Auch das noch: "Mikrowellen töten leise" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 29.11.2018, 20:24 (vor 381 Tagen)

Mit 77 Jahren will Wulf-Dietrich Rose, der Teppichhändler unter den Mobilfunkgegnern, noch einmal Kasse machen und googelte sich sein jüngstes Buch Mikrowellen töten leise zusammen. Die Vorschau des Inhalts bei Amazon macht deutlich, dass dieses Buch besser nur mit Schutzhandschuhen angefasst wird, denn Rose setzt die Tradition pseudowissenschaftlicher Mobilfunkgegner auf bekannte Weise und daher ermüdend fort, etwa mit unbelegten Behauptungen und hinkenden Vergleichen. Zum Dessert reicht Rose anekdotische Erlebnisgeschichten und von Wolfgang Maes hat er die Unart abgekupfert, der eigenen Inkompetenz durch Vortragen von Zitaten kompetenter oder auch nur vermeintlich kompetenter Wissenschaftler ein bisschen von deren Glanz zu verleihen. Mein Fazit nach der Vorschau: Das Buch ist überflüssig wie ein Kropf. Wer Zugang zum Internet hat bekommt gratis ungleich mehr zum Thema geboten, als ich beim Lesen der Vorschau von Roses Werk aushalten musste.

Warum er noch einmal in die Tasten haute erklärt Rose mit der schweren Heimsuchung durch ein "einschneidendes Erlebnis":

Als ich mich wie fast an jedem Morgen an meinen nach allen Erkenntnissen der Elektrosmog-Forschung eingerichteten Computer-Arbeitsplatz setzte, spielte mein Herz verrückt. Ich ging auf die Terrasse und als es mir nach einer viertel Stunde wieder besser ging, zurück an meinen Computer. Und weder machte mich nach wenigen Minuten ein völlig aus dem Rhythmus geratener Herzschlag ratlos. So etwas hatte ich bisher nur einmal erlebt; und zwar anlässlich von Messungen der Mikrowellenstrahlung in einer Großküche. Dort war die Tür eines Mikrowellenherdes stark verschmutzt und dadurch undicht.

Nun holte ich mein Messgerät und stellte schnell fest, dass mein Router - den es ohne WLAN-Funktion nicht mehr gibt - hart gepulste Funksignale aussendete, obwohl diese Funktion bei der Installation des Routers extra abgeschaltet wurde; sonst hätte ich diesen Router nicht installieren lassen. Des Rätsels Lösung: die Telefongesellschaft hatte ein Update für alle Router vorgenommen und dabei wurde bei sämtlichen Geräten die drahtlose Funktion wieder eingeschaltet. [...]

Soso, das Einschalten der "drahtlosen Funktion" seines Routers durch den Provider hat Rose also wieder zum Buchautor gemacht. Naja. Alle Router, die ich kenne, zeigen mit einer LED ihrem Besitzer gut sichtbar an, ob W-Lan aktiviert ist oder nicht. Nur hingucken muss man noch selber. Aber gut, Gruselgeschichten gehören bei Rose seit Jahrzehnten zum Geschäft, da wollen wir dem alten Herren mal nicht mit schnöden Sachargumenten den Spaß verderben.

Achso, beinahe hätte ich es vergessen: Selbstredend hat auch das Rose-Buch schon seine ersten zwei 5-Sterne-Rezensionen bei Amazon eingeheimst, darunter eine von der fleißigen "Sabry". Die kennen wir ja schon als Sternspenderin für ähnlichen Schund aus der Riege der nebenerwerblich tätigen Märchentanten und -onkels aus dem Speckgürtel der Anti-Mobilfunk-Szene.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geschäftsmodell, Buch, Elektrochonder, Kommerz, Rose

Ihre Mikrowelle will Sie töten

Gast, Mittwoch, 12.12.2018, 08:57 (vor 369 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug: Wem nützt die Verschwörung?

Heilung versprechen, Geschäfte machen, rechtes Gedankengut verbreiten: Über die Gefahren von Esoterik haben die mittelhessischen Skeptiker aufgeklärt. Und so manche Debatte mit neuem Sprengstoff versehen.

Nazis haben eine unterirdische Antarktis-Basis in Neuschwabenland. NSA und CIA wollen uns mit Chemikalien aus Flugzeugen vergiften. Impfstoffhersteller sind verantwortlich für Autismus. Verschwörungstheorien gibt es viele und sie reichen von naheliegend bis vollkommen absurd, von harmlos bis hochgefährlich.

Die Skeptiker – eine lose Gruppe von Menschen, die Glaubensgrundsätze und Dogmen hinterfragen – haben am Dienstagabend in Wetzlars Alter Aula einen Blick auf eine kleine Zahl von Verschwörungen geworfen und gezeigt, dass oftmals mehr dahinter steckt, als eine blühende Fantasie. ...

... Wie seine Kollegen auch, nahm er sich seiner Sache durchaus amüsant an. Sein Vortrag war von Dreien sicherlich der am wissenschaftlichsten fundierte – gerade weil sich Dinge wie Magnetfelder und Stromstärken messen lassen. Der Betreiber eines Blogs, in dem er Alltagsmythen zu Themen wie eben Elektrosmog, Glyphosat und vielem mehr mittels der aktuellen Studienlage auf ihren Wahrheitsgehalt abklopft, dürfte so manchen Zuschauer beruhigt haben – vereinfacht gesagt: Der Fön gibt mehr Strahlung ab als die Mikrowelle, das Handy schadet nur, wenn man es ununterbrochen im Dauerbetrieb ans Ohr hält, und das WLAN-Signal wird durch die menschliche Haut so gut abgeschirmt, dass es nichts ins Körperinnere strahlt.

Eine Strahlung aber, sagte er, schade wirklich: sichtbares Licht. Und dann präsentierte er augenzwinkernd eine erschreckende Rechnung, nach der allein in Deutschland pro Monat 30 Milliarden Insekten erschöpft unter Straßenlaternen und vor pittoresk angestrahlten Kirchen und Denkmälern verenden.

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