5G-Antennen: Ericsson-Experte Törnevik widerlegt Hans-U. Jakob (Technik)

H. Lamarr @, München, Montag, 15.07.2019, 00:09 (vor 699 Tagen)

Seit Herbst 2017 gibt Gigaherz-Präsident Jakob den 5G-Experten. Zentraler Dreh- und Angelpunkt seiner alarmierenden Behauptungen ist eine Präsentation des Netzwerkausrüsters Ericsson, aus der sich Jakob Grafiken herauskopiert hat. Das Original der Präsentation hält der Ex-Elektriker bis heute unter Verschluss. Doch ein jetzt bei der ITU entdecktes Original zeigt: Jakob hat die Grafiken aus dem Zusammenhang gerissen und präsentiert sie auf seiner Website völlig falsch.

Das IZgMF-Forum hat den technischen Blödsinn, den Jakob unermüdlich über 5G verbreitet, von Anfang an in diesem Strang kommentiert. Ausgenommen von der Kritik blieben bislang die Grafiken des Netzwerkausrüsters Ericsson, die Jakob eigenen Angaben zufolge "Verkaufsunterlagen" der schwedischen Firma entnommen haben will. Eine Prüfung war nicht möglich, denn der greise Ex-Elektriker stellt seine Quelle weder ins Netz, noch gibt er einen Link zur Quelle preis.

Doch heute stieß ich zufällig auf eine Präsentation, die der Ericsson-Mitarbeiter Christer Törnevik am 5. Dezember 2017 anlässlich eines ITU-Arbeitstreffens in Warschau zeigte. In dieser Präsentation sind nahezu alle Grafiken enthalten, derer sich Jakob für seine Alarmmeldungen bedient. Darüber hinaus zeigt die Präsentation erhellende kurze Begleittexte zu den Grafiken, die der Gigaherz-Präsident wohlweislich verschweigt. Denn diese Begleittexte machen deutlich, wie dreist Jakob seine Leser für dumm verkauft. Absicht möchte ich ihm nicht unterstellen, dazu versteht der Ex-Elektriker viel zu wenig von Nachrichtentechnik, er glaubt den technischen Blödsinn, den er aus fremden Quellen herausdestilliert und anderen vorträgt, mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst.

Jakobs Meisterstück in 5G-Desinformation lieferte er am 25. Juli 2018 mit seinem Beitrag ab:

Dringende Warnung vor 5G

In diesem Machwerk verwurstet er am häufigsten die Grafiken, die er zuvor aus einem Ericsson-Papier abgegriffen hat. Auch der bald 100-Jährige Prof. Karl Hecht, der nicht aus dem Fenster stieg und verschwand, sondern anlässlich seines 95. Geburtstags ein ziemlich wirres Pamphlet verfasste, fand für sein Papier Gefallen an den Grafiken von Ericsson (siehe Seiten 73 und 74). Da auch Hecht die Originalquelle nicht finden konnte, bediente er sich kurzerhand heimlich bei Gigaherz-Jakob, nennt jedoch Ericsson als Quelle. Unpassenden Text in einer der Grafiken pinselte der greise Professor und Bildmopser mit Tipp-Ex mehr schlecht als recht weg.

Jakobs oben verlinkten Beitrag muss man zur Vorbereitung nicht lesen, es genügt schon, sich die Grafiken kurz anzuschauen. So geübt kann man sich jetzt Törneviks Original-Präsentation zuwenden:

Impact of EMF limits on 5G networkroll-out

Die bescheidene Kunst Jakobs Desinformation zu erkennen besteht nun darin, Törneviks Begleittexte zu einer Grafik mit dem Geschreibsel zu vergleichen, das Jakob sich zur gleichen Grafik auf seiner Website abgerungen hat. Manches wird fachliche Laien ins Schwitzen bringen, anderes dürfte auch für sie auf Anhieb klar sein.

Zur Orientierung ein kleiner Wegweiser. Dieser nennt zu Jakobs geklauten Grafiken (bei ihm heißen sie "Folien") die passende Seite in Törneviks Präsentation:

Jakob-Folie 1 ► nicht enthalten
Jakob-Folie 2 ► Seite 4
Jakob-Folie 3 ► Seite 7
Jakob-Folie 4 ► Seite 8 (abweichende Werte)
Jakob-Folie 5 ► Seite 3

Jetzt möge bitte jeder selbst vergleichen, was der echte Experte Törnevik an Begleitinformationen liefert, und was der selbsternannte Experte Jakob in die Grafiken hineingedichtet hat.

Beispiel: Jakob benutzt Folie 2, um mit den erkennbar sehr großen Sicherheitsabständen irrationale Ängste gegenüber 5G zu schüren. Törnevik zeigt die gleiche Grafik auf Seite 4 und fügt in der Fußzeile hinzu: Very large exclusion zone due to unrealistic power (sehr großer Sicherheitsabstand wegen unrealistisch großer Sendeleistung). Päng!

Für Jakob besonders peinlich: Auf Seite 3 seiner Präsentation zeigt Törnevik die technischen Daten einer 5G-Kleinzellenantenne im 28-GHz-Band. Diese 60 cm x 30 cm x 9 cm große Antenne enthält 512 Antennendipole. Gemäß Jakobs grundfalschem Verständnis einer solchen adaptiven Antenne gehen von ihr ebenso viele (512) Strahlenkeulen aus, die erbarmungslos auf die Bevölkerung eindreschen. Doch weit gefehlt. Die 512 Antennendipole formen lediglich acht steuerbare Strahlenkeulen (für mindestens*) acht Teilnehmer), die sich horizontal um maximal ±60 Grad schwenken lassen, vertikal um maximal ±15 Grad. Päng!

Forumteilnehmer "Kuddel" hat mit diesem Posting schon vor einem Jahr versucht, Jakob von seiner falschen Interpretation der Strahlenkeulen adaptiver Antennen (auch Massive Mimo genannt) abzubringen. Vergeblich, Jakob beharrt bis heute auf seinem Fehler. Jetzt widerlegt ihn Christer Törnevik von Ericsson, also von der Firma, deren Grafiken Jakob so eifrig verwendet und falsch deutet. Wird der Gigaherz-Präsident seinen Fehler nun endlich einräumen? Selbstverständlich nicht! Der Altersstarrsinn des Ex-Elektrikers lässt diese Einsicht nicht mehr zu. So wird er weiter seinen Stuss überall dort verbreiten, wo noch weniger Wissen über nachrichtentechnische Details vorzufinden ist, als bei ihm selbst. Das muss man in einem Rechtsstaat wohl aushalten. Bis der liebe Gott ein Einsehen hat und den Sünder zum Rapport einbestellt :-).

Hintergrund
5G-Antennentechnik kompetent erklärt

*) Nachtrag vom 26.11.2020: Wird das Zeitmultiplexverfahren (TDMA) eingesetzt, können auch mit nur acht Beams deutlich mehr als acht Teilnehmer am Zellenrand versorgt werden. Sind keine oder nur wenige Teilnehmer am Zellenrand zu versorgen, können die "freien", der 512 Elementarantennen, zu erheblich mehr als acht Beams (dann aber mit geringerer Reichweite) zusammen geschaltet werden, um (mit TDMA) hunderte Teilnehmer zu versorgen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Jakob, Desinformation, Hecht, Autodidakt, Elektriker, 5G, Nachrichtentechniker, Adaptive Antennen, Törnevik

5G-Antennen: Warum strenge Grenzwerte zum Problem werden

H. Lamarr @, München, Sonntag, 25.04.2021, 23:01 (vor 48 Tagen) @ H. Lamarr

Jakobs Meisterstück in 5G-Desinformation lieferte er am 25. Juli 2018 mit seinem Beitrag ab:

Dringende Warnung vor 5G
[...]
Jakobs oben verlinkten Beitrag muss man zur Vorbereitung nicht lesen, es genügt schon, sich die Grafiken kurz anzuschauen. So geübt kann man sich jetzt Törneviks Original-Präsentation zuwenden:

Impact of EMF limits on 5G networkroll-out

Törnevik verfasste 2017 die oben verlinkte Präsentation. Auf den Seiten 7 bis 9 zeigt er thematisch zusammenhängende Grafiken, mit denen er für einen 5G-Funkmasten auf dem Flachdach eines Hochhauses zeigen möchte, wie sich die Sicherheitsabstände (Exclusion Zone) verändern, wenn nicht die Icnirp-Grenzwerte gelten, sondern 10-mal und 100-mal strengere Grenzwerte (bezogen auf Leistungsdichte). Simple Logik sagt einem: Je strenger die Grenzwerte, desto größer müssen die Sicherheitsabstände zu den Antennen werden.

Der Funkmast trägt drei 3,5-GHz-Sektorantennen und eine 28-GHz-Kleinzellenrichtantenne (Ericsson AIR 5121), die mit 512 Elementarantennen acht Beams erzeugen kann (siehe Seite 3 von Törneviks Präsentation).

Als Referenzszenario zeigt Törnevik auf Seite 7 die Situation, wenn der geltende Icnirp-Grenzwert 10 W/m² zum Tragen kommt. Einen Screenshot dieser Seite habe ich mir erspart, wichtig ist nur zu wissen, die Referenz-Grafik zeigt grün-gelb eingefärbt die horizontale und vertikale Verbotszone für Menschen mit den Antennen im Zentrum.

Ein Betrieb des Funkmasten auf dem Dach ist mit dem Icnirp-Grenzwert zulässig, der horizontale Sicherheitsabstand ragt nur wenig über das Flachdach hinaus und der vertikale Sicherheitsabstand ist klein genug, so dass das oberste Stockwerk nicht in diesen hineinragt.

Noch alles klar? Gut, dann weiter ...

Der folgende Screenshot von Seite 8 zeigt die Situation, wenn nicht der Icnirp-Grenzwert gilt, sondern der 10-mal strengere Werte 1 W/m².

Bild 1: Verbotszone um einen 5G-Sendemast, wenn der Grenzwert 1 W/m² beträgt

[image]

Die Verbotszone für Menschen ist hier blau eingefärbt und ersichtlich in vertikaler Richtung so groß, dass die oberen Stockwerte des Hochhauses in sie hinein ragen. Törneviks Kommentar zu diesem Szenario: "Size of exclusion zone makes 5G network roll-out very challenging".

Wer genau hinschaut erkennt im Zentrum der großen blauen Verbotszone zum Vergleich die kleine gelb-grüne Verbotszone, die mit dem Icnirp-Grenzwert 10 W/m² gelten würde. Der Unterschied ist erheblich.

Noch viel größer ist der Unterschied wenn anstelle des Icnirp-Grenzwerts nur 0,1 W/m² zulässig sind (entspricht Anlagegrenzwert in der Schweiz) wie folgender Screenshot zeigt:

Bild 2: Verbotszone um einen 5G-Sendemast, wenn der Grenzwert 0,1 W/m² beträgt

[image]

Törneviks Kommentar hierzu bedarf keiner weiteren Erklärung: "Size of exclusion zonemakes 5G network roll-out a major problem or impossible".

So weit, so gut

Und hier nun, wie Gigaherz-Jakob obiges Bild 2 fröhlich uminterpretiert ...

[image]

Jakobs Text zu dem Bild ignoriert komplett, was Törnevik zum Ausdruck bringen wollte. Stattdessen schwelgt der Ex-Elektriker in unsinnigen oder belanglosen Angaben:

[...] Zeigt den selben 28GHz-Rundstrahler für weitere Distanzen in einer blauen Zone. Abnehmend von 60V/m bis auf 6V/m.
In 20m werden es noch 30V/m und in 40m noch 15V/m und in 80m noch 7.5V/m sein. Der Schweizer Anlage-Grenzwert von 6V/m für Frequenzen >1.8GHz wird erst bei einer Distanz von 115m eingehalten. Das E-feld wird dort eine Höhe von 70m aufweisen. Das heisst die Höhe eines 24-stöckigen Hochhauses.

Den 28-GHz-Rundstrahler :-), der mit 250 Keulen ringsum auf arglose Eidgenossen eindrischt, ist ein Produkt von Jakobs Fantasie. Nicht grundfalsch jedoch völlig überflüssig sind seine Feldstärkeangaben innerhalb der Verbotszone. Was Jakob hingegen nicht beachtet hat ist Törneviks Hinweis, dass sich seine Grafiken nicht auf die theoretische Maximalleistung der Antennen beziehen, sondern auf die tatsächliche. Jakob verschenkt damit etliche Dezibel an Alarmlautstärke :-).

Gemäß Törnevik ist die tatsächliche Maximalleistung einer smarten 5G-Antenne kleiner als deren theoretische Maximalleistung, weil ...

► die gesamte Leistung nicht minutenlang in nur eine Richtung ausgestrahlt wird
► 100 Prozent Kapazitätsauslastung unwahrscheinlich sind
► Zeitmultiplex die Befeldungsdauer verkürzt

Statistische Betrachtungen hätten ergeben, die tatsächliche Maximalleistung einer smarten 5G-Antenne erreiche etwa 25 Prozent von deren theoretischer Maximalleistung. Die theoretische Maximalleistung (und damit theoretische Maximalimmission) wird erreicht, wenn sich die Maximalleistung einer Antenne in einem einzigen Beam konzentriert.

Wenn ich mich recht entsinne, rechnet Jakob stets (falsch) mit der theoretischen Maximalleistung, die er sich aus den Standortdatenblättern beschafft.

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