Pfarrer Thiede vs. 5G-Ketzer (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 23.07.2019, 19:09 (vor 144 Tagen)

Für mich ist der Theologe Werner Thiede ein technisch hoffnungslos desorientierter Hetzer gegen alles, was irgendwie mit Funk zu tun hat. Thiede verwurstet seine Desinformation über Mobilfunk gerne in Büchern, die bei Amazon reihenweise auffallend positive (Gefälligkeits-)Bewertungen ernten. Jetzt glaubt der Kirchenmann, in Ausgabe 3/2019 der alternativmedizinischen Zeitschrift "Die Naturheilkunde", von ihm erkannter "Desinformation" über 5G öffentlich entgegen treten zu müssen.

Pfarrer sind seit langem in der Anti-Mobilfunk-Szene eine feste Größe, sie verstehen zwar die Technik nicht, wettern aber trotzdem leidenschaftlich gegen das vermeintliche Teufelszeug Mobilfunk. Einer ihrer fanatischsten Vertreter war in der Jungsteinzeit der Mobilfunkgegnerei Pfarrer Engelbrecht, gegen den sich allerdings kürzlich Widerstand regte.

War Engelbrecht ein eher belächelter Poltergeist, gibt sich Thiede konzilianter, er scheitert nicht am ungehobelten Ton, sondern an seinem technischen Unverständnis für grundlegende Sachfragen der Funktechnik. So nimmt es nicht Wunder, dass er z.B. sogar völlig harmlose batteriegespeiste Smart Meter als gefahrenbringend einstuft und verdammt.

Dass nun ausgerechnet einer, der Desinformation über Funk gerne in die Öffentlichkeit trägt, aufschwingt, sich seinerseits über angebliche Desinformation zu 5G auszulassen, ist fast schon ein Witz. Oder es ist die Anwendung eines alten rhetorischen Tricks: Wirf alles das, was dir deine Gegner vorwerfen, du deinen Gegnern vor. So wird aus einem Gejagten ruckzuck ein Jäger.

Was Jäger Thiede glaubt, an angeblicher 5G-Desinformation "richtigstellen" zu müssen, das kann man sich in diesem PDF ansehen (5 Seiten). Auch dort lassen sich bekannte rhetorische Tricks ausmachen.

Ein Beispiel:

Zweite Falschbehauptung:
„Zu einer Gesundheitsgefährdung durch 5G gibt es bislang keinerlei konkrete wissenschaftliche Untersuchungen.“

So liest man es im Handelsblatt. Obwohl das naturgemäß bei der neuen Technologie beinahe zu erwarten wäre, stimmt es so nicht. Jörn Gutbier erklärt als Vorstandsvorsitzender der Verbraucherorganisation Diagnose:Funk: „Es gibt fünf öffentlich bekannte Untersuchungen zu 5G mit besorgniserregenden Ergebnissen … Die Forschergruppen fordern einen Ausbaustopp, bis medizinische Risiken geklärt sind.“ 5G sei gleichsam Russisch Roulette, warnen zwei US-Radiologen im International Journal of Radiation Oncology.

Da Thiede die Eigenkompetenz fehlt, der angeblichen Falschbehauptung aus eigener Kraft zu entgegnen, bemüht er "Autoritäten", die für ihn die Gegenrede führen. Doch Jörn Gutbier ist Baubiologe und gelernter Architekt und damit ganz sicher keine kompetente Autorität, auf die man sich vor Fachpublikum berufen kann. Der Trick funktioniert deshalb nur mit Laienpublikum. Diesem aber kann sich Thiede gewiss sein, denn zu dem Magazin "Die Naturheilkunde", – es zielt auf Ärzte mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren, Heilpraktiker und Therapeuten, Apotheker, Institute und Mitglieder von Naturheilverbänden, Heilpraktikerschulen und Ausbildungsstätten, – verirrt sich mit Sicherheit kein Wissenschaftler der Bioelektromagnetik oder ein 5G-Experte. Ergo kann Thiede unbesorgt Scheinautoritäten als Paladine ins Rennen um die Glaubwürdigkeit schicken, auch wenn deren im wissenschaftlichen Habitus vorgetragene Verlautbarungen in der Fachwelt soviel Belang haben, wie wenn ein Hund den Mond anbellt.

Hintergrund
Autoritäten vorzuschieben ist ein bekannter rhetorischer Trick
Peinliche Rezensionen des neuen Buches von Pfarrer Thiede

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Rhetorik, Inkompetenz, Nutznießer, Trittbrettfahrer, Netzwerk, Kommerz, Entlarven, Thiede, Eristische Dialektik, Theologe, Buchautor, Autorität, 5G-Tea-Party

Pfarrer Thiede: Du sollst kein falsches Zeugnis geben ...

Gast, Donnerstag, 25.07.2019, 21:37 (vor 142 Tagen) @ H. Lamarr

Ein kurzer Blick in den Thiede'schen "Naturmedizin"-Artikel zeigt:
Wieder einmal nimmt Herr Pfarrer im Ruhestand es mit dem achten Gebot, nichts Falsches zu behaupten, nicht so genau.

[Zitat Thiede]:
Siebte Falschbehauptung:
„Die neue 5G-Technik lenkt die Mobilfunkstrahlen gezielt dorthin, wo sie gerade gebraucht werden.“
[...]
In Expertenkreisen fragt man sich, ob es womöglich durch solche Fokussierungen in bestimmten Bereichen sogar zu unzulässig hohen Emissionen bzw. Immissionen kommen könnte, also zu Überschreitungen der ohnehin schon extrem hohen Grenzwerte.
Dabei ist zu bedenken: „Diese gebündelte Strahlung berücksichtigt die aktuell gültigen Grenzwerte für Mobilfunkanlagen jedoch nicht: Sie sind für konstante Strahlung und breite Streuung ausgelegt.“ (43)

[Zitat Ende]

Mal abgesehen von der krassen Unlogik dieses ganzen Abschnitts, hier die Quelle 43 (Schweizer Boulevardblatt "Blick.ch"), etwas weniger gekürzt, damit jeder gut vergleichen kann, was der außerplanmäßige Theologieprofessor und Pfarrer i.R. aus dem Original-Kaffeesatz heraus gelesen hat:

[Zitat "Blick"]
Diese gebündelte Strahlung berücksichtigen die aktuell gültigen Grenzwerte für Mobilfunkanlagen jedoch nicht: Sie sind für konstante Strahlung und breite Streuung ausgelegt.
«Die Rechtslage ist im Moment einfach noch unklar», sagt Urs Walker, der beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) die Abteilung leitet, die sich mit Mobilfunkstrahlung befasst. Darum werden die adaptiven Antennen manchmal noch so behandelt, als würden sie in alle Richtungen mit der maximalen Intensität strahlen. So ist die 5G-Strahlung stark überbewertet und sprengt in vielen Fällen die Grenzwerte[…]

[Zitat Ende]

Und das alles bei "Blick" unter dem Aufmacher:
"Die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G geht langsamer voran, als es Swisscom und Co. lieb wäre. Ein Grund: die Angst der Anwohner vor Mobilfunkstrahlen. Berechtigt ist diese aus Sicht der Wissenschaft nicht."

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