Schiltach: Theologieprofessor geißelt 5G mit zehn Geboten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 30.10.2020, 15:21 (vor 268 Tagen)

Der Schwarzwälder Bote gibt dem Abseitigen wieder einmal ganz und gar unkritisch eine Stimme und verbreitet die Ansichten des Theologieprofessors und langjährigen Mobilfunkgegners Werner Thiede.

Würde Ex-Pfarrer Thiede sich auf die Betrachtung ethische Fragen zur Mobilfunktechnik beschränken, gäbe es dieses Posting nicht. Denn als Theologe sollte Thiede dazu eine qualifizierte Meinung haben, die er jederzeit vertreten darf, und denen dann andere Geisteswissenschaftler widersprechen könnten. Doch Thiede baut seine Argumente gegen Mobilfunk gerne auf dem faktischen Treibsand, den selbsternannte Experten der Anti-Mobilfunk-Szene aufschütten und deren Alarmismus im Widerspruch zu den Einschätzungen anerkannter Wissenschaftler steht. Hinzu kommt, als Autor mobilfunkkritischer Bücher ist Thiede kommerziell an der Mobilfunkdebatte interessiert. Und er kann den einmal eingeschlagenen Weg nicht mehr verlassen, ohne sich selbst unglaubwürdig zu machen: Thiede ist dazu verdammt unentwegt weiter zu alarmieren – oder sich diskret aus der Debatte zu verabschieden.

Thiedes Quellen sind beispielsweise der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk, der seinerseits von Dilettanten dominiert wird, etwa von dem gelernten Architekten Jörn Gutbier, den der Schwarzwälder Bote schwammig als "Diplomingenieur" vorstellt und so inkauf nimmt, dass seine Leser den Architekten irrtümlich für einen Ingenieur der Elektrotechnik halten. Gutbiers nebenberufliches Engagement als "Baubiologe" stützt den Diagnose-Funker in einen unübersehbaren Interessenkonflikt, der dem Schwarzwälder Boten jedoch keinerlei Erwähnung wert ist. Auch Thiede stört sich nicht daran. Wie doppelbödig Alarmmeldungen Gutbiers indes sind, lässt sich an einem konkreten Beispiel diesem Beitrag entnehmen.

Wie kann es sein, dass ein außerplanmäßiger Theologieprofessor, der mit größer Wahrscheinlichkeit keinen blassen Schimmer von den technischen Gegebenheiten eines 5G-Trägersignals hat, gemäß dem Artikel im Schwarzwälder Boten öffentlich behauptet:

[...] Eine dauerhaft künstliche Impulsstrahlung, wie beim Mobilfunkstandard 5 G, störe biologische Systeme und könne zu gesundheitlichen Problemen führen. [...]

Oder was, wenn nicht irrationale Ängste, will Thiede erzeugen, wenn er seinen Zuhörern erzählt:

[...] Elf große Städte in Frankreich, mehrere Kommunen in Italien und in Bayern forderten ein Moratorium, um vor einem Ausbau die Risiken zu untersuchen. [...]

Welche Kompetenz haben die Räte in diesen Städten und Gemeinden, ein Moratorium zu fordern? Ich behaupte: keine. Die Räte leiden vielmehr unter irrationalen Ängsten gegenüber 5G, wie diese von organisierten Mobilfunkgegnern mit alternativen Fakten systematisch verbreitet werden. So wie einst in den USA die Tea-Party-Bewegung versuchte, Zweifel an der Herkunft des damaligen Präsidenten Obama zu säen, um dessen Gesundheitsreform zu kippen.

Vor ungefähr zehn Jahren versuchten organisierte Mobilfunkgegner mit zahllosen Protesten und noch mehr alternativen Fakten den Aufbau des digitalen Behördenfunks Tetra in Deutschland so zu stoppen, wie sie es jetzt mit 5G versuchen. Die flache Erde der Mobilfunkgegner bebte unter dem vermeintlich gewaltigen Widerstand – allerdings nur scheinbar. Heute ist das Tetra-Funknetz längst in Betrieb und niemand, der nicht muss, nimmt noch Notiz davon. Mobilfunkgegner wie Thiede sind solche Pleiten gewohnt, mit jedem neuen Mobilfunknetz beschwören sie deshalb aufs Neue den Weltuntergang mit derselben Präzision und ähnlich belastbaren Parolen, wie ihn die Zeugen Jehovas in der Vergangenheit ebenso unbeirrt wie unzutreffend mehrfach schon vorhergesagt haben. In Deutschland soll es dennoch schätzungsweise 160'000 Zeugen Jehovas geben! Eine gewaltige Anzahl im Vergleich zu den aktiven Mobilfunkgegnern Deutschlands, die, wenn Diagnose-Funk zu den Fahnen ruft, gerade einmal 500 Personen mobilisieren können.

Mobilfunkgegner werden sich noch ein paar Jahre an 5G abarbeiten und daran scheitern, wie sie an GSM900, GSM1800, UMTS und zuletzt LTE gescheitert sind. Die Drahtzieher und Lautsprecher der Szene wissen, dass das Scheitern programmiert ist. Das stört sie nicht, denn ihr wahren Ziele sind nicht die vorgeblichen wie die altruistische Rettung der Menschheit, sondern egoistische, wie profaner materieller oder immaterieller Profit, das Untergraben des Vertrauens der Bevölkerung in die Wissenschaft und in staatliche Institutionen sowie die gesellschaftliche Spaltung. Diese abstrakten Ziele lassen sich in ein kaum zu überschauendes Sammelsurium konkreter persönlicher Ziele einzelner Akteure aufdröseln, Beispiele dafür finden sich im IZgMF-Forum z.B. <hier>. Mobilfunkgegner sind spätestens seitdem 5G am Horizont erschien kein homogener Block mehr bestehend aus Profilneurotikern, "Elektrosensiblen", politischen Außenseitern und kommerziellen Profiteuren, sondern ein inhomogenes Bündnis von Gruppen mit teils gegensätzlichen Orientierungen. Gemeinsame Nenner sind a) die oben formulierten abstrakten Ziele und b) die Agitation mit alternativen Fakten. Für die Bereitstellung alternativer Fakten sorgen größere Anti-Mobilfunk-Vereine wie Diagnose-Funk und gigaherz.ch, die Streuung dieser vermeintlichen Fakten in der Bevölkerung übernehmen kleinere Vereine, desorientierte Wutbürger und "nützliche Idioten" sowie eine überschaubare Riege vermeintlicher Autoritäten mit klangvollen akademischen Titeln, zu denen ich auch den Theologieprofessor Werner Thiede zähle.

Der Schwarzwälder Bote schreibt:

Für Ende November war eigentlich eine weitere Veranstaltung zu 5 G mit Referent Peter Hensinger in Tennenbronn geplant. Derzeit ist unklar, ob diese Veranstaltung verschoben wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass Peter Hensinger ein gelernter Drucker im Ruhestand ist, der sich selbst als "Elektrosmog"-Wissenschaftler sieht, scheint mir die Gottesgeißel Corona fast schon ein Segen für die Tennenbronner zu sein, gelingt es ihr, den selbsternannten Experten von seinen Opfern in dem Schramberger Stadtteil fern zu halten.

Hintergrund
Wissenschaftsjournalismus: Umgang mit abseitigen Ansichten
Werner Thiede im IZgMF-Forum, Rezeptionen
Die Irrtümer des Peter Hensinger

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Instant-Experte, Blendwerk, Recycling, Thiede, Autorität, Schwarzwälder Bote

Hotspot der Desinformation Schramberg - Schiltach

KlaKla, Samstag, 31.10.2020, 08:53 (vor 267 Tagen) @ H. Lamarr

In Schramberg ist der fleißige ÖDPler, Bernd Richter und der Musiklehrer i.R. Hans Kurt Rennig aktiv. Damit der Saal voll wird, biete man eine Mitfahrgelegenheit an. Seit Jahren veranstaltet die ÖDP monatliche Vorträge um von der Öffentlichkeit und Presse wahr genommen zu werden. Der Schwarzwälder Bote greift zu.

In Schramberg und Umgebung scheint jeder Selbstdarsteller des privaten Lobbyvereins Diagnose-Funk eine Bühne durch Mitgliedern aus Ortsgruppen des BUND zu bekommen. Seilschaft verbindet. Ihre Vorträge sind kostenlos für die Zuhörer, aber Spenden sind erwünscht. Für was nur, Parteien und Vereine haben in der Regel Geld, welches sie für ihre PR-Zwecke verwenden könnten. Für Werbeveranstaltungen für Mitstreiter scheinen die Kassen hingegen klamm zu sein. Es ist mMn längst an der Zeit, das man von ihnen Geld bekommen sollte, wenn sie eine ihrer Bühnenshow abhalten wollen. :-)

Okt. 2019 Drucker i.R. Peter Hensinger in Schramberg

Jan. 2020 Online-Petition von Madlo, Beatrice aus Schramberg. Ganze 32 Schramberger unterstützen aktuell ihre Petition der Rest sind Touristen aus Freiburg, Stuttgart, Augsburg, Ellwangen, Ludwigsburg, Rheinau etc.

Sept. 2020 Baubiologe Jörn Gutbier in Schramberg

Okt. 2020 Theologe i.R. Dr. Werner Thiede in Schiltach

Nov. 2020 soll noch mal Peter Hensinger kommen

Nun fehlen noch Dr. med. Waldmann-Selsam und ihre Baum-Kasuistiken, Dr. Klaus Buchner i.R. mit seinem ICNIRP-Report, Dr. Ing. Wilfried Kühling i.R. und die kruden Filme von Klaus Scheidsteger.

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Spenden, Hotspot, Referenten, Diagnose:Funk, Schramberg, Honora

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