Basler Forscher hielten 2001 acht von 25 EHS für plausibel (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Freitag, 29.11.2019, 22:59 (vor 306 Tagen)

Auszug aus Oekoskop 3/2018 (Zeitschrift der AefU):

[...] Im Jahr 2001 wurde an der Universität Basel in Zusammenarbeit mit verschiedenen kantonalen Umweltfachstellen erstmals in Projektform für die Dauer eines Jahres eine umweltmedizinische Beratungsstelle angeboten. Ein interdisziplinäres Expertenteam untersuchte betroffene PatientInnen somatisch, psychologisch/psychosozial und umweltbezogen. Bei 40% der Untersuchten fand sich ein plausibler Zusammenhang der beklagten Symptome mit Umwelteinflüssen, obwohl Schadstoffgrenzwerte eingehalten waren. Das Expertenteam stellte ausserdem fest, dass häufig auch psychische und/oder somatische Faktoren eine Rolle spielen. Die im Beratungsgespräch vorgeschlagenen Massnahmen haben den Betroffenen mehrheitlich geholfen. Das Projekt konnte nicht weitergeführt werden, weil es zu zeit- und kostenintensiv war.

Um was es damals ging, lässt sich in der wissenschaftlichen Projektveröffentlichung nachlesen (Symptoms attributed to the environment – a systematic, interdisciplinary assessment).

Eine Arbeitsgruppe (Huss et al.) akquirierte im Raum Basel 95 Personen, die sich von Umwelteinflüssen im Privatleben geschädigt sahen. Von diesen nahmen 62 an der Studie teil. Jeder Teilnehmer konnte die Umweltgrößen nennen, die er als Verursacher seiner Symptome in Verdacht hatte. Dann wurden alle Teilnehmer medizinisch und psychiatrisch auf Auffälligkeiten hin untersucht sowie eine Umweltuntersuchung auf die Verdachtsgrößen vorgenommen. Abschließend diskutierte die Arbeitsgruppe mit den Untersuchern jeden einzelnen Fall und werte den Verdacht der Person auf einer Skala von 1 (unplausibel) bis 5 (sehr plausibel).

25 der 62 Personen hatten als symptomverursachende Umweltgröße elektromagnetische Felder (EMF) in Verdacht, entweder exklusiv oder in Verbindung mit anderen Umwelteinflüssen der Kategorien Innenraumluft, Einwirkung von draußen, Lärm und Andere. EMF wurde nach der Innenraumluft am häufigsten verdächtigt. Insgesamt nannten die 62 Studienteilnehmer 132 verdächtige Umwelteinflüsse und schilderten 202 Symptome. Von den 25 Fällen, die EMF nannten, wurden 17 als unplausibel eingestuft, acht als plausibel. Insgesamt wurden rd. 60 Prozent (37 Fälle) aller 62 Fälle als unplausibel eingestuft, 40 Prozent (25 Fälle) als plausibel.

Auffällig war bei den 37 unplausiblen Fällen der hohe Anteil von Personen mit psychiatrischer Diagnose (83,8 Prozent, 31 Fälle), die sich etwa als somatoforme Störung, Depression oder Angststörung bemerkbar machte. Bei den 25 plausiblen Fällen hatten nur elf Personen (44 Prozent) eine psychiatrische Diagnose. Insgesamt konnten 46 Prozent aller Symptome, die von rd. 60 Prozent der Teilnehmer geschildert wurden, allein mit psychiatrischen Faktoren erklärt werden. Gleichwohl legen die Studienautoren Wert auf die Feststellung, dass eine psychiatrische Diagnose allein kein Grund sein darf, den Umweltverdacht einer betroffenen Person nicht ernst zu nehmen. Denn die insgesamt 25 plausiblen Fälle verteilen sich in etwa zur Hälfte auf psychiatrisch unauffällige und auffällige Personen. Erst die interdisziplinäre Betrachtung mit medizinischer, psychiatrischer und umweltanalytischer Expertise könnte mehr Klarheit in den Fall eines umweltmedizinischen Patienten bringen.

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