Schweden: EMF-Forschungsbericht 2018 erschienen (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 15.05.2018, 15:31 (vor 552 Tagen)

Turnusmäßig alle zwei Jahre gibt die schwedische Strahlenschutzbehörde Strålsäkerhetsmyndigheten (SSM) eine Übersicht und Bewertung des jüngsten Forschungsstandes über elektromagnetische Felder heraus. Der aktuelle Report (PDF, 124 Seiten, englisch), es ist der zwölfte, deckt den Veröffentlichungszeitraum wissenschaftlicher Studien von Oktober 2015 bis März 2017 ab.

Erwartungsgemäß wurden auch diesmal keine neuen gesundheitlichen Risiken identifiziert. Der Frage, ob Mobilfunk Hirntumoren verursacht oder nicht, widmeten sich im Beobachtungszeitraum vor allem Studien, die dem zeitlichen Trend von Hirntumorstatistiken gelten. Die Analyse dieser Studien ergab kein einheitliches Bild, mehrheitlich wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen Tumoren und EMF-Einwirkung erkannt. Einige Zell- und Tierstudien weisen – auch bei niedrigen Expositionspegeln – auf oxidativen Stress hin. Unklar ist jedoch, was dieser Befund für die Gesundheit von Menschen bedeutet. Auffällig aus Sicht der Reviewer sind einige Studien, die im Vergleich zu anderen Störgrößen einen stärkeren Zusammenhang zwischen Gedächtnisleistungen und der Einwirkung von Funkwellen gefunden haben.

Bemerkenswert ist am Ende des Reports die lange Liste von Studien, die aus unterschiedlichen dort genannten Gründen (mangelhafte Qualität, fehlende Angaben) von der Bewertung ausgenommen wurden. Von den 175 potentiell relevanten Studien im Beobachtungszeitraum (2015 – 2017) flogen 83 schon in der ersten Bewertungsrunde raus, 38 weitere folgten nach eingehender Prüfung. Unterm Strich flossen so nur 54 der ursprünglich 175 Studien in die Bewertung ein. Diese strenge Siebung unterscheidet die kompetente Studienbewertung substanziell von den dilettantischen und selektiven Studienbewertungen des Vereins Diagnose-Funk.

Diagnose-Funk macht um das Personal, das für diesen Verein Studien bewertet, ein Geheimnis. Vermutlich deshalb, weil eine Offenlegung Interessenkonflikte zeigen und Zweifel an der fachlichen Kompetenz des Personals stützen würden. Ganz anders bei dem SSM-Report aus Schweden. Dieser macht rückhaltlos transparent, wer inhaltlich für die Bewertung der Studien verantwortlich ist:

Prof Heidi Danker-Hopfe, Charité – University Medicine, Berlin, Germany
Prof Clemens Dasenbrock, Fraunhofer Institute for Toxicology and Experimental Medicine, Hannover, Germany
Dr Emilie van Deventer, World Health Organization, Geneva, Switzerland (observer)
Dr Anke Huss, University of Utrecht, the Netherlands
Dr Lars Klaeboe, Norwegian Cancer Society, Oslo, Norway
Dr Leif Moberg, Sweden (chair)
Dr Eric van Rongen, Health Council of the Netherlands, The Hague, The Netherlands
Prof Martin Röösli, Swiss Tropical and Public Health Institute, Basel, Switzerland
Dr Maria Rosaria Scarfi, National Research Council, Naples, Italy
Mr Lars Mjönes, B.Sc., Sweden (scientific secretary)

Hintergrund
Leitfaden für die Beurteilung von Studienergebnissen
Mobilfunkstudien: Bewertung der Ergebnisse durch Laien
Die wichtigsten Fachbegriffe biologischer Mobilfunkstudien

[Admin: Link zum Report hinzugefügt am 16.05.2018]

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Analyse, Schweden, Hirntumor, Rezension, van Rongen, Röösli, Studienbewertung, Huss, EMF-Forschungsbericht, Danker-Hopf, Deventer, Scarfi

Nicht relevante Epidemiologische Studien

KlaKla, Mittwoch, 16.05.2018, 08:47 (vor 551 Tagen) @ H. Lamarr

Epidemiologische Studien
In einem ersten Schritt wurden alle Artikel, die für diesen Bericht nicht relevant waren, verworfen, d.h.

  • A) Papiere, die nicht-ionisierende elektromagnetische Felder (d. h. statisch, extrem niederfrequent, intermediär) nicht untersucht haben Frequenz oder Hochfrequenz EMF), oder
  • B) hat kein Gesundheitsergebnis (einschließlich Briefe, Kommentare usw.) untersucht, oder
  • C) untersuchten in keiner Weise den Zusammenhang zwischen Radiofrequenzfeldern und einem gesundheitlichen Ergebnis (z. B. Verwendung von Text Nachrichten für das Selbstmanagement von Diabetes).
  • D) Studien zur Verwendung von EMF als therapeutische Interventionen (z. B. Diathermie),
  • E) Fallberichte wurden ebenfalls ausgeschlossen.
  • F) Weiterhin wurden Studien, die keine Menschen beinhalteten, ausgeschlossen, ebenso wie Studien von Menschen mit einem Experiment Design (diese Studien sind unter "Human Studies" enthalten).
  • G) Keine begutachtete Publikation oder in einer anderen Sprache als Englisch veröffentlicht,
  • H) Studien, die außerhalb des Zeitrahmens dieses Berichts veröffentlicht wurden (Online-Veröffentlichungsdatum).

In einem zweiten Schritt wurden die folgenden Ausschlusskriterien angewendet, nachdem die Abstracts und die vollständigen gescreent worden waren Text:

  • I) Studiengrundlage nicht identifiziert (z. B. Selbstauswahl von Probanden in Querschnitts-oder Fall-Kontroll-Studien, die Bevölkerung zur Aufnahme bestimmt nicht beschrieben)
  • J) Keine Vergleichsgruppe oder keine Exposition berücksichtigt (entweder keine nicht exponierte Gruppe oder fehlender Nenner für Prävalenz- / Inzidenzberechnung in der deskriptiven oder Inzidenzstudie), mit Ausnahme von Inzidenztrendstudien aus Registern, die eine systematische Datenerhebung anwenden.
  • K) Erfahrungsberichte
  • L) Doppelte Berichte, sofern keine neuen zusätzlichen Analysen vorgelegt werden (einschließlich der ersten Originalveröffentlichung und Informationen aus doppelten Berichten, wenn neue zusätzliche Ergebnisse präsentiert wurden)
  • M) Adressierung ausschließlich Expositionsbewertungsmethoden, die sich als ungültig erwiesen haben, wie zum Beispiel Selbsteinschätzung Entfernung zu Mobilfunk-Basisstationen.

A) Zhang et al. (2016b)

B) Carpenter (2015) The microwave syndrome or electro-hypersensitivity: historical background. Rev Environ Health, 30, 217-22.

Carpenter and Belpomme (2015) Idiopathic environmental intolerance. Rev Environ Health, 30, 207.

Redmayne and Johansson (2015) Exacerbation of demyelinating syndrome after exposure to wireless modem with public hotspot. Electromagn Biol Med, 35, 393-7.

Johansson (2015) Electrohypersensitivity: a functional impairment due to an inaccessible environment. Rev Environ Health, 30,311-21.

Freudenstein, et al. (2015) Exposure Knowledge and Perception of Wireless Communication Technologies. Int J Environ Res Public Health, 12, 14177-91.

Belyaev et al. (2016) EUROPAEM EMF Guideline 2016 for the prevention, diagnosis and treatment of EMF-related health problems and illnesses. Rev Environ Health, 31, 363-97.

Hardell et al. (2016) Radiofrequency radiation at Stockholm Central Railway Station in Sweden and some medical aspects on public exposure to RF fields. Int J Oncol, 49,1315-1324

Lloyd Morgan et al. (2016) Has the incidence of brain cancer risen in Australia since the introduction of mobile phones 29 years ago? Cancer Epidemiol, 44, 112-113.

D) Wang et al. (2016a) Effects of electromagnetic fields on osteoporosis: A systematic literature review. Electromagn Biol Med, 35, 384-90.

Zhu et al. (2016) Effects of electromagnetic fields from mobile phones on depression and anxiety after titanium mesh cranioplasty among patients with traumatic brain injury. Brain Inj, 30, 66-73.

E) Johansson and Redmayne (2016) Exacerbation of demyelinating syndrome after exposure to wireless modem with public hotspot. Electromagn Biol Med, 35, 393-7.

H) Wang et al. (2016c) Effects of electromagnetic fields on serum lipids in workers of a power plant. Environ Sci Pollut Res Int, 23, 2495-504.

K) Havas (2017) When theory and observation collide: Can non-ionizing radiation cause cancer? Environ Pollut, 221, 501-505.

PALL (2016) Microwave frequency electromagnetic fields (EMFs) produce widespread neuropsychiatric effects including depression. J Chem Neuroanat, 75, 43-51.

Nachträgliche Ergänzung am 17.05.2018

--
Meine Meinungsäußerung

Tags:
Hardell, Johansson, Studien, Havas, Probanden, Belyaev, Belpomme, Carpenter, Faktencheck, Pall, EMF:Data, Electrohypersensitivity

Alarm schlagen mit ausrangierten Studie

KlaKla, Samstag, 19.05.2018, 08:20 (vor 548 Tagen) @ H. Lamarr

Diagnose-Funk Experten (Hensinger und Wilke) schlagen Alarm, u.a. mit folgenden Studie

Yuksel M*, Naziroglu M, Ozkaya MO. Türkei
Langzeit-Exposition bei elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen und Wi-Fi-Geräten erniedrigt die Gehalte an Prolaktin, Progesteron und Östrogen im Plasma, aber erhöht den oxidativen Stress im Uterus bei trächtigen Ratten und ihren Nachkommen.
Yuksel M | 2016 | Long-term exposure to electromagnetic radiation from mobile phones and Wi-Fi devices decreases plasma prolactin, progesterone, and estrogen levels but increases uterine oxidative stress in pregnant rats and their offspring. | Endocrine 2016; 52 (2): 352-362 | doi:10.1007/s12020-015-0795-3

Anerkannte Experten weisen jedoch darauf hin, Unklares experimentelles Design, keine Scheinbefeldung.
Seite 101

Taheri M*, Mortazavi SMJ, Moradi M, Mansouri S, Nouri F, Mortazavi SAR, Bahmanzadegan F. Iran
Klebsiella pneumonia, ein Mikroorganismus, der die nicht-linearen Reaktionen auf Antibiotika und die Fenster-Theorie nach einer Exposition bei Wi-Fi 2,4 GHz elektromagnetischer Hochfrequenz-Strahlung bestätigt.
Taheri M | 2015 | Klebsiella pneumonia, a microorganism that approves the non-linear responses to antibiotics and window theory after exposure to Wi-Fi 2.4 GHz electromagnetic radiofrequency radiation. | J Biomed Phys Eng 2015; 5 (3): 115-120 | doi:

Studie fließt nicht in die Wertung ein, wird der Gruppe M zugeordnet.
M) Adressierung ausschließlich Expositionsbewertungsmethoden, die sich als ungültig erwiesen haben, wie zum Beispiel Selbsteinschätzung Entfernung zu Mobilfunk-Basisstationen

--
Meine Meinungsäußerung

Tags:
Diagnose-Funk, Hensinger, Wilke, Studienrecherche, EMF:Data

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum