Wenn Vögel tot vom Himmel fallen ... (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 28.03.2020, 01:05 (vor 976 Tagen)

Vögel haben es überzeugten Mobilfunkgegnern schon immer angetan. Mal wurde fälschlich behauptet, Vögel würden Mobilfunksendemasten als Landeplatz meiden wie der Teufel das Weihwasser, mal wurde gemunkelt und geraunt, viele Vögel wären verschwunden, weil Funkwellen ihre fliegende Nahrung (Insekten) flächendeckend vertreibe oder noch im Flug meuchle.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Desinformation über Vögel im Zusammenhang mit dem angeblichen Risiko Mobilfunk Anfang November 2018. Ein im Verschwörungsmilieu angesiedeltes Internetmagazin berichtete seinerzeit:

Im Huijgenspark Den Haag in den Niederlanden wurde mit der modernen 5G-Technologie experimentiert. Das Ergebnis: hunderte von Zugvögeln die in der Gegend in den Bäumen versammelten, bevor sie sich auf den Weg nach Süden machen wollten, fielen tot von den Bäumen. Die Todesursache war rasch festgestellt – sie starben alle an Herzversagen, obwohl sie körperlich gesund waren. Sie hatten keine virale oder bakterielle Erkrankung und wurden auch nicht vergiftet.

Der Grund dafür liegt in den 5G-Strahlen im Mikrowellen-Bereich und dem Umstand, dass die Vogelherzen besonders anfällig für diese Art von Strahlung sind. Dabei reicht schon eine niedrige Wattleistung aus, die sie zwar nicht „kocht“, aber dennoch massivst schädigt.

Der Verlag, der das Magazin heraus gibt, hat seinen Sitz rechtssicher vor Verfolgung auf den Seychellen, der Sitz der Redaktion ist auf den Philippinen gemeldet. Dies focht die weniger hellen Kerzen auf den Torten der Mobilfunkgegner freilich nicht an, die offensichtliche Fake-News eilfertig weiter zu verbreiten. Am 8. November 2018 wurde die Meldung schließlich glaubhaft widerlegt. Dennoch klammern sich einige unbelehrbare Mobilfunkgegner weiter an die fixe Idee, Mobilfunk könnte etwas mit den seltsamen Massensterben von Vögeln zu tun haben, zumal der Vorfall in Den Haag kein Einzelfall blieb, sondern fortan von Funkphobikern auch andernorts in Medienberichten entdeckt wurde. Die Wissenschaft kennt diese kognitive Verzerrung als Bestätigungsfehler (confirmation bias): Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen. Vor November 2018 kam es noch keinem Mobilfunkgegner in den Sinn, Meldungen von massenhaft tot vom Himmel fallenden Vögeln Beachtung zu schenken, erst nach der Verbreitung der 5G-Fake-News war in der Szene der Blick für dieses Phänomen geschärft.

Dabei ist das Phänomen keineswegs so neu oder selten, wie manche glauben. Doch nichts deutet auch nur ansatzweise darauf hin, Mobilfunk könnte kausal irgendetwas damit zu tun haben. Allerdings haben Untersuchungen derartiger Vorfälle auch nicht die eine allumfassende überzeugende Erklärung erbracht, sondern je nach Vorfall unterschiedliche Erklärungen. Auch gibt es keine Augenzeugen, die detailliert beschreiben könnten, was sich bei den Tragödien am Himmel abspielte. Der Grund dafür: Wenn Vögel massenhaft tot vom Himmel fallen geschieht das in den dokumentierten Fällen meist, wenn nicht sogar immer, nachts.

Die folgenden Links geben ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit Auskunft, wann sich wo und unter welchen Umständen plötzliche Massensterben unserer gefiederten Freunde zugetragen haben und zu welchen Ergebnissen Untersuchungen gekommen sind. Die Einwirkung elektromagnetischer Felder (EMF) als Todesursache wird kein einziges Mal erwogen, mechanische Krafteinwirkung hingegen wird mehrfach genannt. Die Ergebnisse sind so schlüssig, dass keinerlei Anfangsverdacht gegenüber EMF dokumentiert ist. Unbegründete Hoffnungen, die Forschung solle EMF als Verursacher näher in Betracht ziehen, werden sich deshalb mit großer Sicherheit nicht erfüllen.

Warum massenhaft tote Vögel vom Himmel fallen (Welt, 2011)
Sturzflug in den Tod (Buchauszug, 2013)
Leuchttürme, Hochhäuser und Funktürme als Vogelfallen (Buchauszug, 2010)
Darum fallen tote Vögel vom Himmel (Bild, 2011)
Recent Bird Deaths Caused By Impact Trauma (USGS, 2011)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Verschwörung, Vögel, Fake-News, Trutherszene

Vögel vor Stromtod schützen: Neue Verordnung in der Schweiz

Gast, Montag, 06.04.2020, 13:50 (vor 967 Tagen) @ H. Lamarr

Bis Ende 2030 sollen bestehende Strommasten saniert werden, die aufgrund ihrer Bauweise eine Stromschlaggefahr für Vögel wie Uhus und Störche darstellen. Die Revision der Verordnung über elektrische Leitungen (LeV) sieht vor, dass in der ganzen Schweiz sämtliche Strommasten der regionalen und überregionalen Verteilnetze überprüft und - wenn nötig - vogelsicher gestaltet werden. Betroffen sind gemäss Schätzung des BAFU ca. 25'000 Strommasten, die rund 400 Netzbetreibern gehören. Die LeV-Revision ist im Interesse von Wirtschaft und Gesellschaft, weil sie zum einen dem Schutz von gefährdeten Vogelarten zugutekommt, zum anderen tragen die Sanierungsmassnahmen dazu bei, Betriebsunterbrüche als Folge eines Stromschlages zu verhindern. Die technischen Massnahmen benötigen keine Baubewilligung und können im Rahmen von Unterhaltsarbeiten umgesetzt werden. Die Revision soll ein seit Jahren bekanntes Artenschutzproblem lösen: Für Störche, Uhus und andere grosse Vögel, die sich gerne auf Masten setzen, ist der Stromschlag eine der häufigsten nicht natürlichen Todesursache.

Quelle: https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-78537.html

Vogelanprall an Glasflächen

H. Lamarr @, München, Dienstag, 07.04.2020, 17:35 (vor 966 Tagen) @ H. Lamarr

[image]Die in guter Absicht aufgeklebten Greifvogelsilhouetten sind leider wirkungslos. Schon Konrad Lorenz hat nachgewiesen, dass sich ein Greifvogel in der für ihn typischen Art und Weise bewegen muss, um von seiner Beute als Feind erkannt zu werden. Aus diesem Grund lösen Vogelaufkleber keine Fluchtreaktion aus und viele Vögel prallen unmittelbar neben diesen Aufklebern gegen die Glasscheibe. mehr ...

Bis zu 100 Millionen Vögel sterben in Deutschland, weil sie ungebremst gegen Glasfassaden fliegen – pro Jahr! Das BMBF hat deshalb besondere Vorkehrungen an seinen Fenstern getroffen. Was jeder zu Hause tun kann, erklärt BUND-Expertin Förster. mehr ...

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