Frankreich erlässt Smartphoneverbot an Schulen (Allgemein)

KlaKla, Donnerstag, 14.12.2017, 11:12 (vor 1412 Tagen)

Auszug SZ 14.12.2017

In Frankreich sollen Smartphones aus der Schule verbannt werden. Ein Fehler, denn ein sinnvoller Umgang mit den Geräten muss im Unterricht vorgelebt werden.

Kommentar von Dirk von Gehlen

Das Smartphone ist nicht das Problem. Das Problem ist unser Umgang damit. Auf diese einfache Formel lässt sich die Kritik an den Plänen bringen, von denen der Guardian dieser Tage aus Paris berichtet: Der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer plant ein Handyverbot an den Grund- und Mittelschulen des Landes. Schülerinnen und Schüler von sechs bis 15 Jahren solle es ab September 2018 grundsätzlich untersagt sein, Mobiltelefone im schulischen Umfeld in die Hand zu nehmen - auch nicht während der Pausen.

... Blanquers Ansatz basiert auf einem auch in Deutschland populären Irrtum, die Ursache für Probleme im Umgang mit den Handys in den Geräten zu suchen. Schnell wird das Smartphone dabei als Suchtmittel beschrieben und mit Drogen verglichen. So wunderte sich in Deutschland niemand, dass eine Studie zur Handynutzung im Sommer nicht von der Bildungsministerin vorstellt wurde, sondern von der Drogenbeauftragten.

Mobiltelefone aber sind keine Drogen, die per se abhängig machen, sondern Werkzeuge, deren Handhabung die Gesellschaft in Deutschland wie in Frankreich noch nicht gelernt hat. Dies gelingt wiederum aber nur durch stetes Training. Dafür benötigt man Vorbilder, die zeigen und vorleben, wie man die Geräte sinnvoll einsetzt, wann man sie weglegt und welche Tricks man für einen sachgerechten Umgang kennen sollte. All das liefert die Drogenbeauftragte nicht - wie auch? Und die vorsichtigen Ansätze, die es zum Beispiel durch Projekte wie Digitale Helden gibt, werden durch Verbotspläne im Keim erstickt. Denn wenn die Geräte gar nicht mehr vorhanden sind, kann man den Umgang mit ihnen eben auch nicht mehr lernen...

Kein Smartphone unter zehn Jahren erklärt Psychologe Christian Montag

Und das hier für die Alarm News von Diagnose-Funk
Rückschritt ins Mittelalter: Frankreich verbietet Handys und Smartphones an Schulen

Nachtrag vom 27. August 2020: So heiß wie es vielerorts präsentiert wird, ist das Smartphone-Verbot in Frankreich nach Sichtung des Gesetzestextes gar nicht.

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Meine Meinungsäußerung

Frankreich erlässt Smartphoneverbot an Schulen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 14.12.2017, 12:49 (vor 1412 Tagen) @ KlaKla

In Frankreich sollen Smartphones aus der Schule verbannt werden.

Dieser Schnapsidee gebe ich eine Lebensdauer von fünf, höchstens zehn Jahren. Oder anders gesagt: Beim nächsten Regierungswechsel wird diese Fehlentscheidung mMn korrigiert.

Gewisse Nervensägen aus dem Schwäbischen werden hierzulande jetzt die große Nation landauf landab als Musterknaben der Digitalen Wende preisen :-|.

Gut, dass hierzulande das Schulwesen föderal organisiert ist, deshalb gibt es in Deutschland in nur einem einzigen Bundesland ein Handyverbot an Schulen, und selbst das bröselt schon beträchtlich.

Hintergrund
Handyverbot an Bayerns Schulen steht auf der Kippe

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Macron löst Wahlversprechen ein

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 14.12.2017, 22:02 (vor 1411 Tagen) @ KlaKla

In Frankreich sollen Smartphones aus der Schule verbannt werden.

Frankreichs Präsiden Macron hatte dieses Verbot von Mobiltelefonen an Schulen bereits in seinem Wahlprogramm vom 2. März 2017 versprochen. Die entsprechende Passage lautet:

Interdire les téléphones portables à l’école primaire et au collège

Nous interdirons l’usage des téléphones portables dans l’enceinte des écoles primaires et des collèges.

(Handyverbot an Grund- und Mittelschulen
Wir werden den Gebrauch von Mobiltelefonen an Grundschulen und Mittelschulen verbieten.)

Macron gewann am 7. Mai 2017 in einer Stichwahl das Rennen um die Präsidentschaft, Amtsantritt war am 14. Mai. 210 Tage später, am 10. Dezember 2017 löste Macron sein Wahlversprechen ein, Bildungsminister Jean-Michel Blanquer verkündete das für 2018 geplante Handyverbot.

Während des Unterrichts waren Handys in Frankreich schon zuvor verboten. Neu ist, dass auch in den Pausen das Handy (das mitgeführt werden darf) ausgeschaltet bleiben muss. Wie das durchgesetzt werden soll ist vielen Beobachtern ein Rätsel. Auch Elternverbände in Frankreich zweifeln am Erfolg der Maßnahme.

Kommentar
Mobilfunk ist der Spielplatz der Einzelkämpfer. Diesmal ist es ein Franzose, der, weil er Präsident wurde, ein Handyverbot an allen Grund- und Mittelschulen in Frankreich einführen kann. Sonst sind es ein oder zwei Wutbürger, denen ein geplanter Mobilfunk-Sendemast in ihrer Nähe ein Dorn im Auge ist und die alle Hebel in Bewegung setzten, um das Unterfangen zu Lasten anderer zu unterbinden. Üblicherweise wird das Problem in Gestalt einer flugs gegründeten Bürgerinitiative (BI) sozialisiert, der Gewinn aber ist von Anfang an privatisiert und fließt im Erfolgsfall hauptsächlich den Initiatoren der BI zu.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Wie Macron eine Münchenerin – schon wieder – glücklich macht

H. Lamarr @, München, Sonntag, 10.06.2018, 00:05 (vor 1234 Tagen) @ H. Lamarr

Macron gewann am 7. Mai 2017 in einer Stichwahl das Rennen um die Präsidentschaft, Amtsantritt war am 14. Mai. 210 Tage später, am 10. Dezember 2017 löste Macron sein Wahlversprechen ein, Bildungsminister Jean-Michel Blanquer verkündete das für 2018 geplante Handyverbot.

Mobilfunkgegner sind wirklich lustige Wesen. Da treiben sie im Dezember 2017 mit viel Helau und Alaf eine Sau durchs Dorf (eben das für 2018 geplante Smartphoneverbot an Frankreichs unteren Schulen) und wenn das angekündigte Verbot dann Gestalt annimmt, wird abermals eine Sau durchs Dorf gehetzt. Dass es sich nicht um zwei Sauen handelt, sondern um ein und dieselbe Sau zu unterschiedlichen Zeitpunkten – vergesslichen oder unachtsamen Mobilfunkgegnerinnen bleibt dieser banale Umstand schon mal verborgen.

Hintergrund
Zweite Medienwelle zu Frankreichs Smartphoneverbot an Schulen

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Smartphoneverbot an Schulen bislang ohne konkrete Begründung

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 21.12.2017, 19:50 (vor 1405 Tagen) @ KlaKla

Auszug SZ 14.12.2017

In Frankreich sollen Smartphones aus der Schule verbannt werden.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer scheint noch nicht so recht zu wissen, womit er das geplante Handyverbot an den unteren Schulen Frankreichs begründen möchte. Denn diesem Forenbeitrag zufolge, gab er im Juli, Oktober und Dezember jeweils andere Begründungen ab. "Strahlung" war indes (noch) nicht dabei. Auf der Suche nach einer offiziellen Begründung des geplanten Verbots ist mir aufgefallen, dass es diese gegenwärtig anscheinend noch nicht gibt. Auch die Website des Bildungsministeriums weiß dazu – nichts zu sagen. Seltsam, nach der Aufregung, die Blanquer am 10. Dezember 2017 mit seiner Ankündigung in einem Interview (RTL) auslöste, wäre eine nachgeschobene Presseerklärung mMn zu erwarten gewesen. Doch möglicherweise überschätze ich die Bedeutung des Handyverbots in Frankreich und dieses ist den Beamten im Ministerium bei weitem nicht so wichtig wie es mir aufgrund selektiver Wahrnehmung vorkommt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Frankreich: Smartphoneverbot an Schulen verabschiedet

Gast, Dienstag, 31.07.2018, 23:08 (vor 1182 Tagen) @ KlaKla

Das französische Parlament hat ein gesetzliches Handyverbot an Frankreichs Schulen beschlossen. Liberale und Abgeordnete der Regierungspartei La République en Marche stimmten in letzter Lesung in der Nationalversammlung für die Regelung, während Vertreter linker und konservativer Parteien sich enthielten.
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Die Initiative war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron. Die Opposition sieht darin eine Scheinlösung. weiter ...

Frankreich: Smartphones verboten, Handys erlaubt

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 01.08.2018, 12:44 (vor 1182 Tagen) @ Gast

Das französische Parlament hat ein gesetzliches Handyverbot an Frankreichs Schulen beschlossen.

An dem "Handyverbot" habe ich große Zweifel.

Leider sind die Medien ziemlich vage und widersprüchlich, was denn nun genau im Parlament der großen Nation beschlossen wurde. Die einen reden von Handyverbot, die anderen von Smartphoneverbot. Beide Begriffe haben jedoch unterschiedliche Bedeutung und sind nicht synonym verwendbar. Ein Handy ist zum Telefonieren da (kein Internet), ein Smartphone erlaubt beides, Telefonieren und Internetzugang. Was also haben die Parlamentarier der Franzosen nun beschlossen? Heise bringt, wenn auch nicht viel, Klarheit in die Begriffsverwirrung.

Das Gesetz sieht ein Komplettverbot internetfähiger Geräte wie Handys, Tablets und Smartwatches in allen Räumlichkeiten und bei schulischen Aktivitäten auch außerhalb des Schulgebäudes vor, ergänzt die Tagesschau. Ausnahmen gebe es aber für den Gebrauch für den Unterricht selbst sowie für Kinder mit einer Behinderung.

Da haben wir's: "Komplettverbot internetfähiger Geräte". Dass ein Handy eben gerade NICHT internetfähig ist, übersehen wir in der Meldung jetzt mal großzügig.

Sollte obige Darstellung zutreffen, sind in Frankreich Smartphones in den unteren Schulen verboten, Handys jedoch erlaubt. Um nicht ein weiteres Gerücht in die Welt zu setzen habe ich die französische Botschaft in Berlin um Klärung dieses Sachverhalts gebeten.

Der Blätterwald raschelt zwar kräftig wegen des Beschlusses in Frankreich, seltsamerweise berichtet jedoch kein Blatt, das ich mir angesehen habe, explizit darüber, was denn nun der Grund für die Internetsperre in den Schulen ist. Nur vage klingt an, dass es soziologische Gründe sind. Von einer Gesundheitsgefahr wegen Elektrosmog, wie es Mobilfunkgegner gerne hätten, redet niemand. Auch nicht in den ersten 20 von derzeit knapp 200 Kommentaren auf Spon, dort geht es ausschließlich um soziologische Aspekte.

Für die hiesigen vereinigten Mobilfunkgegner springt somit wenig bis nichts heraus, um mit dem Beschluss des französischen Parlaments Unruhe in der deutschen Bevölkerung zu stiften. Es sei denn, die Tatsachen werden von den Gegnern nach bewährtem Muster so verdreht, dass der Fehler im Kopf der Leser passiert. Schwierig ist das nicht, es genügt z.B. eine Alarmartikel über angebliche Gesundheitsrisiken von Mobiltelefonen augenrollend mit dem Hinweis zu beenden, Frankreich habe schon gehandelt und am 30. Juli 2018 ein Verbot der Geräte an Schulen erlassen. Wer dann nicht weiß, was der wahre Grund des Verbots ist, klebt wie die Fliege auf dem Leimstreifen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Französische Botschaft: Alle Mobiltefone in Schulen verboten

H. Lamarr @, München, Freitag, 17.08.2018, 13:59 (vor 1166 Tagen) @ H. Lamarr

Sollte obige Darstellung zutreffen, sind in Frankreich Smartphones in den unteren Schulen verboten, Handys jedoch erlaubt. Um nicht ein weiteres Gerücht in die Welt zu setzen habe ich die französische Botschaft in Berlin um Klärung dieses Sachverhalts gebeten.

Heute traf die Antwort der Botschaft ein, sie erteilt meiner differenzierenden Interpretation des Smartphoneverbots in französischen Schulen eine Absage. Von gesundheitsgefährdender "Strahlung" als Grund für das Verbot ist jedoch keine Rede. Die Presse- und Kommunikationsabteilung der Botschaft schreibt:

Ihre Interpretation ist nicht richtig. Tatsächlich sind alle Mobiltelefone von diesem Verbot betroffen, es geht allgemein darum, den Unterricht nicht zu stören und die Konzentration der Schüler zu fördern, egal ob sie durch SMS oder Facebooknachrichten abgelenkt sind. Ausserdem geht es natürlich um Prävention von Mobbing und missbräuchliche Nutzungen. Ausnahmen sind vorgesehen. Die Berichterstattung konzentriert sich auf die netzfähige Geräte, weil Schüler gemeinhin keine Seniorenhandys ohne Internet benutzen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Smartphoneverbot in FRA: Erste Erfolgsmeldung

Gast, Montag, 29.10.2018, 10:33 (vor 1093 Tagen) @ Gast

An Frankreichs Schulen sind Handys seit September verboten. Und das funktioniert erstaunlich gut. Die Schüler spielen wieder mehr, mobben weniger und sind konzentrierter.

Nach Jahren der Stille ist es auf dem Schulhof des südfranzösischen Collèges Paul Langevin wieder laut. Am Tag, als die Handys verboten wurden, fingen die Schülerinnen und Schüler wieder an, über den Hof zu rennen, Fangen zu spielen, lauthals zu quatschen. Und inzwischen, so erzählt es der Schulleiter Eric Clausen mit ernstem Erstaunen, spielten die Schüler sogar wieder Karten. "Wahnsinn. Das haben wir hier seit Jahren nicht mehr gesehen." weiter ...

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