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<title>Forum Faktencheck Elektrosmog - Marionna Schlatter: Grüne Schwarzseherin</title>
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<description>Faktenchecks von Behauptungen, die von Mobilfunkgegnern und Mobilfunkkritikern aufgestellt werden</description>
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<title>Marionna Schlatter: Grüne Schwarzseherin</title>
<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color:#666;"><strong>Die Zürcher Nationalrätin Marionna Schlatter verknüpft <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20263705">in einer Interpellation</a> mehrere Studien zu Strahlung und Krebs zu einer scheinbar geschlossenen Beweiskette. Genannt werden Röntgenuntersuchungen in der Schwangerschaft, Leukämierisiken in der Umgebung von Kernkraftwerken, eine internationale Metaanalyse sowie eine aktuelle US-Studie. Schlatter formt daraus ein Risikonarrativ. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die einzelnen Befunde sehr unterschiedliche Aussagekraft haben und teilweise deutlich vorsichtiger interpretiert werden müssten.</strong></span><br />
 <br />
<span style="font-size:large;">Röntgenstrahlung: Der starke Teil der Argumentation</span></p>
<p>Der Verweis auf Röntgenuntersuchungen während der Schwangerschaft steht auf vergleichsweise solidem Boden. Seit den Arbeiten von Alice Stewart in den 1950er Jahren gilt ein Zusammenhang zwischen pränataler Exposition gegenüber ionisierender Strahlung und einem erhöhten Krebsrisiko im Kindesalter als wissenschaftlich gut belegt.</p>
<p>Die häufig genannte Risikoerhöhung von etwa 50 Prozent beschreibt allerdings ein relatives Risiko. Die absoluten Risiken bleiben deutlich kleiner, als die Prozentzahl vermuten lässt. Beispiel:</p>
<p>Grundrisiko für eine Krebserkrankung im Kindesalter: etwa 2 von 1000 Kindern<br />
Erhöhung um 50 Prozent bedeutet: etwa 3 von 1000 Kindern<br />
 <br />
<span style="font-size:large;">CANUPIS sagt etwas anderes</span></p>
<p>Problematischer wird die Argumentation bei den Kernkraftwerken. Die Schweizer CANUPIS-Studie wird häufig als Beleg für erhöhte Krebsrisiken angeführt. Tatsächlich fanden die Autoren jedoch keinen statistisch signifikanten Anstieg von Leukämieerkrankungen bei Kindern in der Nähe schweizerischer Kernkraftwerke.</p>
<p>Die oft zitierte Risikoerhöhung von rund 44 Prozent stammt aus einer späteren gepoolten Analyse mehrerer Länder und nicht aus CANUPIS selbst.<br />
 <br />
<span style="font-size:large;">Metaanalysen sind keine Endstation</span></p>
<p>Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fasste 47 Studien aus 17 Ländern zusammen und berichtete statistisch erhöhte Risiken für bestimmte Krebsarten bei Anwohnern von Kernkraftwerken. Gleichzeitig weisen die Autoren selbst auf erhebliche methodische Unsicherheiten hin.</p>
<p>Die Studien unterscheiden sich stark hinsichtlich Design, Datenqualität und Kontrolle möglicher Störfaktoren. Die Metaanalyse liefert daher Hinweise auf Zusammenhänge, aber keinen Nachweis ihrer Ursache.<br />
 <br />
<span style="font-size:large;">Die 4200 Krebstoten aus den USA</span></p>
<p>Besonders eindrucksvoll wirkt die Behauptung, eine US-Studie aus dem Jahr 2026 gehe von jährlich mehr als 4200 strahleninduzierten Krebstodesfällen bei Menschen über 65 Jahren aus.</p>
<p>Tatsächlich fand die Studie einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nähe zu Kernkraftwerken und der Krebssterblichkeit auf Landkreisebene. Die Forscher verwendeten jedoch weder Strahlenmessungen noch individuelle Dosisabschätzungen. Als Expositionsmaß diente ausschließlich die Entfernung zu Kernkraftwerken.</p>
<p>Die Zahl von genau 4266 Todesfällen wurde nicht beobachtet, sondern aus einem statistischen Modell abgeleitet. Sie setzt voraus, dass der beobachtete Zusammenhang tatsächlich durch Kernkraftwerke verursacht wird. Diese Annahme kann die Studie jedoch nicht belegen. Die Autoren weisen selbst ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse keinen Kausalnachweis darstellen.<br />
 <br />
<span style="font-size:large;">Das eigentliche Muster</span></p>
<p>Interessant sind weniger die einzelnen Studien als die Art ihrer Präsentation durch Schlatter. Unterschiedliche Arbeiten werden zu einer fortlaufenden Geschichte verbunden, in der jede neue Untersuchung die vorherige scheinbar bestätigt. Dabei geraten methodische Unterschiede, widersprüchliche Befunde und offene Fragen in den Hintergrund.</p>
<p>So entsteht der Eindruck einer überwältigenden Evidenzlage, obwohl die wissenschaftliche Diskussion in mehreren zentralen Punkten weiterhin offen ist.<br />
 <br />
<span style="font-size:large;">Fazit</span></p>
<p>Der Verweis auf die Krebsrisiken nach pränatalen Röntgenuntersuchungen ist wissenschaftlich gut abgesichert. Die Situation bei Kernkraftwerken ist deutlich komplexer. Dort existieren einzelne positive Befunde, aber ebenso Studien ohne entsprechenden Nachweis. Hinzu kommt, dass die beobachteten Risiken bislang nicht überzeugend durch die bekannten Strahlendosen erklärt werden können. Wer aus diesen Studien eine geschlossene Beweiskette für systematisch unterschätzte Strahlenrisiken ableitet, geht über den tatsächlichen Erkenntnisstand hinaus.</p>
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<link>https://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=75686</link>
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<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 16:22:54 +0000</pubDate>
<category>Allgemein</category><dc:creator>KI</dc:creator>
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