Blut-Hirn-Schranke: abschwellender Schwanengesang (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 07.02.2022, 21:47 (vor 293 Tagen)

Dem Schweden Leif Salford gelang es 2003 mit einer wissenschaftlichen Studie über die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke kurzzeitig zum Star der deutschen Anti-Mobilfunk-Szene aufzusteigen. Diagnose-Funk würdigt den inzwischen 80-Jährigen mit einem rosaroten Rückblick auf sein Schaffen und kann der Versuchung nicht widerstehen, rückwirkend mit der Aufdeckung einer angeblich schändlichen Missetat der Ende 2009 aufgelösten Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) zu prahlen.

Am 7. Dezember 2021 wurde der schwedische Wissenschaftler Leif Salford 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt Louis Slesin auf Microwave News einen subjektiven Rückblick auf die Forschung des alten Schweden. Salford hatte kurz nach Start des GSM-Mobilfunks in Europa damit begonnen, den Einfluss von GSM900-Funkfeldern in Hinblick auf das Wachstum von Hirntumoren und auf die Funktionsfähigkeit der Blut-Hirn-Schranke (BHS) zu untersuchen. Seine Forschung an Hirntumoren brachte keine aufregenden Ergebnisse hervor. Ganz anders seine BHS-Forschung. Bereits 1993 berichtete Salford in einer der ersten Veröffentlichungen, unter gepulster und ungepulster 915-MHz-Exposition werde die BHS durchlässig.

Da das Internet seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckte, blieb der Anti-Mobilfunk-Szene dieses Ergebnis weitgehend verborgen. Hierzulande änderte sich dies erst, als der in seiner Selbstsicht "elektrosensible" Physiker Volker Schorpp eine Folgestudie Salfords ins Deutsche übersetzte und im Februar 2003 auf der Website des hese-Projekts publizierte. Ab diesem Moment war Salford für deutsche Mobilfunkgegner vorübergehend die Lichtfigur schlechthin, bis ihm Franz Adlkofer mit seinem "Reflex"-Projekt diesen Rang ablief. Das Thema BHS geriet in den Folgejahren wissenschaftlich unter die Räder, nachdem andere Forschergruppen die Befunde Salfords nicht bestätigen konnten und Salford selbst 2007 an einer Wiederholungsstudie scheiterte.

Diagnose-Funk, stets an alarmierenden Geschichten über Mobilfunk interessiert, erhielt von Slesin die Erlaubnis, seinen Rückblick auf Salfords Wirken in der EMF-Risikoforschung ins Deutsche zu übersetzen. Was dabei heraus kam ist noch tendenziöser als das Original, wovon man sich hier selbst überzeugen kann.

Wer sich den Roman ersparen möchte und stattdessen an einer objektiv-sachlichen Einschätzung einer sich unter EMF-Einwirkung öffnenden BHS interessiert ist, dem hilft das EMF-Portal kurz und schmerzlos auf die Sprünge.

Randnotiz

Im Anhang zur Übersetzung des Slesin-Artikels versucht Diagnose-Funk sich mit einem Kunstgriff in Szene zu setzen und behauptet:

Diagnose:funk deckte vor 15 Jahren die Verfälschungen der Ergebnisse der Salford-Studie durch die FGF (Forschungsgemeinschaft Funk) und das Bundesamt für Strahlenschutz auf!

Das ist lustig, denn vor 15 Jahren konnte Diagnose-Funk nichts aufdecken, weil es diesen Verein damals noch gar nicht gab, sein Eintrag im Vereinsregister weist den 1. Juni 2010 als sein Geburtsdatum aus. Die Schweizer Mutter des deutschen Vereins ist zwar älter, hat mit dem besagten Vorgang allerdings nichts zu tun. Denn der Aufdecker der angeblichen Verfälschung ist der Stuttgarter Peter Hensinger, der 2006 der Anti-Mobilfunk-Szene beitrat, weil ihn ein Funkmast störte, den er von seinem Schlafzimmer aus sehen konnte.

Lässt man das Brimborium weg, schmilzt die "Verfälschung" der Salford-Studienresultate im Diagnose-Funk-Beitrag auf einen einzigen Satz zusammen.

Die Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF) reagierte in ihrer Infoline auf diese Studie am 06.02.2003 und schreibt:

"Die Autoren gestanden allerdings ein, ... dass das Ergebnis keinen Anhalt für ein Risiko am Menschen bedeutet."

Diese Aussage findet sich nirgendwo in der Studie. Das pure Geg­en­­teil sagte Salford [...]

Mein Faktencheck kann den Vorwurf der Verfälschung durch die FGF weder bestätigen noch widerlegen, zweifelsfrei sicher ist jedoch, Hensinger bläht damals wie heute eine Mücke zu einem Elefanten auf. Für diese Wertung genügt schon der erste der folgenden Punkte:

► Die "Infoline" war ein wöchentlich erschienener inoffizieller Kurznachrichtendienst der FGF, der aktuelle Begebenheiten (z.B. neue Studien, Veranstaltungshinweise ...) mit jeweils wenigen Zeilen publik machte. Offizielles Mitteilungsorgan der FGF war eine andere Publikation, nämlich der "Newsletter".

► Ohne Auslassung lautet der von Hensinger beanstandete Satz im Original: "Die Autoren gestanden allerdings ein, dass die Anzahl der Versuchstiere gering war und dass das Ergebnis keinen Anhalt für ein Risiko beim Menschen bedeutet."

► Der Infoline-Originalmeldung sind drei Quellen zugeordnet:
1) http://dx.doi.org/ doi: 10.1289/ehp.6039
2) http://www.detnews.com/
3) http://www.cellular-news.com
Quelle 1) führt zu der besagten Salford-Studie. Das gegenwärtig angezeigte PDF datiert vom Juni 2003. Darauf aber konnte die Infoline vom 6. Februar 2003 unmöglich verweisen. Anzunehmen ist, dass am Linkziel ursprünglich ein anderes Dokument war, etwa ein ungeprüfter Entwurf der Studie oder ein universitärer Forschungsbericht der Forschergruppe Salford.
Quelle 2) war für mich nicht mehr auffindbar.
Quelle 3) stützt nicht das FGF-Satzfragment "... dass das Ergebnis keinen Anhalt für ein Risiko am Menschen bedeutet."
Fazit: Es ist nicht auszuschließen, dass im Januar/Februar 2003 das beanstandete Satzfragment auf Quelle 1) oder Quelle 2) zu lesen war. Zu diesem Zeitpunkt recherchierte Peter Hensinger nicht, da er erst 2006 der Anti-Mobilfunk-Szene beitrat.

► Von Hensinger als Beleg beigebrachte mündliche Bekundungen Salfords sind ohne Belang, da Hensingers frühester Beleg vom 5. Februar 2003 datiert. Dies ist 1 Tag vor Publikationsdatum der "Infoline". Wer ein bisschen Ahnung von redaktionellen Vorlaufzeiten zur damaligen Zeit hat, weiß, dass die Infoline mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am 5. Februar 2003 fertig vorbereitet für die Verteilung und nicht mehr im Zugriff der Redaktion war.

Damit die Randnotiz nicht noch länger wird und womöglich abermals am Ziel nur warme Luft antrifft, verzichte ich auf einen Faktencheck des Vorwurfs gegenüber dem BfS.

Hintergrund
Vorkommen des Suchbegriffs "Salford" im IZgMF-Forum

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Hensinger, Schweden, Blut-Hirn-Schranke, Salford, Faktencheck, Microwave News

Blut-Hirn-Schranke: abschwellender Schwanengesang

H. Lamarr @, München, Montag, 07.02.2022, 23:19 (vor 293 Tagen) @ H. Lamarr

► Der Infoline-Originalmeldung sind drei Quellen zugeordnet:
1) http://dx.doi.org/ doi: 10.1289/ehp.6039
2) http://www.detnews.com/
3) http://www.cellular-news.com
Quelle 1) führt zu der besagten Salford-Studie. Das gegenwärtig angezeigte PDF datiert vom Juni 2003. Darauf aber konnte die Infoline vom 6. Februar 2003 unmöglich verweisen. Anzunehmen ist, dass am Linkziel ursprünglich ein anderes Dokument war, etwa ein ungeprüfter Entwurf der Studie oder ein universitärer Forschungsbericht der Forschergruppe Salford.

Welches Dokument hat die Redaktion der FGF-Infoline vom 6. Februar 2003 wirklich gesehen, als sie mit Quelle 1) darauf verlinkte?

Diese Frage hat mich nicht ruhen lassen. Deshalb kramte ich im IZgMF-Archiv und fand ganz tief unten tatsächlichen einen Hinweis auf das gesuchte Dokument. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es diese frühe Fassung von Salfords Forschungsbericht. Das Dokument wurde gemäß Dokumenteigenschaften am 9. Januar 2003 von Autor "JACO3" erstellt und am 28. Januar 2003 noch einmal bearbeitet. Diese Daten passen jetzt! Und sie erklären auch, wieso Volker Schorpp schon im Februar 2003 eine Deutsch-Übersetzung des Papiers dem hese-Projekt übergeben konnte.

Ein inhaltliche Prüfung des Fundes zeigt jedoch keinerlei Hinweis darauf, Salford hätte sich auf die in der FGF-Infoline dokumentierte Weise geäußert. Wie später im Juni 2003 in der publizierten Fassung finden sich auch in der Vorabfassung Sätze wie diese:

The largest human biological experiment ever. So has the voluntary exposure of the brain to microwaves from handheld mobile phones by one fourth of the world’s population been called (Salford et al.2001).

We can not exclude that after some decades of (often), daily use, a whole generation of users, may suffer negative effects maybe already in their middle age.

Beim besten Willen: Wer solche Sätze schreibt, der bekundet zeitnah an anderer Stelle nicht, das Ergebnis seiner Forschung bedeute keinen Anhalt für ein Risiko am Menschen.

Jetzt wird es eng für die FGF!

Denn nun gibt es aus meiner Sicht nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder hat die Redaktion den von Hensinger beanstandeten Halbsatz der heute unauffindbaren Quelle 2) entnommen, – oder sie hat Mist gebaut und den Halbsatz frei erfunden :lookaround:. Da wir 19 Jahre zu spät dran sind, werden wir bei der Suche nach der richtigen Lösung wahrscheinlich auf keinen grünen Zweig kommen.

Damit nun Diagnose-Funk nicht auf die Idee kommt, mich mit der silbernen Verdienstnadel des Vereins auszustatten, sei mir mit Blick auf den Status der Infoline (siehe Startposting) der Hinweis gestattet, dass die Mücke für mich noch immer eine Mücke ist, jetzt aber immerhin eine Stechmücke.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Blut-Hirn-Schranke: Linknachreichungen

H. Lamarr @, München, Montag, 07.02.2022, 23:38 (vor 293 Tagen) @ H. Lamarr

1) http://dx.doi.org/ doi: 10.1289/ehp.6039
2) http://www.detnews.com/
3) http://www.cellular-news.com

Den Quellen 2) und 3) sind im Original tiefer gehende Links hinterlegt gewesen, die ich hiermit der guten Ordnung halber nachreiche, obwohl beide Links nicht mehr ins ursprüngliche Linkziel treffen:

2) http://www.detnews.com/2003/technology/0301/30/technology-72237.htm
3) http://www.cellular-news.com/story/8207.shtml

Link 2) ist auch mit dem Webarchiv nicht mehr zu reanimieren.
Link 3) wurde im Webarchiv erfolgreich konserviert.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Blut-Hirn-Schranke: falsche und richtige Bilder

Schutti2, Donnerstag, 10.02.2022, 14:06 (vor 291 Tagen) @ H. Lamarr

Dem Schweden Leif Salford gelang es 2003 mit einer wissenschaftlichen Studie über die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke kurzzeitig zum Star der deutschen Anti-Mobilfunk-Szene aufzusteigen. Diagnose-Funk würdigt den inzwischen 80-Jährigen mit einem rosaroten Rückblick auf sein Schaffen und kann der Versuchung nicht widerstehen, rückwirkend mit der Aufdeckung einer angeblich schändlichen Missetat der Ende 2009 aufgelösten Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) zu prahlen.

Wenn wir schon einen Blick auf angebliche Sünden von vor 20 Jahren werfen...

Da das Internet seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckte, blieb der Anti-Mobilfunk-Szene dieses Ergebnis weitgehend verborgen. Hierzulande änderte sich dies erst, als der in seiner Selbstsicht "elektrosensible" Physiker Volker Schorpp eine Folgestudie Salfords ins Deutsche übersetzte und im Februar 2003 auf der Website des hese-Projekts publizierte.

Ach ja, der Dr. Schorpp...
Man vergleiche einmal die beiden Bilder "Abb. 1a und 1b" in Schorpps Übersetzung
mit denen in der Originalpublikation
Nerve cell damage in mammalian brain after exposure to microwaves from GSM mobile phones.

Können sich Bilder beim Übersetzen in eine anderes Sprache so verändern?

Natürlich nicht.
Die Bilder in Schorpps Text, vor allem dort Abb. 1b waren damals der Aufreger. Diese schwarzen Punkte im Gehirn, nach zwei Stunden, oh je...
Die Aufregung war so groß, das fast keinem auffiel, dass in der alten Version das linke und das rechte Foto schon mal ganz unterschiedliche Schnitte darstellten.

Es gab eine erste Fassung der Arbeit von Salford et al., in der unter Abb. 1 schlicht falsche Fotots verwendet wurden. Man lese dazu den blauen Kasten "Correction" auf S. 883 in der Originalpublikation.

Die "falschen" Fotos gehörten überhaupt nicht nicht zu den Untersuchungen von 2003, sondern stammten aus den frühen 1990-er Jahren.
Zitat Salford: "the original illustration [...] illustrated our work on albumin leakage in the early 90ies"
"this was commented by somebody to EHP as easy to misunderstand"

Das Verkaufen alter Bilder als neue Untersuchungen, eiei. Das lässt sich wirklich leicht missverstehen.

Warum Salford diesen "Irrtum", andere nannten es gar "wissenschaftlichen Betrug", machte, bleibt offen.
Jeder Laie wird bestätigen, dass die "alten Bilder" irgendwie schöner sind. Hier wird die gefühlte Wahrheit doch mehr klar.
Sie sind so schön, dass sie immer wieder und auch nach zwanzig Jahren auf hübsch gestalteten Webseiten namens "Faktenblatt 5G" (sic!) auftauchen.

Blut-Hirn-Schranke: falsche und richtige Bilder

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 10.02.2022, 19:52 (vor 290 Tagen) @ Schutti2

Jeder Laie wird bestätigen, dass die "alten Bilder" irgendwie schöner sind. Hier wird die gefühlte Wahrheit doch mehr klar.
Sie sind so schön, dass sie immer wieder und auch nach zwanzig Jahren auf hübsch gestalteten Webseiten namens "Faktenblatt 5G" (sic!) auftauchen.

Dieses Faktenblatt macht Fakten platt :yes:.
Rüttelreim von Rudi Rammler

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Blut-Hirn-Schranke: schlaue Alzheimer-Nonnen

H. Lamarr @, München, Freitag, 11.02.2022, 13:11 (vor 290 Tagen) @ Schutti2

Jeder Laie wird bestätigen, dass die "alten Bilder" irgendwie schöner sind. Hier wird die gefühlte Wahrheit doch mehr klar.

Um die Tragweite des Befunds zu untermalen beschrieb Salford die Flecken im Hirn der befeldeten Ratten als "dunkle Neuronen". Allein schon dieser Begriff kann mMn ängstlichen Personen kalte Schauer des Grauens über den Rücken jagen und z.B. einen braven Ex-Elektriker in einen wild gewordenen Mobilfunkgegner verwandeln :-).

Aber: Niemand weiß verbindlich, welche gesundheitliche Bedeutung dem Neuronen-Fleckenteppich im Hirn von Ratten zukommt. In seiner 2003er-Studie schreibt Salford zwar einleitend, man habe während des Experiments täglich auch das Verhalten der Tiere auf Abnormalitäten hin beobachtet, über das Ergebnis dieser Beobachtung gibt er jedoch keine Auskunft. Dies deutet darauf hin, Spektakuläres ist nicht passiert. Das Schweizer Bafu geht in Bezug auf die Studien Salfords noch einen Schritt weiter und misst laut EMF-Portal den Ergebnissen keine gesundheitliche Bedeutung bei. Salford selbst sieht dies anders, kommt aber über Vermutungen nicht hinaus. So schrieb er 2003, eine ganze Generation könnte nach jahrzehntelangem Handygebrauch unter schädlichen Folgen leiden. Möglicherweise schon in mittleren Jahren. Welche Folgen er sieht lässt er offen, an anderer Stelle hegt er jedoch den Verdacht auf schwere neurologische Störungen. Bei Diagnose-Funk liest sich dies anders. Ganz die gewohnt populistische Drama-Queen erhebt der Verein Salfords Mutmaßungen ungeniert in den Rang von Tatsachen:

[...] Die Ergebnisse von Salford haben gerade aktuell, wo Smartphones und WLAN als Lernmittel an Schulen eingeführt werden, eine zentrale Bedeutung. Denn sie beweisen: Das Gehirn wird durch Mikrowellenstrahlung geschädigt. [...]

Bei Populisten ist alles stets schön einfach und intellektuell anspruchslos für die Massenfütterung von "Stopfgänsen" optimiert. Für lästige Grauschattierungen ist da kein Platz. Doch was z.B. Alzheimer anbelangt, so hat eine Studie an amerikanischen Nonnen eindrucksvoll gezeigt, dass Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen Stadium nicht zwingend zu hilflosen Zombies werden müssen. Denn die Obduktion verstorbener Alzheimer-Studienteilnehmerinnen zeigte zwar erwartungsgemäß Hirne, die durchlöchert wie Schweizer Käse waren, zu Lebzeiten konnten jedoch selbst stark Betroffene bis zu ihrem Tod geistig anspruchsvolle Aufgaben ausführen.

So, und jetzt schaunmermal, warum die evidenzbasierte Wissenschaft in Gestalt einer Studiengruppe im Gegensatz zu den fachlichen Laien von Diagnose-Funk 2014 ganz ohne Munkeln und Raunen zu einer völlig abweichenden Bewertung der Salford-Studien kam. Anzumerken ist, dass genau diese Studiengruppe von einer anderen Rosinenpicker-Truppe (Anti-Mobilfunk-Verein gigaherz.ch) hoch geschätzt wird, selbstredend nicht was die Abwertung der Salford Studien anbelangt, sondern wegen ihrer für Mobilfunkgegner erfreulichen Bewertung der Wirkung von EMF-Exposition auf das EEG von Menschen. Doch darum geht es hier und jetzt nicht, sondern um die kompetente Sicht der Studiengruppe auf die BHS-Studienlage:

[...] Eine Forschergruppe aus Schweden beobachtete in mehreren Experimenten an Nagetieren sowie organtypischen Gehirnschnitten eine verstärkte Durchlässigkeit der Bluthirnschranke durch Hochfrequenzbelastung (u.a. Salford et al. 1994, Salford et al. 2003, Eberhardt et al. 2008, Nittby et al. 2009, Nittby et al. 2011). Die vermehrte Durchlässigkeit der Bluthirnschranke wurde bereits bei SAR-Werten, die 1000-fach unter dem ICNIRP-Grenzwert von 2 W/kg lagen, beobachtet. Jedoch ergaben die daraufhin durchgeführten zahlreichen Replikationsversuche aus mehreren anderen Labors überwiegend keine Effekte von gepulsten oder unmodulierten Hochfrequenzsignalen (IARC 2013). Die frühen schwedischen Studien sind nicht aussagekräftig, weil sie nur eine qualitative Datenanalyse durchführten, und bei den späteren Untersuchungen ist die Dosimetrie nicht ausreichend genau dargestellt. Insbesondere gibt es keine Angaben, ob die Temperatur während der Exposition kontrolliert wurde. Sodann ist die rapportierte höhere (verdoppelte) Durchlässigkeit der Bluthirnschranke gesundheitlich nicht relevant. Erst ab einer - von der Grössenordnung her - hundertfach erhöhten Durchlässigkeit gehen gesundheitliche Risiken aus (Hossmann und Stögbauer 2005). Die Replikationsstudien beinhalteten im Allgemeinen eine verbesserte Dosimetrie inklusive Kontrolle der Temperatur, untersuchten auch Positivkontrollen wie Hitze, Kälte oder Toxine und verwendeten bessere Methoden zur Anfärbung der Neuronen (Stam 2010).

Insgesamt wird die Evidenz der vorhandenen Literatur als unzureichend bewertet, da die Effekte in fünf Studien aus demselben Labor beobachtet wurden, aber die Evidenz von Studien ausserhalb dieses Labors als sehr schwach einzustufen ist. [...]

Wir lernen daraus: Die Risikoeinschätzung von Laien und Wissenschaftlern kann zuweilen sehr weit auseinander liegen und jedem verständigen Menschen sollte klar sein, welche der beiden Gruppen neben der Spur liegt.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Alter Wein, Blut-Hirn-Schranke, Salford, Risikobewertung, Tatsachenbehauptung, Popanz, Faktencheck, Evidenz

Verein Diagnose-Funk macht sich gerne älter, als er ist

H. Lamarr @, München, Freitag, 18.02.2022, 20:29 (vor 282 Tagen) @ H. Lamarr

Im Anhang zur Übersetzung des Slesin-Artikels versucht Diagnose-Funk sich mit einem Kunstgriff in Szene zu setzen und behauptet:

Diagnose:funk deckte vor 15 Jahren die Verfälschungen der Ergebnisse der Salford-Studie durch die FGF (Forschungsgemeinschaft Funk) und das Bundesamt für Strahlenschutz auf!

Das ist lustig, denn vor 15 Jahren konnte Diagnose-Funk nichts aufdecken, weil es diesen Verein damals noch gar nicht gab, sein Eintrag im Vereinsregister weist den 1. Juni 2010 als sein Geburtsdatum aus. Die Schweizer Mutter des deutschen Vereins ist zwar älter, hat mit dem besagten Vorgang allerdings nichts zu tun.

Im Vergleich zu Bürgerwelle Deutschland und IZgMF ist Diagnose-Funk, was das Alter anbelangt, das Küken der deutschen Anti-Mobilfunk-Szene. Vielleicht ist das der Grund, warum sich der Stuttgarter Gernegroß wiederholt älter macht, als er tatsächlich ist.

Neben dem oben zitierten Beispiel ist mir mit dieser Webseite des Vereins gestern ein weiteres vor die Flinte gelaufen, bei dem Diagnose-Funk ein Veröffentlichungsdatum nennt, das nie und nimmer stimmen kann (Screenshot).

Diagnose-Funk-Webseite (Ausschnitt) mit getürktem Datum.
[image]

Der DF-Artikel selbst ist belanglos. Zwar wird als Quelle das Computerblatt "Chip" genannt und es wird auch brav auf einen 2-Seiter aus der Januar-Ausgabe 2005 von Chip verlinkt, doch wer nun meint, den DF-Artikeltext habe Diagnose-Funk anhand der Quelle selbst fabriziert, der irrt. Denn der Text ist von A bis Z die 1:1-Kopie einer Chip-Presse-Information.

Die Diskussion im IZgMF-Forum über das, was Chip berichtete, lässt sich in diesem Teilstrang nachlesen.

Hier und jetzt geht es allein darum, dass Diagnose-Funk vortäuscht, der Artikel stünde bereits seit 08.12.2004 auf der Website des Vereins. Das ist natürlich Blödsinn, denn dies war rd. 5 Jahre bevor Diagnose-Funk Deutschland überhaupt gegründet wurde. Diagnose-Funk Schweiz hatte sich seinerzeit zwar schon die Domain diagnose-funk.ch gesichert, redaktionelle Inhalte gab es damals auf der Website jedoch noch nicht.

Die Chip-Presse-Information samt Chip-Artikel hat sich Diagnose-Funk erst viele Jahre später geangelt, wahrscheinlich 2012. Denn dieses Datum hat das PDF des Chip-Artikels. Es kann auch noch Jahre später gewesen sein, denn vor 2017 existiert der angeblich seit Dezember 2004 vorhandene DF-Artikel im Web-Archiv nicht.

Schlimm ist das Trachten des Vereins, sich älter zu machen mMn nicht nur befremdlich. Das geht schon damit los, dass Diagnose-Funk Deutschland am 1. Juni 2010 ins Vereinsregister Stuttgart eingetragen wurde, der Verein in einer "Gründungserklärung 2009" jedoch behauptet, er sei am 27. September 2009 gegründet worden. Das muss jetzt nicht unbedingt ein Widerspruch sein, hätte das PDF der Gründungserklärung, die es auf der Website von Diagnose-Funk schon lange nicht mehr gibt, ein zeitnahes Datum. Hat es mit dem 21. April 2010 jedoch nicht. Auch dafür mag es eine harmlose Erklärung geben, ebenso gut könnte es sich jedoch wieder um eine kleine Schummelei handeln, um das Gründungsdatum des Vereins von 2010 rückwirkend auf 2009 zu altern, damit aus dem tolpatschigen gelben Küken schneller ein stolzer Hahn wird :-).

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Täuschung, Gernegroß, Synergismus, Gründungsdatum

Verein Diagnose-Funk altert in Gifhorn rasend schnell

H. Lamarr @, München, Samstag, 19.02.2022, 00:16 (vor 282 Tagen) @ H. Lamarr

Schlimm ist das Trachten des Vereins, sich älter zu machen mMn nicht nur befremdlich. Das geht schon damit los, dass Diagnose-Funk Deutschland am 1. Juni 2010 ins Vereinsregister Stuttgart eingetragen wurde, der Verein in einer "Gründungserklärung 2009" jedoch behauptet, er sei am 27. September 2009 gegründet worden. Das muss jetzt nicht unbedingt ein Widerspruch sein, hätte das PDF der Gründungserklärung, die es auf der Website von Diagnose-Funk schon lange nicht mehr gibt, ein zeitnahes Datum. Hat es mit dem 21. April 2010 jedoch nicht. Auch dafür mag es eine harmlose Erklärung geben, ebenso gut könnte es sich jedoch wieder um eine kleine Schummelei handeln, um das Gründungsdatum des Vereins von 2010 rückwirkend auf 2009 zu altern, damit aus dem tolpatschigen gelben Küken schneller ein stolzer Hahn wird :-).

Nein, schlimm isses nicht. Doch wenn die Kerzen auf gewissen Torten nicht besonders hell leuchten, dann geht die erhoffte Alterung des Stuttgarter Vereins noch viel rasanter voran als gedacht. So geschehen bei der BUND-Kreisgruppe Gifhorn, die 5G nicht nur "Stark erhöhte Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung" bescheinigt, sondern auch noch zu berichten weiß:

Seriöse, wissenschaftlich fundierte Informationen, Faltblätter, Ratgeber und Informationsschriften findet man bei der unabhängigen Verbraucherschutzorganisation "Diagnose-Funk", die schon seit Jahrzehnten internationale wissenschaftliche Studien zum Thema "Mobilfunk" auswertet ...

:rotfl: :-D :rotfl:

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum