5G & Gesundheitsrisiken: Unterrichtung des Europaparlaments (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.03.2020, 12:08 (vor 81 Tagen)

Der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments hat in Gestalt von Miroslava Karaboytcheva (Autorin) die 12-seitige Unterrichtung Auswirkungen der drahtlosen 5G Kommunikation auf die menschliche Gesundheit für die Mitglieder des Europaparlaments mehrsprachig ausgearbeitet und im Februar 2020 vorgelegt. Wer wissen möchte, welchen Kenntnisstand Mitglieder des EU-Parlaments zu 5G & Gesundheitsrisiken haben können, der kommt ums Lesen der Unterrichtung nicht umhin. Aber: Die englische Version Effects of 5G wireless communication on human health datiert vom März 2020. Dies deutet darauf hin, dass das Papier drei Wochen nach der Erstveröffentlichung überarbeitet wurde und die deutsche Version derzeit noch auf altem Stand ist.

Vorstellung des Papiers auf der Website des EU-Parlaments:

Die als 5G bezeichnete fünfte Generation der Telekommunikationstechnologien ist ein grundlegendes Element zur Verwirklichung einer europäischen Gigabit-Gesellschaft bis 2025. Das Ziel, alle städtischen Gebiete, Schienenstrecken und Hauptverkehrsstraßen mit ununterbrochener drahtloser Kommunikation der fünften Generation zu versorgen, kann nur durch den Aufbau eines sehr dichten Netzes von Antennen und Sendern erreicht werden. Somit wird die Anzahl der Basisstationen und anderer Geräte mit höherfrequenten Signalen deutlich zunehmen. Vor dem Hintergrund, dass höhere Frequenzen und Milliarden zusätzlicher Verbindungen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge eine Dauerexposition der gesamten Bevölkerung einschließlich der Kinder bedeuten, wirft dies die Frage auf, ob negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu erwarten sind. Zwar geht die Forschung allgemein davon aus, dass solche Funkwellen keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, jedoch fehlen bislang Untersuchungen zu der Dauereinwirkung, die sich aus der Einführung von 5G ergeben würde. Dementsprechend ist ein Teil der Wissenschaftsgemeinde der Ansicht, dass die möglichen negativen biologischen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern (EMF) und 5G weiter erforscht werden müssen, insbesondere was die Häufigkeit des Auftretens einiger schwerer Krankheiten beim Menschen anbelangt. Eine weitere Überlegung geht dahin, dass Forscher aus verschiedenen Disziplinen, insbesondere aus Medizin und Physik oder Ingenieurwissenschaften, zusammengebracht werden sollten, um die Auswirkungen von 5G weiterführend zu untersuchen. Die aktuellen Bestimmungen der EU zur Exposition gegenüber drahtlosen Signalen, die Empfehlung des Rates zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern (0 Hz – 300 GHz), sind mittlerweile 20 Jahre alt und sind daher nicht auf die spezifischen technischen Merkmale von 5G anwendbar.

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Tags:
Europaparlament, 5G, EPRS, Karaboytcheva

5G & Gesundheitsrisiken: Unterrichtung des Europaparlaments

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.03.2020, 14:10 (vor 81 Tagen) @ H. Lamarr

Der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments hat in Gestalt von Miroslava Karaboytcheva (Autor) die 12-seitige Unterrichtung Auswirkungen der drahtlosen 5G Kommunikation auf die menschliche Gesundheit für die Mitglieder des Europaparlaments mehrsprachig ausgearbeitet und im Februar 2020 vorgelegt. Wer wissen möchte, welchen Kenntnisstand Mitglieder des EU-Parlaments zu 5G & Gesundheitsrisiken haben können, der kommt ums Lesen der Unterrichtung nicht umhin. Aber: Die englische Version Effects of 5G wireless communication on human health datiert vom März 2020. Dies deutet darauf hin, dass das Papier drei Wochen nach der Erstveröffentlichung überarbeitet wurde und die deutsche Version derzeit noch auf altem Stand ist.

Drunter und drüber geht es anlässlich der Unterrichtung (Briefing) bei Diagnose-Funk auf dieser Seite, die angeblich seit 1. Januar 2020 im Netz steht. Zu diesem Zeitpunkt aber lag die aktuelle Unterrichtung des Wissenschaftlichen Dienstes noch gar nicht vor. Und wer in der Portalsäule der Seite rechts unten auf den Link "Originaltext des EU-Briefings 2020" klickt, der bekommt gegenwärtig nicht was versprochen wird, sondern ein älteres Briefing "Mobile phones and health: Where do we stand?" vom März 2019. Mutmaßlich hat Diagnose-Funk eine ältere Seite fehlerhaft aktualisiert. Schaunmermal, ob der Verein diese Fehler schneller als andere berichtigen kann :-).

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Unterrichtung des Europaparlaments: Dignose-Funk berichtigt

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 11.03.2020, 14:14 (vor 78 Tagen) @ H. Lamarr

Mutmaßlich hat Diagnose-Funk eine ältere Seite fehlerhaft aktualisiert. Schaunmermal, ob der Verein diese Fehler schneller als andere berichtigen kann :-).

Ja, sie können es, wenn sie denn wollen. Diagnose-Funk hat das falsche Datum korrigiert (jetzt 10.03.2020) und den Text stellenweise geändert, für die Verhältnisse dieses Vereins sogar blitzschnell. Der Link "Englischer Originaltext des EU-Briefings, Februar 2020" führt allerdings noch immer zu dem alten Dokument vom März 2019. Zwei substanzielle Korrekturen auf einmal zu bewältigen gelang dem Webmaster offensichtlich nicht.

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Unterrichtung des Europaparlaments: Versionsvergleich

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.03.2020, 16:31 (vor 81 Tagen) @ H. Lamarr

Aber: Die englische Version Effects of 5G wireless communication on human health datiert vom März 2020. Dies deutet darauf hin, dass das Papier drei Wochen nach der Erstveröffentlichung überarbeitet wurde und die deutsche Version derzeit noch auf altem Stand ist.

Stimmt, ein Vergleich der alten englischen Version (Februar) mit der neuen (März) zeigt jedoch nur marginale Unterschiede (Fehlerberichtigungen) auf drei Seiten, inhaltliche Korrekturen gibt es nicht. Die deutsche Version vom Februar ist damit inhaltlich identisch mit der englischen vom März.

Kurios: Diagnose-Funk ist es offenkundig entgangen, dass das Europaparlament seit Februar 2020 auch eine deutsche Version der Unterrichtung anbietet. Der Verein beauftragte Doris Hensinger und Karsten vom Bruch, den englischen Text ins deutsche zu übersetzen und beansprucht das Copyright dieser Übersetzung (zu finden <hier>). Das Copyright gönne ich Diagnose-Funk gerne, denn die von mir im Startpostig verlinkte deutsche Übersetzung ist die offizielle des Europaparlaments. Da überzeugte Mobilfunkgegner beim Übersetzen gerne einen gewissen "Drall" einbringen, der im Original fehlt, sind Übersetzungen von Mobilfunkgegnern ohnehin stets mit Vorsicht zu genießen.

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Unterrichtung des Europaparlaments: unpräzise & tendenziös

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.03.2020, 20:45 (vor 81 Tagen) @ H. Lamarr

Wer wissen möchte, welchen Kenntnisstand Mitglieder des EU-Parlaments zu 5G & Gesundheitsrisiken haben können, der kommt ums Lesen der Unterrichtung nicht umhin.

Ach du meine Güte, aus meiner Sicht ist die Unterrichtung durch Miroslava Karaboytcheva unpräzise und tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern. Kein Wunder, dass Diagnose-Funk so entzückt ist und sich zu der weit übertriebenen Interpretation versteigt, der eindeutige Tenor des Papiers sei, aufgrund des Forschungsstandes dürfe 5G nicht eingeführt werden. Das ist natürlich Blödsinn, ein Körnchen Wahrheit aber steckt durchaus in dieser Wertung.

Beispiel für unpräzise: Das Papier erweckt mit schwammigen Formulierungen den Eindruck, 5G arbeite, auch in der gegenwärtig eingeführten Form, mit Millimeterwellen. Stimmt so aber nicht, auch 5G verwendet derzeit allein Mikrowellen, Millimeterwellen kommen erst später. Und ob Parlamentarier das Gerede von Millimeterwellen verstehen, die perplexerweise kurzwelliger sind als Mikrowellen (technisch gesehen ist es genau andersherum), wage ich zu bezweifeln.

Beispiel für tendenziös: Der gesamte Abschnitt "Forschung zu den Auswirkungen von EMF und 5G auf die menschliche Gesundheit" ist für mich stark unausgewogen und liest sich so, als hätte diesen die BioInitiative der Autorin in die Maschine diktiert.

Wie konnte das passieren?

Über die Autorin und deren Qualifikation gibt das www nichts her. Das ist nachvollziehbar, denn wer für den Wissenschaftlichen Dienst des Europaparlaments arbeitet sollte faktisch unsichtbar und unerreichbar sein, um eine Einflussnahme von außen auszuschließen. Deshalb ist auch denkbar, der Name der Autorin ist lediglich ein Pseudonym. Eigenartig ist jedoch, dass eine Unterrichtung des Europaparlaments von der Tragweite der 5G-Unterrichtung offenbar von einer einzelnen Person vorgenommen wurde und nicht, wie es sonst üblich ist, von einer Gruppe. Persönliche Präferenzen können auf diese Weise ungebremst in das Informationspaket einfließen. Bei einer Gruppe von Autoren, die sich dem Konsensprinzip verpflichtet hat, ist dieses Risiko weitaus kleiner. Das weiß aller Voraussicht nach auch der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments. Doch sollte hinter "Miroslava Karaboytcheva" keine Person stecken, sondern eine Gruppe von Autoren, dann macht das die Sache nicht besser, sondern schlimmer.

Diese Unterrichtung der Europaparlamentarier halte ich für einen Fehltritt, insbesondere wegen einer deutlichen Überbewertung von Risiken, die wissenschaftlich lange bekannt sind, von der überwiegenden Mehrheit der Bioelektromagnetiker jedoch nicht als dramatisch eingestuft werden. Auf Zigarettenpackungen ist zu lesen "Rauchen ist tödlich", davon ist das Risiko "EMF" Lichtjahre entfernt. Zigaretten dürfen in der EU dennoch verkauft werden.

Für Panikmacher wie Diagnose-Funk ist das Papier ein gefundenes Fressen, das sie der Bevölkerung jetzt jahrelang mehr oder weniger verzerrt auftischen werden, so wie es bei der Resolution 1815 des Europarats passiert ist und bei der 2B-Krebswertung der IARC. Das hätte der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments absehen und mit sorgfältigeren Formulierungen und mehr inhaltlicher Ausgewogenheit dem böswilligen Missbrauch der Unterrichtung weit über das EU-Parlament hinaus einen Riegel vorschieben können. Wir leben schließlich nicht mehr in der Welt von Adenauer und de Gaulle, heute dringen Fake-News-Produzenten, die jede Lücke nutzen, drahtlos oder drahtgebunden bis in die Wohnzimmer von rd. 450 Mio. EU-Bürgern vor.

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Wissenschaftliche Dienste am Deutschen Bundestag

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.03.2020, 22:25 (vor 81 Tagen) @ H. Lamarr

Über die Autorin und deren Qualifikation gibt das www nichts her. Das ist nachvollziehbar, denn wer für den Wissenschaftlichen Dienst des Europaparlaments arbeitet sollte faktisch unsichtbar und unerreichbar sein, um eine Einflussnahme von außen auszuschließen.

Abwegig ist diese Sicht nicht, wie folgende Fußnote aus einer veröffentlichten Ausarbeitung der Wissenschaftliche Dienste am Deutschen Bundestag zeigt, bei der kein Verfasser genannt wurde. Bemerkenswert ist in der Fußnote auch, wessen Auffassung so eine Ausarbeitung wiedergibt. Bemerkenswert mit Blick auf die elefantöse Dramatik, die Diagnose-Funk der Unterrichtung des EU-Parlaments durch dessen Wissenschaftlichen Dienst beimisst:

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeitpunkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abgeordneten des Bundestages dar. Die Arbeiten können der Geheimschutzordnung des Bundestages unterliegende, geschützte oder andere nicht zur Veröffentlichung geeignete Informationen enthalten. Eine beabsichtigte Weitergabe oder Veröffentlichung ist vorab dem jeweiligen Fachbereich anzuzeigen und nur mit Angabe der Quelle zulässig. Der Fachbereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen.

Mehr über die Unterabteilung Wissenschaftliche Dienste ...

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Individuelle Auftragsarbeit für EINEN Abgeordneten

H. Lamarr @, München, Montag, 09.03.2020, 12:31 (vor 80 Tagen) @ H. Lamarr

Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeitpunkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abgeordneten des Bundestages dar.

Hmmm ... Das wirft die Frage auf, ob auch die 5G-Unterrichtung des Wissenschaftlichen Dienstes am Europaparlament für einen einzigen Abgeordneten angefertigt oder allen Abgeordneten ausgehändigt wurde. Sollte MdEP Klaus Buchner der Auftraggeber sein, könnte dies schlagartig alles erklären :wink:.

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Nachfragen statt spekulieren

H. Lamarr @, München, Montag, 09.03.2020, 13:51 (vor 80 Tagen) @ H. Lamarr

Da Spekulieren nicht zum Ziel führt, habe ich beim Europaparlament um Auskunft zu folgenden Fragen gebeten:

1) Wer genau hat den EPRS mit diesem Briefing beauftragt?
2) Wurde das Briefing speziell für ein einziges Mitglied des EU-Parlaments angefertigt oder für alle Mitglieder?
3) Hat das Briefing allein die als Autorin genannte Miroslava Kostova Karaboytcheva angefertigt oder entstand das Briefing als Gruppenarbeit im Konsens?
4) Gibt das Briefing die Einschätzung der Autorin (oder Gruppe) wieder oder die des EPRS?
5) Wo bekomme ich weiterführende Informationen über die Arbeitsmethodik des EPRS?

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Nachfragen statt spekulieren: Antworten aus Straßburg

H. Lamarr @, München, Montag, 16.03.2020, 23:14 (vor 73 Tagen) @ H. Lamarr

Der Pressesprecherdienst des Europaparlaments beantwortete heute meinen kleinen Fragenkatalog. Nach eher flauem Beginn werden die Antworten zunehmend konkreter und die Antwort auf die Fragen 4 und 5 enthält schließlich die erhoffte Auskunft, die eine gute Einschätzung zulässt, welche Bedeutung man dem Briefing beimessen darf.

1) Wer genau hat den EPRS mit diesem Briefing beauftragt?

Wie die von Ihnen angeführte Publikation ausführlich darstellt, steht das Thema der Auswirkungen der drahtlosen 5G Kommunikation auf die menschliche Gesundheit auf der politischen Agenda der Europäischen Union. Zudem haben Europaabgeordnete Interesse an diesem Thema gezeigt. Da der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) den Auftrag hat, die Europaabgeordneten mit unabhängigen, objektiven und zuverlässigen Analysen und Forschungsarbeiten zu politischen Themen im Zusammenhang mit der Europäischen Union zu versorgen, um sie bei ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen, haben diese Faktoren zur Initiierung und Veröffentlichung dieses Briefings geführt.

2) Wurde das Briefing speziell für ein einziges Mitglied des EU-Parlaments angefertigt oder für alle Mitglieder?

Dieses Dokument wurde nicht für ein einzelnes Mitglied, sondern für alle interessierten Mitglieder und Bediensteten des Europäischen Parlaments erarbeitet und soll ihnen als Hintergrundmaterial für ihre parlamentarische Arbeit dienen. EPRS stellt dieses Dokument zudem der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

3) Hat das Briefing allein die als Autorin genannte Miroslava Kostova Karaboytcheva angefertigt oder entstand das Briefing als Gruppenarbeit im Konsens?

Jede Publikation des Wissenschaftlichen Dienstes durchläuft ein mehrstufiges Prüfungsverfahren (peer-review) zur Qualitätssicherung. Das betrifft auch die von Ihnen angesprochene Publikation.

4) Gibt das Briefing die Einschätzung der Autorin (oder Gruppe) wieder oder die des EPRS?

[siehe Antwort auf Frage 5; Anm. Postingautor]

5) Wo bekomme ich weiterführende Informationen über die Arbeitsmethodik des EPRS?

EPRS ist der interne Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments und ist nicht mit der legislativen Tätigkeit des Europäischen Parlaments verbunden. Die Studien des EPRS repräsentieren nicht unbedingt die Position des Europäischen Parlaments. Die Aufgabe des EPRS besteht darin, den Mitgliedern des Europäischen Parlaments und gegebenenfalls den parlamentarischen Ausschüssen unabhängige, objektive und maßgebliche Analysen und Untersuchungen zu politischen Fragen im Zusammenhang mit der Europäischen Union zur Verfügung zu stellen, um sie bei ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen. In dem genannten Dokument heißt es auf der letzten Seite eindeutig: Für den Inhalt des Dokuments sind allein der/die Verfasser verantwortlich, und die darin zum Ausdruck gebrachten Meinungen sollten nicht als offizielle Position des Parlaments verstanden werden.

Auf dieser Webseite des Europäischen Parlaments sind weitere Informationen zu Arbeitsweise und Publikationen des Wissenschaftlichen Dienstes verfügbar.

Hintergrund
Das Referat Sprecher des Europaparlaments beantwortet von Medienschaffenden gestellte Fragen, die nicht unmittelbar mit der Legislativtätigkeit des Europäischen Parlaments zu tun haben, und es befasst sich mit Falschinformationen über das Parlament. Es stellt den Mitgliedern und Bediensteten überdies Sachinformationen bereit, die für Antworten verwendet werden können. Leiterin des Referats Sprecher ist Marjory van den Broeke. Sie ist zudem die stellvertretende Sprecherin des Europäischen Parlaments.

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"EU-Briefing": Diagnose-Funk auf den Zahn gefühlt

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.03.2020, 22:39 (vor 70 Tagen) @ H. Lamarr

In dem genannten Dokument heißt es auf der letzten Seite eindeutig: Für den Inhalt des Dokuments sind allein der/die Verfasser verantwortlich, und die darin zum Ausdruck gebrachten Meinungen sollten nicht als offizielle Position des Parlaments verstanden werden.

Diese Auskunft ist extrem schlecht für Diagnose-Funk. Möchte der Verein das Papier der Wirtschaftswissenschaftlerin Miroslava Karaboytcheva doch am liebsten zu einer eminent wichtigen Verlautbarung des EU-Parlaments aufblasen. In der offiziellen Übersetzung des "Briefings" zu 5G hat der Haftungsausschluss den Wortlaut:

Dieses Dokument wurde für die Mitglieder und Bediensteten des Europäischen Parlaments erarbeitet und soll ihnen als Hintergrundmaterial für ihre parlamentarische Arbeit dienen. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt ausschließlich bei dessen Verfasser/n. Die darin vertretenen Auffassungen entsprechen nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments. [...]

Ich habe mir die Webseite zu besagtem Briefing bei Diagnose-Funk angesehen sowie den "Brennpunkt" zum selben Thema, nur um zu prüfen, ob und wie der Verein den ungünstigen Umstand verschleiert, dass das Papier weder die Sicht des Europäischen Parlaments widerspiegelt noch die des Wissenschaftlichen Dienstes, sondern die einer einzelnen Person.

Haftungsausschluss
Fangen wir mit dem Haftungsausschluss an, der im Originaldokument ganz am Ende steht und deutlich macht, dass das Papier allein in der Verantwortung von Miroslava Karaboytcheva steht. Macht Diagnose-Funk darauf aufmerksam?

Webseite: Auf der Webseite des Vereins fehlt jeder Hinweis auf die alleinige Verantwortung der Autorin.
Brennpunkt: Der Brennpunkt enthält eine deutsche Übersetzung des Briefings. Der Haftungsausschluss wird sogar zweimal im vollen Wortlaut genannt. Doch nicht etwa auf deutsch, sondern auf englisch! Typisch Diagnose-Funk, das fängt mal wieder gut an.

Dramatisieren
Diagnose-Funk tut sich schon mit dem Haftungsausschluss sichtlich schwer. Wie aber verkauft der Verein seinen Lesern das Papier von Karaboytcheva, gibt er es als Werk des Wissenschaftlichen Dienstes aus oder gar als Papier des Europaparlaments?

Webseite: Auf seiner Webseite versucht der Verein das Papier mit allen Mitteln hoch zu spielen (Auswahl an Zitaten):
- EU-Briefing [...]
- Wissenschaftlicher Dienst des EU-Parlaments redet Klartext zu Gefahren durch 5G-Mobilfunk
- Das EU-Papier deckt sich in der Hauptaussage mit den Appellen [...]
- [...] widerlegt nun auch das vorliegende EU-Papier die Hauptargumente der deutschen Behörden [...]
Brennpunkt: Der Brennpunkt benutzt zum Schaumschlagen dieselben Begriffe wie die Webseite.

Fazit
Diagnose-Funk möchte aus einer Mücke einen Elefanten machen. Deshalb verschleiert der Anti-Mobilfunk-Verein in seiner Berichterstattung (Webseite & Brennpunkt) über die 5G-Unterrichtung des Europaparlaments die wahre Bedeutung der Unterrichtung und versucht mit pompösen Begriffen (z.B. "EU-Papier") die Unterrichtung in einen Staatsakt zu verwandeln. Warum strampelt sich der Verein so ab? Die Unterrichtung der Europaabgeordneten durch Miroslava Karaboytcheva ist aus meiner Sicht ungewöhnlich tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern. Dies erklärt, warum Diagnose-Funk das eher belanglose Papier mit allen Mitteln ins Rampenlicht zerren möchte und abwertende Aspekte, wie der Haftungsausschluss exklusiv zulasten der Autorin, verschweigt oder vernebelt.

Aus meiner Sicht wird die Unterrichtung wegen ihres unübersehbaren Dralls im Europaparlament keine nennenswerte Wirkung entfalten. Organisierte Mobilfunkgegner aber werden die Mumie aus den Katakomben des EU-Parlaments an ihren Lagerfeuern noch lange hoch leben lassen und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgraben, um bei Laien Eindruck zu schinden. Was dann mit Sicherheit verschwiegen wird: Der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments produziert "EU-Briefings" wie am Fließband, pro Arbeitstag mindestens eines, häufig zwei und mitunter sogar drei und mehr. Seit 1. März 1997 wurden so bis heute insgesamt 3056 Briefings ans EU-Parlament geliefert. Auch nett: Zum Suchwort 5G liefert der Wissenschaftliche Dienst nicht etwa nur das eine Dokument, das Diagnose-Funk so begeistert, sondern momentan 154 Treffer. Zusammengefasst reduziert dies alles den vermeintlichen "Brennpunkt" von Diagnose-Funk zu einem kleinen funkelnden Sternchen am Firmament :-).

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"EU-Briefing": Diagnose-Funk auf den Zahn gefühlt (II)

H. Lamarr @, München, Freitag, 20.03.2020, 11:39 (vor 69 Tagen) @ H. Lamarr

Zusammengefasst reduziert dies alles den vermeintlichen "Brennpunkt" von Diagnose-Funk zu einem kleinen funkelnden Sternchen am Firmament :-).

Peter Hensinger (Diagnose-Funk) sieht dies naturgemäß ganz anders. Anlässlich einer Rede vor Gesinnungsfreunden nutzte er am 1. März 2020 die Gelegenheit, das Papier von Miroslava Karaboytcheva zu einem "EU-Papier" aufzuwerten [ab Minute 4:15]:

Wir trauten unseren Augen nicht, als wir vor zwei Wochen ein Briefing-Papier der EU bekamen. Der Wissenschaftliche Dienst der EU hat ein Briefing-Papier für die Abgeordneten geschrieben.
[...]
Ein neues EU-Papier für Abgeordnete. Wir bringen des am Freitag in deutscher Übersetzung raus [Applaus des Publikums], da stehen noch viel mehr hammermäßige Sachen drin [...], also das isch ein Bapier, das müsst Ihr jedem Gemeinderat geben. [...]

Nach wie vor ungeklärt ist, warum Diagnose-Funk am 1. März eine deutsche Übersetzung des "Briefings" ankündigte, obwohl seitens des Wissenschaftlichen Dienstes eine deutsche Übersetzung seit mutmaßlich 11. Februar 2020 angeboten wird. Ein Vergleich der offiziellen Übersetzung mit der Übersetzung durch Diagnose-Funk nährt Zweifel. Beide Übersetzungen weisen stellenweise zwar Abweichungen auf, auffallend häufig sind jedoch vollständige Sätze exakt wortgleich. Für mich sieht es danach aus, Diagnose-Funk hat die offizielle Übersetzung lediglich geringfügig optisch verändert, um die geänderte Fassung – ohne Plagiatsvorwürfe zu riskieren – als eigene Übersetzung anpreisen zu können. Fachliche Schwächen der Originalübersetzung wurden bei der Bearbeitung nicht beseitigt.

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Unterrichtung des Europaparlaments: unpräzise & tendenziös

KlaKla, Montag, 09.03.2020, 06:58 (vor 80 Tagen) @ H. Lamarr

Über die Autorin und deren Qualifikation gibt das www nichts her. Das ist nachvollziehbar, denn wer für den Wissenschaftlichen Dienst des Europaparlaments arbeitet sollte faktisch unsichtbar und unerreichbar sein, um eine Einflussnahme von außen auszuschließen. Deshalb ist auch denkbar, der Name der Autorin ist lediglich ein Pseudonym. Eigenartig ist jedoch, dass eine Unterrichtung des Europaparlaments von der Tragweite der 5G-Unterrichtung offenbar von einer einzelnen Person vorgenommen wurde und nicht, wie es sonst üblich ist, von einer Gruppe. Persönliche Präferenzen können auf diese Weise ungebremst in das Informationspaket einfließen. Bei einer Gruppe von Autoren, die sich dem Konsensprinzip verpflichtet hat, ist dieses Risiko weitaus kleiner. Das weiß aller Voraussicht nach auch der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments. Doch sollte hinter "Miroslava Karaboytcheva" keine Person stecken, sondern eine Gruppe von Autoren, dann macht das die Sache nicht besser, sondern schlimmer.

Erfolgreicher bist du, wenn du den vollständigen Namen nimmst.

Miroslava Kostova Karaboytcheva :wink:

https://www.researchgate.net/profile/Miroslava_Kostova
https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=https://econpapers.repec.org/RePEc:ipf:finteo:v:39:y:2015:i:3:p:305-323&prev=search

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Meine Meinungsäußerung

Unterrichtung des Europaparlaments durch einen Dr. oec.

H. Lamarr @, München, Montag, 09.03.2020, 12:13 (vor 80 Tagen) @ KlaKla

Erfolgreicher bist du, wenn du den vollständigen Namen nimmst.

Miroslava Kostova Karaboytcheva :wink:

https://www.researchgate.net/profile/Miroslava_Kostova
https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=https://econpapers.repec.org/RePEc:ipf:finteo:v:39:y:2015:i:3:p:305-323&prev=search

:danke: Die Autorin ist also Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Ob sie damit die optimale Grundlage hat, Europaparlamentarier über Technikdetails (z.B. Basisstationsdichte) und mögliche gesundheitliche Risiken von 5G kundig zu unterrichten, wage ich zu bezweifeln. Dass Diagnose-Funk einem gelernten Drucker das "Ressort Wissenschaft" anvertraut ist bei Vereinsmeiern gängige Praxis, der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments hat hingegen Gewicht und Verantwortung, da hätte ich schon erwartet, dass ein Naturwissenschaftler oder besser eine interdisziplinär besetzte Gruppe von Fachwissenschaftlern auf das Thema 5G angesetzt wird. Bei der Suche nach Hinweisen, wie es zu der mMn Überbewertung der Risiken in der Unterrichtung kam, bin ich am Ende eines Suchpfades, du glaubst es nicht, bei Martin Pall gelandet! Mehr dazu später.

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Tags:
Europaparlament, Pall, EPRS, Karaboytcheva

Unterrichtung des Europaparlaments durch einen Dr. oec.

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.04.2020, 19:40 (vor 39 Tagen) @ H. Lamarr

Bei der Suche nach Hinweisen, wie es zu der mMn Überbewertung der Risiken in der Unterrichtung kam, bin ich am Ende eines Suchpfades, du glaubst es nicht, bei Martin Pall gelandet! Mehr dazu später.

Meine Versuche, den Suchpfad zu Martin Pall heute noch einmal rekonstruieren zu können, sind gescheitert. Mist. Ursprünglich hatte die Ankündigung "Mehr dazu später" eine ganz andere Bedeutung als die jetzt eingestandene :lookaround:.

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5G-Metastudie der Österreicher seziert Mobilfunkdebatte

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 11.03.2020, 01:25 (vor 79 Tagen) @ H. Lamarr

Ach du meine Güte, aus meiner Sicht ist die Unterrichtung durch Miroslava Karaboytcheva unpräzise und tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern.

Inzwischen habe ich mir die vor wenigen Tagen erschienene 5G-Metastudie, die vom Österreichischen Parlamentsbeirat beim Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Auftrag gegeben wurde, etwas genauer angesehen und bin der Einschätzung, dass die 5G-Metastudie (Langfassung) ungleich gehaltvoller und erhellender ist als die kurze Unterrichtung des Europaparlaments. Kein Wunder, bei gut 10-Mal mehr Seiten ;-) . Es lohnt sich wirklich, diese substanzielle Metastudie in Ruhe zu lesen, denn die Autoren sezieren und analysieren die Mobilfunkdebatte wie bei einer Autopsie, um deren Innereien sichtbar zu machen. Dies gilt jedoch nur für die Langfassung der Studie, nicht für die Kurzfassung.

Das Papier ist keineswegs unkritisch, die Autoren leiern jedoch nicht altbekannte Kritikpunkte von Mobilfunkgegnern herunter, sondern haben sich eigene Gedanken zu bekannten Fakten gemacht, und tragen diese ohne die Polemik, Unterstellungen und Dramatik vor, die bei organisierten Mobilfunkgegnern so unerträglich ist. Die Studie bildet damit, – für mich ein Novum, die Ansichten beider Lager der Mobilfunkdebatte sachlich und unaufgeregt ab, auch fachliche Unzulänglichkeiten konnte ich keine entdecken. Allerdings muss ich gestehen, bei Weitem noch nicht alle 130 Seiten gelesen zu haben, doch das, was ich intus habe, das ist mit das Beste, was mir bisher vor die Flinte kam. Die Autoren haben sich ersichtlich Mühe gegeben, Knackpunkte der Auseinandersetzung kreativ herauszuarbeiten und von beiden Blickwinkeln unvoreingenommen zu betrachten.

Beispielsweise das Problem, dass es – mit meinen Worten – auf beiden Seiten nur sehr wenige wirklich kundige Meinungsmacher gibt, die an allen Ecken und Enden präsent sind und mit Hilfe von Kolporteuren die Deutungshoheit in der Debatte anstreben. Das gilt bemerkenswerterweise für beide Seiten, z.B. für ICNIRP genauso wie für die BioInitiative. Das ist mMn eine neue Betrachtungsweise, bislang dominierte der Tunnelblick, Mobilfunkgegner beschuldigten ICNIRP & Co., exklusiv so zu handeln, alle anderen die BioInitiative & Co. Wie das bei kriegerischen Auseinandersetzungen eben so ist. Offenbar gelang es den Technikfolgenabschätzern der Österreicher bei ihrer Studie undogmatisch ohne Scheuklappen zu Werke zu gehen und ohne Partei zu ergreifen. Das setzt Maßstäbe.

Ich hoffe nun, dass dies für alle 130 Seiten zutrifft, und ich wegen meiner Lobeshymne später nicht noch einmal kräftig zurück rudern muss.

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Unterrichtung des EP: 286 Mio. Basisstationen für Deutschland

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 11.03.2020, 23:05 (vor 78 Tagen) @ H. Lamarr

Beispiel für unpräzise: Das Papier erweckt mit schwammigen Formulierungen den Eindruck, 5G arbeite, auch in der gegenwärtig eingeführten Form, mit Millimeterwellen. Stimmt so aber nicht, auch 5G verwendet derzeit allein Mikrowellen, Millimeterwellen kommen erst später. Und ob Parlamentarier das Gerede von Millimeterwellen verstehen, die perplexerweise kurzwelliger sind als Mikrowellen (technisch gesehen ist es genau andersherum), wage ich zu bezweifeln.

Noch ein Beispiel für unpräzise.

Was mag im Kopf eines Europaabgeordneten vorgehen, liest er folgende Passage in der Unterrichtung:

[...] Die Reichweiten können auf 20-150 Meter beschränkt sein, woraus sich sehr kleine Abdeckungsbereiche pro „Mikrozelle“ ergeben.[9] Bei einem Zellenradius von 20 Metern müssten pro Quadratkilometer etwa 800 Basisstationen (bzw. „drahtlose Zugangspunkte mit geringer Reichweite“, wie die im EKEK verwendete Bezeichnung lautet) installiert werden. Dies stellt einen Unterschied zur 3G- und 4G-Technologie dar, bei der Großzellen (auch Makrozellen genannt) genutzt werden, die eine Reichweite von 2 bis 15 Kilometern haben und somit größere Gebiete abdecken, allerdings weniger gleichzeitige Nutzer zulassen, da sie über weniger Einzelkanäle verfügen. [10] [...]

Mutmaßlich wird er, weil er es aus den Medien kennt, ausrechnen, wie viele Basisstationen die genannte Zahl für Deutschland bedeutet. Also machen auch wir das. Deutschland hat eine Fläche von 357'386 km², ergibt ‭285'908'800‬ also rd. 286 Mio. Basisstationen, um ein flächendeckendes 5G-Netz aufzubauen, bei dem alle 40 Meter eine Basisstation steht. Bei 150 Meter Zellenradius wären es immerhin noch 5 Mio. Basisstationen, alle 300 Meter eine.

Und nun Frau/Herr Europaabgeordnete(r)?

Verdammt viel, nicht wahr?! Ich kann förmlich sehen, wie sich die Sorgenfalten ins Gesicht der Parlamentarier graben, obwohl der dichte Antennenwald im Vergleich zum botanischen Wald in Deutschland mit seinen 90 Milliarden jungen und alten Bäumen noch immer ein Knirps wäre. Dennoch gut vorstellbar, dass der immense 5G-Antennenwald im Kopf der Abgeordneten herum spukt und Keimzelle einer oppositionellen Meinungsbildung wird. Das wäre fatal, denn die Berechnung ist falsch und sträflich irreführend.

Möglich ist sie nur deshalb, weil die Autorin der Unterrichtung den tatsächlichen Sachverhalt verkürzt wiedergibt und den Eindruck erweckt, 5G-Netze bestünden flächendeckend aus Kleinzellen (Mikrozellen) und Großzellen (Makrozellen) wären ein überholtes Relikt aus der 3G- und 4G-Ära. Das aber stimmt nicht. Seit jeher unterscheiden die Netzbetreiber zwischen einer weitmaschigen Flächenversorgung (etwa 5 km Reichweite, ländliche Regionen mit wenig Teilnehmern) und einer engmaschigen Kapazitätsversorgung (etwa 500 Meter bis 1 Kilometer Reichweite, urbane Regionen mit vielen Teilnehmern). Grund: Ein Mobilfunkstandort kann im Gegensatz zu einer Rundfunkstation nur eine eng begrenzte Anzahl von Teilnehmern mit Diensten versorgen. Die Flächenversorgung geschieht mit wenigen leistungsstarken Standorten hoher Reichweite (also möglichst niedriger und deshalb weit reichender Trägerfrequenz), die Kapazitätsversorgung geschieht mit vielen leistungsschwachen Standorten geringer Reichweite (also mit möglichst hoher Trägerfrequenz für große Bandbreite).

Die Angaben der Autorin gelten nun, und das ist unrealistisch, ausschließlich für die Kapazitätsversorgung mit "Mikrozellen", als hätte jedes Land der EU flächendeckend die Bevölkerungsdichte einer Großstadt. Nur unter dieser verzerrten Voraussetzung kommt es zu den obigen astronomischen Zahlen. Gemäß den Netzbetreibern kostet die Errichtung eines Mobilfunkstandorts im Mittel etwa 200'000 Euro, bei 286 Mio. Standorten wäre dies ein Investitionsvolumen von 57'200 Mrd. Euro, bei nur 5 Mio. Standorten noch von 1000 Mrd. Euro. Ziemlich happig!

Um von abwegig hohen Kosten für 5G-Netze nicht in den Ruin getrieben zu werden, praktizieren die Netzbetreiber wo immer es geht die weitmaschige Flächenversorgung und versorgen so mit relativ wenigen 5G-Standorten große Flächen. Städte und Publikumsbrennpunkte bekommen hingegen die engmaschige Kapazitätsversorgung. Momentan gibt es in Deutschland 72'756 Standorte für Mobilfunksender (Stand 1. Februar 2020). Mit 5G, wie es im vergangen Jahr lizenziert wurde, wird diese Anzahl auf geschätzt 100'000 oder 120'000 wachsen. Was 5G zukünftig nach der Vergabe weiterer Lizenzen für Trägerfrequenzen über 3,6 GHz an zusätzlichen Standorten benötigt ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung, denn die Unterrichtung der EU-Abgeordneten erfolgte jetzt, ohne zu differenzieren, dass die gegenwärtig errichteten 5G-Netze technisch/physikalisch viel näher an 4G zu verorten sind als an zukünftigen Mobilfunknetzen, die mutmaßlich aber nicht mehr 5G heißen werden, sondern 6G, 7G ...

Nur das noch: Wie der Begriff "Basisstation" definiert ist, erfährt der Leser der Unterrichtung nicht. Erst der Literaturverweis [10] macht deutlich, damit sind Mobilfunkstandorte gemeint und nicht Sendemasten. Da aber an einem Standort bis zu vier Netzbetreiber Sendetechnik betreiben können, ist aus der Anzahl der Standorte nicht genau auf die Anzahl der Sendemasten zu schließen, geschweige denn auf die Anzahl der Funksysteme (GSM ... 5G) auf einem Sendemast. Der chaotische Sprachgebrauch für Begriffe der Sendetechnik führt zu unnötigen Missverständnissen und zu Aussagen, die sich nicht vergleichen lassen, weil jeder Angaben nach belieben macht.

Hintergrund
Erforderliche Anzahl von 5G-Standorten

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Nächstes EU-Papier sorgt für Ärger

H. Lamarr @, München, Dienstag, 28.04.2020, 09:24 (vor 30 Tagen) @ H. Lamarr

Ach du meine Güte, aus meiner Sicht ist die Unterrichtung durch Miroslava Karaboytcheva unpräzise und tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern.

Und hier schon das nächste "EU-Papier", das für Ärger sorgt. Diesmal geht es um Desinformation der Blauen über die Desinformation der Gelben in der Coronakrise.

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