, dort einen Lieferanten zu suchen.
In der Regel findet bei größeren Aufträgen ein Audit des Lieferanten statt.
Daß bei einem solchen Audit der Lieferant den Ericsson-Prüfern freiwillig "Kinderarbeiter" zeigt, wage ich zu bezweifeln.

Was tun denn Sie, "Caro", konkret, um dem Mißstand "Kinderarbeit" zu begegnen, außer es "schlimm" zu finden ?

Fragen Sie jeden Schuhverkäufer, ob Kinder an der Produktion mitgewirkt
haben ?
Der wird Ihnen die Frage nicht ehrlich beantworten können.

Oder ist vielleicht so, daß Sie sich einzig und allein über den Fall aufregen, weil eine Mobilfunkfirma (wenn auch indirekt) darin verwickelt ist ?
K

Und ?

caro, Samstag, 17.05.2008, 11:34 (vor 6166 Tagen) @ Kuddel
bearbeitet von caro, Samstag, 17.05.2008, 12:19

Ob vor diesem Hintergrund Ihre Interpretation Wort "Profitgier" passend ist... ?!?

Sie haben Recht - statt Profitgier ist richtig: "Mit dem Rücken zur Wand und deshalb zu vielem bereit".

Indien ist der größte Stahlproduzent weltweit, daher ist im globalen Wettberwerb nicht ungewöhnlich, dort einen Lieferanten zu suchen. In der Regel findet bei größeren Aufträgen ein Audit des Lieferanten statt. Daß bei einem solchen Audit der Lieferant den Ericsson-Prüfern freiwillig "Kinderarbeiter" zeigt, wage ich zu bezweifeln.

Eben, deshalb müsste man die Kontrollen verschärfen, ein Informanten-Netz vor Ort aufbauen, z.B. über dortige NGOs (von denen es in vielen dieser Länder erstaunlich viele gibt).

Was tun denn Sie, "Caro", konkret, um dem Mißstand "Kinderarbeit" zu begegnen, außer es "schlimm" zu finden ?

Ich finde es wichtig, so etwas nicht mit einem Schulterzucken abzutun. Was man tun kann ist, solche Fälle publik zu machen.

Fragen Sie jeden Schuhverkäufer, ob Kinder an der Produktion mitgewirkt haben ?
Der wird Ihnen die Frage nicht ehrlich beantworten können.

Ich frage nicht jeden Schuhverkäufer. Ich kaufe allerdings gerne italienische, in Italien gefertigte Schuhe. Leider ist Kinderarbeit inzwischen zwar auch dort wieder verbreitet, aber nicht so stark wie beispielsweise in Indien....

Oder ist vielleicht so, daß Sie sich einzig und allein über den Fall aufregen, weil eine Mobilfunkfirma (wenn auch indirekt) darin verwickelt ist ?

Nö, da mache ich keinen Unterschied. So selektiv wie Sie vermuten, ist mein Blickwinkel nicht. Wie gesagt muss man meiner Ansicht nach solche Fälle publik machen. Wie sich die Verbraucher dann entscheiden, ist natürlich eine andere Frage.....

Handeln!

AnKa, Samstag, 17.05.2008, 14:30 (vor 6166 Tagen) @ caro

Ich frage nicht jeden Schuhverkäufer. Ich kaufe allerdings gerne italienische, in Italien gefertigte Schuhe. Leider ist Kinderarbeit inzwischen zwar auch dort wieder verbreitet, aber nicht so stark wie beispielsweise in Indien....

Normalerweise müssten Sie darauf achten, möglichst teure Schuhe (wie auch Fussbälle, Textilartikel) zu kaufen.

Dadurch eliminieren Sie zwar nicht, senken aber die Wahrscheinlichkeit, daß in den von Ihnen gekauften Produkten Kinderarbeit drinsteckt.

--
"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Handeln!

caro, Samstag, 17.05.2008, 17:44 (vor 6166 Tagen) @ AnKa

Ich frage nicht jeden Schuhverkäufer. Ich kaufe allerdings gerne italienische, in Italien gefertigte Schuhe. Leider ist Kinderarbeit inzwischen zwar auch dort wieder verbreitet, aber nicht so stark wie beispielsweise in Indien....

Normalerweise müssten Sie darauf achten, möglichst teure Schuhe (wie auch Fussbälle, Textilartikel) zu kaufen.

Dadurch eliminieren Sie zwar nicht, senken aber die Wahrscheinlichkeit, daß in den von Ihnen gekauften Produkten Kinderarbeit drinsteckt.

Meine italienischen Schuhe sind teuer! ;-)

Handeln!

AnKa, Samstag, 17.05.2008, 17:50 (vor 6166 Tagen) @ caro

Meine italienischen Schuhe sind teuer! ;-)

Mist. Jetzt hätte ich gerne eine Eingebung über eine charmante Antwort. Aber es kommt mir gerade keine.

--
"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Handeln!

Thomas, Sonntag, 18.05.2008, 23:23 (vor 6165 Tagen) @ AnKa

Meine italienischen Schuhe sind teuer! ;-)


Mist. Jetzt hätte ich gerne eine Eingebung über eine charmante Antwort.
Aber es kommt mir gerade keine.

Tipp, natürlich kostenlos: Ein Glas trockenen (Rot)Wein nach Mitternacht getrunken,
da steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, eine Eingebung über eine charmante Antwort zu bekommen. ;-)

Ihr Alkoholproblem, Thomas?

AnKa, Montag, 19.05.2008, 00:57 (vor 6164 Tagen) @ Thomas

Tipp, natürlich kostenlos: Ein Glas trockenen (Rot)Wein nach Mitternacht
getrunken,
da steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, eine Eingebung über eine
charmante Antwort zu bekommen. ;-)

Thomas,

falls Sie sich hier weiterhin (wie schon wiederholt) bei jeder Gelegenheit mit Ihrer Affinität zu Alkohol zu produzieren gedenken, dann verzichten Sie doch bitte darauf, diese in einen Zusammenhang mit meinen Foreneinträgen zu stellen.

Ich will da nicht Ihr Alibi sein.

--
"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Humor ist ...

Thomas, Montag, 19.05.2008, 02:09 (vor 6164 Tagen) @ AnKa

Ich will da nicht Ihr Alibi sein.

Hallo AnKa,

ach so, ja, das verstehe ich, also dann nach Ihnen: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht"!

Und Sie entscheiden natürlich, was wann Humor ist oder nur eine Zumutung, verkleidet als Alibi.
(... verflixtes Bielefeld oder so ...? ) :-D

Gruß Thomas

Kinderarbeit am Kinderhandy

AnKa, Freitag, 16.05.2008, 00:06 (vor 6168 Tagen) @ caro

Sie hätten ihre Geschäftsverbindungen mit drei der vier genannten Werke abgebrochen. Beide Unternehmen gehören zu den Unterzeichnern von UN-Regeln über Mindeststandards an allen Arbeitsplätzen. Diese verbieten unter anderem Kinderarbeit.

Ist in den Augen der Hardcore-Mobilfunkgegner nicht auch kindliches Mobilfunktelefonieren zur Kinderarbeit zu zählen?

--
"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

AnKas EMF-Problem ...

Thomas, Montag, 19.05.2008, 04:44 (vor 6164 Tagen) @ AnKa

Ist in den Augen der Hardcore-Mobilfunkgegner nicht auch kindliches
Mobilfunktelefonieren zur Kinderarbeit zu zählen?


Nein, sondern nur unter einem geleugnetem EMF-Problem können solche "verschwurbelten" Antworten wie von Ihnen,
so scheint es zu sein, entstehen!

Und nun is´ Schluß mit "Prosa und Analogien" meinerseits, - machen Sie´s denn also gut!

Mit freundlichem Gruß
Thomas

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