Massenpsychosen: Irrationale Ängste, damals und heute (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.02.2020, 18:04 (vor 947 Tagen)

Weltweit grassiert gegenwärtig eine Phobie gegenüber 5G-Mobilfunk, die einen fürchten Datenklau, andere bangen um ihre Gesundheit. Geschürt werden diese meist irrationalen Ängste von einem bunt zusammengewürfelten Bündnis von wenigen Wissenschaftlern sowie vielen Spinnern, Demokratiefeinden, Geschäftemachern, selbsternannten Experten und tief besorgten Laien. Doch der nächste Hype wartet schon vor der Tür, um die 5G-Paranoia abzulösen. Und weil das kollektive Gedächtnis kurzlebig ist, sind uns vergangene Massenpsychosen heute fremd. Dieser Strang will deshalb die eine oder andere in Vergessenheit geratene Massenpsychose zurück ins Bewusstsein holen. Zu ihrer Zeit waren sie bitterer Ernst, heute können sie uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Massenhysterie, Massenpsychose, 5G-Hysterie

Apokalypse now: 5G vs. Millennium-Bug (1999)

H. Lamarr @, München, Montag, 16.12.2019, 11:43 (vor 1017 Tagen) @ H. Lamarr

[Admin: Das Posting war ursprünglich eigenständig, wegen des Sachzusammenhangs wurde es am 11.11.2020 hierher verschoben]

Die gegenwärtig grassierende 5G-Paranoia in Teilen der Bevölkerung hat zahlreiche Vorbilder. Vor 20 Jahren z.B. die Hysterie wegen des zum Jahreswechsel 1999/2000 erwarteten "Millennium-Bugs". Dabei ging es um Katastrophenszenarien, die infolge der fehleranfälligen Behandlung von Jahreszahlen als zweistellige Werte innerhalb von Computersystemen vorausgesagt wurden. Wikipedia führt uns in diese angstbeladene Zeit zurück:

Aufgrund dieser Probleme wurden im Vorfeld des Jahreswechsels 1999/2000 Katastrophenszenarien vorhergesagt, dass durch diesen Fehler Computerabstürze in großem Maß erfolgen würden. Inwiefern die Jahr-2000-Problematik von wirklicher Relevanz sein würde, war Ende der 1990er Jahre kaum realistisch zu beurteilen.

Es gab Stimmen in den Medien, die Szenarien apokalyptischen Ausmaßes mit weltweiten Computerzusammenbrüchen prognostizierten. Betroffen sein sollten demnach besonders sicherheitsrelevante Bereiche, die auf Computer angewiesen sind (Banken, Industrie oder auch Kraftwerke, im Extremfall der Vorhersagen sogar Atomwaffen), durch das Problem fehlgeschaltet oder gar lahmgelegt würden. Als Folgen wurden vom Verkehrschaos über einen Börsencrash und eine Weltwirtschaftskrise bis zur Fehlauslösung nuklearer Waffensysteme viele Szenarien angeführt – selbst Flugzeugabstürze, obwohl Zeitfehler zu diesem Zeitpunkt längst Teil der Zertifizierungsprozeduren für sicherheitskritische Software waren.

Sorgfältige Analysen von Fachleuten wiesen durchaus auf reale Gefahren hin, vor allem für Wirtschaftsunternehmen.
[...]
Keines der bekanntgewordenen Jahr-2000-Probleme hatte eine große Auswirkung. Sie traten auch in Ländern, die nur wenig in die Behebung des Problems investiert hatten, spärlich auf. Hier einige Beispiele:

► Das United States Naval Observatory, der offizielle Zeitmesser der USA, gab auf seiner Website das Jahr 19100 an.
► In Australien fielen in zwei Bundesstaaten Fahrkartenentwerter aus.
► In den USA fielen über 150 Spielautomaten an Rennbahnen in Delaware aus, ein Autofahrer erhielt eine Kfz-Steuerforderung für die letzten 100 Jahre über 760.000 Dollar.
► In Italien versandte die Telecom Italia Rechnungen für die ersten zwei Monate des Jahres 1900.
► In Japan fiel am 1. Januar 2000 das System zum Aufzeichnen von Fluginformationen für kleine Flugzeuge aus.
► In Spanien wurde für den 3. Februar 1900 zu einem Arbeitsgerichtstermin vorgeladen.
► In Südkorea lud ein Bezirksgericht 170 Personen zur Verhandlung am 4. Januar 1900 ein.
► Im Vereinigten Königreich fielen manche Kreditkartentransaktionen aus.

Hintergrund
The Millennium Bug : How to Survive the Coming Chaos
Y2K Paranoia: Extremists Confront the Millenium
The Irritations of Modern Life: 74. Millennium bug paranoia

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Ketzerstangen (18. Jahrhundert)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.02.2020, 18:17 (vor 947 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus "Seetaler Bote" vom 16. Januar 2020 (Rubrik "der Standpunkt", Vortragender ist Prof. Martin Röösli, Schweiz):

5G Ketzerstangen

Elektromagnetische Phänomene haben schon immer fasziniert. So wurden Blitze früher als göttliche Erscheinung angesehen. Im 18. Jahrhundert erfand dann Benjamin Franklin den Blitzableiter. Dieser stiess aber bei den damaligen Theologen auf gar keinen Anklang. Der Blitzableiter wurde als «Ketzerstange» bezeichnet, da er gegen die von Gott gewollte Ordnung verstosse. Lieber sollten die Bauern einen Obolus an die Kirche entrichten um mit dem Wetterläuten Gott zu besänftigen.

Mir scheint, dass in den letzten Monaten fehlendes Wissen dazu geführt hat, dass Ketzerstangen in Form von 5G-Antennen wiederaufgelebt sind. Angesichts der Tatsache, dass praktisch alle ein Mobiltelefon nutzen, sind Mobilfunkantennen erstaunlich unpopulär. Dabei sollten eigentlich alle, die ein Mobiltelefon nutzen, ein Interesse daran haben, dass in ihrer Nähe Mobilfunkantennen stehen. Der Grund liegt in der äusserst effizienten Leistungsregelung von Mobiltelefonen. Ist eine Mobilfunkantenne in der Nähe und das Signal genügend gut, sendet das Telefon bis eine Million Mal weniger stark als bei schlechter Netzabdeckung.

Konkret kann jemand also bei optimalem Empfang sein Telefon eine Woche an sein Ohr drücken und hat weniger Strahlenexposition als jemand, der eine einzige Sekunde bei schlechtem Empfang telefoniert. Überhaupt ist das eigene Mobiltelefon für die meisten die Hauptstrahlungsquelle. Fünf Minuten telefonieren pro Tag und eine Stunde Datenverkehr im Internet bedeutet, dass 90 Prozent der absorbierten Strahlenbelastung vom eigenen Telefon stammen. Allfällige gesundheitliche Auswirkungen wären also vor allem vom eigenen Mobiltelefon zu erwarten und nicht von den Antennen.

Zudem hat die Schweiz für Strahlung von Mobilfunkantennen (nicht aber von Mobiltelefonen) zusätzlich zu den internationalen Grenzwerten noch tiefere Vorsorgegrenzwerte eingeführt. Diese sogenannten Anlagegrenzwerte sind in den letzten Monaten intensiv diskutiert worden. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Bundes kommt zum Schluss, dass es für die Beibehaltung der Anlagegrenzwerte in den nächsten Jahren zusätzlich 26 500 Mobilfunkantennen braucht, also mehr als eine Verdoppelung der Anzahl Mobilfunkantennen.

Der Grund für diese Zunahme ist nicht wie fälschlicherweise häufig gesagt die Einführung von 5G, sondern das exponentielle mobile Datenwachstum. Alle 12 bis 18 Monate haben sich die Mobilfunkdaten in der Schweiz verdoppelt. Es ist also eine Illusion anzunehmen, dass es ohne 5G diese zusätzlichen Antennen nicht braucht. Im Gegenteil, 5G ist effizienter als 4G, und ohne 5G braucht es noch mehr zusätzliche Antennen. Aus gesundheitlicher Sicht ist das jetzige 5G nicht anders zu bewerten als die älteren Mobilfunk-Generationen. [...]

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Tags:
Illusion, Vorsorgegrenzwert

Gewitterläuten statt Ketzerstangen

H. Lamarr @, München, Montag, 24.02.2020, 20:07 (vor 947 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus deutsches-museum.de:

[...] Blitzableiter waren im 18. Jahrhundert ein kontroverses Thema. Kirchliche Kreise sahen eine Vermessenheit des Menschen in dem Versuch, sich mittels "Ketzerstangen" dem Gerichte Gottes entziehen zu wollen. Freilich musste es rätselhaft bleiben, wieso sich der göttliche Zorn gerade über Kirchtürmen entlud. Von Georg Christoph Lichtenberg gibt es einen maliziösen Text von 1779 über die Einführung des Blitzableiters in Siena: Neueste Geschichte der Blitzableiter. Dennoch bleibt festzuhalten, daß auch zahlreiche Geistliche sich für den technischen Blitzschutz einsetzten, zumal man erfahren musste, dass das Glockenläuten gegen Gewitter nicht nur nutzlos, sondern auch sehr gefährlich war:

Johann Nepomuck Fischer führt [1784] in seiner Schrift gegen das Gewitterläuten an, dass in den vergangenen 33 Jahren 103 Personen dabei zu Tode gekommen seien. 1784 wurde denn diese Praxis auch amtlicherseits in Bayern verboten, 1786 in Österreich.

Die Militärs waren der neuen Technik gegenüber aufgeschlossener. Als 1769 ein Blitzschlag ins Pulvermagazin zu Brescia 2060 Zentner Schießpulver zur Explosion brachte, wodurch 3000 Bürger den Tod fanden [andere Quellen sprechen von 400] und ein Sechstel der Stadt zerstört wurde, wurden die Pulvertürme in rascher Folge mit Blitzableitern versehen, ebenso wie die Schiffe der Marine. [...]

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Schutz vor Blitzgefahren

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.08.2021, 12:43 (vor 419 Tagen) @ H. Lamarr

Elektromagnetische Phänomene haben schon immer fasziniert. So wurden Blitze früher als göttliche Erscheinung angesehen. Im 18. Jahrhundert erfand dann Benjamin Franklin den Blitzableiter. Dieser stiess aber bei den damaligen Theologen auf gar keinen Anklang. Der Blitzableiter wurde als «Ketzerstange» bezeichnet, da er gegen die von Gott gewollte Ordnung verstosse. Lieber sollten die Bauern einen Obolus an die Kirche entrichten um mit dem Wetterläuten Gott zu besänftigen.

Auszug aus dem DKE-Newsletter vom 5. August 2021:

In den Sommermonaten kommt es nicht selten zu heftigen Gewittern. Das Lichtspektakel am Himmel nehmen wir dabei ganz unterschiedlich wahr – einige Menschen sind verängstigt, andere fasziniert.

Blitzschutznormen tragen seit über 135 Jahren wesentlich dazu bei, den Schutz vor Blitzgefahren zu erhöhen. Durch die ständige Weiterentwicklung dieser Normen auf Basis des technischen Fortschritts werden Personen- sowie Sachschäden zunehmend vermieden.

Mehr zum Thema und zur Normenreihe DIN EN 62305 (VDE 0185-305) erfahren Sie in unserer aktuellen Fachinformation.

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Hörspiel "Krieg der Welten" (1938)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.02.2020, 19:50 (vor 947 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus literaturcafe.de vom 29. Oktober 2015:

Am Halloween-Vorabend des Jahres 1938 bricht eine Massenpanik an der US-Ostküste aus. Außerirdische sind auf der Erde gelandet und greifen die Menschheit an. Das Radio überträgt die Todesschreie live in die US-Wohnzimmer.

Doch die vermeintlich echte Reportage war nur eine Hörspiel-Inszenierung des späteren Hollywood-Stars Orson Welles. Das legendäre Radio-Ereignis gilt auch heute noch als Beispiel für die Leichtgläubigkeit der Menschen – speziell in den USA – und die Manipulation durch die Medien.

Doch so einfach sollte man es sich mit der Erklärung nicht machen, wie eine auf DVD erhältliche Dokumentation nun zeigt.

Sondermeldung: Außerirdische gelandet!

Es ist der 30. Oktober 1938. Fernsehen und Internet gibt es noch nicht. Das schnellste und aktuellste Medium ist das Radio. Abends versammelt man sich um das Röhrengerät und lauscht Konzerten, Soap-Operas oder Hörspielen. An diesem Abend jedoch ist anderes zu hören. Eine Konzertübertragung wird von einer Sondermeldung unterbrochen: Auf dem Mars registriere man ungewöhnliche Erscheinungen, Objekte bewegen sich auf die Erde zu. Ein Reporter ist live vor Ort bei einer Sternwarte und spricht mit einem Astronomen über die etwas beunruhigenden Sichtungen.

Danach wird die Musikübertragung fortgesetzt, die jedoch recht bald erneut für eine Eilmeldung unterbrochen wird: Bei Grover‘s Mill in New Jersey ging eine ungewöhnliche Kapsel nieder, in der der Geräusche zu hören sind. Der erschütterte Reporter berichtet dramatisch, wie sich die Kapsel öffnet und ihr ein Außerirdischer entsteigt, ein Typ wie ein Bär mit einer Haut wie nasses Leder. Mit einem Feuerstrahl vernichtet er die Umgebung, die Menschen fliehen, man hört Schreie, dann bricht die Übertragung ab.

Einige Menschen geraten in Panik, denn was sie nicht gehört hatten, war die Einleitung am Beginn der vermeintlichen Musikübertragung. Ein gewisser Orson Welles zitierte den leicht geänderten Prolog aus H. G. Wells Roman »Der Krieg der Welten« (The War of the Worlds) aus dem Jahre 1898. Der Regisseur Welles hatte mit dem »Mercury Theatre on the Air« die Handlung des Romans über die Landung von Marsmenschen vom viktorianischen England in die Neuzeit der USA verlegt und daraus ein Hörspiel gemacht. [...]

Orson Welles - War Of The Worlds - Radio Broadcast 1938 - Complete Broadcast

Das Video bringt die verrauschte Originalversion des Hörspiels von 1938 zurück. Wer sich als Radiohörer ungeplant in die vermeintliche Live-Reportage vom Invasionsgeschehen verirrte, konnte damals durchaus glauben, Marsianer hätten die Erde überfallen. Ab Minute 29:00 hört man z.B. wie die Verteidiger Zielkoordinaten bekommen und verzweifelt versuchen mit Geschützfeuer den Angriff zu stoppen.

Hintergrund
Einem Bericht des Deutschlandfunks vom 30. Oktober 2013 zufolge habe jüngere Forschung ergeben, dass die Panik seinerzeit längst nicht so verbreitet war wie in vielen Zeitungen damals dargestellt.

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Massenpsychose an New Yorker Schule (2013)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.02.2020, 20:41 (vor 947 Tagen) @ H. Lamarr

Auszüge aus welt.de vom 9. März 2012:

[...] Mysteriöse Krämpfe, ein Zucken des Gesichts und seltsame Anfälle: Gleich 15 Mädchen im Teenager-Alter melden sich mit der Erkrankung in Le Roy im Staat New York. Dutzende Erwachsene in North Carolina klagen plötzlich über juckende Haut und andere gemeinsame Symptome. In beiden Fällen finden die Ärzte trotz intensiver Untersuchungen keinerlei körperlichen Ursachen. Sie kommen zu dem Schluss, dass es sich um Ausbrüche von Massenpsychose handeln muss.
[...]
Im Falle von Le Roy wurde die Schule auf den Kopf gestellt. Weder Formaldehyd noch Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid, weder Schimmel noch Lösungsmittel oder sonstige Umweltursachen konnten gefunden werden. Sogar die kalifornische Umweltaktivisten Erin Brockovich schaltete sich ein. Doch auch ihre Befürchtung, der Unfall eines Zuges mit Chemikalien 1970 habe das Grundwasser belastet, bestätigte sich nicht.

Die Erklärung, dass es sich um eine von Stress ausgelöste psychische Erkrankung handeln müsse, war für einige der Mädchen und ihre Eltern schwer zu fassen. „Ich will eine Antwort, eine klare Antwort“, erklärte eines der Mädchen im Fernsehen.

Bei der Neurologin Jennifer McVige wurden zehn der betroffenen Schülerinnen vorstellig. „Bei allen der Kids war etwas Größeres vorgefallen“, bemerkte die Ärztin, „etwa eine Scheidung der Eltern oder eine andere erschütternde Situation.“

Ursache ist nicht neurologischer Natur

Frühere Ausbrüche verschwanden in der Regel nach einigen Wochen oder innerhalb weniger Monate. Im Falle von Le Roy tauchten die meisten Fälle Anfang des Jahres auf, bald zeichnete sich eine Besserung ab. Als die Medien sich jedoch zunehmend dafür interessierten, wurden die Symptome bei etwa der Hälfte der Betroffenen wieder schlimmer. [...]

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Mysteriöse Tanzwut (1518)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 04.08.2020, 18:07 (vor 785 Tagen) @ H. Lamarr

Vor bald 500 Jahren, an einem Sommertag Mitte Juli 1518, tritt eine Frau, nach den Quellen eine Madame Troffea, auf die Straßen Straßburgs und beginnt draufloszutanzen. Nun ja, ein kleines Tänzchen hat noch niemandem geschadet. Doch anstatt irgendwann aufzuhören, tanzt und tanzt und tanzt sie. Mit der Zeit gesellen sich Nachahmer hinzu und beginnen mitzumachen. 34 sollen es in der ersten Woche gewesen sein. Ende August - denn so lange hält das merkwürdige Phänomen bereits an - sind es dann schon einige Hundert vor allem weibliche Bürger, die sich Tag und Nacht hin und her bewegen, bis sie vor Erschöpfung, Übermüdung und körperlichen Schmerzen kollabieren. Etliche sterben. [...]

Quelle: Der unheimliche Drehwurm

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Gurtpflicht in Deutschland (1975)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 09.08.2020, 21:07 (vor 780 Tagen) @ H. Lamarr

Selten reagierten die Westdeutschen so hysterisch wie bei der Einführung der Gurtpflicht. 1975 verweigerten sich Millionen Menschen dem Lebensretter Sicherheitsgurt. Männer fürchteten um ihre Freiheit, Frauen um ihren Busen - am Ende spaltete der bizarre Glaubenskrieg die ganze Republik, so wie dies derzeit die Einführung von 5G tut. Damals wie heute sind die Empörungsmuster die gleichen.

[image]Es waren groteske Szenen, die sich in der ersten Januarwoche 1976 an den Ampeln vieler westdeutscher Großstädte abspielten. Fernsehreporter hatten sich dort aufgebaut, und in den Rotphasen steckten sie ihre Mikrofonpuschel in die Autos. "Wie ist es so mit ihm?", fragten sie. Oder: "Warum noch ohne?" Je nachdem, ob sie es mit einem gehorsamen oder renitenten Staatsbürger zu tun hatten.

In genau diese zwei Gattungen Mensch zerfiel 1975 die Bundesrepublik, das ganze Jahr hindurch hatte ein tiefer ideologischer Graben das Land getrennt. Und alles wegen einer profanen Entscheidung der Politik: Bonn hatte zum 1. Januar 1976 die allgemeine Anschnallpflicht auf Pkw-Vordersitzen verfügt. Worüber heute niemand mehr nachdenkt, weil der Griff zum Sicherheitsgurt nach dem Hineinsetzen schon ein Automatismus geworden ist, sorgte Mitte der siebziger Jahre für einen Aufschrei.

Doch was genau hatten die Deutschen damals gegen das Anschnallen? Dass der Gurt helfen konnte, gab eine große Mehrheit sogar zu. 90 Prozent hielten ihn "für ein notwendiges, da sinnvolles aktives Rückhaltesystem", ergab eine damals in der Bundesrepublik in Auftrag gegebene Umfrage. Gegen eine Pflicht zum Einbau hatten zwei Drittel der Befragten nichts einzuwenden. Aber sich selbst anschnallen? Nein danke! Obwohl 1972 bereits 36 Prozent aller Autos Gurte installiert hatten, nutzten ihn im Stadtverkehr nur fünf Prozent der Autofahrer. Auf Autobahnen waren es zwar immerhin 15 Prozent, angesichts der höheren Geschwindigkeiten aber immer noch viel zu wenig. weiter ...

Die Gruppe Truck Stop landete 1977 passend zur grassierenden Gurthysterie einen Hit mit dem Ohrwurm von der Frau mit dem Gurt. Gemeint ist ein Plakat, das an belebten Bundesstraßen und Autobahnen den Oberkörper einer hübschen gut gebauten Frau mit Gurt zeigte, wobei der Gurt ihr einziges Bekleidungsstück war. Wenn ich mich recht entsinne, lautete der Text auf dem Plakat "Oben noch ohne?". Sinn und Zweck dieses und anderer Plakate war es, die Deutschen dazu zu bringen, den Gurt freiwillig anzulegen. Doch es half alles nichts, unbelehrbarer Gurtmuffel wegen musste 1984 das Bußgeld eingeführt werden, das wir heute noch haben.

Das Plakat von der Oben-ohne-Frau mit dem Gurt ist heute im www unauffindbar. Angeblich soll es Autofahrer so stark vom Verkehrsgeschehen abgelenkt haben, dass es seinerzeit zu Unfällen kam und es sicherheitshalber aus der Kampagne genommen werden musste.

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Autofreie Innenstädte – erst gehasst, dann geliebt (2021)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 18.07.2021, 01:13 (vor 438 Tagen) @ H. Lamarr

Neue Verkehrskonzepte sollen Städte lebenswerter machen und dem Klima helfen – sorgen anfangs aber fast immer für heftigen Streit. Wenn die Effekte sichtbar werden, schwindet die Skepsis.

Es ging um 500 Parkplätze. In Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt wollte der Stadtrat den Autos in der mittelalterlichen Altstadt mit ihren teils engen Gassen etwas Platz wegnehmen und blockierten öffentlichen Raum freimachen. Eine Mehrheit der Volksvertreter war für die »autoarme Innenstadt«, Wissenschaftler unterstützen die Idee. Doch es wird nichts daraus.

Denn die Menschen lehnen die Idee ab. Mehr als 60 Prozent stimmten bei einem Bürgerentscheid parallel zur Landtagswahl im Juni gegen die Veränderungen, die Wahlbeteiligung lag bei 57 Prozent. Die Kampagne gegen die Neugestaltung hatte zuvor davor gewarnt, dass weniger Autos im Zentrum zwangsläufig das »Aussterben von jeglichem innerstädtischen Leben« zur Folge hätte und witterten »ideologisierte, autofeindliche Politik«. weiter ...

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Arjenyattah-Epidemie (1983)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.08.2021, 13:41 (vor 419 Tagen) @ H. Lamarr

Die Arjenyattah-Epidemie, in der angelsächsischen Fachliteratur Arjenyattah epidemic oder West Bank epidemic genannt, war eine 1983 im Westjordanland aufgetretene Epidemie, deren Ursache eine Massenhysterie war.

Am 21. März 1983 um etwa 8:00 Uhr Ortszeit klagte eine 17-jährige palästinensische Schülerin in einer Schule in Arrabah im Westjordanland über Atemnot und Schwindel. In den nächsten beiden Stunden entwickelten sechs weitere Schülerinnen ähnliche Symptome. Einige Schülerinnen nahmen den Geruch von Schwefelwasserstoff („faule Eier“) wahr, der – wie sich später herausstellen sollte – vermutlich von einer defekten Toilette im Schulhof stammte. Um etwa 10:00 Uhr trafen nach einem Notruf Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde vor Ort ein. Aufgrund der Berichte der Schülerinnen wurde ein Giftgas als Ursache der Erkrankungen vermutet. Daraufhin begann eine groß angelegte Suche nach der Quelle, die aber erfolglos verlief. Während der Suche traten bei weiteren 17 Schülerinnen die beschriebenen Symptome auf, woraufhin um 11:00 Uhr die Schule geschlossen wurde.[1] Das örtliche Krankenhaus nahm am nächsten Tag 60 Schüler auf.[2]

Eine zweite Erkrankungswelle mit 367 Betroffenen brach am 26. bis 28. März des gleichen Jahres in Dschenin und einigen umliegenden Dörfern aus. Auch hier zeigten zunächst im Wesentlichen Schülerinnen die zuvor aus Arrabah beschriebenen Symptome. Nachdem jedoch die örtliche Bevölkerung ein Fahrzeug beobachtet hatte, das mit starker Rauchentwicklung durch Dschenin fuhr, waren bei den Neuerkrankungen alle Altersklassen und beide Geschlechter betroffen, darunter vier israelische Soldaten.[1]

In Hebron und Yattah, im südlichen Westjordanland, begann am 3. April 1983 die dritte Welle der Epidemie, was zu einer Schließung aller Schulen im Westjordanland führte.[1]

Die Vorgänge führten zu einer intensiven Berichterstattung in den Lokalmedien und zu insgesamt 949 betroffenen Personen. Davon waren 727, entsprechend 77 Prozent, weibliche Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren.[1] Die Patienten beklagten im Wesentlichen Kopfschmerzen, Schwindel, Nephelopsie (Nebelsehen), Bauchschmerzen, Myalgie (Muskelschmerz) und Ohnmacht.[2]

Die Symptome konnten weder durch körperliche Anzeichen noch durch labordiagnostische Methoden bestätigt werden. In Blut und Urin der Betroffenen konnten keine Toxine nachgewiesen werden. Die Schwefelwasserstoffkonzentration am Ort des Ausbruchs der Epidemie wurde mit 0,040 ppm gemessen. Andere Umweltgifte konnten nicht festgestellt werden.[2] Die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) für Schwefelwasserstoff liegt bei 10 ppm.[3] Nachdem weder Vergiftungen noch Umweltschädigungen nachgewiesen werden konnten, endete die Epidemie unvermittelt nach zwei Wochen.[4][5]

Ursachen
Die Ursache der Epidemie war pathogenetisch betrachtet eine psychische Störung.[4] Die Epidemie wurde durch psychologische und nicht-medizinische Faktoren, vor allem durch die öffentliche Aufmerksamkeit der Massenmedien, beeinflusst und war letztlich eine Massenhysterie.[6] Das Phänomen kann dem Nocebo-Effekt zugeschrieben werden.[7]

Quelle: Wikipedia

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TikTok-Videos animieren Backfische zu "Tics" (2021)

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.10.2021, 23:57 (vor 341 Tagen) @ H. Lamarr

Sind TikTok-Videos zum Tourette-Syndrom der Auslöser dafür, dass junge Teenager selber Tics entwickeln? Diese Vermutung wird seit einigen Tagen in diversen Medien geäußert. Vor allem das international bekannte Wall Street Journal wird hierzu als Quelle angegeben.

Darin wird berichtet, dass seit Beginn der Covid19-Pandemie weltweit angeblich vermehrt junge Mädchen mit Tics in Arztpraxen auftauchen. Bei den Tics handelt es sich um körperliche Zuckungen und verbale Ausbrüche. Die Ärzte zeigten sich zunächst ratlos, da dieses Phänomen ursprünglich selten war, nun aber in hoher Anzahl aufgetreten ist.

Gemäß Wall Street Journal stellte sich jedoch nach monatelanger Untersuchung der Patienten durch verschiedene Experten in mehreren Ländern heraus, dass die meisten Mädchen etwas gemeinsam hatten. Sie alle nutzen TikTok und haben Videos von TikTok-Influencern angeschaut, die nach eigenen Angaben am Tourette-Syndrom leiden. Es handelt sich also um Videos, in denen die entsprechenden Akteure unwillkürliche Bewegungen und/oder Geräusche machen. weiter ...

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Hexenverfolgung (1550 – 1650)

H. Lamarr @, München, Samstag, 23.10.2021, 00:06 (vor 341 Tagen) @ H. Lamarr

Als Hexenverfolgung bezeichnet man das Aufspüren, Festnehmen, Foltern und Bestrafen (insbesondere die Hinrichtung) von Personen, von denen geglaubt wird, sie praktizierten Zauberei bzw. stünden mit dem Teufel im Bunde. In Mitteleuropa fand sie vor allem während der Frühen Neuzeit statt. Global gesehen ist die Hexenverfolgung bis in die Gegenwart verbreitet.

Der Höhepunkt der Verfolgungswelle in Europa liegt zwischen 1550 und 1650. Die Gründe für die gegenüber dem Mittelalter in der Frühen Neuzeit deutlich verstärkte massenhafte Verfolgung in einigen Regionen sind vielfältig. So gab es zu Beginn der Neuzeit eine Vielzahl an Krisen wie die Kleine Eiszeit, pandemische Seuchen und verheerende Kriege. Außerdem konnte es erst strukturell zu massenhafter Verfolgung kommen, als einzelne Aspekte des Magieglaubens in das Strafrecht der frühmodernen Staaten übertragen wurden. Ein Interesse an der Verfolgung von Hexen beziehungsweise vorchristlich-germanische Deutungsmuster, die persönliches Unglück wie regionale Missernten und Krisen auf Magie zurückführten, waren in breiten Bevölkerungskreisen vorhanden. Hexenverfolgungen wurden teilweise aktiv wie auch gegen den Willen der Obrigkeit eingefordert und praktiziert.

Insgesamt wird geschätzt, dass in Europa im Zuge der Hexenverfolgung drei Millionen Menschen der Prozess gemacht wurde, wobei 40.000 bis 60.000 Betroffene hingerichtet wurden. Frauen stellten in Mitteleuropa die Mehrzahl der Opfer (etwa drei Viertel der Opfer in Mitteleuropa) wie auch der Denunzianten von Hexerei und Hexen. In Nordeuropa waren Männer stärker betroffen. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Konfessionszugehörigkeit und Hexenverfolgung liegt nicht vor.

Heute sind Hexenverfolgungen insbesondere in Afrika, Südostasien und Lateinamerika anzutreffen.
[...]

Strukturelle Ursachen

► An vielen Universitäten wurde die Verfolgung von Hexen in den verschiedenen Fakultäten theoretisch unterfüttert, diskutiert und gefördert; durch die europaweite Vernetzung der Akademiker fanden derartige Ideen weite Verbreitung.
► Ähnlich wirkte die um 1450 erfundene Innovation des Buchdrucks. Diese Medienrevolution ermöglichte es erst, die neuesten „Erkenntnisse zum Zauberunwesen“ einem größeren Publikum nahezubringen. Das Privileg der Zensur lag dabei meist auf Seiten der Befürworter von Hexenverfolgungen, so dass sie die Publikationstätigkeit dementsprechend steuern konnten.
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Sprengstoffdektektorenphobie am Münchener Flughafen (2015)

H. Lamarr @, München, Samstag, 23.10.2021, 00:46 (vor 341 Tagen) @ H. Lamarr

Im November 2015 meldet der Bayerische Rundfunk: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Atemwegsreizungen. Nach Inbetriebnahme der neuer Sprengstoffdetektoren haben sich 200 SGM-Mitarbeiter krank gemeldet (SGM: Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München mbH). Mehr als 70 sind ins Krankenhaus gegangen, beinahe genauso viele haben Anzeige erstattet. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des Freisinger Landtagsabgeordneten Benno Zierer (Freie Wähler) hervor. Inwieweit tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den Geräten besteht, wird weiter untersucht. Als sich im Oktober 150 Mitarbeiter krank gemeldet haben, hielt ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi die Vorgänge um die neuen Detektoren für "immer dubioser".

Die Dekra hatte zumindest bei zwei "Sniffern" die Ausdünstung von flüchtigen, organischen Verbindungen und Formaldehyd festgestellt. Von einem Weiterbetrieb wurde dringend abgeraten. Darauf wurden vorsichtshalber alle 36 Geräte aus dem Verkehr gezogen. Die Süddeutsche weiß es genauer und weckt erste Zweifel: Die SGM zog den Sniffer aus dem Verkehr und ersetzte ihn durch ein anderes Gerät. Bei der Staatsanwaltschaft gingen Anzeigen gegen unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung ein. Nach dem Gerätetausch hielten die Krankmeldungen an. Die SGM nahm die Ersatzgeräte außer Betrieb, immer noch meldeten sich Mitarbeiter dienstunfähig. weiter ...

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Massenpsychosen: dissoziative Identitätsstörung (1973)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.01.2022, 18:18 (vor 247 Tagen) @ H. Lamarr

Die dissoziative Identitätsstörung wirkt so unglaublich, dass manche immer noch an ihrer Existenz zweifeln. Dabei ist die Störung keineswegs selten: Schätzungen zufolge entwickelt sie etwa einer von 100, Frauen häufiger als Männer. Langsam enthüllen Forscher jedoch, wie die innere Spaltung entsteht.

Betroffene besitzen laut der aktuellen Version des Diagnostischen Manuals Psychischer Krankheiten (DSM-5) mindestens zwei, oft aber viel mehr Identitäten, zwischen denen sie meist unwillkürlich hin- und herwechseln. Dabei kommt es zu typischen Gedächtnislücken – denn die eine Innenperson, wie eine Teilpersönlichkeit auch genannt wird, kann sich nicht daran erinnern, was die andere getan hat. Viele Betroffene wissen bis zur Diagnose nicht einmal, dass sie sich ihren Körper mit anderen teilen.

Wer das schwer zu glauben findet, ist damit nicht allein. Selbst Teile der Fachwelt sind bis heute skeptisch. Ihre These: Die Medien haben das Krankheitsbild erschaffen. Dafür spreche der berühmte Fall Sybil – die Geschichte von Shirley Mason, einer Frau aus Minnesota mit angeblich 16 Persönlichkeiten. Nach Erscheinen des Bestsellers »Sybil« im Jahr 1973 meldeten sich tausende Amerikanerinnen und Amerikaner, die behaupteten, ihnen ginge es ähnlich wie der Protagonistin. In den 1980er Jahren, als die multiple Persönlichkeit erstmals zur offiziellen Diagnose wurde, wurden es zehntausende – es war ein Hype um eine Krankheit, von der die Öffentlichkeit nicht genug bekommen konnte. Heute spricht einiges dafür, dass hinter dem Fall Sybil ein großer Betrug steckt. Masons Psychiaterin hatte ihre Patientin offenbar zu entscheidenden Aussagen verleitet und vom Verkauf ihrer Geschichte profitiert.

Quelle: Zersprungene Seele

Kommentar: Ich sehe Parallelitäten zu "Elektrosensiblen". Einiges spricht dafür, auch deren Krankheitsbild ist auf dem Mist der Medien gewachsen. Neben den Schattenseiten von "Elektrosensibilität" hat dieses Krankheitsbild für nicht wenige Betroffene auch positive Seiten, sie sehen sich z.B. als auserwählte Elite, die früher als andere auf EMF-Exposition ansprechen und als sekundären Krankheitsgewinn Aufmerksamkeit sowie Zuwendung genießen. Und es gibt kommerzielles Interesse an "Elektrosensiblen". In deren Wirkungskreis sind häufig Baubiologen und niedergelassene Umweltmediziner anzutreffen. Vordergründig, um den Betroffenen zu helfen, zuweilen hintergründig, um in der Bevölkerung irrationale Ängste gegenüber EMF zu schüren und so die Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen anzukurbeln.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Geschäftsmodell, EHS, Umweltmediziner, Psychologie, Baubiologen, Identitätsstörung, sekundären Krankheitsgewinn

Massenpsychosen: dissoziative Identitätsstörung

KlaKla, Dienstag, 25.01.2022, 08:03 (vor 246 Tagen) @ H. Lamarr

Kommentar: Ich sehe Parallelitäten zu "Elektrosensiblen". Einiges spricht dafür, auch deren Krankheitsbild ist auf dem Mist der Medien gewachsen. Neben den Schattenseiten von "Elektrosensibilität" hat dieses Krankheitsbild für nicht wenige Betroffene auch positive Seiten, sie sehen sich z.B. als auserwählte Elite, die früher als andere auf EMF-Exposition ansprechen und als sekundären Krankheitsgewinn Aufmerksamkeit sowie Zuwendung genießen. Und es gibt kommerzielles Interesse an "Elektrosensiblen". In deren Wirkungskreis sind häufig Baubiologen und niedergelassene Umweltmediziner anzutreffen. Vordergründig, um den Betroffenen zu helfen, zuweilen hintergründig, um in der Bevölkerung irrationale Ängste gegenüber EMF zu schüren und so die Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen anzukurbeln.

Nicht zu vergessen, eine Vielzahl von Heilpraktiker die Psychotherapie nach HPG anbieten. Wer täuschen will, stellt diese vor als die renommierten Psycho-/Therapeuten und lässt den Zusatz "nach dem HPG" einfach weg. Hervorragendes Verständnis für EHS-Bekenner erweckt man, indem man behauptet, der Therapeut/Arzt ist sehr einfühlsam, ja sogar selbst betroffen. Das Sahnehäubchen ist dann der Titelträger, der angibt unter den Hokuspokus EHS zu leiden. Er und sein Arzt/Therapeut füllen ein paar Spalten in den Boulevardmedien aber auf einschlägigen Webseiten füllen sie ganze Seiten.

Jeden morgen steht ein Dummer auf, du musst ihn nur finden. :flower:

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Meine Meinungsäußerung

Massenpsychosen: dissoziative Identitätsstörung (1973)

KlaKla, Mittwoch, 26.01.2022, 07:38 (vor 245 Tagen) @ H. Lamarr

Kommentar: Ich sehe Parallelitäten zu "Elektrosensiblen". Einiges spricht dafür, auch deren Krankheitsbild ist auf dem Mist der Medien gewachsen.

Beispiel, Wochenblick - Total verstrahlt ... von Julian Schernthaner

Auszug: Elektrosmog und die Umwelt

Ob auch empfundene Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder messbar ist, darüber scheiden sich die Geister. Eine holländische Studie erkannte 2003 einen Zusammenhang beim UMTS-Standard, nicht aber beim GSM-Standard. Andere Forscher kamen zum umgekehrten Ergebnis oder sahen keine Korrelation. Ein Bericht im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Umwelt wiederum fand „ausreichende Evidenz“ für den Einfluss elektromagnetischer Hochfrequenzstrahlen auf menschliche Hirnströme. Die Biologin Isabel Wilke, Redakteurin des Elektrosmog-Reports, spricht sogar von einer möglichen DNA-Schädigung bei Überexposition. Ihr Review von über 100 Studien kam zum Schluss, dass eigentlich sogar von W-LAN-Anwendungen in Schulen abzuraten sei. Die Zweifel an der Messbarkeit kann jedenfalls auch mit der durchtechnisierten Welt zu tun haben. Der Alltag findet selten unter Laborbedingungen statt, gleichzeitig vertrauen immer mehr Anwendungen auf derartige Wellen, die wir oft nicht wahrnehmen. Nicht nur Handy oder W-LAN, sondern auch NFC-Bezahlung, moderne Kfz-Technologie und sogar das Babyfon lassen elektromagnetische Felder entstehen. Sogar die Technik könnte leiden: die US-Luftfahrtaufsicht FAA fürchtet bei 5G gefährliche Interferenzen mit der Flugzeugelektronik im Landemodus.

Kommentar:
Die Biologin Isabel Wilke ist längst im Ruhestand und seit Jahren tätig für den privaten Lobbyverein Diagnose:Funk aus Stuttgart. Der ElektrosmogReport ist seit März 2019 in den Händen von Diagnose-Funk. Es ist kein renommiertes Blatt der Wissenschaft. Ebenso wenig die Verbandszeitschrift Umwelt-Medizin-Gesellschaft (UMG).
Informativ ist der Artikel mMn nicht. Ich sehe darin eher einen Werbeartikel für D-F. So etwas kann man mMn beauftragen und bezahlt wird es von den Spendeneinahnen. Der Anti-5G-Bewegung hilft diese Investition nichts, aber so ist es eine super günstige Werbung für die Lobbyisten/-verein.

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Meine Meinungsäußerung

Massenpsychosen: Erste Ufo-Sichtung (1947)

H. Lamarr @, München, Montag, 25.07.2022, 12:07 (vor 65 Tagen) @ H. Lamarr

Es begann mit einem Missverständnis: Wenn heute in Science-Fiction-Filmen Objekte als fliegende Untertassen bezeichnet werden, hat das mit einem Vorfall vor 75 Jahren zu tun.

Am 24. Juni 1947 war der US-Geschäftsmann und Hobbyflieger Kenneth Arnold am Himmel des US-Bundesstaats Washington unterwegs. Später berichtete er von Lichterscheinungen über dem Mount Rainier. Diese vermeintliche Sichtung von Ufos (unbekannte Flugobjekte) sollte dem Phänomen zu weltweiter Aufmerksamkeit verhelfen.

Missverständnis führte zum Bild der "fliegenden Untertassen"

Neun in der Sonne glitzernde Objekte seien in Staffelformation wie "über Wasser springende Untertassen" an ihm vorbeigerast, sagte Arnold später. In den Berichten über seine Sichtung wurde diese Beschreibung jedoch so verstanden, als ob die Objekte wie Untertassen geformt gewesen wären. Der Begriff "fliegende Untertasse" als Synonym für das Ufo war geboren.

Arnold bestand später darauf, die gesehenen Objekte stets als "Disk" (Scheibe) beschrieben zu haben. In einem Radiointerview vom 7. April 1950 legte er noch mal sein Dilemma dar: "Die meisten Zeitungen haben das missverstanden und falsch zitiert. Sie schrieben, ich hätte gesagt, sie wären untertassenähnlich. Aber ich sagte, sie flogen in der Art wie Untertassen."
[...]
Die Beobachtung von Kenneth Arnold versetzte die Weltöffentlichkeit dermaßen in Aufregung, dass Tausende ähnliche Berichte folgten. "Der Hype passt in eine Zeit, in der kurz nach Kriegsende für die Menschheit wieder Aufschwung und später der eigene Griff nach den Sternen ins Blickfeld rückten", erklärt Ammon rückblickend. Der Medienrummel habe dafür gesorgt, dass sich der Mythos "Außerirdische in fliegenden Untertassen" in den Köpfen der Menschen festsetzte, sagt der Fachmann: "Das bereichert heute unsere Kultur in Form von Science-Fiction-Filmen, Serien und Büchern." zum vollständigen Artikel ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tierprozesse (13. bis 17. Jahrhundert)

H. Lamarr @, München, Freitag, 12.08.2022, 02:10 (vor 48 Tagen) @ H. Lamarr

Ein besonders kurioses Kapitel der Rechtsgeschichte von Tieren sind die Tierprozesse, die vor allem zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert in Archivalien, Prozessakten und Quittungen dokumentiert sind. Egal ob Schweine, Ratten oder Holzwürmer: Tiere wurden für ihr Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen.

Besonders häufig gerieten Schweine mit dem Gesetz in Konflikt. Die Ursache dafür liegt nicht etwa in ihrem Charakter, sondern viel mehr daran, dass es eine große Zahl an Schweinen gab, die als „Müllabfuhr“ frei durch die Gassen streiften. Auch „wohnten“ Tier und Mensch oft unter einem Dach oder teilten in kalten Winternächten gar einen gemeinsamen Schlafraum. Durch den engen Kontakt kam es öfter zu Zusammenstößen mit Menschen.

So beschreibt der französische Historiker Michel Pastoureau den Fall einer Sau, die im Jahre 1386 im französischen Falaise den Arm und Teile des Gesichts eines Säuglings fraß, der daraufhin an den Verletzungen starb. Der Prozess endete mit dem Todesurteil: Dem Schwein wurde zunächst ein Bein ausgerissen, dann wurde es an den Hinterbeinen am Galgen aufgehängt, bis der Tod eintrat. Die Schweine der Stadt wohnten der Hinrichtung als Zuschauer bei. Sie sollten so vom Begehen eigener Straftaten abgeschreckt werden. mehr ...

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Kornkreise (seit 1678)

H. Lamarr @, München, Freitag, 12.08.2022, 11:54 (vor 47 Tagen) @ H. Lamarr

Sommer für Sommer tauchen in Getreidefeldern Kornkreise auf, die viele Schaulustige anlocken. Über ihr Entstehen wird viel diskutiert und spekuliert. Denn häufig entstehen die komplexen Muster innerhalb kurzer Zeit. Stehen sie in Verbindung mit außerirdischem Leben, sind sie ein noch unerklärbares Naturphänomen oder werden sie von Menschen gemacht?

Die Kornkreissaison beginnt in England und auf dem europäischen Festland in der Regel mit der Rapsblüte im April und dauert bis zum Abmähen der Getreidefelder im August. Die meisten Kornkreise werden in den Monaten Juli und August gesichtet. Für das Jahr 2022 verzeichnet das im englischen Wiltshire ansässige Crop Circle Exhibition & Information Centre bis Juli bereits 10 Kornkreise in Großbritannien. In früheren Jahren konnten Kornkreisforscher weltweit teilweise bis zu 300 neue Kornkreismuster pro Jahr dokumentieren. Die Anzahl ist jedoch stark rückläufig.

Nach heutigem Stand des Wissens werden wahrscheinlich die meisten Kornkreise von Menschen gemacht, aber eben nicht alle. Denn einige Kornkreise wiesen bei der Untersuchung durch Wissenschaftler teils schwer erklärbare Veränderungen in der Bodenstruktur auf, wie sie nicht durch die Bearbeitung von Menschen entstehen. mehr ...

Der in Kreisen von Mobilfunkkritikern wohlbekannte Dr. rer. nat. Ulrich Warnke kommentierte einer Sekundärquelle zufolge einen am 9. November 2001 in der Saarbrücker Zeitung erschienenen Artikel über die Arbeit des Kornkreisforschers Andreas Müller die Forschungsergebnisse des BLT Research Teams um Dr. William C. Levengood wie folgt:

"die kreise sind nicht wegzudiskutieren und einfache begründungen wie die, dass sie alle handgemacht sind, reichen nicht aus." weiterhin betont warnke, er kenne levengood, aus der literatur als "seriösen und anerkannten wissenschaftler".

warnke selbst nimmt zum phänomen seine ganz eigene position ein. er glaubt, "dass es sich dabei um abdrücke handeln könnte, die durch satelliten verursacht werden. denn diese raumfahrzeuge seien, wenn sie entsprechend programmiert werden, in der lage, energien über große entfernungen zu transportieren und punktgenau zu bündeln." warnke, der selbst seit 1969 auf dem gebiet "wirkungen elektromagnetischer schwingungen und felder, einschließlich licht auf organismen" forscht, nimmt an, dass es sich dabei um versuche der energiebündelung mit satelliten um einen teil des amerikanischen militärabwehrprogramms von raketenangriffen handeln könnte. auch teilt er die ansicht levengoods, dass das in einigen kornkreisen gefundenen eisenoxid metoritischen ursprungs handeln könnte, welches - wie dies auch levengood vermutet - durch die (wie auch immer gearteten) energiestrahlen in die atmosphäre der erde mitgezogen worden wären.

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Kornkreise

Kornkreise (seit 1678)

Alexander Lerchl @, Freitag, 12.08.2022, 21:51 (vor 47 Tagen) @ H. Lamarr

Der in Kreisen von Mobilfunkkritikern wohlbekannte Dr. rer. nat. Ulrich Warnke kommentierte einer Sekundärquelle zufolge einen am 9. November 2001 in der Saarbrücker Zeitung erschienenen Artikel über die Arbeit des Kornkreisforschers Andreas Müller die Forschungsergebnisse des BLT Research Teams um Dr. William C. Levengood wie folgt:

"die kreise sind nicht wegzudiskutieren und einfache begründungen wie die, dass sie alle handgemacht sind, reichen nicht aus." weiterhin betont warnke, er kenne levengood, aus der literatur als "seriösen und anerkannten wissenschaftler".

warnke selbst nimmt zum phänomen seine ganz eigene position ein. er glaubt, "dass es sich dabei um abdrücke handeln könnte, die durch satelliten verursacht werden. denn diese raumfahrzeuge seien, wenn sie entsprechend programmiert werden, in der lage, energien über große entfernungen zu transportieren und punktgenau zu bündeln." warnke, der selbst seit 1969 auf dem gebiet "wirkungen elektromagnetischer schwingungen und felder, einschließlich licht auf organismen" forscht, nimmt an, dass es sich dabei um versuche der energiebündelung mit satelliten um einen teil des amerikanischen militärabwehrprogramms von raketenangriffen handeln könnte. auch teilt er die ansicht levengoods, dass das in einigen kornkreisen gefundenen eisenoxid metoritischen ursprungs handeln könnte, welches - wie dies auch levengood vermutet - durch die (wie auch immer gearteten) energiestrahlen in die atmosphäre der erde mitgezogen worden wären.

Achduliebezeit. Passt aber ins Bild des bekannten Esoterikers.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Septembermorde 1792 in Frankreich

H. Lamarr @, München, Montag, 12.09.2022, 23:19 (vor 16 Tagen) @ H. Lamarr

Anfang September 1792, wenige Jahre nach Ausbruch der Französischen Revolution, rumorte es in Paris. Dann entlud sich die von Falschmeldungen angeheizte Stimmung in einem fürchterlichen Massaker an Gefängnisinsassen.

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