Heuser et Heuser: EHS-Studie mit fMRI - Alarmstufe rot! (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 06.09.2017, 21:21 (vor 797 Tagen)

Frau Buchs meint bei Gigaherz, es sei eine "neue und sehr interessante EHS-Langzeitstudie erschienen". Wie sie auf Langzeitstudie kommt muss sie selbst erklären, ich kann dies in den verfügbaren Daten nicht erkennen. Die Details zu der Studie bei Gigaherz sind eher irreführend, ich empfehle daher gleich den Original-Abstract.

Da ich von fMRI keinen blassen Schimmer habe, kann ich inhaltlich über die Studie nichts sagen. Die Randbedingungen der Arbeit machen mich jedoch misstrauisch, ob die Begeisterung von Frau Buchs gerechtfertigt ist. Und die Recherche führte dann prompt sehr schnell zum erwarteten Ziel:

► Die Autoren sind Gunnar Heuser und Sylvia A. Heuser. Das ist eher selten, dass ein Ehepaar forscht und gemeinsam publiziert, doch bei den Lerchls ist dies immerhin einmal so gewesen.
► Eine Studie mit nur 10 EHS-Probanden ist statistisch von geringer Aussagekraft.
► Alle 10 EHS-Probanden hatten gleich oder ähnlich abnormale fMRI-Scans. Doch über Auswahlkriterien der Probanden, die das erklären könnten, gibt der Abstract keine Auskunft.
► Die von den Autoren berichtete Verbindung von EHS zu Kopfverletzungen der Probanden und Schimmel in deren Wohnung führt bei Baubiologen zu Schreien des Entzückens und der Erwartung praller Auftragsbücher.
► Bei PubMed ist die Autoreninformation zu den Heusers leer, es fehlt jegliche Angabe. Alarmstufe gelb.
► Das Magazin, in dem die Studie veröffentlicht wurde, ist das einschlägig bekannte "Reviews on Environmental Health", dort wurde z.B. auch die alarmistische EMF-Leitlinie unters Volk gebracht. Die Autoreninformationen lesen sich bombastisch (was bei diesem Magazin aber nichts zu bedeuten hat) und machen deutlich: Die Heusers sind aus dem Berufsleben ausgeschieden, sie sind Rentner. Alarmstufe gelb-rot.
► Gunnar Heuser schrieb 1998 das Vorwort für das MCS-Buch "The Dispossessed" (Die Enteigneten). Alarmstufe hellrot.
► Die Websuche nach "Gunnar Sylvia A. Heuser" führt zur geschäftlichen Website der beiden: EMF Doctor EHS (electromagnetic field doctor & electrohypersensitivity doctor). Unten auf der Seite wird deutlich, worum es dem Paar geht: Always Accepting New Patients - See our Scheduler or Call 310·500·0041. Alarmstufe rot! Danke, nein, wir haben Lebrecht von Klitzing hierzulande als EHS-Doktor und EHS-Diagnostiker, wir brauchen nicht auch noch Geschäftemacher aus USA, selbst wenn diese sich mit einer hübschen Kargo-Kult-Studie wärmstens empfehlen.

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Game over, Wissenschaft, Studie, Elektrosmog-Report, Probanden, Cargo-Kult, Heuser, Junk

EHS-Studie mit fMRI - Alarmstufe rot! (II)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 06.09.2017, 23:13 (vor 797 Tagen) @ H. Lamarr

Noch ein paar nette Detail:

- In der Literaturliste von Heuser et Heuser fehlt die Studie von Ulrich Frick, die zu ähnlichen Resultaten kam, und deren Autoren doch gänzlich andere Schlüsse daraus zogen.
- Eine Kontrollgruppe hat es bei Heuser et Heuser offenbar nicht gegeben.
- Die "Artikelinformationen" (in deutsch!) ganz unten auf dieser Seite machen klar: Die Probanden sind Heusers Privatpatienten! Und die armen Teufel haben dafür auch noch bezahlen müssen. Dennoch verkündet Heuser, es gäbe keinen Interessenkonflikt. Da bleibt einem doch die Spucke weg, wie frech der Herr "EHS-Doktor" die Wahrheit verbiegt.

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Heuser et Heuser: EHS-Studie mit fMRI - Alarmstufe rot!

Dr. Ratto, Donnerstag, 07.09.2017, 09:09 (vor 796 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Dr. Ratto, Donnerstag, 07.09.2017, 09:38

Wie sie auf Langzeitstudie kommt..

Sie kann "long term exposure" nicht übersetzen.

Da ich von fMRI keinen blassen Schimmer habe,

fMRI = functional magnetic resonance imaging, funktionelle Magnetresonanztomographie. Klassische MRT zeigt die innere Anatomie des Gehirns, man kann sehen ob sich dort Verletzungen, Tumore oder Entwicklungsstörungen befinden. Funktionelle MRT gibt die Untersuchung der Funktion dazu, in diesem Fall den Sauerstoffgehalt bzw. den Sauerstoffverbrauch. Man kann schauen wie aktiv bestimmte Hirnareale sind. An den Stellen wo viel Sauerstoff verbraucht wird ist das Gehirn besonders aktiv. Wie das aussehen soll und welche Areale für was zuständig sind ist aus der Forschung weitestgehend bekannt. Ein Arzt kann beurteilen ob alles in Ordnung ist oder ein Problem vorliegt.

Das ist eher selten, dass ein Ehepaar forscht und gemeinsam publiziert,

Gar nicht:
Wiltschkos
Von Helversens
Haugs
Außerdem kommt es bei den jüngeren Paaren oft vor dass sie nicht heiraten oder ihre Namen behalten. Es ist dann auch einfacher an derselben Uni eine Stelle zu bekommen.

Alle 10 EHS-Probanden hatten gleich oder ähnlich abnormale fMRI-Scans.

Es ist positiv zu werten wenn Pateinten mit ähnlichen Symptomen auch ähnliche physiologische Veränderungen aufweisen. Dann kommt man der Ursache näher. Vorausgesetzt die Ergebnisse sind richtig.

Das Magazin, in dem die Studie veröffentlicht wurde,

Chef Editor ist David O. Carpenter. Dazu muss man gar nichts mehr sagen.

Grundsätzlich stützt die Studie Fricks Ergebnisse. In den Köpfen von EHS stimmt was nicht und es hat eine physiologische Grundlage. Es sollte aber nicht ursächlich mit Feldern verknüpft werden. Was mich wundert ist, dass obwohl offensichtlich Patienten und die Heusers an einen ursächlichen Zusammenhang glauben die Betroffenen im MR untersucht wurden. Die Felder (statische, niederfrequente und hochfrequente) die dort auftreten sind wesentlich stärker als alles womit man im normalen Leben konfrontiert wird, von Magnetschwebebahn bis Handy. Die Patienten haben das aber offensichtlich gut überstanden.

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Heuser et Heuser: EHS-Studie mit fMRI - Alarmstufe rot!

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 07.09.2017, 22:52 (vor 796 Tagen) @ Dr. Ratto

Wie sie auf Langzeitstudie kommt..

Sie kann "long term exposure" nicht übersetzen.

Auch an anderer Stelle hat sie Probleme, die wahrscheinlich auf ihre Betroffenheit zurückzuführen sind (Wahrnehmungsverzerrung). Sie übersetzt ...

... We hoped that we could document objective abnormalities in these patients who had often been labeled as psychiatric cases. ...

frei nach Buchs mit: "Die Forsc, her kommen zum Schluss, dass fMRI-Scans eingesetzt werden können, um EHS objektiv zu diagnostizieren oder auszuschliessen.Sie sind auch der Auffassung, dass damit in Zukunft die Stigmatisierung von EHS als Psychiatriefall verhindert werden könne."

Tatsächlich steht dort aber (sinngemäß) ganz was anderes: "Wir hofften, wir könnten objektiv krankhafte Veränderungen im Hirn dieser Patienten dokumentieren, die häufig als psychiatrische Fälle gehandelt wurden." Den Dachschaden (Abnormalitäten) lässt Frau Buchs diskret weg und die von ihr geschilderte "Auffassung" der Heusers hat sie frei erfunden.

Nicht neu aber mal wieder erwähnenswert: Fremdsprachenübersetzungen durch Mobilfunkgegner sind nur mit größter Vorsicht zu verwenden.

Das ist eher selten, dass ein Ehepaar forscht und gemeinsam publiziert,

Gar nicht:
Wiltschkos
Von Helversens
Haugs

Gar nicht? Okay, das sind jetzt inklusive der Lerchls vier Paare, für mich, mit Verlaub, noch immer eher selten.

Alle 10 EHS-Probanden hatten gleich oder ähnlich abnormale fMRI-Scans.

Es ist positiv zu werten wenn Pateinten mit ähnlichen Symptomen auch ähnliche physiologische Veränderungen aufweisen. Dann kommt man der Ursache näher. Vorausgesetzt die Ergebnisse sind richtig.

Und vorausgesetzt, die Heusers haben nicht heimlich 1001 EHS getestet, um die 10 wunschgemäß reagierenden Probanden für ihre Studie zusammen zu bekommen.

Das Magazin, in dem die Studie veröffentlicht wurde,

Chef Editor ist David O. Carpenter. Dazu muss man gar nichts mehr sagen.

Der gute David ist 80 und kann offenbar nicht aufhören, um sich um die Rosen zu kümmern. Vielleicht hat er daheim einen Hausdrachen sitzen, dem er möglichst oft aus dem Weg gehen möchte.

Grundsätzlich stützt die Studie Fricks Ergebnisse. In den Köpfen von EHS stimmt was nicht und es hat eine physiologische Grundlage. Es sollte aber nicht ursächlich mit Feldern verknüpft werden. Was mich wundert ist, dass obwohl offensichtlich Patienten und die Heusers an einen ursächlichen Zusammenhang glauben die Betroffenen im MR untersucht wurden. Die Felder (statische, niederfrequente und hochfrequente) die dort auftreten sind wesentlich stärker als alles womit man im normalen Leben konfrontiert wird, von Magnetschwebebahn bis Handy. Die Patienten haben das aber offensichtlich gut überstanden.

Es gibt Kondensatoren, die sich bei einem Spannungsüberschlag selbst reparieren (selbstheilende Kondensatoren). Die Heuser-Studie ist mMn eine selbstwiderlegende Studie, die bei zehn selbstdiagnostizierten EHS-Probanden objektiv einen Dachschaden belegt, zugleich mit der Exposition aber auch belegt, dass die Probanden eben keine EHS sein können. Die Mixbefeldung entspricht überdies einer alte Forderung von Elektrosensiblen, die als Testversager eine Ausrede brauchten, und sich von der üblichen Single-Source-Provokation mit z.B. GSM900-Signalen nicht hinreichend realitätsnah befeldet sahen.

Frau Buchs reagiert eigenen Angaben zufolge auf allerlei magnetisierbare Materialen wie Baustahl in Mauern, Federkernmatratzen oder metallische Bettfüße. Die statische Exposition durch diese "Magneten" dürfte bei einigen Zentimetern Abstand deutlich unter 1 µT Flussdichte liegen. Die Probanden in USA mussten in dem Tomographen ganz andere Flussdichten aushalten: 3 Tesla sind 3000 mT oder 3000000 µT oder 3000000000 nT. Leider sucht Frau Buchs den Fehler nicht bei sich, sondern immer bei anderen, dadurch hat sie sich gegen alle Einwände perfekt immunisiert. Aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu erzählen ...

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Prof. Beatrice Alexandra Golomb zitiert Heuser², 2017

H. Lamarr @, München, Samstag, 09.09.2017, 12:36 (vor 794 Tagen) @ H. Lamarr

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Immerhin wurden Heuser et Heuser bereits 1-mal zitiert, nicht in einer anderen Studie, sondern von Prof. Beatrice Alexandra Golomb (nicht: Gollum), Uni Kaliformien San Diego School of Medicine, in einem 24-seitigen Alarmbrief (inkl. 360 Literaturquellen) an die Menschheit. Was es mit der jugendlich wirkenden Frau Golomb auf sich hat, kann man mit Tante Google erforschen. Ähnlich wie Lesczcynski und Hardell hatte auch Golomb keine Scheu, bei einer Veranstaltung organisierter kommerziell interessierter Mobilfunkgegner aufzutreten. Das ist für mich schon ein grenzwertiger Kratzer im Lack. Die Frau listet in ihrem Literaturverzeichnis auf was ihr wichtig erschien, von Adlkofer bis Lerchl und von Belpomme bis Lulli. Dass sie die Reflex-Studie mit drin hat (Diem et al., 2005) gibt Punktabzüge, dass sie Magda Havas nicht mit drin hat, bringt Punkte. Alles in allem halte ich den Brandbrief von Golomb jedoch für lau begründetes Gezeter, das einer seriösen Wissenschaftlerin unwürdig ist. Den Leuten eine viele Seiten lange Literaturliste um die Ohren zu hauen soll wohl überragende Kompetenz signalisieren. Ich halte diese Auswahl für a) einseitig zugunsten von Belastungsstudien und b) hinfällig, denn wenn ich etwas wissen will, zeigt mir das EMF-Portal nicht manipulativ nur eine Seite der Medaille, wie Golomb und Diagnose-Funk dies machen, sondern beide Seiten.

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Golomb

Vorsicht bei Heuser und Heuser

KlaKla, Freitag, 10.11.2017, 08:36 (vor 732 Tagen) @ H. Lamarr

► Die Autoren sind Gunnar Heuser und Sylvia A. Heuser. Das ist eher selten, dass ein Ehepaar forscht und gemeinsam publiziert, doch bei den Lerchls ist dies immerhin einmal so gewesen.

Nun scheint auch der Elektrosmog-Report Heuser und Heuser entdeckt zu haben.

PuBMed Sept. 2017 Functional brain MRI in patients complaining of electrohypersensitivity after long term exposure to electromagnetic fields.

Nicht zu verwechseln mit Nobert Heuser Youtube-Kanal Stein-Zeit TV. Selbstverständlich gibt es zu Norbert Heuser auch einen Psiram Eintrag. Und wie man dem Video entnehmen kann, wirbt er für Ivo Sasek. Alles im fluss.

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