Big News: Chris Portier hält EMF für wahrscheinlich karzinogen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 17.03.2021, 21:09 (vor 626 Tagen)

Dariusz Leszczynski berichtet in seinem Blog über einen 173 Seiten umfassenden Report (Volltext) von Christopher J. Portier, der zu dem Ergebnis gekommen ist, EMF sei wahrscheinlich krebserregend. Gemäß der IARC-Klassifizierung wäre EMF demnach von Gruppe 2B in Gruppe 2A*) hoch zu stufen. Einiges spricht dafür, dass der Report, der eigentlich ein gerichtliches Sachverständigengutachten ist, eine Doppelfunktion hat.

Portier lässt keinen Zweifel, wo er das Risiko EMF verortet. Er schreibt: The evidence on an association between cellular phone use and the risk of glioma and/or acoustic neuroma in adults is strong. [Die Beweise für einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und dem Risiko von Gliomen und/oder Akustikusneurinomen bei Erwachsenen sind stark.]. Ob diese Wertung nun zutrifft oder nicht ist sicherlich wichtig, für noch wichtiger aber halte ich die Differenzierung, die Portier zum Leidwesen von Sendemastengegnern trifft. Denn er redet nur von Mobiltelefonen, nicht von Sendemasten. Damit verwehrt Portier Mobilfunkgegnern ein Belastungsargument gegen Sendemasten. Ob dies von den Manipulationsfreudigen der Anti-Mobilfunk-Szene respektiert wird oder ob sie (wie üblich) mit unscharfen Formulierungen, Verdrehungen oder Lügen versuchen werden, Sendemasten doch ins Spiel zu bringen, werden wir sehen.

Der Dateiname des Reports weist darauf hin, dass Portier diesen nicht aus Jux und Tollerei verfasst hat, sondern als Gutachter für den in den USA, Washington DC, laufenden EMF-Hirntumorprozess Murray vs. Motorola. Das angebotene PDF des Reports macht dessen schnelle Bewertung jedoch sehr schwierig, da es nicht durchsuchbar ist. Offenbar handelt es sich um ein gescanntes Dokument.

Überraschend kommt Portiers Befund nicht, er hat bereits seit geraumer Zeit eine kritische Haltung gegenüber EMF und Icnirp, 2017 war er im Zusammenhang mit Glyphosat in den Verdacht eines Interessenkonflikts geraten (Belege).

Üblicherweise werden Prozessgutachten nicht veröffentlicht. Dass es diesmal anders ist, könnte damit zusammenhängen, dass die IARC möglicherweise noch vor 2024 eine erneute Eingruppierung von EMF vornimmt. Wenn dies zutrifft, schlägt Portier mit einer Klatsche zwei Fliegen:

► Er gutachtert zugunsten der Kläger im Fall Murray vs. Motorola.
► Das Timing für eine Zweitverwertung seines Gutachtens anlässlich einer erneuten Krebseinstufung von EMF durch die IARC wäre geradezu perfekt für eine Hochstufung.

Portier (Jg. 1956) ist kein Unbekannter, sondern ein dicker Fisch, dessen Wort Gewicht hat. Der US-Amerikaner war 30 Jahre lang Senior Researcher am US-amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS), dort leitete er ein eigenes Forschungslaboratorium. Zugleich war er zeitweise Direktor am US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP). Nach dem NIEHS wurde er Direktor des US-amerikanischen National Center for Environmental Health (NCEH) und Direktor der US-amerikanischen Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR). In diese Zeit fällt seine Teilnahme an der IARC-Arbeitsgruppe, die im Jahr 2011 HF-EMF mit der Wertung 2B (möglicherweise krebserregend) einstufte. Anlässlich einer Anhörung war er 2015 in Deutschland. Damals bekundete er, halb im Ruhestand zu sein und in Teilzeit für verschiedene Regierungs- und nichtstaatliche Organisationen zu arbeiten.

*) Admin: Zuvor wurde an derselben Stelle irrtümlich die Gruppe 1B genannt. Dieser Fehler wurde am 22.03.2021 berichtigt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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IARC, Motorola, Leszczynski, Klassifizierung, USA, Portier, Hirntumor-Klage, Murray

Portier ignoriert Lerchls Tumorstudien

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 17.03.2021, 23:36 (vor 626 Tagen) @ H. Lamarr

Inzwischen habe ich das Gutachten von Portier mit OCR in durchsuchbaren Text umgewandelt.

Dariusz schreibt in seinem Blog, das Gutachten enthalte 443 Literaturverweise. In meinem Exemplar sind es 444 und 29-Mal verweist der Autor auf sich selbst. Erstaunlich: Tillmann et al. werden 9-Mal genannt, Lerchl et al. hingegen 0-Mal. Das verstehe wer will. Vielleicht wurde Lerchl "Opfer" des Shitstorms, den Micowave News im Februar 2021 entfachte. Da Portiers Gutachten vom 1. März 2021 ist, wäre dieser Verdacht zumindest zeitlich plausibel. Das Fehlen der beiden Lerchl-Studien zur tumorpromovierenden Wirkung von EMF (2015 und 2017) in dem Gutachten erklärt der Shitstorm aber nicht wirklich, ein Profi wie Portier sollte mMn wissenschaftliche Befunde, und dies sind die beiden Studien von Lerchl, über Szene-Klatschgeschichten stellen. Als Teilnehmer der IARC-Arbeitsgruppe von 2011 dürfte Portier allerdings auch das Theater um Lerchls Zurückweisung von der Teilnahme mitbekommen haben. Möglicherweise ist das der Grund, wenngleich auch in diesem Fall das Motiv befremdlich wäre. Bleibt als vernünftigste Erklärung: Lerchl fehlt in Portiers Gutachten, weil er zwar eine von Tillmann et al. gefundene tumorpromovierende Wirkung von EMF bestätigen konnte, aber eben nicht für Hirntumoren, sondern für Lungen-, Leber- und Lymphknotentumoren. Nur, auch Tillmann fand 2010 keine Hirntumoren in seinen Versuchstieren, wird auf Seite 86 des Gutachtens von Portier jedoch referenziert.

Die Sache scheint für Zaungäste wie mich nicht so leicht durchschaubar zu sein ... :-)

Immerhin sind die in unseren Breiten von organisierten Mobilfunkgegnern noch immer hoch gehandelten semiprofessionellen Studien von Dr. med. Eger (Naila-, Selbitz- und Hennenstudie) sowie die sensationelle C-Netz-Krebsstudie von Dr. med. Oberfeld (Hausmannstätten) an Portier spurlos vorüber gegangen. Das mag aus heutiger Sicht selbstverständlich sein, 2011 war es das noch nicht. Damals tauchte die berühmt-berüchtigte Oberfeld-Studie (2008) in der ersten Ausgabe der IARC-Monografie 102 über das Agens HF-EMF auf und noch Jahre später argumentierte damit ein Autor des Bio-Initiative-Reports.

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IARC, Hirntumor, Klassifizierung, Slesin, Tillmann, Shitstorm, Portier, Microwave News

USA: Murray ./. Motorola - Unklare Beweismittelzulassung

KlaKla, Donnerstag, 18.03.2021, 07:23 (vor 626 Tagen) @ H. Lamarr

Microwave News Kurzmeldung am 12 März 2021
Expert Report by Christopher J. Portier, March 1, 2021, filed with the Superior Court for the District of Columbia (Civil Division) on March 3, 2021 in the case of Murray (et al.) v. Motorola (et al.) (2001 CA 008479 B).

...

It is not yet known whether Portier’s report will be allowed to be entered into evidence in the Murray case

Übersetzt:
Gutachten von Christopher J. Portier, 1. März 2021, eingereicht beim Superior Court for the District of Columbia (Civil Division) am 3. März 2021 im Fall Murray (et al.) v. Motorola (et al.) (2001 CA 008479 B).

...

Es ist noch nicht bekannt, ob Portiers Bericht im Fall Murray als Beweismittel zugelassen wird.

Aber ne Sau kann man ja schon mal vorsorglich durchs Dorf treiben :wink:

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Motorola, Portier, Murray

Chris Portiers Fleck auf der weißen Weste

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.03.2021, 23:09 (vor 625 Tagen) @ H. Lamarr

Überraschend kommt Portiers Befund nicht, er hat bereits seit geraumer Zeit eine kritische Haltung gegenüber EMF und Icnirp, 2017 war er im Zusammenhang mit Glyphosat in den Verdacht eines Interessenkonflikts geraten (Belege).

Die Frankfurter Allgemeine berichtete 2017 über die Hintergründe von Portiers Honorar in Höhe von rd. 160'000 $, das er von Anwaltskanzleien erhielt, die gegen den damalige Glyphosat-Produzenten Monsanto klagten.

Und die London Times wußte seinerzeit: Christopher Portier beriet die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), Teil der Weltgesundheitsorganisation, die im März 2015 zu dem Schluss kam, dass Glyphosat ein "wahrscheinliches Karzinogen für den Menschen" ist.

In einem Brief an die Europäische Kommission, in dem er sie auffordert, die IARC-Einstufung zu akzeptieren, hat er seine Verbindungen zu den Anwaltskanzleien nicht deklariert.

Unter den gegebenen Umständen wird es sich die IARC wahrscheinlich nicht leisten können, für eine in den kommenden zwei Jahren möglicherweise stattfindende Neubewertung des HF-EMF-Krebsrisikos Portier in die einzuberufende Arbeitsgruppe einzuladen. Anzunehmen ist, dass auch Portier damit rechnet und stellvertretend zu seiner persönlichen Teilnahme sein Gutachten vorsorglich in den Ring wirft, in dem um die Deutungshoheit über das EMF-Krebsrisiko erbittert gekämpft wird.

Hintergrund
Interessenkonflikt: Jetzt hat auch Glyphosat seinen Skandal
James C. Lin: IARC-Ausschluss von Ahlbom war ungerecht

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Tags:
IARC, Glyposat, Krebsforschung, Portier, Interessenskonflikt, Europäische Kommission

IARC carcinogen scale

Dariusz Leszczynski, Montag, 22.03.2021, 09:29 (vor 622 Tagen) @ H. Lamarr

Currently, as per 2011 classification, RF-EMF is considered to be possible carcinogen, group 2B. Since 2011 many new studies were published and the evidence points out now to RF-EMF being probable carcinogen, group 2A. I have spoken in numerous lectures since 2011 that RF-EMF should be re-classified as probable carcinogen, group 2A. Portier has made elegant analysis and has arrived at the same conclusion, RF-EMF should be classified as probable carcinogen, group 2A.

This does not mean that every user of mobile phone will get cancer. Risk increases when using avidly mobile phone and for tens of years. However, in my opinion, only some few of the users will be unlucky and will get cancer. Only some of us are suitably sensitive to RF-EMF exposures to develop cancer. Don't mix it up with the EHS phenomenon. What are pre-conditions, genetic and epi-genetic, that make some of us more sensitive? We don't know because we refuse to study it. ICNIRP and industry propaganda plays a major role in preventing needed research.

PS
There is no group 1B in IARC carcinogenicity scale. There are only: 1, 2A, 2B, 3 and 4.

IARC carcinogen scale

H. Lamarr @, München, Montag, 22.03.2021, 11:27 (vor 622 Tagen) @ Dariusz Leszczynski

Only some of us are suitably sensitive to RF-EMF exposures to develop cancer. Don't mix it up with the EHS phenomenon.

This is an important note to avoid confusion.

What are pre-conditions, genetic and epi-genetic, that make some of us more sensitive? We don't know because we refuse to study it.

This fits the rare sensitivity of people who suffer a thrombosis after an Astra-Zeneca vaccination.

There is no group 1B in IARC carcinogenicity scale. There are only: 1, 2A, 2B, 3 and 4.

Right, I wrote nonsense in the opening post.

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