Erforderliche Anzahl von 5G-Standorten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 12:35 (vor 1635 Tagen)

Die für 5G erforderliche Anzahl an zusätzlichen Standorten für Sendemasten ist Gegenstand zahlloser Werteangaben. Obwohl 5G noch in den Startlöchern steckt, werden schon die unterschiedlichsten Zahlen genannt. Dieser Strang will ohne Anspruch auf Vollständigkeit Zahlen nennen, die Experten und Scheinexperten in ihren Glaskugeln gesehen haben wollen.

Zu beachten ist, dass unterschiedliche Angaben herum geistern, die nicht miteinander vergleichbar sind. Die einen nennen die Anzahl der Standorte (für Funkmasten), andere die Anzahl der Funkmasten (an einem Standort können mehrere Funkmasten stehen) und wieder andere reden von Antennen (an einem Funkmasten können mehrere Antennen montiert sein).

Das Tohuwabohu bei den genannten Zahlen beruht darauf, dass für eine flächendeckende 5G-Versorgung bis hin zur letzten Milchkanne oder Weißtanne gegenwärtig nur Prognosen vorgetragen werden, nicht aber gesagt wird, unter welchen Voraussetzungen diese zustande kamen. Extrem hohe prognostizierte Zahlen gehen irreführend davon aus, dass das gesamte Land mit den neuen, bislang von Mobilfunk nicht genutzten hohen Trägerfrequenzen (z.B. 3,6 GHz) versorgt wird. Doch das ist eine unrealistische Annahme, denn hohe Trägerfrequenzen ab etwa 2 GHz bieten zwar viel Bandbreite und damit Übertragungskapazität, wegen kurzer Reichweite (ungefähr 500 Meter bis 1 Kilometer) sind sie für die Flächenversorgung jedoch ungeeignet. Für die Fläche eignen sich tiefe Trägerfrequenzen z.B. von 700 MHz bis 900 MHz wegen ihrer größerer Reichweite (mindestens 5 Kilometer) viel besser. Dass dann die Übertragungskapazität schwächer ist stört nicht weiter, da die Siedlungsdichte auf dem Land weitaus geringer ist als in Ballungsgebieten. Offensichtlich ist, Standorte für 5G mit tiefe Trägerfrequenzen müssen (auf dem Land) zum Zweck einer lückenlosen Netzabdeckung weitaus weniger dicht errichtet werden als Standorte für 5G mit hohen Trägerfrequenzen (in Ballungsgebieten). Welchen Mix aus hohen/tiefen Trägerfrequenzen ein Netzbetreiber für seinen Netzausbau verwenden kann, hängt maßgebend davon ab, in welchen Frequenzbändern er Lizenzen ersteigert hat. Mehr Hintergründe, wie Trägerfrequenzen und Netzabdeckung zusammenhängen, berichtet N-TV in einem Beitrag von Klaus Wedekind.

Aber darf ein Netzbetreiber, der z.B. eine Lizenz für GSM900 erworben hat, diese tiefe Trägerfrequenz einfach so von GSM auf 5G umwidmen, um mit vorhandenen Standorten (aber neuer Technik) eine 5G-Flächenversorgung zu erzielen? Ja, darf er, wie die Deutsche Bundesregierung gegenüber der Fraktion der Grünen erläuterte (Drucksache 19/04379):

Das Telekommunikationsgesetz (TKG) sowie der europäische Rechtsrahmen sehen vor, dass Zuteilungen für Frequenznutzungsrechte technologie- und diensteneutral erfolgen. Daher ist es den Netzbetreibem überlassen, welche Funktechnik sie in welchem Frequenzband für die Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle bzw. bedarfsgerechte Versorgung ihrer Kunden einsetzen Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Netzausbau nicht mit 5G vorgenommen wird. 5G bezeichnet nicht nur eine neue Funktechnik - teilweise als "5G-New Radio" bezeichnet – sondern auch eine Netzstruktur. Auch ein LTE-Netz kann Teil dieser Netzstruktur sein, um den Kunden bedarfsgerecht mobile Breitbandverbindungen zur Verfügung zu stellen. Für die Erfüllung der Versorgungsauflagen können die Netzbetreiber alle ihnen zugeteilten Frequenznutzungsrechte einsetzen – insbesondere auch Spektrum unterhalb 1 GHz.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Telekom-Vorstand Dirk Wössner: 40'000 Standorte

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 12:41 (vor 1635 Tagen) @ H. Lamarr

Wann genannt?: 19.11.2019
Wie viele?: Anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung sagte Dirk Wössner, die Telekom habe derzeit in Deutschland rd. 30'000 Standorte, für 5G benötige sie 10'000 weitere. Originaltext: "Seit 30 Jahren betreiben wir ungefähr Mobilfunk. Und wir, Telekom, haben in 30 Jahren 30.000 Standorte gebaut. 30.000 Antennen, Dachstandorte im ganzen Land. Um das zu erreichen, was Sie hier vorne erreichen wollen, muss ich in den nächsten ungefähr vier Jahren noch einmal 10.000 Standorte bauen."
Über die Gesamtanzahl zusätzlicher Standorte (inklusive Wettbewerber) machte Wössner keine Angaben.
Quelle: https://www.telekom.com/de/konzern/details/5g-mythos-trifft-auf-wirklichkeit-586132

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Bitkom-Präsident Achim Berg: 800'000 Funkmasten

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 13:21 (vor 1635 Tagen) @ H. Lamarr

Wann genannt?: 26.11.2018
Wie viele?: Originaltext: [...] "Jetzt wird Spektrum bei 3,6 Gigahertz versteigert, das ist allerdings wegen ungünstiger Ausbreitungsbedingungen für die Flächenversorgung gänzlich ungeeignet. Anstelle von 60.000 Funkmasten braucht man im 3,6er Band 800.000 Funkmasten um 98% der Haushalte mit 5G zu versorgen. Deutschland müsste im Abstand von je einem Kilometer mit Funkmasten gespickt und schachbrettmusterartig aufgebaggert oder aufgefräst werden. Dagegen entstehen jetzt schon die ersten Bürgerinitiativen."
Quelle: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Bitkom-Praesident-Achim-Berg-zur-Entscheidung-der-Bundesnetzagentur-ueber-die-5G-Vergaberegeln

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Diagnose-Funk-Vorstand Jörn Gutbier: 300'000 Sendeanlagen

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 16:59 (vor 1635 Tagen) @ H. Lamarr

Wann genannt?: 22.01.2019
Wie viele?: Anlässlich der Haushaltsdebatte in Herrenberg nannte Fraktionschef Gutbier in seiner Rede eine Zahl: "Nach den Angaben der Mobilfunkbetreiber reden wir bei 5G bundesweit über den Zubau von 300.000 neuen Mobilfunksendeanlagen."
Quelle: https://izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=66855

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Telekom-Konzernchef Tim Höttges: 100'000 Sendemasten

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 17:20 (vor 1635 Tagen) @ H. Lamarr

Wann genannt?: 28.03.2019
Wie viele?: Die Wirtschaftswoche schreibt anlässlich der Telekom-Hauptversammlung 2019: Wenn mit den gerade in Mainz versteigerten Frequenzen ein deutschlandweites 5G-Mobilfunknetz aufgebaut werden soll, dann müsste alle 500 Meter ein neuer Sendemast aufgestellt werden, rechnet der Telekom-Chef vor. Statt der exakt 28.783 Funktürme, die heute im Einsatz sind, wären dann 100.000 Sendemasten erforderlich. Der Bau eines flächendeckenden 5G-Netzes sei deshalb mit den jetzt versteigerten Frequenzen überhaupt nicht möglich.
Quelle: https://www.wiwo.de/unternehmen/it/deutsche-telekom-der-staat-treibt-den-preis-fuer-die-5g-netze-hoch/24155514.html

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Asut-Chef Peter Grütter (CH): 15'000 ... 20'000 neue Masten

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2019, 19:00 (vor 1635 Tagen) @ H. Lamarr

Wann genannt?: 02.03.2019
Wie viele?: Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche sagte der Präsident des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation: "Wenn die Grenzwerte so bleiben und nichts geschieht, dann bleibt nur, neue Masten zu bauen. Nach unseren Berechnungen bräuchte es 15.000 bis 20.000 Stück, um die gesamte Schweiz abzudecken. Das ist unmöglich bis Ende des Jahres zu schaffen, ja fraglich, ob es überhaupt gelingen kann. Bei jedem Mast redet der Gemeindevorsteher mit, kann ein Veto einlegen. Ich würde sagen: wenn eine Grenzwerterhöhung nicht kommt, wird es keinen flächendeckenden 5G Ausbau in der Schweiz geben."
Quelle: https://www.wiwo.de/politik/europa/peter-gruetter-schweiz-zeigt-wie-deutschland-5g-laengst-nutzen-koennte/24051762.html

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Anonymer Kommentator: 750'000 Sendeeinheiten oder mehr

H. Lamarr @, München, Dienstag, 25.02.2020, 22:44 (vor 1548 Tagen) @ H. Lamarr

Ein anonymer Kommentator (CrossingHeart) kommt hier nur deshalb zu Wort, weil er sich in einem Telekom-Blog äußerte und Antwort von einem Telekom-Blogger erhielt.

Wann genannt?: 27.04.2019
Wie viele?: "Wie ich nachlesen konnte gibt es derzeit ca. 30.000 Sendemasten für LTE. Für 5G werden aber bis zu 750.000 ! Sendeeinheiten benötigt! Oder auch noch mehr. Und es kann sogar sein, dass Sendeeinheiten zusätzlich an Straßenlaternen und auch Hauswänden installiert werden müssen. [...]
Quelle: https://www.telekom.com/de/blog/netz/artikel/heptaband-antenne-5g-530618#5cc4ab36609c463c4b9d4150

Antwort: Telekom-Blogger Markus Jodl antwortete am 29.04.2019 "Vergessen Sie die 750.000. Das ist ein Quatsch-Zahl. Hier wird eine flächendeckende Versorgung mit einem 3,5 GHz-Band 'gerechnet' - da liegt keine Funknetzplanung dahinter. Niemand wird ein solches Netz bauen."

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Es war einmal: Das Märchen von den zahllosen 5G-Standorten

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 08.12.2022, 00:41 (vor 531 Tagen) @ H. Lamarr

Die für 5G erforderliche Anzahl an zusätzlichen Standorten für Sendemasten ist Gegenstand zahlloser Werteangaben. Obwohl 5G noch in den Startlöchern steckt, werden schon die unterschiedlichsten Zahlen genannt. Dieser Strang will ohne Anspruch auf Vollständigkeit Zahlen nennen, die Experten und Scheinexperten in ihren Glaskugeln gesehen haben wollen.

Organisierte Mobilfunkgegner überboten sich vor und während der Einführung von 5G gegenseitig mit Warnungen vor der angeblich unerforschten 5G-Technik. Zugleich wurden fantastisch hohe Zahlen für kommende 5G-Standorte kolportiert, um in der Bevölkerung irrationale Ängste gegenüber 5G zu wecken und zu schüren.

Zahlen aus Frankreich deuten jetzt darauf hin, dass die prophezeiten fantastisch hohen Zahlen der 5G-Standorte nichts als heiße Luft waren.

Die französische Funknetzagentur ANFR weist mit einer Pressemitteilung vom 6. Dezember 2022 darauf hin, dass es Stand 1. Dezember 2022 in Frankreich (inkl. ausländische Besitzungen) 62'857 Mobilfunkstandorte gab, 319 mehr als am 1. November. Davon hat ANFR 37'571 Standorte für 5G zugelassen, von denen wiederum 28'432 technisch betriebsbereit sind. Der Clou dabei: Fast alle 5G-Funkmasten wurden an bestehenden Standorten errichtet, die bereits von 2G, 3G oder 4G genutzt werden. Nur fünf Standorte beherbergen exklusiv 5G!

Wo sind sie nur abgeblieben, die einst kolportierten abertausenden 5G-Funkmasten?

Aller Voraussicht nach sind in Frankreich, so wie auch in Deutschland, die Standorte von Kleinzellen nicht in den Standortstatistiken enthalten. Grund dafür ist deren geringe maximale Strahlungsleistung (EIRP) von höchstens 10 W, die für Kleinzellen (egal ob 5G oder 4G) zugelassen ist. Den Antennen einer Kleinzelle darf man sich deshalb auf weniger als 1 Meter nähern, ehe es zu einer Grenzwertüberschreitung kommen kann. Die Antennen von Kleinzellen befinden sich nicht mehr auf den Dächern hoher Häuser, wie die Funkmasten von Markozellen, sondern in wenigen Metern Höhe über Straßenniveau.

In Deutschland ist die Anzahl der betriebenen Kleinzellen gleichwohl der BNetzA bekannt und die Standorte werden in der EMF-Karte im Reiter "SmallCells" auch angezeigt. Kleinzellen haben nur geringe Reichweite und werden an Publikumsbrennpunkten installiert, um hohes Verkehrsaufkommen abzuwickeln. Ob es jemals die prophezeiten abertausenden Standorte für 5G-Kleinzellen geben wird bleibt abzuwarten, bislang wurden noch keine Zahlen veröffentlicht.

Hintergrund
EU-Kommission legt Technikmerkmale für 5G-Kleinzellen fest
5G: Selbstverpflichtung statt Novelle der 26. BImSchV

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Es war einmal: Markus Jodl vs. 750'000 Mobilfunkstandorte

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 27.04.2023, 12:30 (vor 391 Tagen) @ H. Lamarr

Die für 5G erforderliche Anzahl an zusätzlichen Standorten für Sendemasten ist Gegenstand zahlloser Werteangaben. Obwohl 5G noch in den Startlöchern steckt, werden schon die unterschiedlichsten Zahlen genannt. Dieser Strang will ohne Anspruch auf Vollständigkeit Zahlen nennen, die Experten und Scheinexperten in ihren Glaskugeln gesehen haben wollen.

Organisierte Mobilfunkgegner überboten sich vor und während der Einführung von 5G gegenseitig mit Warnungen vor der angeblich unerforschten 5G-Technik. Zugleich wurden fantastisch hohe Zahlen für kommende 5G-Standorte kolportiert, um in der Bevölkerung irrationale Ängste gegenüber 5G zu wecken und zu schüren.

Telekom-Pressesprecher Markus Jodl versuchte 2019 in dieser Diskussion dem Gerücht Herr zu werden, die damals erst am Horizont sichtbaren Spitzen von 5G-Funkmasten würden in Deutschland zu bis zu 750'000 Mobilfunkstandorten führen, um die flächendeckende Versorgung bis hin zur letzten Milchkanne zu gewährleisten. Einen beratungsresistenten Mobilfunkkritiker überzeugen zu wollen gleicht allerdings der Quadratur des Kreises. Nicht nur im Rückblick wirkt die Diskussion ein wenig absurd. Jüngsten Angaben der BNetzA zufolge gab es am 1. Februar 2023 in Deutschland, rd. 3½ Jahre nach Versteigerung der 5G-Lizenzen, 73'886 standortbescheinigungspflichtige Mobilfunkstandorte.

Hintergrund
Wir üben Desinformieren (9): 5G benötigt 800'000 Sendeanlagen
Mobilfunkstandorte in Deutschland: Entwicklung der Anzahl

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