Prof. Frank: Kanadischer Epidemiologe unterstützt 5G-Moratorium (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.01.2021, 22:36 (vor 249 Tagen)

Mit Prof. John William Frank (71) betritt ein kanadischer Epidemiologe, der am Usher Institute der Universität von Edinburgh lehrt, die Bühne der 5G-Gegner. Frank begnügt sich nicht mit einer Statistenrolle, er startet senkrecht mit einem Essay in dem Fachjournal Epidemiology and Community Health. Alles gute Zutaten für eine nette Geschichte, wäre der auf der Insel hoch geschätzte Essayist im Fachgebiet der Bioelektromagnetik nicht ein völlig unbekannter Quereinsteiger.

Das Essay von Frank erschien unter dem Titel "Electromagnetic fields, 5G and health: what about the precautionary principle?" (Volltext) in der Januar-Ausgabe 2021 des Journal of Epidemiology and Community Health. Die folgende Zusammenfassung des Essays (übersetzt mit www.DeepL.com/Translator) weckt erste Zweifel, ob der in seiner Selbstsicht "erfahrene Epidemiologe" diesmal im Eifer des Gefechts über die Grenzen seiner Kompetenz hinaus geschossen ist:

Die neuen Telekommunikationssysteme der fünften Generation (5G), die jetzt weltweit eingeführt werden, sind Gegenstand einer heftigen Kontroverse geworden. Einige Gesundheitsschutzbehörden und ihre wissenschaftlichen Beratungsgremien sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine schlüssigen wissenschaftlichen Beweise für Schäden gibt. Mehrere neuere Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler deuten jedoch darauf hin, dass in dieser Frage erhebliche Unsicherheiten bestehen, wobei sich schnell Hinweise auf potenziell schädliche biologische Wirkungen durch die Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (RF-EMF) ergeben, in einem Ausmaß wie es die 5G-Einführung mit sich bringen wird. Dieser Aufsatz identifiziert vier relevante Quellen wissenschaftlicher Unsicherheit und Besorgnis: (1) Unklarheit darüber, welche Technik genau in 5G enthalten ist; (2) eine schnell wachsende Anzahl von Laborstudien, die beunruhigende In-vitro- und In-vivo-Effekte von HF-EMFs dokumentieren - allerdings mit vielen Lücken; (3) ein fast völliges Fehlen (bis jetzt) von qualitativ hochwertigen epidemiologischen Studien über schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit durch 5G-EMF-Exposition im Speziellen, aber schnell einsetzende epidemiologische Beweise für solche Auswirkungen durch frühere Generationen von HF-EMF-Exposition; (4) hartnäckige Behauptungen, dass einige nationale Regulierungsbehörden für Telekommunikation ihre HF-EMF-Sicherheitsrichtlinien nicht auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, was mit nicht bewältigten Interessenkonflikten zusammenhängt. Der Autor, ein erfahrener Epidemiologe, kommt zu dem Schluss, dass man die wachsenden gesundheitlichen Bedenken über RF-EMFs nicht abtun kann, insbesondere in einer Zeit, in der aufgrund der räumlich dichten Sendeanlagen, die 5G-Systeme erfordern, auf breiter Front höhere Expositionswerte für die Bevölkerung auftreten. Auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips schließt sich der Autor den Forderungen anderer nach einem Moratorium für die weitere weltweite Einführung von 5G-Systemen an, bis schlüssigere Untersuchungen zu deren Sicherheit vorliegen.

Den Standpunkt, den Frank vertritt, kann man gut und gerne aus dem Quellenmaterial importieren, das der Autor im Volltext benennt. Es ist ja kein Geheimnis, beide Seiten der Mobilfunkkontroverse sitzen auf denselben wissenschaftlichen Daten in Form von hunderten von Studien, allein die Bewertung der Daten macht den Unterschied. In diese Bewertung fließen nicht nur Erfahrung und Fachkompetenz in EMF-Sachfragen ein, sondern auch persönliche Neigungen. Wer alle diese Voraussetzungen hat kann authentisch bewerten, wem eine oder mehrere der Voraussetzungen fehlen kann dies nicht und muss, wenn er sich für die eine oder andere Seite entschieden hat, notgedrungen die begründeten Ansichten anderer importieren und sich zueigen machen. Da Frank ein EMF-Neuzugang ist, zähle ich ihn zu den Importeuren. Die rezipierte Meinung anderer gibt er mit eigenen Worten wieder.

Und hier noch einige Recherchesplitter ...

► Prof. Franks Curriculum Vitae.

► Von 1997 bis 2001 war Frank Lehrbeauftragter an der "School of Public Health" der University of California, Berkeley. Mit ziemlicher Sicherheit traf er dort auf den überzeugten Mobilfunkgegner Joel M. Moskowitz, der Frank möglicherweise zu seinem Essay inspiriert hat.

► Wenn sich ein Professor gegen 5G ausspricht ist das (auch) Stoff für den Boulevard.

► Im EMF-Portal ist "Frank JW" mit null Eintrag vertreten.

► Zum Zeitpunkt der Abfrage (22. Januar 2021, 21:00 Uhr) weist das Publikationsprofil von Franks Essay 82 Tweets von 71 Twitter-Nutzern aus: 3 Nutzer sind Wissenschaftler, je 4 Mediziner und Multiplikatoren (Journalisten, Blogger ...) und 60 sind Laien. Kein Wunder, wenn der Boulevard unter diesen Umständen zugreift.

► Prof. Frank steht seit 2018 mit einem Bein im Ruhestand (semi-retired), er reiht sich damit in die Liste derer ein, die am Ende ihrer beruflichen Laufbahn steile Thesen zum "Risiko 5G" wagen, da sie nichts mehr zu verlieren haben.

► Frank unterstützt zwar die Forderung anderer nach einem 5G-Moratorium, im Appell von Martin Blank und im 5G-Appell von Hardell/Nyberg konnte ich ihn soeben jedoch nicht verorten. Das passt nicht zusammen.

► Dariusz Leszczynski wundert sich über den langen Weg, den das Manuskript von Franks Essay hinter sich hat. Er twitterte am 19. Januar:
Received 2 December 2019
Revised 13 October 2020
Accepted 16 October 2020
Published 19 January 2021

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Posts war im Publikationsprofil die Anzahl der Laien irrtümlich mit 68 angegeben. Richtig ist die Anzahl 60. Der Fehler wurde am 24.01.2021 um 00:20 Uhr berichtigt.

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Epidemiologie, Blank, Kanada, emeritiert, Moskowitz, Kontroverse, Epidemiologe

Prof. Frank: Kanadischer Epidemiologe unterstützt 5G-Moratorium

e=mc2, Samstag, 23.01.2021, 09:50 (vor 248 Tagen) @ H. Lamarr

Ob Corona, Klimawandel, Stickoxide oder 5G, es findet sich immer ein emeritierter Medizinprofessor (explizit die männliche Form gemeint) mit Geltungsdrang und ohne Fachwissen, aber eindrücklichem Lebenslauf. Frank gehört auch zu dieser Sorte. Die Abwesenheit von Fachwissen zeigt sich schon in seinem profunden physikalischen Kenntnissen.

Kritiker von 5G sind sich einig - die Befürworter jedoch nicht -, dass die Exposition der Gesamtbevölkerung gegenüber HF-EMFs durch die 5G-Einführung stark erhöht wird. Ein überzeugendes Argument für diese Ansicht ist das "Gesetz des umgekehrten Quadrats" der EMF-Exposition: Die Intensität variiert als Kehrwert des Quadrats des Abstands von der emittierenden Quelle. Angesichts der internationalen Pläne, eine 5G-Verstärkerantenne an "jedem zweiten oder dritten Laternenpfahl" anzubringen, ist es schwer zu glauben, dass die Exposition der Gesamtbevölkerung nicht erheblich steigen wird.

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Prof. Frank: Kanadischer Epidemiologe unterstützt 5G-Moratorium

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.01.2021, 00:22 (vor 248 Tagen) @ e=mc2

Die Abwesenheit von Fachwissen zeigt sich schon in seinem profunden physikalischen Kenntnissen.

Kritiker von 5G sind sich einig - die Befürworter jedoch nicht -, dass die Exposition der Gesamtbevölkerung gegenüber HF-EMFs durch die 5G-Einführung stark erhöht wird. Ein überzeugendes Argument für diese Ansicht ist das "Gesetz des umgekehrten Quadrats" der EMF-Exposition: Die Intensität variiert als Kehrwert des Quadrats des Abstands von der emittierenden Quelle.

Wüsste ich nicht, was er eigentlich sagen möchte, anhand seiner obigen Ausführungen verstünde ich nur Bahnhof. Was mag er einem wohl antworten, lockte man ihn aufs Glatteis mit der banalen Frage, ob der Schweizer Anlagegrenzwert nun 10-Mal oder 100-Mal tiefer sei als der Icnirp-Immissionsreferenzwert?

Aufschlussreich finde ich auch seine Literaturquelle Nummer 9: Vodaphone UK.

Die Redaktion von science.ORF.at ficht dies alles nicht an. Getreu dem Motto "Wird schon stimmen, was der sagt" kolportiert Redakteurin Eva Obermüller ergebenst Franks Ausführungen, als seien diese der Science Weisheit letzter Schluss. Doch Derartiges können auch Volontäre an einer beliebigen Lokalzeitung oder demnächst KI-Übersetzer. Von science.ORF.at hätte ich mir schon etwas mehr erwartet als nur eine meinungsfreie Nacherzählung auf österreichisch.

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Diagnose-Funk: Stuttgarter Visagisten schmeicheln Prof. Frank

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.01.2021, 16:49 (vor 247 Tagen) @ H. Lamarr

Von science.ORF.at hätte ich mir schon etwas mehr erwartet als nur eine meinungsfreie Nacherzählung auf österreichisch.

Von Diagnose-Funk ist hingegen genau das zu erwarten, was der Anti-Mobilfunk-Verein auf dieser Seite seines Webauftritts gewohnheitsmäßig auch tut: Schmücken von Frank mit der Pfauenfeder eines "renommierten" Epidemiologen und die devote Nacherzählung dessen, was der Kanadier auf englisch serviert hat. Diagnose-Funks hartnäckiger Drang zum "Wichtigmachen" von Banalem ist auch daran erkennbar, dass bei den Stuttgartern die britische Boulevardzeitung Daily Mail zu einem "englischen Leitmedium" wird. Oder dran, dass der Verein im Titel seiner Meldung behauptet, Frank fordere ein 5G-Moratorium. Da gingen den Stuttgartern wieder einmal die Blumento-Pferde durch, denn Frank fordert überhaupt kein 5G-Moratorium, er begrüßt lediglich ein solches, gefordert von anderer Seite. So sehr sich die Bläh-Boys von Diagnose-Funk mühen, Frank als Lichtfigur der interplanetaren Epidemiologie zu inszenieren, so verkniffen sind die Boys bei allem, was diesem Zerrbild abträglich sein könnte. So erfährt ein Diagnose-Funk-Leser nichts über Franks eigenwillige Interpretation des Abstandsgesetzes oder darüber, dass der 71-Jährige bereits halb im Ruhestand ist.

Fast schon wieder komisch ist mMn folgende Passage aus der Diagnose-Funk-Hofberichterstattung zugunsten Franks Essay:

[...] Der vernichtendste Beweis, der von Hardell angeführt wird, ist eine Tabelle mit der Kreuzbestellungen (gegenseitige personelle Verflechtungen, d:f) von sechs Mitgliedern der WHO-Monographiegruppe, über fünf große internationale Beratungsgremien zu gesundheitlichen Auswirkungen von nicht-ionisierender Strahlung. [...]

Mit komisch meine ich nicht die sprachlichen Schlingereien der Übersetzung, sondern den Umstand, dass ausgerechnet Diagnose-Funk diese Passage aus Franks Essay für zitierfähig hält. Anscheinend deshalb, weil Hardell bei sechs Autoren einer "WHO-Monographiegruppe" (dort Tabelle 1) einen Interessenkonflikt ausgemacht haben will. Wegen eigener Interessenkonflikte ist der Verein freilich der Letzte, der sich über echte oder vermeintliche Interessenkonflikte anderer mokieren darf. Wer einen Baubiologen im Vorstand duldet, muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen.

Mit "WHO-Monographiegruppe" ist das Autorenteam des 2014 vorgelegten ersten Entwurfs der neuen EMF-Bewertung (Monographie) durch die WHO gemeint. Ursprünglich sollte die finale Monographie 2015 erscheinen, doch dann kam dem Vernehmen nach der Ebola-Ausbruch in Afrika dazwischen und die WHO hatte anderes zu tun. Wenn jetzt nicht Corona den Terminplan abermals kippt, soll das Papier 2022 erscheinen. Mehr über die Geburtswehen der Monographie und die tatsächliche Anzahl ihrer Autoren gibt es hier zu lesen.

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Strategie, Falschmeldung, Glaubwürdigkeit, Ruhestand, Boulevard, 5G-Moratorium, Blähboy, Interessenkonflikte

Diagnose-Funk: Schweizer Anti-Mobilfunk-Verein fährt gratis mit

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.01.2021, 17:35 (vor 247 Tagen) @ H. Lamarr

Von science.ORF.at hätte ich mir schon etwas mehr erwartet als nur eine meinungsfreie Nacherzählung auf österreichisch.

Von Diagnose-Funk ist hingegen genau das zu erwarten, was der Anti-Mobilfunk-Verein auf dieser Seite seines Webauftritts gewohnheitsmäßig auch tut: Schmücken von Frank mit der Pfauenfeder eines "renommierten" Epidemiologen und die devote Nacherzählung dessen, was der Kanadier auf englisch serviert hat.

Der Schweizer Verein "Schutz vor Strahlung" ist von Prof. Franks Ausführungen so hingerissen, dass er sich der Meldung von Diagnose-Funk bediente. Bei dieser günstigen Gelegenheit demonstrierte der Webmaster seine profunden Sprachkenntnisse und verschlimmbesserte, was bei Diagnose-Funk noch richtig war, vielleicht, um Diagnose-Funk doof aussehen zu lassen.

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Niemand hat mehr Interessenskonflikte als Hardell

e=mc2, Sonntag, 24.01.2021, 22:04 (vor 247 Tagen) @ H. Lamarr

Anscheinend deshalb, weil Hardell bei [sechs Autoren einer "WHO-Monographiegruppe" einen Interessenkonflikt ausgemacht haben will. Wegen eigener Interessenkonflikte ist der Verein freilich der Letzte, der sich über echte oder vermeintliche Interessenkonflikte anderer mokieren darf. Wer einen Baubiologen im Vorstand duldet, muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen.

Es gibt wahrscheinlich keinen EMF Forscher, der mehr Interessenskonflikte aufweist als Hardell:
1. Er sammelt selber Geld für sich. Das erste auf seiner Stiftungswebseite: "Contribute".
2. Er wurde früher direkt (ohne Firewall) von der Telekomindustrie finanziert.
3. Er ist von Aktivistengruppen finanziert.
4. Er hat wiederholt als Gutachter vor Gericht ausgesagt, was typischerweise auch nicht gratis gemacht wird.

Dass er selber nie mögliche Interessenbindungen angibt, macht klar wie unehrlich er handelt.

Wakeford hat das bei einem ähnlichen Disput im Jahr 2007 folgendermaßen zusammengefasst (übersetzt mit deepl.com):
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das von Hardell et al. [2007] diskutierte Thema ein wichtiges Thema ist, das eine sorgfältige Betrachtung erfordert. Ihre Behandlung dieses komplexen Konzepts der Interessenkonflikte ist jedoch eher parteiisch und eindimensional und wohl auch eigennützig. Sie ignorieren bequemerweise wesentliche Einflüsse auf Forscher, die nicht von der Industrie finanziert werden, einschließlich derer, denen sie vermutlich selbst unterworfen sind.“
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Interessenkonflikt, Hardell, Monographie, Interessenbindungen

Finanzierung von L. Hardells Forschung: partielle Amnesie

H. Lamarr @, München, Samstag, 01.05.2021, 15:52 (vor 150 Tagen) @ e=mc2

Dass er selber nie mögliche Interessenbindungen angibt, macht klar wie unehrlich er handelt.

Wakeford hat das bei einem ähnlichen Disput im Jahr 2007 folgendermaßen zusammengefasst (übersetzt mit deepl.com):
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das von Hardell et al. [2007] diskutierte Thema ein wichtiges Thema ist, das eine sorgfältige Betrachtung erfordert. Ihre Behandlung dieses komplexen Konzepts der Interessenkonflikte ist jedoch eher parteiisch und eindimensional und wohl auch eigennützig. Sie ignorieren bequemerweise wesentliche Einflüsse auf Forscher, die nicht von der Industrie finanziert werden, einschließlich derer, denen sie vermutlich selbst unterworfen sind.“

Dieses Urteil über Hardell fand ich – aus dem Bauch heraus – ziemlich hart. Doch offenbar hat der Schwede nach seinen Geldquellen gefragt tatsächlich partielle Amnesie, wie sich mit unbeabsichtigter Mithilfe von Klaus Buchners EU-Website dem (auch in deutsch) angebotenen Buchner/Rivasi-Report von 2020 entnehmen lässt. Dort wird die Recherchegruppe "Investigate Europe" wie folgt zitiert:

Hardell zufolge finanzieren sich seine Forschungsarbeiten über sein Krankenhaus-Gehalt sowie durch die Zuwendungen hiesiger Krebsstiftungen und staatlicher Organisationen. „Natürlich habe ich auch viel Freizeit in meine Arbeit investiert,“ betont er.

Im Original heißt es:

According to Hardell, his research is funded through his salary from the hospital as well as by funds raised by local cancer foundations and national organisations. “Of course I have also worked a lot on my free time”, he says.

Dieser unverdächtigen Auskunft zufolge ist Hardell einer der sagenumwobenen "unabhängigen" Wissenschaftler, die keinerlei Interessenkonflikt ausgesetzt und allein ihrem Gewissen gegenüber verantwortlich sind. Das gefällt "Investigate Europe" und selbstverständlich erst recht organisierten Mobilfunkgegnern, für die Hardell einer ihrer Säulenheiligen ist.

Unter dem Mantel "nationaler Organisationen" versteckt Hardell jedoch mindestens zwei handfeste Interessenkonflikte, die er einging, als gegen Ende seiner Forschungstätigkeit seine bis dato ergiebigen Geldquellen versiegten und er sich nach Ersatz umsehen musste. In dieser Endphase hatte er nicht mehr viel zu verlieren und bandelte deshalb ungeniert mit organisierten Mobilfunkgegnern an, um mit deren finanzieller Unterstützung seine EMF-Krebsprognosen zuende bringen zu können. Dokumentiert sind zwei Interessenkonflikte:

► 2013 tritt Hardell als Gastredner bei dem Schweizer Anti-Mobilfunk-Verein Gigaherz auf. Im selben Jahr veröffentlicht Hardell eine Studie und nennt u.a. Gigaherz als Finanzier (Quellennachweise). Gigaherz ist der älteste und aggressivste Anti-Mobilfunk-Verein der Schweiz, sein Repertoire umfasst u.a. Beleidigungen, Unterstellungen, technische Falschinformationen, Personenhetze und unverschämte Lügen (Belege dafür finden sich im IZgMF-Forum massenhaft). Dass sich Hardell auf der Suche nach Sponsoren persönlich mit diesem Verein eingelassen hat, ist mMn unverzeihlich und spricht Bände.

► Im September 2011 startet in Deutschland die Stiftung Pandora des Ex-Tabaklobbyisten Franz Adlkofer auf Antrag Hardells eine Spendenaktion zu dessen Gunsten. Ziel: 51'000 Euro. In der Anti-Mobilfunk-Szene ist es gängige Praxis der Schlagmänner, finanzielle Lasten zu sozialisieren. Hardells Antrag auf Unterstützung wird anfangs auf der Website der Stiftung veröffentlicht, dann jedoch vom Netz genommen. Berichtet die Stiftung anfangs noch in kurzen Abständen über den aktuellen Stand des Spendenaufkommens, wird diese Transparenz im Juli 2012 beim Stand von etwas mehr als 20'000 Euro eingestellt. Im September 2012 meldete die Stiftung, 18'000 Euro an Hardell ausbezahlt zu haben. Der Verbleib der Restsumme (2000 Euro) wurde nicht weiter erklärt, ebenso, ob nach der ersten Auszahlung weitere folgten (Belege). Franz Adlkofer ist mit dafür verantwortlich, dass die Schädlichkeit von Passivrauchen in Deutschland später anerkannt wurde (2007) als in den meisten anderen westlichen Industrienationen. Sein "Reflex"-Forschungsprojekt, das im Reagenzglas DNA-Schädigungen durch schwache HF-EMF-Einwirkung zeigte, konnte a) von keiner anderen Forschergruppe mit derselben Methodik repliziert werden und steht b) unter einem Fälschungsverdacht, der aus Sicht des OLG Bremen jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Adlkofer ist auch dem Verdacht ausgesetzt, seine alarmierenden Mobilfunkstudien dienten dem verborgenen Zweck, von den Risiken des Rauchens abzulenken.

Hardell erhielt von zwei bedenklichen Akteuren der Anti-Mobilfunk-Szene Geldzuwendungen in unbekannter Höhe. Ob die Geldgeber damit Einfluss auf Hardells Forschungsergebnisse nehmen konnten ist nicht bekannt und aus meiner Sicht unwahrscheinlich, denn Hardell ist so oder so schon auf Alarm gebürstet und muss nicht erst dazu animiert werden. Doch wer, wie der Verein Diagnose-Funk, Icnirp belegfrei verdächtigt, industriegefällige Grenzwertempfehlungen zu verabschieden, welche die Gesundheit der gesamten Menschheit riskieren, und zugleich den Eindruck erwecken möchte, Icnirp-Kritiker seien untadelige Heilige, der will die öffentliche Meinung für seine Zwecke zurechtkneten. Wer sich die angeblichen Belege von Diagnose-Funk kritisch ansieht, z.B. den Buchner/Rivasi-Report, der wird feststellen, dass lediglich vom "Hören-Sagen" kolportierte Vorwürfe erhoben werden und versucht wird, diese wortreich so zu verkleiden, dass voreingenommene oder unaufmerksame Leser das Munkeln & Raunen für harte Tatsachen halten. Wer seine fünf Sinne beisammen hat, fällt darauf nicht herein. So findet der Buchner/Rivasi-Report zwar auf etlichen Websites von Mobilfunkgegnern Widerhall, nicht aber auf der Website von Buchners/Rivasis Fraktion im Europaparlament (Grüne/EFA). Die Finanzierung des Reports durch die Fraktion war deren Abschiedsgeschenk an den ausscheidenden Klaus Buchner, mehr will die Fraktion mit der chronisch substanzarmen Nabelschau zulasten Icnirps nicht zu tun haben.

Hintergrund
Europaparlament: Buchner & Rivasi legen ICNIRP-Kritik vor
Icnirp beichtet seine Spendeneinnahmen
Das Netzwerk der "Verbraucherorganisation" Diagnose-Funk

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Icnirp erwidert auf Anschuldigungen von J. William Frank

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 19.05.2021, 00:42 (vor 133 Tagen) @ H. Lamarr

Mit Prof. John William Frank (71) betritt ein kanadischer Epidemiologe, der am Usher Institute der Universität von Edinburgh lehrt, die Bühne der 5G-Gegner. Frank begnügt sich nicht mit einer Statistenrolle, er startet senkrecht mit einem Essay in dem Fachjournal Epidemiology and Community Health. Alles gute Zutaten für eine nette Geschichte, wäre der auf der Insel hoch geschätzte Essayist im Fachgebiet der Bioelektromagnetik nicht ein völlig unbekannter Quereinsteiger.

Icnirp kommt in Franks Essay nicht gut weg – und wehrt sich:

John William Frank veröffentlichte kürzlich einen Aufsatz im Journal of Epidemiology and Community Health mit dem Titel "Electromagnetic fields, 5G and health: what about the precautionary principle?" (doi:10.1136/jech-2019-213595). Dieser Aufsatz enthält unter anderem falsche, nicht belegte Anschuldigungen über ICNIRP und ihre Mitglieder und nutzte diese falschen Behauptungen, um ein Zerrbild des Strahlenschutzes zu zeichnen, insbesondere, soweit es sich um 5G handelt. ICNIRP hält sich mit Antworten auf solche Behauptungen üblicherweise sehr zurück. Da es jedoch offensichtlich geworden ist, dass die Falschaussagen des Aufsatzes von Meinungsmachern der Anti-Mobilfunk-Szene benutzt werden, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen, hat ICNIRP eine Entgegnung an die Zeitschrift geschickt, um die Falschaussagen zu berichtigen. Wegen der begrenzten Textmenge (400 Wörter), welche die Zeitschrift in solchen Fällen erlaubt, konzentriert sich die Antwort nur auf Franks falsche Behauptungen zu Interessenkonflikten. Da diese jedoch nur einen kleinen Teil der Mängel des Aufsatzes ausmachen, stellen wir hier eine ausführlichere Entgegnung zur Verfügung, um der Fachöffentlichkeit eine ausgewogenere Sicht auf den Strahlenschutz zu ermöglichen.

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Interessenkonflikt, Zerrbild, Epidemiologie, Geltungsdrang, Falschaussage, Ruhestand, Kontroverse, ICNIRP-Kritiker, Epidemiologe, Frank

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