Mikrowellensyndrom - Probanden gesucht für Pilotstudie (Elektrosensibilität)

KlaKla, Samstag, 28.11.2020, 08:48 (vor 242 Tagen)

Thomas Thraen aus Neu-Ulm glaubt fest daran, dass 5G gesundheitliche Bedenken auslöst. Erster Vorsitzender der "Bürgerinitiative Brennpunkt 5G Region Ulm/Neu-Ulm" will eine Pilotstudie machen. Mit im Boot die bekannten Ruheständler Dr. Klaus Buchner und Dr. Karl Hecht und Dr. phil.R. Sonnenschmidt Buchautorin.

Auszug Einwilligungserklärung:
Die Erhebung soll eine wissenschaftliche Basis schaffen, um die Diagnose des sog. Mikrowellen-Syndroms, das schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieben wurde, wieder Einzug findet in die Internationale Klassifikation des Diagnosenschlüssel (ICD-10-GM-2020). Die heutzutage geläufigste diagnostische Bezeichnung der Elektro-Sensibilität oder Elektro-Hypersensibilität beschreibt am ehesten das Beschwerdebild. Ärzte, denen das Beschwerdebild der Elektrohypersensibilität vertraut ist, haben aktuell keine Möglichkeit, innerhalb der ICD-10 dieser Diagnose ihren “rechten“ Platz zuzuordnen. Entweder man wird als Arzt gezwungen, eine irreführende Verlegenheitsdiagnose zu verwenden, um die Behandlungsleistungen überhaupt abrechnen zu können, oder aber man „schiebt das ganze Beschwerdebild gleich auf die Psychosomatik-Schiene“. Dieser Umstand wird dem Erkrankten in keiner Weise gerecht, führt zu Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen und einem langen, unnötigen Leidensweg, verbunden mit häufig stattfindender Diskriminierung aus Unkenntnis. Das Mikrowellen-Syndrom ist eine Umwelt-Erkrankung und keine primär psychische Erkrankung. Um diese These wissenschaftlich zu untermauern, soll diese Studie einen Beitrag leisten. Eine Behandlung Ihrer Beschwerden in meiner Praxis ist ausgeschlossen.

Kommentar: Unbelehrbar, hier wird der erste Schritt vor dem zweiten gemacht. Die Akteure gehen davon aus, dass Funkwellen verantwortlich sind für eine Vielzahl von Gesundheitsschäden. Ihnen reicht der Glaube. Ein Blick in die Kristallkugel, am Ende wird die Arbeit veröffentlicht in der Verbandszeitschrift UMG, Diagnose:Funk und in den bekannten Newslettern befangener Funkgegner. :wink:

Teil 1
Fragebogen zur Diagnostik einer Elektro-Sensibilität (EHS)/Mikrowellen-Syndrom

Teil 2
Lebensumgebung und Ereignisse Erfassung von Gesundheitsschäden durch hochfrequente elektromagnetische Felde

Erwartungsgemäß, will man am Ende auch noch Geld. Wir schröpfen die Stopfgänse solange es noch geht. :clap:

Auszug: Die Auswertung Ihrer Angaben geschieht ehrenamtlich im Rahmen der Bürgerinitiative Brennpunkt 5G Region Ulm/Neu-Ulm. Zur Unterstützung unserer Arbeit bitten wir Sie herzlich um eine Spende von € 10,00 auf das Konto der Bürgerinitiative: Brennpunkt 5G –IBAN DE97 6305 0000 0021 3069 89–Sparkasse Ulm

Kommentar: Abschreckend sind die Videos die Thomas Anton Thraen und Sören Hirning-Goldberg zu 5G anbieten. YouTube-Videos u.a. zur AZK-Sympathisantin aus Kempten Anke Kern und zur ÖDP. Interessant ist mMn, wo letztendlich Diagnose:Funk gelandet ist und wer auf sie verlinkt. Seriöse Quellen sind mVn was anderes.

Verwandte Threads
Die Erfindung des Mikrowellensyndrom
Mikrowellensyndrom eine Neuentdeckung Betroffener
Die Krankheitserfinder: Parallelen zur Anti-Mobilfunk-Szene

--
Meine Meinungsäußerung

Tags:
EHS, Ziel, Buchner, Mikrowellensyndrom, Arzt, Hecht, Mobilfunk Bürgerforum, Z58, Autodidakt, ICD-10, 5G-Tea-Party, Thraen

Thraens Rohrkepierer - Probanden gesucht für Pilotstudie

H. Lamarr @, München, Sonntag, 29.11.2020, 02:25 (vor 241 Tagen) @ KlaKla

Die Erhebung soll eine wissenschaftliche Basis schaffen, um die Diagnose des sog. Mikrowellen-Syndroms, das schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieben wurde, wieder Einzug findet in die Internationale Klassifikation des Diagnosenschlüssel (ICD-10-GM-2020).

Ach du meine Güte!

Hier will wieder jemand das Rad neu erfinden und geht von ganz & gar untauglichen Voraussetzungen aus. Gehen wir dieser kuriosen Geschichte einmal auf den Grund.

► Zu den angeblichen Wurzeln des Mikrowellensyndroms in den 1930er-Jahren muss ich nichts mehr schreiben, denn in diesem Strang wurde zu dem gerne kolportierten Märchen schon alles gesagt.

► Zum großen Entsetzen von Herrn Thraen darf ich feststellen, der Diagnosecode Z58 für "Elektrosensibilität" ist nicht wie behauptet aus der ICD-10-GM-2020 verschwunden, sondern nach wie vor darin enthalten, wovon sich hier jeder selbst überzeugen kann. Wer sich daran stört, dass der Link nicht zur offiziellen Version der ICD führt, kann sich ersatzweise auch vom Dimdi überzeugen lassen.

Thomas Thraen kann sein Projekt also in Packpapier einwickeln und entsorgen, es bedarf keinerlei "Pilotstudie", um etwas in die ICD einzubringen, was dort bereits drin ist.

Wie konnte das passieren?

Tja, das ist die Frage. Und wieso lassen Hecht und Buchner, die es eigentlich besser wissen müssten, Thraen ins offene Messer laufen?

Hier ein paar Links mit Fakten, die das Räsel möglicherweise lösen können:

► In 13 Jahren wurde die Diagnose Z58 in Krankenhäusern und in Einrichtungen zur Vorsorge- oder Rehabilitation gerade einmal 17-mal gestellt. Das passt nun gar nicht zu der gängigen Behauptung, es gäbe Abertausende oder sogar Millionen "Elektrosensible" und täglich würden es mehr.

► Möglicherweise hat Thraen die ICD-10 mit ICD-11 (internationale Version) verwechselt, denn dort gibt es den Diagnosecode Z58 tatsächlich nicht mehr. Doch das ist trivial, denn mit der ICD-11 hat sich die gesamte Codierung geändert. Mit ein bisschen Intuition lässt sich dort jedoch z.B. der neue Code QD70.4 finden (Problems associated with exposure to radiation).

► Möglicherweise hat Thraen vergeblich versucht, den Begriff "Elektrosensibilität" beim Dimdi im leicht zu findenden systematischen Verzeichnis unter dem Code Z58 zu finden, weil ihm keiner gesagt hat, dass dieser Begriff dort nicht steht und auch nie stand. Denn die Zuordnung "Elektrosensibilität" zum Code Z58 war ausschließlich im schwierig zu findenden alphanumerischen Verzeichnis der ICD (seit 2005) mit aufgelistet, und dies wahrscheinlich auch nur in deren deutscher Ausgabe.

Die verrückte Geschichte, wie 2013 der Präsident eines Schweizer Anti-Mobilfunk-Vereins den Code Z58 entdeckt und hartnäckig glaubte, er habe als Erster die Zuordnung zu "Elektrosensibilität" gefunden, gibt es hier zu verkosten.

Der Z58-Code ist Teil der Klassifikation "Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände". Psychosoziale Umstände werden häufig bei auffälligen Kindern und Jugendlichen betrachtet und sind z.B. bei Eltern oder Geschwistern mit einer psychischen Störung oder einer Behinderung relevant. Auch chronische zwischenmenschliche Belastungen in Schule oder Arbeit, belastende Lebensereignisse, gesellschaftliche Belastungsfaktoren oder eine abnorme unmittelbare Umgebung (z.B. isoliert lebende Familie) zählen zu den relevanten psychosozialen Umständen.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Alter Wein, Mikrowellensyndrom, Z58, Kolportage, Faktencheck, Fallgeschichte, ICD10, Pilotstudie, Thraen, Halbgötter in Weiß, Verrückt

ÖDP Powerfrauen binden ihre Wähler mit altem Schmäh

KlaKla, Sonntag, 29.11.2020, 13:19 (vor 241 Tagen) @ H. Lamarr

Parole: Ärzte und Heilpraktiker auf EHS aufmerksam machen

Die ÖDP-Powerfrauen wandeln auf dem ausgetretenen Pfad der Elektrosensiblen Dr. C. Waldmann-Selsam. Vom Dosen sammeln, zum sammeln von EHS-Fallgeschichten. Damit erwirkte sie eine Einladung zum Fachgespräch beim BfS. Erreicht hat sie da nichts. Egal, dann eben mit geschädigten Bäumen Alarm schlagen und Aufmerksam erhaschen oder als Buchautorin. Die Grundlage der Nachfrage an derartigem ... legt der private Lobbyverein Diagnose:Funk aus Stuttgart.

Weiter geht's: Der Trompeter M.S.*, biete den Schreibwilligen eine Plattform für ihre EHS-Fallgeschichten. Anonym und bequem von zu hause aus kann man liefern. Damit die EHS-Fallgeschichten immer mehr werden. Der Trompeter bietet selbstverständlich auch den kommerziell Interessierten eine Plattform unter der Rubrik "Tipps und Hilfe" kommt man auf direktem Weg zum Baubiologen.

Eine zur Schaustellung von anonymen EHS-Fallgeschichten. Eine gezielten Entfremdung, sinnvoller Therapien (somatoformen Störung) oder verantwortungsloses Treiben von Laien, Populisten und Mediziner. Geschürt von Therapeuten die dazu Briefe schreiben und im Internet veröffentlichen. :uebel:

Weiter geht's mit der Parole: Man soll gezielt den Hausarzt/Heilpraktiker auf EHS ansprechen. Ihnen den vorgefertigten Fragebogen und Flyer anbieten. Diese dann im Warteraum auslegen, noch besser wäre es jedoch, dass Material über Webseiten im Internet zu verbreiten. Um möglichst viele Multiplikatoren zu erreichen, die ungefiltert jeden Blödsinn weiter tragen und sich letztendlich der Lächerlichkeit preis geben.

Überlegung: 2021 ist die Bundestagswahl. Daher lassen sich gerade jetzt Kommunalpolitiker leicht vor den Karren spannen, wie man in Pähl-Fischen am Ammersee sieht. Wer glaubt, das ganze Parteien sich ernsthaft für Pseudowissenschaft einsetzten wird am Ende enttäuscht. Es geht doch eher um die Parteienfinanzierung, denn am Ende zählt jede Stimme. Egal mit welchen Blödsinn man zum Ziel kommt. Mehr dazu hier ...

Verwandte Threads
Die Hitparade der unglaublichen Elektrosmog-Fallgeschichten
Wie 'Elektrosensibilität' entsteht
Neue Studie: Medienberichte erzeugen "Betroffene"

* Auf Wunsch des Betroffenen am 14.07.2021 anonymisiert!

--
Meine Meinungsäußerung

Tags:
Wahlkampf, Populismus, Spaltung, Erwartung, Parteienfinanzierung, 5G-Tea-Party, Anti-5G-Fraueninitiative, Vervielfältiger, EHS-Geschichten, Entfremdung, Lächerlichkeit

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum