EMF & oxidativer Stress: Mobilfunkgegner nicht völlig daneben (Forschung)

Gast, Mittwoch, 27.11.2019, 00:09 (vor 299 Tagen)

Was oxidativen Stress betrifft ist die Aussage des Robert-Koch-Instituts (RKI) weiterhin gültig. Die Argumentationslinie der Mobilfunkgegner ist nicht grundsätzlich falsch, es müsste aber erst einmal sicher nachgewiesen werden, dass elektromagnetische Felder überhaupt oxidativen Stress verursachen, und zwar über den Ausmaß dessen hinaus, was physiologisch normal ist. Das ist bei der Qualität vorliegender Studien nicht der Fall.

Wenn Roland Glaser sagt, mit oxidativem Stress könne man alle möglichen Gesundheitsprobleme erklären, so hat er damit recht. Grundsätzlich essen wir und atmen tun wir auch. Nährstoffe werden oxidiert, es entsteht Energie, die die Grundlage des Lebens von allen Organismen ist, die atmen. Und das sind die meisten. Dabei passiert es immer wieder, dass ein Sauerstoffatom übrig bleibt und etwas anderes oxidiert, z.B. die DNA. Dann entsteht ein DNA-Schaden, der enzymatisch repariert wird. Das ist alles normal und kein Grund zur Aufregung. Da die Reparatur aber nicht zu 100 Prozent klapp, summieren sich im Laufe eines Lebens die Reparaturfehler. Das hat Folgen: Wir altern, die Krebsrate steigt und wesentlich älter als 100 werden wir nur sehr selten. Auch das ist alles normal. Sollte EMF-Einwirkung diesen Prozess nun maßgeblich beschleunigen, wäre dies jedoch weniger schön. Doch unterhalb der Grenzwerte ist so eine Wirkung extrem unwahrscheinlich. Aber: Hohe Temperaturen beschleunigen alle chemischen Prozesse, auch die Oxidation. Oberhalb der Grenzwerte, wenn EMF Körpergewebe merklich erwärmt, ist eine unerfreuliche Oxidation deshalb nicht ganz ausgeschlossen.

Das, was Wikipedia zu oxidativem Stress schreibt, ist auf jeden Fall richtig – nur umfangreicher und komplizierter als meine Darstellung. Grundsätzlich gilt: zu viel oxidativer Stress ist schlecht, zu wenig aber auch.

Auch Vater Staat kümmert sich. Die Ressortforschung des BMU sieht eine bewertende Literaturstudie zum Einfluss elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder auf oxidative Prozesse bei Mensch und Tier vor. Die Arbeit soll alle Frequenzen umfassen, also 50-Hz-Stromnetze genauso wie 5G. Mit Ergebnissen ist Ende 2020 zu rechnen, dann wissen wir mehr.

Hintergrund
Klaus Scheidsteger über oxidativen Stress

Tags:
RKI, Oxidativer Stress, Scheidsteger

Oxidativer Stress & Aluminium

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 27.11.2019, 00:45 (vor 299 Tagen) @ Gast

Die Argumentationslinie der Mobilfunkgegner ist nicht grundsätzlich falsch, es müsste aber erst einmal sicher nachgewiesen werden, dass elektromagnetische Felder überhaupt oxidativen Stress verursachen, und zwar über den Ausmaß dessen hinaus, was physiologisch normal ist.

Einverstanden, aber es muss nicht alles elektromagnetischen Feldern in die Schuhe geschoben werden.

Auszug aus Bundesinstitut warnt vor Risiken durch Aluminium im Körper vom 19.11.2019:

Möglicherweise nehmen viele Menschen in Deutschland deutlich zu viel Aluminium auf. Eine der bedeutsamsten Quellen hat die Experten überrascht.
[...]
Quellen für das Metall sind unter anderem Lebensmittel, unbeschichtete Menüschalen und Alufolie. Eine bedeutendere Rolle als bisher allgemein angenommen spielen Kosmetika, so der leitende Autor der Studie, Thomas Tietz, gegenüber dem Tagesspiegel. Dazu gehören aluminiumhaltige Deos (Antitranspirantien, also Produkte, die die Schweißbildung hemmen und nicht nur per Duft den Geruch überdecken), Zahncremes und Sonnencremes.
[...]
Alu-Verbindungen können entzündliche Effekte oder oxidativen Stress in Zellen auslösen und diese somit schädigen. Außerdem können sie den Stoffwechsel der Zelle beeinträchtigen, sodass diese nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt ist.

Ganz so einfach, wie Mobilfunkgegner Klaus Scheidsteger die Risiken dieser Welt sieht, scheint es also nicht zu sein. Viele Wege führen nach Rom, noch viel mehr zum Tod durch Sterben :-).

Vor mehr als zehn Jahren hat mich der Anti-Mobilfunk-Physiker Volker Schorpp anlässlich der Ausbrütung der Bamberger Mobilfunk-Erklärung davor gewarnt, den Aludeckel von Joghurtbechern abzuschlecken. Das sei extrem ungesund. Ernst genommen habe ich seine Warnung nicht und unverdrossen weiter geschleckt, jedes mal musste ich aber an unser Gespräch in Bamberg denken. Aus der Luft gegriffen war seine Warnung offensichtlich nicht. Doch führt Schlecken am Aludeckel von Joghurtbechern überhaupt zu einer nennenswerten Aufnahme von Aluminium? Heute wollte ich es endlich wissen. Die Schnellrecherche dauerte nur Sekunden. Schon merkwürdig wie lange man manchmal tatenlos herumeiert, bevor man einem Gerücht auf den Grund geht.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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