EU: Scheer bereitet Neubewertung der Sicherheit von HF-EMF vor (Forschung)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.11.2021, 01:06 (vor 912 Tagen)

Die Europäische Kommission hat den wissenschaftlichen Ausschuss "Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks" (Scheer) beauftragt, ein wissenschaftliches Gutachten über die Sicherheit elektromagnetischer Felder (EMF) zu erstellen. Um eine umfassende Risikobewertung dieses Themas durchzuführen, wie es das Mandat verlangt, hat Scheer externe Experten aufgerufen, sich bis 14. November 2021 für die Teilnahme an der Arbeitsgruppe zu bewerben, die an diesem Gutachten arbeiten wird. Verlangt wurde spezifisches Fachwissen in Zellbiologie, Biophysik und der Biologie/Toxikologie von Menschen oder Wirbeltieren. Schwerpunktmäßig sollten Bewerber Forschung im HF-EMF-Frequenzbereich (100 kHz bis 300 GHz) betrieben und ihr Fachwissen mit Veröffentlichungen im EMF-Portal bzw. in hochwertigen Fachzeitschriften nachgewiesen haben. Bevorzugt werden Experten, die mehr als ein Fachgebiet abdecken. Eine ausgefüllte Interessenerklärung ist erforderlich, sie ist eines der Auswahlkriterien.

Die Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen erfolgte gemäß der Geschäftsordnung der Wissenschaftlichen Ausschüsse, um Transparenz und Chancengleichheit für hochqualifizierte und spezialisierte Wissenschaftler zu gewährleisten. Erfolgreiche Bewerber müssen die Teilnahmebedingungen für externe Sachverständige lesen und akzeptieren. Ausführlich erläutert sind diese in der Geschäftsordnung der wissenschaftlichen Ausschüsse.

Scheer entstand 2016 aus der Zusammenlegung der beiden wissenschaftlichen EU-Ausschüsse SCENIHR und Scher. Das bislang jüngste EU-Gutachten über die Sicherheit von HF-EMF wurde 2015 noch von SCENIHR vorgelegt. Der Entwurf dieses Gutachtens wurde 2014 zur öffentlichen Konsultation freigegeben, an der sich 57 Personen/Organisationen mit 186 Kommentaren beteiligten. Kein einziger Mobilfunkgegner aus den D-A-CH-Ländern nutzte diese Gelegenheit für qualifizierte Kommentare! Wird sich dieses peinliche Versagen der sonst vor Laienpublikum so selbstgewissen Granden der deutschsprachigen Anti-Mobilfunk-Szene beim kommenden Gutachten wiederholen? Ich werde ein Auge drauf haben :yes:.

Der von Scheer gestartete "Call for Experts" konkurriert mit einem ebensolchen Aufruf der WHO, die für ihre seit langem überfällige HF-EMF-Monografie (auch bekannt als Environmental Health Criteria, EHC) zeitgleich ebenfalls den Markt für HF-Experten abgrast und zudem nicht weniger als zehn systematische Reviews über HF-EMF-Themen in Arbeit hat, die gegenwärtig viele externe Experten zusätzlich zu deren üblichen Tätigkeiten bis in den roten Bereich auslasten. Bleibt zu hoffen, dass diese starke Nachfrage nach HF-Experten, die auch nicht auf jedem Baum wachsen, keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Ergebnisse hat ;-).

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Wissenschaftler, Risikobewertung, Scheer, SDENIHR, Europäische Kommission

WHOs "Call for Experts" geht in die Verlängerung

H. Lamarr @, München, Dienstag, 30.11.2021, 23:50 (vor 899 Tagen) @ H. Lamarr

Der von Scheer gestartete "Call for Experts" konkurriert mit einem ebensolchen Aufruf der WHO, die für ihre seit langem überfällige HF-EMF-Monografie (auch bekannt als Environmental Health Criteria, EHC) zeitgleich ebenfalls den Markt für HF-Experten abgrast und zudem nicht weniger als zehn systematische Reviews über HF-EMF-Themen in Arbeit hat, die gegenwärtig viele externe Experten zusätzlich zu deren üblichen Tätigkeiten bis in den roten Bereich auslasten. Bleibt zu hoffen, dass diese starke Nachfrage nach HF-Experten, die auch nicht auf jedem Baum wachsen, keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Ergebnisse hat ;-).

Die WHO hat ihren "Call for Experts" vom 30. November auf 15. Dezember 2021 verlängert. Über die Gründe spekuliert Dariusz Leszczynski hier.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Monografie

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